Gute Selbstsorge als Unternehmensfokus

Thesen:

  • „Gute Selbstsorge“ ist das Gegenteil von Egoismus, obwohl er leicht mit ihm verwechselt werden kann.
  • Um so besser man Selbstsorge praktiziert, um so mehr erweitert sie sich um die gute Sorge für Bedürfnisse, deren Erfülltheit einen in guten Kontakt mit anderen Menschen bringen. – Auch im Business.
  • Ein großer Mehrwert von „Guter Selbstsorge“ als einziger Fokus im Unternehmen besteht darin, dass sie INNENORIENTIERUNG (= Wahrnehmen eigener Bedürfnisse) unmittelbar mit HANDLUNGSORIENTIERUNG vereint. – Fast alle anderen möglichen Fokusse vereinseitigen dagegen entweder in Richtung einseitiger Außenorientierung (Handeln ohne innere Haltung) oder in Richtung einseitiger Handlungsvermeidung (Gewahrwerden ohne Handlungsimpuls).
  • Ab einer gewissen Intensität der Auseinandersetzung mit „Guter Selbstsorge“ entsteht der Eindruck, dass es gar nicht möglich ist, „gut für sich selbst zu sorgen“ OHNE eine unternehmerische Haltung einzunehmen. – Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zu der Annahme, dass alles echte Unternehmertum „in guter Selbstsorge“ besteht: Durch gute Selbstsorge zustande kommt und sich durch gute Selbstsorge erhält.
  • Da gute Selbstsorge die konflikt-triggernde Dichotomie „Egoismus/Altruismus“ vollkommen auflöst zugunsten der innovations-triggernden Frage „Was sind meine/Deine-Bedürfnisse in der Situation, die uns gerade verbindet?“, können wir auch auf diesem Wege feststellen, dass es kein „Nicht-Soziales Unternehmertum“ gibt. – Jedes Unternehmen ist ein „soziales Unternehmen“. – Diejenigen Gebilde, die wir wirklich als „asozial“ empfinden, sind gar keine Unternehmen, sondern tarnen sich nur als solche. In Wirklichkeit sind sie etwas ganz anderes. – Hier ein paar Vorschläge, wie wir sie sehen können:

1.) Als Business-Bordelle

2.) Als aktiv gelebter Nihilismus

3.) Als seelenlose Geldvermehrungs-Zombies, die auch uns zu Zombies machen.

4.) Als desorganisierte Räuberbanden

Wir haben also die Wahl…


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Unser Bedürfnis nach Identität unseres Unternehmens

Wir wollen unser Unternehmen noch morgen wieder erkennen können. – Und das, obwohl „nichts so beständig ist wie der Wandel“. Und das, obwohl gerade in der Unternehmenswelt „Stillstand der Tod ist“ (btw: ist das übrigens irgendwo anders anders?).

Worin also soll überhaupt unser Unternehmen „auch morgen noch sich selbst gleichen“?

Was ist dieses reichlich rätselhaft-esoterische Ding namens „Die Substanz unseres Unternehmens“?

Sind es die gleichbleibenden Eigner/Investoren?

Sind es die gleichbleibenden Geschäftsfelder?

Die gleichbleibenden Produkte?

Die gleichbleibenden Gebäude gar?

Die gleichbleibende Belegschaft?

Die gleichbleibende oder steigende Eigenkapitalquote?

Hm.

Man sieht: Irgendwie kommt man auf jedem dieser Wege zu Problemen, zu Antworten, bei denen zumindest ich mir unmittelbar denke: „Also das kann es irgendwie nicht sein…“

Muss man die philosophisch anmutende Frage nach der „Unternehmensidentität“ angesichts der on first sight Undefinierbarkeit also einfach aufgeben, weil sie unproduktiv ist, weil sie zu nichts führt?

Ich glaube: Nein.

Was mich bei und zu dieser Frage inspiriert, sind die Vorschläge von Marie Miyashiro, für die „Identität“ das erste und vielleicht wichtigste aller sogenannten „Unternehmensbedürfnisse“ ist:

Universelle Bedürfnisse, die wir als Menschen haben, sobald wir unsere Ressourcen, unsere Fähigkeiten, unsere Zeit, unser Geld, unsere Aufmerksamkeit einem Unternehmen zur Verfügung stellen und eine Beziehung, eine innere Bindung zu ihm eingehen wollen…

(Also etwas, wovon uns englischsprachige Menschen sonst dringend abraten; hier noch ein weiteres schönes Beispiel dafür…).

Wenn ich Marie nicht völlig falsch verstehe, versteht sie „Unternehmens-Identität“ ganz anders als in allen Vorschlägen, die ich oben aufgelistet habe. Sie versteht darunter so etwas wie:

  • Was uns wirklich wichtig ist, in der Art und Weise wie wir hier gemeinsam „Business machen“
  • Was uns so wichtig ist, dass wir sogar auf wirtschaftliche Vorteile verzichten würden, wenn wir dafür DAS weiterhin gemeinsam realisieren können.
  • Unsere inneren Gründe, aus denen wir uns heraus weigern, bestimmte Dinge zu tun, selbst dann, wenn Kunden sie nachfragen und rein zahlenorientierte Investoren uns bedrängen, sie zu tun.
  • Wie wir einfach hier „sind“. – Noch vor allen Maßnahmen, Aktivitäten und Entscheidungen. – Was wir aber permanent reaktualisieren durch unser WIE und WAS wir tun und entscheiden.

So gesehen ist leicht einzusehen, dass viele sogenannte „Unternehmen“ aktuell gar keine „Identität“ haben. – Sie haben nichts Innerliches, keine Substanz, aus der heraus sie handeln würden und auf ihre Kunden oder Investoren zugehen.

Solche Gebilde könnte man recht treffend mit folgendem Bild beschreiben, einem Bild, das auch der unvergleichliche Gebhard Borck in seinem „Affenmärchen“ verwendet:

Ziemlich heruntergekommene Business-Bordelle, von denen man so ziemlich alles bekommen kann, wenn man ihnen dafür Geld verspricht. – Alles außer Liebe natürlich; bei jenen sogenannten „Liebesdiensten“, die diese Art von Bordellen ihren Kunden anbieten. – Selbstverständlich machen alle „Mitarbeiter“, die sich in solchen Unternehmens-Etablissements anstellen lassen, dadurch selbst zu Prostituierten. Prostituierte, die für Geld eben genau all die Dinge tun, die gerade für Geld verlangt werden…

Dieses innerlich Abgehalfterte und Sich-permanent-selbst-Entwürdigende kann übrigens sehr gut einhergehen mit äußerem Glanz und Gloria: Mit weichen Kissen und prachtvollem Aufgetakeltsein. Aber darüber muss man ja eigentlich nicht groß reden. Den meisten Menschen ist das intuitiv oder aus eigenem Erleben klar…

Noch vor der Würde, die solchen sogenannten Unternehmen fehlt, fehlt ihnen überhaupt das „Wir“, die die oben aufgelisteten Konkretisierungen einer Unternehmensidentität überhaupt erst sinnvoll macht.

Allerdings beißt sich hier die Schlange in den Schwanz: Um ein „Wir“ im Unternehmen auszubilden, ist die kollektive und permanente operative Bezugnahme auf die eigene Identität selbst ein wichtiger Schritt. – Es handelt sich also mehr um eine „Gleichzeitigkeit“ als um eine „Methode“ oder eine „Ursache-Wirkungs-Geschichte“.

Wenn ein Wir da ist, gibt es auch eine Idenität. – Wenn eine Unternehmens-Idenität operativ eine tragende Rolle für unser Handeln und Entscheiden spielt, dann gibt es auch ein Wir im Unternehmen.

Erst dann machen Formulierungen in der Unternehmenskommunikation Sinn, die darauf abzielen, Dinge zu tun, „weil es für das Unternehmen gut ist“ (Die Filme „Augenhöhe“ und „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ sind voller Beispiele, wo solche Kommunikation ganz natürlich geschieht; wie man sehen kann, wenn man sich diese Filme mit der „Unternehmensidentitäts-Brille“ anschaut…).

Vorher sind solche Formulierungen nichts als leicht durchschaubare Schachzüge zur Absicherung und Verschleierung sehr individueller Interessen, um für sich eben einen größeren Vorteil herauszuschlagen aus dem Gesamtkuchen…

…und weil es das eben auch auch gibt, wird die Kommunikation über „Unternehmensidentität“ von Menschen, die in Bordellen arbeiten, sehr misstrauisch beäugt…

Sie können nicht glauben, dass es irgendwo da draußen Unternehmen gibt, in denen über das „Wir“ und „die eigenen Werte“ nicht deswegen gesprochen wird, um dahinter um so üblere Absichten und Praktiken zu verbergen, sondern weil „die das wirklich so meinen“ und weil da draußen einige Menschen wirklich gut mit sich, mit ihrem Unternehmen, miteinander und mit ihren Kunden und Investoren verbunden sind…

Es ist schlicht zu schmerzhaft anzunehmen, dass es da draußen „die Business-Liebe“ gibt, während man sich hier, wo man ist, täglich neu entschließt, sich zu prostituieren.

Diejenige Prostitution, die wir im Business all zu oft betreiben, wird dann als das spürbar, was wir am allerallerliebsten verdrängen:

Als freiwillige Prositution. – Wir spüren in jenem stechenden Schmerz über „gute Unternehmen da draußen“, dass wir diese Prostitution, unsere persönliche Business-Prostitution höchst freiwillig betreiben.

Und wir spüren dann sehr unmittelbar, dass wir uns immer wieder neu etwas vormachen, wenn wir uns sagen, dass wir uns in diese Selbst-Prostitution „aus Not“ oder „Notwendigkeit“ begeben…

Das schnelle Geld hat eben seinen Preis. – Und wenn wir diesen Preis wirklich bereit sind zu zahlen, dann haben wir auch gar kein Problem. Dann sind wir jene viel-mystifzierten „glücklichen Business-Prostituierten“. Wir werden reich und haben Spaß dabei. – Was für ein Leben!

Wenn wir uns aber innerlich verschmutzt fühlen und gar nicht so viel duschen können, wie wir müssten, um „dieses verfluchte Unternehmen“ von unserer Haut zu kriegen, dann ist es wahrscheinlich wohl eher Zeit für unseren ganz persönlichen Ausstieg aus unserer Selbst-Prostitution…


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Ohne Verletzlichkeit geht es nicht

Wenn wir unsere eigene Verletzlichkeit umarmen, wandeln sich die Dinge für uns…

Vieles, was wir tun, tun wir, um unserer Verletzlichkeit auszuweichen, um nicht mehr zu fühlen, um nicht mehr angreifbar zu sein, um nicht enttäuscht werden zu können, um das Leben mit seiner Fülle aus unserem Leben auszusperren…

…auch vieles, was wir in unseren Unternehmen tun, und was sehr vernünftig, ernst und professionell daherkommt, tun wir in Wirklichkeit, um unserer Verletzlichkeit auszukommen. Um NICHT MEHR unternehmerisch sein zu müssen. Den Unternehmertum ist Ins-Risiko-Gehen. Und das heißt immer auch: Ins Risiko, mit der eigenen Verletzlichkeit konfrontiert zu werden.

Keine schönen Aussichten, die unser Unternehmertum uns da zu bieten scheint…

…vor ein paar Tagen habe ich mal wieder mit einer Coachee gemeinsam den TEDTalk von Brené Brown angehört. Ich weiß nicht, woran es lag (wenn ich tippen müsste: es lag an meiner Coachee), aber bei diesem gemeinsamen Ansehen hat er mich noch mehr berührt als die vielen Male zuvor. Auch Brené Browns eigene Verletztlichkeit, hinter ihrer Show, war für mich viel deutlicher spürbarer als zuvor.

Förster & Kreuz schlagen in einem ihrer jüngsten Blogbeiträge einen ähnlichen Ton an. – „Verletzlichkeit ist etwas Gutes!“ rufen sie uns zu.

Sie weisen uns auch darauf hin, dass, wenn wir uns mal wieder alt und müde fühlen in und mit unserem Unterenehmen, es etwas damit zu tun haben könnte, dass wir uns jetzt schon länger nicht mehr aus unserem schützenden Panzer herausgetraut haben…

…“Jugendlichkeit“, Lebendigkeit und Neugier sind eben auch sehr verletzliche Zustände. Will man die nicht haben (ein Wunsch, den glaube ich jeder Mensch recht gut nachvollziehen kann), dann zahlt man dafür eben einen Preis.

Die Entscheidung, WELCHEN Preis wir FÜR WAS zu zahlen bereit sind, liegt – wie immer – bei uns…

Verletzlichkeit ist damit auch eine Wahl. Etwas für oder gegen das wir uns täglich neu entscheiden.

Will man das von einer individuellen Ebene („ein jeder sorge für sich selbst und für jeden ist gesorgt!“) in seinem Unternehmen auf eine kollektive Ebene heben („wie sorgen wir dafür, dass jeder gut für sich sorgen kann?“), dann könnte man sich z.B. auch einmal das hier anschauen…


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Die Genialität der Annahme von Unternehmensbedürfnissen

Die Unternehmensbegleiterin Marie Miyashiro hat vor ein paar Jahren einen aus meiner Sicht wirklich genialen Kniff entwickelt:

Sie schreibt Menschen, die in Unternehmen zusammen arbeiten, „universale Unternehmensbedürfnisse“ zu, die die aus der Rosenberg-Schule bekannten „universalen menschlichen Bedürfnisse“ ergänzen.

„Bedürfnisse“ in diesem spezifischen Verständnis sind nichts, was man dauerhaft ignorieren kann, ohne schaden zu nehmen. Sie haben eine ganz eigene „Tiefe“ und sind niemals „falsch“. Und sie sind auch nicht „unersättlich“, auch wenn einem das mit einem chronisch unbefriedigten Bedürfnis oft so vorkommt.

Das zentrale Problem, um das die Rosenberg-Schule mit ihrer „liegenden Acht“ (Schleife aus eigener Aufrichtigkeit und Empathie für andere) kreist, ist…

…unsere ständige Verwechslung von Strategien mit Bedürfnissen!

Strategien sind Verhaltensweisen, mit denen wir versuchen, uns bestimmte Bedürfnisse zu erfüllen. – Keine einzige Strategie geht jedoch aus einem Bedürfnis zwingend hervor. Man kann also z.B. nicht eine Strategie aus einem Bedürfnis „logisch ableiten“…

In unserem Alltag übertragen wir allerdings recht häufig den „Lösungsdruck“ unserer Bedürfnisse auf bestimmte Strategien, die wir als vielversprechend ansehen oder die wir einfach nur gewohnt sind.

Wenn wir austauschbare Strategien mit der Wucht unserer Bedürfnisse füllen und sie genauso absolut setzten, wie es unsere Bedürfnisse sind, DANN kommt es zu unlösbaren Konflikten: In uns selbst und mit anderen Menschen.

Auflösung von Konflikten geschieht daher – mit oder ohne bewusste Bezugnahme auf Rosenberg – IMMER, indem wir uns darauf besinnen, was wir EIGENTLICH gerade wollen (= unser Bedürfnis) und uns von diesem Bewusstsein aus für ANDERE Strategien öffnen als nur für die, die uns direkt in einen inneren oder äußeren Konflikt mit anderen Menschen hineinführen.

Die bewusste Wahrnehmung unserer Bedürfnisebene im Rosenberg-Sinne ist daher der absolute Bringer bei:

1.) Konfliktlösungen

2.) Innovationen – Die wir so auch neu interpretieren können als: „Neue Strategien zur Bedürfnisbefriedigung, die sich strukturell daraus entwickeln, dass wir uns dessen bewusst werden, dass unsere alte Strategien diejenigen Bedürfnisse, die gerade da sind, nicht gleichzeitig befriedigen können.“

Die gleichen Prinzipien überträgt Miyashiro mit ihren „Unternehmensbedürfnissen“ auf das unternehmerische Miteinander.

Hier, mehr noch als in allen anderen Bereichen des menschlichen Lebens, kommt es ständig zu jenen Verwechslungen von Bedürfnissen und Strategien.

Indem sie ein Bedürfnisbewusstsein im Unternehmen wecken und dauerhaft wach halten, ermöglichen Miyashiro’s Annahmen und auch ihre konkreten Haltungen und Werkzeuge, dass viele unproduktiven Reibungen und Energieverluste in Unternehmen, an die wir uns als „unvermeidlich“ gewöhnt haben, dauerhaft aus unseren Unternehmen verschwinden.

Die Fokussierung der Unternehmensbedürfnisse macht es uns leichter, unproduktive und nicht funktionierende Strategien loszulassen. – Wir verstehen dann unmittelbar, warum wir das tun. Weil wir besser verstehen, worum es uns eigentlich geht. – Im Grunde handelt es sich bei der Rede von „Unternehmensbedürfnissen“ um eine systematisierte Form dessen, was in Unternehmen bei allen größeren und schmerzhaften „Change“-Versuchen geraten wird:

Dass man sich den Sinn dessen erklären muss, was man da gerade tut. – Im Sinne von „Wer ein Warum hat, der erträgt auch jedes Wie“.

Bedürfnisse sind das, was für uns Sinn macht. – Ohne Bedürfnisbewusstsein macht für uns vieles einfach keinen Sinn. – Und daher scheitern auch Change-Versuche ohne Bedürfnisbewusstsein in Unternehmen mit schöner Regelmäßigkeit. – Sie kommen dann nämlich nicht „aus der Tiefe“, sondern „aus dem abgetrennten Kopf, der sich heute dies morgen jenes als gut für seinen Körper erklärt, zu dem er längst keine Verbindung mehr hat„. Kraft hat Change genau dann, wenn er weiß, warum er tut, was er tut. Wenn er weiß, was er EIGENTLICH erreichen will. Wenn er mit den Bedürfnissen verbunden ist, von denen her die unterschiedlichen Strategien ihren Sinn gewinnen.

Miyashiro’s Konzept ist daher auch so etwas wie ein „auf Dauer gestellter wipe-out“ dysfunktionaler Strategien in Unternehmen: Wir können viel mehr loslassen, weil wir anderes mit viel mehr Kraft verfolgen können. Wir sind innerlich in Verbindung mit dem, worauf es uns ankommt.

Und das erfordert unsere Aktivität. Eine Aktivität, die die Annahme von Unternehmensbedürfnissen in für uns sinnvolle Bahnen lenkt:

Wir besinnen uns mit ihrer Hilfe immer wieder neu auf’s Wesentliche und sind nicht unschlüssig und verwirrt darüber, was für uns eigentlich „das Wesentliche“ ist in unserem Unternehmen (Diese Verwirrung ist der Dauer- und Normalzustand in ausschließlich zahlenorientiert wirtschaftenden Unternehmen).

Rückblickend werden dadurch viele unserer bisherigen Strategien in Unternehmen als „Kompensations-Strategien“ sichtbar:

Als Strategien, denen wir NUR deswegen anhängen, weil wir uns mit der Unbefriedigtheit verschiedener Bedürfnisse abzufinden versucht hatten, was uns Probleme erzeugte, für die wir wiederum Ausfall-Strategien entwickeln mussten, um unseren unbefriedigenden Zustand im Unternehmen für uns aushaltbar zu machen und operativ handlungsfähig zu bleiben.

Den unproduktiven Aufwand, den Kompensationsstrategien erzeugen, kann man durch den Aufwand einer bedürfnisbewussten Kommunikation im Unternehmen komplett einsparen.

Wie man sehen kann, machen das auch nahezu alle produktiven Unternehmen so. – Selbst dann, wenn sie nichts von Miyashiro und Rosenberg wissen…


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Die Unmittelbarkeit eines einfahrenden Zuges

Nein, ich meine grade nicht die Technik und ihre von uns erzeugte Wucht.

Ich meine den Anblick der Menschenmengen, die aus einem Zug (oder ähnlichem) aussteigen, und den unmittelbaren Eindruck, den so viele Menschen in mir erzeugen können, so viele Menschen, die alle entschieden in die gleiche Richtung eines Bahnsteigs streben….

DAS hat eine beeindruckende Wucht, die die mechanische Wucht eines Zuges für mich bei Weitem in den Schatten stellt.

Obwohl offensichtlich vereinzelt und unverbunden (eben innerlich NICHT dem gleichen Ziel zustrebend), ist diese rein „äußerliche“ Einigkeit in der Richtung etwas, das eine Wirkung hat.

Wir müssen hier nicht unbedingt über „Masse und Macht“ sprechen.

Denn noch viel beeindruckender ist – zumindest für mich, wie ich heute beim Warten am Münchner Hauptbahnhof feststellen durfte – die „Vielfalt in der Einheit“ jener Menschen, die da in die gleiche Richtung dahinströmen…

SO VIELE Menschen. Alle mit eigener Geschichte, eigenen Bedürfnissen, eigenen Möglichkeiten, eigenen Ressourcen, eigenen Zielen, eigenen Arten zu gehen, eigenen Haltungen, Gedanken, Gefühlen…

WAS FÜR EIN ÜBERFLUSS!

Es macht mich traurig und wütend zugleich, wenn ich daran denke, wie häufig wir (und das heißt sehr ausdrücklich: mich selbst eingeschlossen) aus unserer Aufmerksamkeit verlieren, über was für einen Überfluss wir verfügen. Dass wir ständig das Gefühl dafür verlieren, in was für einer FÜLLE wir eigentlich leben…

…und dass ich selbst einen einfahrenden Zug brauche, um das wieder in meinen Blick zu bekommen…


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Re-entry der Bedürfnisverbundenheit

Heute möchte ich hier über ein Thema schreiben, dass mir persönlich sehr unangenehm ist:
Unsere Fähigkeit zur Distanznahme. Unsere Fähigkeit, uns zu entkoppeln und diese Entkopplung durch bestimmte von uns gepflegte Gewohnheiten sogar weitgehend auf Dauer zu stellen.

Insbesondere unsere Fähigkeit zur Distanznahme von unseren Bedürfnissen und damit sowohl von unserer unmittelbaren Umwelt als auch unserer sozialen Welt. Mithin von unseren Mitmenschen und Mitunternehmern.

Kein anderes Lebewesen kann derart auf Distanz zur eigenen Unmittelbarkeit gehen. – Es ist eine von vielen „typisch menschlichen Besonderheiten“.

Fähigkeit zur Distanznahme ist die Voraussetzung für Philosophie, für Wissenschaft, für Kunst und auch für unsere heutigen Formen des Wirtschaftens, des Unternehmens…

V.a. Philosophen kennen sich damit recht gut aus: Zu allen mir bekannten Zeiten gab es Reflektionen darüber, dass „die Philosophie in sich eigentlich ziemlich uninteressant“ ist. So uninteressant, dass nur sehr wenige Menschen wirklich an ihr Geschmack finden. Menschen, die sich vor allem durch die Fähigkeit auszeichnen, „dass Worte für sie einen Geschmack haben“, dass Konzepte sie für sie so greifbar wie reale Gegenstände sind, ja im Grunde noch viel realer als das, „was man sehen, hören, schmecken, riechen und anfassen kann“.

Philosophen gehören damit – vielleicht neben diagnostizierten Autisten, Mathematikern, Theoretischen Physikern und einigen bestimmten Sorten von Programmierern – zu den von-sich-selbst-distanziertesten Menschen, die unsere Welt zu bieten hat.

Ach ja: Männer mit aktuell außergewöhnlich hohem Testosteron-Spiegel sollte man in dieser Aufzählung auch nicht vergessen…

Noch einmal: Diese Fähigkeit zur Selbst-Entkopplung ist vor allem anderen erst einmal: Eine Fähigkeit.

Eine sehr nützliche Fähigkeit, sowohl für den „Entkoppler“ selbst als auch für viele seiner Mitmenschen und Mitunternehmer. – Wir würden ganz sicher nicht in der „zivilisierten Welt“ leben, in der wir heute leben, würden wir über diese Fähigkeit nicht in dem Ausmaß verfügen, wie wir das faktisch tun.

Aber sie wirft auch ein Problem auf, das kein anderes Lebewesen in dem gleichen Ausmaß hat:

Das Problem, wie wir mit unseren Bedürfnissen wieder Kontakt aufnehmen und diesen Kontakt pflegen können, wenn wir das wollen.

Diese Frage nach dem „re-entry“ unserer Bedürfnisverbundenheit erhält für meinen Geschmack gerade in unseren Unternehmen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient hat.
Ja, es ist in vielen Unternehmen noch nicht einmal halbwegs bewusst, dass es da überhaupt „ein Problem“ gibt.

Aus diesem Grund werde ich mich nun zunächst „der Erzeugung jenes Problems“ zuwenden:

Wenn wir von unserer Fähigkeit zur Bedürfnisentkopplung in unseren Unternehmen exzessiv und gewohnheitsmäßig Gebrauch machen, sind wir nicht fähig, dauerhaft befriedigende Beziehungen zu stiften und zu erhalten.

„Nicht befriedigende Beziehungen“ bedeuten technisch ausgedrückt: Ich bin nicht in der Lage…

…Win-Win-Spiele zu spielen (worum es in der Ökonomie aber leider Gottes im Kern geht…)
…trade-offs zwischen verschiedenen Bedürfnissen aufzulösen oder überhaupt wahrzunehmen, dass wir gerade so einen trade-off vorliegen haben.

Wenn ich hier von „verschiedenen Bedürfnissen“ spreche, so trifft alles zu, was Sie sich hier vorstellen können. – Ich bekomme bei exzessivem und gewohnheitsmäßigem Gebrauch von Bedürfnis-Distanznahme:

• Trade-offs zwischen verschiedenen individuellen Bedürfnissen des gleichen Menschen (Mitunternehmer, Kunden, Investoren, Dienstleister, andere stakeholder des Unternehmens)
• Trade-offs zwischen verschiedenen individuellen Bedürfnissen verschiedener Menschen
• Trade-offs zwischen individuellen Bedürfnissen einzelner Menschen und Unternehmensbedürfnissen
• Trade-offs zwischen verschiedenen Unternehmensbedürfnissen

Während in habituell Bedürfnisorientierten Unternehmen „Konflikte zwischen Bedürfnissen“ als „Konflikte zwischen unterschiedlichen Strategien zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse“ rekonzeptionalisiert werden können (mit der Folge, dass genau solche Konflikte zu natürlichen MOTOREN von Innovationen werden!)…

…ist es in habituell Bedürfnisentkoppelten Unternehmen so, dass solche Konflikte, die ganz natürlich immer wieder und immer neu auftreten, unter den Teppich gekehrt werden und sich unaufgelöst im Kreis drehen. – Man kommt nicht weiter und verschiebt die Probleme bloß: In die Zukunft, in die andere Abteilung, in die nächste Strategie, die wie alle anderen zuvor natürlich auch wieder scheitern muss…

Das nur so als Skizze des Hintergrunds, warum ich überhaupt ein „Problem des re-entry’s“ von Bedürfnisverbundenheit in unseren Unternehmen sehe…

Zusammengefasst: Es ist Teil unseres Mensch-Seins, dass wir uns von unseren Bedürfnissen entkoppeln können. Es ist sogar Teil unseres Erwachsen-Seins (wir werden mit zunehmendem Alter in der Regel immer besser darin). Bedürfnis-Entkopplung ist in vieler Hinsicht nützlich, ja sogar notwendig.

Als Dauerzustand in unseren Unternehmen KIPPT aber die Bedürfnisentkopplung in ihr Gegenteil: Wir bekommen dann diejenigen kindischen Spielchen, die wir in unseren Unternehmen den lieben langen Tag soweit wir können verdrängen. Vor allem unsere eigene aktive Beteiligung an diesen „Spielen der Erwachsenen“ verdrängen wir dort gut und gerne.

Von daher stellt sich zumindest mir die Frage, wie Unternehmen ihren Grad an Bedürfnisverbundenheit bewusst pegeln können. Und das heißt immer: Was wir in unserer Rolle als Mitunernehmer tun oder lassen können, was es uns leichter macht, unseren Grad an Verbundenheit situationsgerecht verändern zu können. So wie wir es gerade brauchen. So wie es uns gerade gut tut. So wie es mithin gerade unserem gemeinsamen Unternehmen gut tut.

Die momentane Ausgangslage, die ich derzeit in den allermeisten Unternehmen zu sehen glaube, ist die eines „Nahe-Null-Levels“ an Bedürfnisverbundenheit.
Nur von dieser Ausgangslage her ist meine Frage die nach einer „Steigerung der Verbundenheit“.

Die eigentliche, tiefer liegende und situationsunabhängigere Frage, die mich bewegt, ist die, was wir in Unternehmen tun und lassen können „to more easily move up and down the scale“.

Ich glaube, dass es Situationen in Unternehmen gibt, wo es wirklich gut ist, die menschliche Möglichkeit zur Selbst-Entkopplung zu nutzen. Genauso wie es Situationen in Unternehmen gibt, wo es wirklich gut ist, die menschliche Möglichkeit zum „re-connect“ zu nutzen


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Der Nihilismus in unseren Unternehmen

„Nihilismus“ in Unternehmen ist leicht zu erkennen – Leider nur unser eigener Nihilismus…

Er ist immer genau dann gegeben, wenn das, was wir gerade tun, uns im Grunde herzlich egal ist. Wenn wir innerlich gleichgültig sind, „schmerzbefreit“, etc.

Äußerlich ist er weitaus weniger leicht zu erkennen…

…Nihilismus in Unternehmen kann z.B. erstaunlich „aktiv“ sein. Er kann Pläne fassen, Strategien beschließen, Projekte aufsetzen, Ergebnisse anstreben, ja, sogar diese Ergebnisse erreichen oder übertreffen.

Wann immer wir aber dabei „innerlich tot“ sind, wann immer uns nicht bewegt, was wir gerade bewegen, sind wir grade im „Nihilismus-Modus“ unterwegs.

Weil unser Nihilismus so wenig unmittelbar auf „Ergebnisse“ durchschlägt, dulden Unternehmen, dulden WIR diesen Nihilismus auch ohne Weiteres. – Sowohl bei anderen Mitunternehmern als auch bei uns selbst.

In dem, was ich hier auf ilwyc rauf und runter geißle als „rein zahlenorientiertes Herumgewirtschafte“ ist unternehmerischer Nihilismus das Medium, in dem die ganze Chose schwimmt und sich bewegt…

Innerlich völlig unverbunden mit dem, was man da gerade macht, innerlich völlig unverbunden mit sich, innerlich völlig unverbunden mit den Kunden, innerlich völlig unverbunden mit den anderen Mitunternehmern, innerlich völlig unverbunden mit den Investoren, innerlich völlig unverbunden mit den Dienstleistern, innerlich völlig unverbunden mit dem ganzen – vermeintlich – gemeinsamen Unternehmen…

„Nihilismus“ ist an aller erster Stelle ein Zustand, in dem wir selber sind oder nicht sind. – Und erst nachrangig ein „systemischer Effekt“ oder „eine nihilistische Unternehmenskultur“ oder ein „zynisches Management“.

Natürlich trifft zu, dass viele Unternehmen den „Nihilismus“ ihrer „Mitarbeiter“ triggern, weil sie von ihm zu profitieren glauben. – Und dass sie dadurch nihilistische Zustände ihrer Mitunternehmer verstärken und verlängern. – Weil sie die „Kosten nicht-nihilistischer Zustände“, also die Kosten einer „Nicht-innerlichen-Kündigung“ dramatisch erhöhen durch die Umwelt, die sie für viele Mitunternehmer darstellen…

Dennoch gibt es keine nicht-personalen Hebel, keine systemischen Werkzeuge mit denen man „Nihilismus im Unternehmen“ unwahrscheinlicher machen kann.

Grund: Die relevanteste Umwelt für uns als Menschen waren und sind noch immer: Andere Menschen und ihre inneren Zustände und die äußeren Handlungen, die aus ihnen zuverlässig und erwartbar hervorgehen…

Das heißt im Klartext: Wenn in unserem Unternehmen gerade „der Nihilismus überhand nimmt“, gibt es nur eine einzige Möglichkeit für uns, dass „im Außen“ zu ändern:

Indem wir uns selbst so selten wie möglich in nihilistischen Zuständen aufhalten.

Wir machen damit unserer unmittelbaren Umwelt (unseren Mitunternehmern) ein permanentes Angebot, selbst aus dem herauszugehen, wo sie grade sind. – Natürlich sind sie frei, dieses Angebot zu nutzen oder nicht. – Wir sind nicht „für ihre Zustände verantwortlich“ (soweit kommt’s noch!). – Aber „rein objektiv“, „rein statistisch“ steigt die Wahrscheinlichkeit dadurch beträchtlich, dass sich unsere Organisation in Richtung „mehr Verbundenheit“ bewegt…

Spannend ist nun, worauf wir bestehen müssen, wenn wir damit Ernst machen:

Wenn wir uns entschließen, uns zu unserem eigenen Wohl, zum Wohl unserer Mitunternehmer, zum Wohl unseres Unternehmens, zum Wohl der Kunden, der Investoren, der Dienstleister unseres Unternehmens, „möglichst selten in nihilistischen Zuständen aufzuhalten“, dann können wir viele Verhaltensweisen und Entscheidungen unserer Mitunternehmer nicht mehr auf die Arten und Weisen hinnehmen, wie wir das bislang praktiziert haben…

Es bleibt also nicht bei „einer reinen Innerlichkeit“ oder einem „stillen Entschluss“.

„Unternehmen“ ist Aktion. Ist Handeln. Ist Entscheiden. – Selbst noch im still halten oder im Pausen machen.

Daher werden wir ganz natürlich vom „praktizierten Nihilismus“ unserer Kollegen usw. berührt. Schmerzhaft berührt, wenn wir uns selbst dazu entschlossen haben, das bei uns selbst nicht mehr zu dulden…

WENN wir also wirklich entschlossen dabei bleiben wollen, unserem eigenen Nihilismus den Gar aus zu machen, werden wir ganz unausweichlich dazu getrieben, neue Strategien zu entwickeln, wenn wir auf den operativ-strategischen Nihilismus unserer Mitunternehmer treffen…

Wir können dann gegenüber der Gleichgültigkeit nicht mehr gleichgültig bleiben. – Wir werden „aus der Rolle fallen“. Wir werden „unprofessionell“ werden müssen…

Aber wir können das auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten tun:

Einer Art, durch die wir uns selbst schaden, isolieren und das Unternehmen dazu bringen, „sich gegen uns zu immunisieren“. Mit dem Ergebnis, dass wir „aus dem Unternehmenskörper“ herausgeschleust werden durch die diversen „weißen Blutkörperchen“, die ein Unternehmen so hat und die es auch haben MUSS, wenn es sich selbst erhalten will…

Wenn wir es AUF DIESE ART tun, ist unser Effekt gleich Null. Zumindest auf unsere Mitunternehmer und auf unser Unternehmen. Für uns selbst hat es dramatische Effekte. Aber wenig erfreuliche…

Aber es gibt eben auch eine andere Art, die geschickter, klüger, spannender und effektvoller ist: Wir können unseren jeweiligen Mitunternehmer bei dem packen, was für ihn TROTZ ALLEM NIHILISMUS immer noch Bedeutung hat.

Dazu muss man genau wahrnehmen. Die Unterschiede bei anderen Menschen sehen, spüren. Und den Mut haben, da hinein zu gehen, das zu nutzen.

In der GfK nennt man diesen Teil: „Das, was im Menschen gerade lebendig ist“.

Und in jedem Menschen, der noch „biologisch lebt“, ist noch irgendetwas lebendig. – Menschen, in denen innerlich nichts mehr lebt, sterben. – Man kann das oft bei Menschen wahrnehmen, die „sich nach langer Krankheit entschließen zu sterben“.

Wir wecken dieses Verschüttete oft schon durch unsere eigene Lebendigkeit. – Wenn wir auf sie bestehen, wenn wir sie uns nicht selbst nehmen, wenn wir uns nicht selbst Angst machen (in wirklich furchterregenden Situationen, von denen es in Unternehmen deutlich mehr gibt, als man sich eingestehen möchte; wenn man es sich eingestehen würde, könnten das am Ende noch die anderen mitkriegen…).

Aber eben nicht immer.

In manchen Situationen braucht es auch „die Offensive“. Die kluge Offensive. – Das aktive Kontaktaufnehmen, das Bündnis mit dem „Nicht-Nihilistischen im Anderen“.

Und dieses Bündnis findet man – wie könnte es beim „Nihilismus“ anders sein? – nahezu immer in der offenen und offensiven Negation:

Man spricht dem Anderen offen ab, dass etwas für ihn Bedeutung hat, das für ihn trotz allem offensichtlich immer noch Bedeutung hat. – Man erklärt dem anderen sehr direkt und glaubwürdig, das man sein offensichtliches Bedürfnis in diesem Moment und in Zukunft zu ignorieren beabsichtigt. – Man verschärft vorsätzlich den Nihilismus im Unternehmen. – Bis zu einem für den Anderen unerträglichen Grad.

Denn DANN beginnt das Leben in ihm sich von ganz alleine „zu wehren“…

Manchmal müssen wir zu dem hier werden, um dem Nihilismus in unseren Unternehmen, den wir uns unerträglich gemacht haben, auf Augenhöhe entgegenzutreten…

Und in der Folge erleben wir auch, wie viel „Lebendigkeit in Unternehmen“ wir selber wirklich haben wollen…

Wie lebendig wir noch sind.


An den werten Leser, die werte Leserin, die sich durch die Zeilen dieses Artikels bis hierhin durchgekämpft hat:

Ich freue mich, wenn Sie Lust haben und mir im unterhalb dieses Artikels angeschlossenen Kommentarfeld eine Rückmeldung geben, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm).

Genauso gern ohne wie mit Begründung. Begründungen können in die Richtung gehen: “Warum überhaupt mehr als 1?” Oder auch: “Warum unterhalb von 10 geblieben?”

Diese Ihre Bewertung dient meinem persönlichen Tracking der “wahren Wirkung” von ilwyc: Wenn Sie eine solche Bewertung abgeben, erfüllt mich das – wie auch immer sie ausfällt – mit Glück 🙂

Danke Ihnen dafür!

Re-connect!

Ein zentrales Problem unserer heutigen Zeit ist unsere Unverbundenheit. Unsere „Disconnection“. – Der olle Karl Marx hat das gleiche Phänomen mal „Entfremdung“ genannt. – Und manchmal nennt man es auch „die Entzaubertheit der Welt“ oder „metaphysische Heimatlosigkeit“.

Diesen halbreligiösen, halbspirituellen Kram muss man nicht unbedingt kaufen oder mitgehen können, um wahrzunehmen, dass unsere Beziehungen und unsere Verbindungen untereinander gewisse Schräglagen haben, bis dahin, dass man von „kranken Beziehungen“ oder „krankmachenden Beziehungen“ sprechen muss.

Nichtsdestoweniger wissen wir: „Kontakt“ ist notwendig. Wir wollen ja „Business machen“, wir wollen uns spüren, wir wollen uns verbunden fühlen und wir wollen – obwohl das selbst eine kranke Motivation ist – „nicht einsam sein“.

Aber diese unsere Bemühungen um „Kontakt“ sind selbst merkwürdig schräg:

Wir wollen den Kontakt und wollen ihn nicht. Wir wollen baden, aber wir wollen nicht nass werden. Wir wollen Berührung, aber ohne Verletzlichkeit. Wir wollen, dass es etwas mit uns macht, aber bitte ohne dass es etwas mit uns macht, was wir nicht wollen.

Daher kommen wir nicht in Kontakt, daher fühlt sich alles so distanziert und leer uns hohl und sinnlos für uns an.

Wir gehen in Kontakt. Aber: „Gut gerüstet“. Wir gleichen Menschen, die sich zum Sex in einer Ritterrüstung packen, damit „nichts schiefgeht“.

Aber so fühlt sich das Ganze dann halt eben auch nicht ganz so toll an für uns…

Der Witz ist: Wir wollen in Kontakt mit anderen, aber ohne dabei mit Kontakt mit uns selbst zu kommen. – Und: Wir wollen den Kontakt zu anderen Menschen, UM mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Und an diesem Denken ist auch gar nicht unbedingt etwas Falsches: Denn es funktioniert ja!

„Kontakt“ bringt uns in Kontakt.

Im Grunde gibt es hier keine Wirkung und keine Ursache. Eher so etwas wie eine wechselseitige Verknüpfung, einen „systemischen Zusammenhang“.

Das ist im Grunde eine „frohe Botschaft“. – Denn sie bedeutet zwar, dass uns „Techniken“ hier nicht weiterhelfen (sie gehören zur Sphäre des Linearen, der eindeutigen Ursache und der eindeutigen Wirkung). Aber es bedeutet eben auch, dass wir ÜBERALL ANSETZEN KÖNNEN. Dass es völlig gleichgültigt ist, wo wir ansetzen:

Wir können einen besseren Kontakt mit uns selbst pflegen (meditieren, auf gute Art Sport machen, uns bewegen, tanzen, uns liebevoll nähren und versorgen, liebevolle Gedanken pflegen, und selbst nach unseren Bedürfnissen fragen, uns Zeit geben und uns Zeit nehmen, uns Ruhe und Stille gönnen, Singen, Spielen… and so on…). – UND DANN UND SO in Kontakt mit anderen Menschen gehen.

Wir können aber genauso gut all das sein lassen und – mit uns selbst unverbunden – in Kontakt mit anderen gehen. UND DADURCH mit uns selbst verbunden werden, angeregt werden, auf uns selbst verwiesen werden, usw. usf.

Der letztere „Weg“: Kontakt mit anderen zu suchen, ohne in Kontakt mit uns selbst zu sein, ist eine Art „instant feedback“ für uns, wo wir gerade stehen, wie es uns gerade geht, und wer wir eigentlich gerade sind.

Dieser Weg ist manchmal schmerzhaft und unangenehm. Aber das ist dann gut so.

Und dieser Weg ist nur dann ein „Problem“ und führt zu noch weiterem Kontaktverlust, zu noch mehr „Aufrüstung“, wenn wir das, was wir an „schlechtem Kontakt mit anderen erleben“, folgendermaßen zuordnen:

Die anderen sind doof. Die anderen sind das Problem.

Wenn wir stattdessen sagen: „Danke für dieses Feedback. Es tut weh. Ich lass das jetzt mal sacken. — Und ziehe dann, wenn ich soweit bin, meine Schlüsse für mich daraus…“

…dann gibt es da eigentlich kein Problem. Alles ist in bester Ordnung. Mit dem Unangenehmen, mit den Schmerzen, mit den Ängsten. – Es ist gut, dass es sie gibt. Es sind Signale, es sind liebevolle Hinweise an uns, dass wir uns weiterentwickeln wollen und jetzt sofort auch weiterentwickeln können.

Schmerz, Angst, Unangenehmes: All das ist Information über unsere Unverbundenheit mit uns selbst.

Und auch daher bringen uns Kontakte mit anderen Menschen immer wieder in Kontakt mit uns selbst.

Und wenn wir das eben gerade einfach nicht verstehen wollen: Dann VERTIEFEN sich eben unsere Probleme. Dann vertieft sich unsere Unverbundenheit.

Und auch das führt wieder zu Informationen. Auch das führt wieder zu liebevollen Hinweisen, wo wir nun stehen, durch unser Verhalten, durch unsere Schlüsse, durch unseren Umgang mit uns selbst.

We can’t blame nobody.

But we can re-connect.

Anytime.

Anyway.

„Du schreibst aber viel grade“ – Was tue ich hier eigentlich…?

Gestern fragte mich einer meiner Kontakte, wie es sein könne, dass ich derzeit so viel schreibe und ob ich gerade nichts anderes zu tun hätte oder ob mir vielleicht sogar etwas auf die Seele drückt, was mich veranlasst, so viel Text abzulassen.

Er fragte mich das natürlich anders, auf sehr freundliche Art.

Daher mal auch hier eine Antwort für diejenigen, die sich vielleicht ähnliche Gedanken machen:

Meine derzeitige Vielschreiberei hat drei Hauptaspekte:

1.) Ich kann verdammt schnell Tippen. In den 90er Jahren arbeitete ich in einem Call-Center. Und zwar in einem, in dem Pager-Texte per Hand (!) eingegeben wurden. Das lief so: Jemand rief bei uns auf dem Headset an und gab einen Text durch, z.B. „Schüttel Deine Nasenhaare für mich, Baby!“ (keine Erfindung von mir, sondern ein Zitat aus dem wahren Call-Center-Agenten-Leben… 😉 ). Dann tippten wir das ein und fertig war die Dienstleistung.

Aus diesem Grund und weil ich auf der Uni verdammt viel Schreiben musste, brachte ich mir also mittels eines Übungshefts (analog!, ich bin also ein echter Dino) das Zehnfinger-System bei.

Und was soll ich sagen? Das leistet mir noch heute gute Dienste.

Für einen Artikel auf ilwyc brauche ich also im Schnitt eine halbe Stunde. – Meine Frau und mein Sohn behaupten zwar hartnäckig, es sei mehr, aber ich kann beschwören, dass es „gefühlt“ nur eben eine halbe Stunde ist, die ich an einem Text sitze.

Der Gedanke ist einfach da. Wie ein Keimling oder eine Nuss, aus dem dann der Artikel ganz organisch heraus wächst. – Ich kann das Teil einfach runterschreiben. Da ich darüber die Rechtschreibung und die Lesbarkeit völlig vernachlässige, muss ich im Anschluss noch mal „festschrauben“, also nochmal 5 Minuten drüber gehen. – Dann ist die Laube aber fertig.

Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein irrer Alchemist, so nach der Devise: „Ahhhhh, dieser Gedanke und DIESER Gedanke – die KÖNNTE man doch mal in ein Reagenzglas zusammen schütten…. ….was dann wohl passiert…? …. heieieieiei… das zischt aber ganz schön….!“

Im Kern ist es also reine Lust am Schreiben und Experimentieren, was mich treibt. – So eine Art „Daniel Düsentrieb mit Worten“, wenn nicht grade wieder mal Donald auf der Matte steht und irgend etwas Bestimmtes für seine Aktivitäten als Phantomias von mir braucht…

2.) Ich bin an sich gerade voll ausgelastet als Coach. Und eigentlich schadet diese viele Schreiberei mir und der Qualität meiner Arbeit. Denn wenn man „in Gedanken ist“, fällt es schwerer, die Empathie aufzubringen (für sich selbst UND für den Kunden), die für gute Beratungsarbeit die absolute Basis ist.

Daher ringe ich derzeit noch um Formen, wie ich beides vereinen kann: Meine Neigung zu den Wolken und meine Neigung zu den Wassern und den Mühen der Ebene.

Ich ziehe für ilwyc auch viel aus meiner Beratungsarbeit: Ich darf durch sie Menschen aller Altersstufen, Branchen, Tätigkeitsfelder und Hierarchielevel tiefer kennen lernen. – Das hilft mir natürlich, „mit dem Wirtschaftsleben“ in Kontakt zu sein, v.a. von seiner menschlichen Seite her.

Das – und meine eigenen bisherigen Tätigkeiten in Festanstellung für Unternehmen unterschiedlichster Branche und Größe, bisher 17 an der Zahl – ist die „sachliche Quelle“ für das Geschreibs hier auf ilwyc.

3.) Ich bin inspiriert durch Richard Rortys Erfindung der  „Liberalen Ironikerin„, einer Figur, die er in seinem Buch „Kontingenz, Ironie und Solidarität“ entwickelt und  ausführlich beschreibt.

Diese „Figur“ zeichnet sich aus durch einen Faible für das Neue und Weiterentwicklung als „Zweck in sich selbst“. – Das ist „die Ironikerin“, die – oft ohne Rücksicht auf Verluste, Befindlichkeiten und Verletzungen, die dadurch entstehen – das forciert, was das Bestehende überschreitet.

Sie zeichnet sich aber auch aus, durch einen Kontakt zu dem, „was alle Menschen verbindet“. Folgt man Rorty, dann ist das UNSERE VERLETZLICHKEIT. – Damit ist seine Philosophie kompatibel mit Ansätzen wie wir sie bei Brené Brown und Marshall Rosenberg finden. – Rorty bezeichnet DAS als „Liberalismus“, was in unseren Breiten aber missverständlich ist, da wir in Kontinentaleuropa keine starke Sozialliberale Tradition haben und „Liberalismus“ hierzulande daher immer mit „der Markt wird’s schon richten“ und „jeder ist sich selbst der nächste“ inklusive wirtschaftlichem Hauen und Stechen assoziiert wird.

Rorty als Ostküsten-Intellektueller meint mit „Liberalismus“ dagegen so etwas wie die universelle Empathie, zu der wir als menschliche Wesen in der Lage sind. Er fasst diese Empathie auch in den Begriff der „Solidarität“. Dabei fokussiert er den Satz: „Ich sehe / empfinde Deinen Schmerz“ und das universelle Risiko der Demütigung als verbindendes Glied zwischen allen Menschen über ihre unübersehbare Unterschiedlichkeit hinweg. „Ein Liberaler“ ist für Rorty ein Mensch, der auf dieser Grundlage eine Verbindung zu einem Menschen spürt, mit dessen Werten, Neigungen, Praktiken, Gewohnheiten und anderen Präferenzen er ansonsten überhaupt nicht übereinstimmt (Im Hintergrund kann man den auch im Deutschen bekannten Text hören: „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden können, solange er dabei bei anderen keinen all zu großen Flurschaden anrichtet.“).

Der Liberale sagt also: „Ich sehe Deine Verletzlichkeit und ich fühle Deinen Schmerz, ich kann mir daher IRGENDWIE vorstellen, wie es ist, in Deiner Lage zu sein, obwohl Du in einer ganz anderen Lage bist als ich. – Deine Wunde ist auch meine Wunde. Du bist mir nicht gleichgültig, obwohl Du ganz anders bist als ich.“

Inspiriert von diesem Konzept würde ich stand heute sagen: Ich versuche eine „empathischer Kreativer“ zu sein und ringe für mich noch darum, diese beiden Seiten „operativ zusammen zu bekommen“.

Auf ilwyc kommt bisher eher der kreative Part zum Zug (mit dem Risiko fehlender Empathie und Demütigungen, d.h. anmaßender Kritik an den in sich selbst berechtigten Lebensentscheidungen und Lebenskonzepten anderer Menschen).

In meiner Coaching- und Unternehmensbegleitungs-Arbeit kommt der eher empathische Part zum Zug (mit Verzicht auf all zu große kreative Spirenzchen, einfach deswegen, weil solche ideen-überflüssigen Kapriolen meinen Kunden auf diese Weise im Moment nicht weiter bringen und ihren konkreten Anliegen nicht dienen, ihre akuten Bedürfnisse verfehlen würden) .

Falsch verkabelt

Was in vielen Unternehmen nicht ganz so gut läuft, wurde mir dieses Wochenende noch mal auf neue und sehr unmittelbare Art klar…

Ich habe mir mal wieder die Teilnahme an einem GfK/NVC-Seminar gegönnt. Bei der fantastischen Marion Kaiser, die das für mich sehr gut, sehr ruhig und sehr ermutigend rüber bringt. Ihre Seminare zeichnen sich dadurch aus, dass auch unter den Teilnehmern eine sehr gute Verbindung ensteht und man plötzlich sehr viel miteinander anfangen kann.

„Die Erkenntnis des Tages“ hatte ich aber bei einer sehr persönlichen Sequenz. Zu Übungszwecken hatte ich mir eine der unangenehmsten Situationen im ausklingenden Jahr ausgesucht, ein Gespräch mit der Leiterin unseres Kindergartens, das aber mal sowas von in die Hose ging und zur Folge hatte, dass ich unseren Sohnemann danach 3 Monate jeden Tag mit schlechtem Gefühl hinbrachte, in Sorge, der Leiterin über den Weg zu laufen. Ich übte also nochmal die Sequenz mithilfe meiner Mit-Trainierenden.

Und was mich wirklich „vor den Kopf stieß“ war: WIE VIEL langsamer ich machen musst, um in der Situation mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. – Und dann DIE Wirkung auf meine Gesprächspartnerin zu haben, die ich eigentlich haben wollte.

Was mich dabei ebenfalls vor den Kopf stieß war: WIE VIEL ich weniger sagen musste, um nach diesem mühevoll hergestellten inneren Kontakt eben jene Wirkung zu erzielen und dann genau das zu bekommen, was ich von meiner Gesprächspartnerin in der Situation bekommen wollte.

Ich bin ein Mensch, der solche Situationen neben dem Unangenehmen, das sie wohl für so ziemlich alle Menschen haben, zusätzlich auch noch als demütigend empfindet.

Warum?

Ich habe viele Jahre viel Energie, Zeit und auch einige schmerzvolle Erfahrungen darein investiert, die Gedankenbahnen in meinem Kopf „zuzurichten“. Habe bestimmte Gedankenbahnen umgelenkt. Andere mühevoll aufgebaut. Wieder andere saniert. Immer wieder auch völlig neue Areale erschlossen. Oder ganze Bereiche neu mit ganz anderen, weit entfernt liegen Bereichen meines Denkens vernetzt. Man könnte sagen: Mein Kopf ist intern recht ansprechend verkabelt.

Schlecht verkabelt ist dagegen: Dieser sehr gut verdrahtete Kopf mit „dem Rest“: Meinem Körper, inklusive den Gefühlen und Bedürfnissen, die ich habe und die sich unterhalb der Kinnlinie aufbauen und äußern.

Für jemanden, der so einen guten Zugang zu Worten hat wie ich, und dem es sonst so leicht fällt, neue Verknüpfungen auch spontan herzustellen, fiel es mir in der sehr konkreten Gesprächssituation bemerkenswert schwer, überhaupt Worte für das zu finden, was mich bewegte.

Und der Effekt dieser sehr guten „Internen-Kopf-Verkabelung“ und „fehlenden-Kopf-Körper-Verkabelung“ auf meine Gesprächspartnerin war eben: Sie konnte mit meinem Gerede nichts anfangen. Sie wusste gar nicht was ich wollte. Sie hatte das Gefühl, ich stehle ihr gerade die Zeit. Das war dann doch einigermaßen harter Tobak für mich. Aber es „erklärte“ auch ganz gut, warum das Gespräch in der Realität so dermaßen in die Hose gegangen war…

Überträgt man dieses „Problem“ ohne Rücksicht auf Verluste auf das, was in vielen Unternehmen los ist, entspräche das einem „Unternehmenswasserkopf“, einer „Zentrale“, die dazu neigt, sich immer weiter auszubauen und intern mit sich selbst möglichst gut zu vernetzen „um die Realität im Unternehmen und auf dem Markt“ besser abbilden oder besser auf sie reagieren zu können.

Sicher kennen sie solche Unternehmen. Im Grunde haben sogar beinahe alle Unternehmen diese „Neigung“. Es ist ja auch so verführerisch: Einfach mehr in Planung investieren. Einfach noch mehr über den Markt wissen. Einfach noch mehr in „gute Steuerung“ investieren – und schon läuft’s! – komplett daneben…

Aber was soll denn die Alternative sein? – Wir können doch nicht einfach alles völlig loslassen? – Unsere Mitarbeiter wären davon komplett überfordert!

Alles irgendwie richtig. Und es scheint ja auch nicht von ungefähr zu kommen, dass es überhaupt einen „Kopf“ und ein derart aufgemotztes „Gehirn“ gibt. – Allein zu seinem „sachgemäßen Gebrauch“ gäbe es durchaus einiges zu sagen. Denn hier gibt es durchaus Alternativen…

Im persönlichen Bereich kann das z.B. so aussehen.

In Unternehmen z.B. so oder so.