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Der Nihilismus in unseren Unternehmen

„Nihilismus“ in Unternehmen ist leicht zu erkennen – Leider nur unser eigener Nihilismus…

Er ist immer genau dann gegeben, wenn das, was wir gerade tun, uns im Grunde herzlich egal ist. Wenn wir innerlich gleichgültig sind, „schmerzbefreit“, etc.

Äußerlich ist er weitaus weniger leicht zu erkennen…

…Nihilismus in Unternehmen kann z.B. erstaunlich „aktiv“ sein. Er kann Pläne fassen, Strategien beschließen, Projekte aufsetzen, Ergebnisse anstreben, ja, sogar diese Ergebnisse erreichen oder übertreffen.

Wann immer wir aber dabei „innerlich tot“ sind, wann immer uns nicht bewegt, was wir gerade bewegen, sind wir grade im „Nihilismus-Modus“ unterwegs.

Weil unser Nihilismus so wenig unmittelbar auf „Ergebnisse“ durchschlägt, dulden Unternehmen, dulden WIR diesen Nihilismus auch ohne Weiteres. – Sowohl bei anderen Mitunternehmern als auch bei uns selbst.

In dem, was ich hier auf ilwyc rauf und runter geißle als „rein zahlenorientiertes Herumgewirtschafte“ ist unternehmerischer Nihilismus das Medium, in dem die ganze Chose schwimmt und sich bewegt…

Innerlich völlig unverbunden mit dem, was man da gerade macht, innerlich völlig unverbunden mit sich, innerlich völlig unverbunden mit den Kunden, innerlich völlig unverbunden mit den anderen Mitunternehmern, innerlich völlig unverbunden mit den Investoren, innerlich völlig unverbunden mit den Dienstleistern, innerlich völlig unverbunden mit dem ganzen – vermeintlich – gemeinsamen Unternehmen…

„Nihilismus“ ist an aller erster Stelle ein Zustand, in dem wir selber sind oder nicht sind. – Und erst nachrangig ein „systemischer Effekt“ oder „eine nihilistische Unternehmenskultur“ oder ein „zynisches Management“.

Natürlich trifft zu, dass viele Unternehmen den „Nihilismus“ ihrer „Mitarbeiter“ triggern, weil sie von ihm zu profitieren glauben. – Und dass sie dadurch nihilistische Zustände ihrer Mitunternehmer verstärken und verlängern. – Weil sie die „Kosten nicht-nihilistischer Zustände“, also die Kosten einer „Nicht-innerlichen-Kündigung“ dramatisch erhöhen durch die Umwelt, die sie für viele Mitunternehmer darstellen…

Dennoch gibt es keine nicht-personalen Hebel, keine systemischen Werkzeuge mit denen man „Nihilismus im Unternehmen“ unwahrscheinlicher machen kann.

Grund: Die relevanteste Umwelt für uns als Menschen waren und sind noch immer: Andere Menschen und ihre inneren Zustände und die äußeren Handlungen, die aus ihnen zuverlässig und erwartbar hervorgehen…

Das heißt im Klartext: Wenn in unserem Unternehmen gerade „der Nihilismus überhand nimmt“, gibt es nur eine einzige Möglichkeit für uns, dass „im Außen“ zu ändern:

Indem wir uns selbst so selten wie möglich in nihilistischen Zuständen aufhalten.

Wir machen damit unserer unmittelbaren Umwelt (unseren Mitunternehmern) ein permanentes Angebot, selbst aus dem herauszugehen, wo sie grade sind. – Natürlich sind sie frei, dieses Angebot zu nutzen oder nicht. – Wir sind nicht „für ihre Zustände verantwortlich“ (soweit kommt’s noch!). – Aber „rein objektiv“, „rein statistisch“ steigt die Wahrscheinlichkeit dadurch beträchtlich, dass sich unsere Organisation in Richtung „mehr Verbundenheit“ bewegt…

Spannend ist nun, worauf wir bestehen müssen, wenn wir damit Ernst machen:

Wenn wir uns entschließen, uns zu unserem eigenen Wohl, zum Wohl unserer Mitunternehmer, zum Wohl unseres Unternehmens, zum Wohl der Kunden, der Investoren, der Dienstleister unseres Unternehmens, „möglichst selten in nihilistischen Zuständen aufzuhalten“, dann können wir viele Verhaltensweisen und Entscheidungen unserer Mitunternehmer nicht mehr auf die Arten und Weisen hinnehmen, wie wir das bislang praktiziert haben…

Es bleibt also nicht bei „einer reinen Innerlichkeit“ oder einem „stillen Entschluss“.

„Unternehmen“ ist Aktion. Ist Handeln. Ist Entscheiden. – Selbst noch im still halten oder im Pausen machen.

Daher werden wir ganz natürlich vom „praktizierten Nihilismus“ unserer Kollegen usw. berührt. Schmerzhaft berührt, wenn wir uns selbst dazu entschlossen haben, das bei uns selbst nicht mehr zu dulden…

WENN wir also wirklich entschlossen dabei bleiben wollen, unserem eigenen Nihilismus den Gar aus zu machen, werden wir ganz unausweichlich dazu getrieben, neue Strategien zu entwickeln, wenn wir auf den operativ-strategischen Nihilismus unserer Mitunternehmer treffen…

Wir können dann gegenüber der Gleichgültigkeit nicht mehr gleichgültig bleiben. – Wir werden „aus der Rolle fallen“. Wir werden „unprofessionell“ werden müssen…

Aber wir können das auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten tun:

Einer Art, durch die wir uns selbst schaden, isolieren und das Unternehmen dazu bringen, „sich gegen uns zu immunisieren“. Mit dem Ergebnis, dass wir „aus dem Unternehmenskörper“ herausgeschleust werden durch die diversen „weißen Blutkörperchen“, die ein Unternehmen so hat und die es auch haben MUSS, wenn es sich selbst erhalten will…

Wenn wir es AUF DIESE ART tun, ist unser Effekt gleich Null. Zumindest auf unsere Mitunternehmer und auf unser Unternehmen. Für uns selbst hat es dramatische Effekte. Aber wenig erfreuliche…

Aber es gibt eben auch eine andere Art, die geschickter, klüger, spannender und effektvoller ist: Wir können unseren jeweiligen Mitunternehmer bei dem packen, was für ihn TROTZ ALLEM NIHILISMUS immer noch Bedeutung hat.

Dazu muss man genau wahrnehmen. Die Unterschiede bei anderen Menschen sehen, spüren. Und den Mut haben, da hinein zu gehen, das zu nutzen.

In der GfK nennt man diesen Teil: „Das, was im Menschen gerade lebendig ist“.

Und in jedem Menschen, der noch „biologisch lebt“, ist noch irgendetwas lebendig. – Menschen, in denen innerlich nichts mehr lebt, sterben. – Man kann das oft bei Menschen wahrnehmen, die „sich nach langer Krankheit entschließen zu sterben“.

Wir wecken dieses Verschüttete oft schon durch unsere eigene Lebendigkeit. – Wenn wir auf sie bestehen, wenn wir sie uns nicht selbst nehmen, wenn wir uns nicht selbst Angst machen (in wirklich furchterregenden Situationen, von denen es in Unternehmen deutlich mehr gibt, als man sich eingestehen möchte; wenn man es sich eingestehen würde, könnten das am Ende noch die anderen mitkriegen…).

Aber eben nicht immer.

In manchen Situationen braucht es auch „die Offensive“. Die kluge Offensive. – Das aktive Kontaktaufnehmen, das Bündnis mit dem „Nicht-Nihilistischen im Anderen“.

Und dieses Bündnis findet man – wie könnte es beim „Nihilismus“ anders sein? – nahezu immer in der offenen und offensiven Negation:

Man spricht dem Anderen offen ab, dass etwas für ihn Bedeutung hat, das für ihn trotz allem offensichtlich immer noch Bedeutung hat. – Man erklärt dem anderen sehr direkt und glaubwürdig, das man sein offensichtliches Bedürfnis in diesem Moment und in Zukunft zu ignorieren beabsichtigt. – Man verschärft vorsätzlich den Nihilismus im Unternehmen. – Bis zu einem für den Anderen unerträglichen Grad.

Denn DANN beginnt das Leben in ihm sich von ganz alleine „zu wehren“…

Manchmal müssen wir zu dem hier werden, um dem Nihilismus in unseren Unternehmen, den wir uns unerträglich gemacht haben, auf Augenhöhe entgegenzutreten…

Und in der Folge erleben wir auch, wie viel „Lebendigkeit in Unternehmen“ wir selber wirklich haben wollen…

Wie lebendig wir noch sind.


An den werten Leser, die werte Leserin, die sich durch die Zeilen dieses Artikels bis hierhin durchgekämpft hat:

Ich freue mich, wenn Sie Lust haben und mir im unterhalb dieses Artikels angeschlossenen Kommentarfeld eine Rückmeldung geben, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm).

Genauso gern ohne wie mit Begründung. Begründungen können in die Richtung gehen: “Warum überhaupt mehr als 1?” Oder auch: “Warum unterhalb von 10 geblieben?”

Diese Ihre Bewertung dient meinem persönlichen Tracking der “wahren Wirkung” von ilwyc: Wenn Sie eine solche Bewertung abgeben, erfüllt mich das – wie auch immer sie ausfällt – mit Glück 🙂

Danke Ihnen dafür!

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Glücksmessung bei Kunden zur individuellen Selbststeuerung von Unternehmen

Unternehmen haben IMMER das Ziel möglichst viele Menschen möglichst glücklich zu machen. Das ist ihr „innerer“ Daseinszweck. Er ist von der „äußeren“ aktuellen Verfassung des Unternehmens unabhänig.

Menschen werden glücklicher, wenn ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Sie werden weniger glücklich, wenn ihre Bedürfnisse über längere Zeit nicht befriedigt werden. „Bedürfnisse“ hier verstanden im tieferen, von Marshall Rosenberg geprägten Sinn: Universal-menschliche, „echte“ Bedürfnisse.

Vor diesem Hintergrund macht es viel Sinn, wenn Unternehmen das Glück, das sie ermöglichen, regelmäßig messen, um „sich mit sich selbst vergleichen“.

Das hat mehrere Vorteile: Es erübrigt den „Vergleich mit anderen (Unternehmen)“. Der relevante Vergleich ist immer man selbst, bzw. das eigene Wachstum. Genauer: Das Wachstum, Stagnieren oder der Rückgang des eigenen Beitrags zum „menschlichen Glück“.

Es gibt einem einen konreten Fokus. D.h. jedem Mitunternehmer, der daraufhin besser sich selbst steuern kann.

Es versachlicht die Kommunikation innerhalb von Unternehmen (also zwischen den Mitunternehmern) ganz erheblich. Bullshit-Kommunikation (in der es um anderes geht als um Bedürfnisse) hört von allein auf oder lässt sich mit dem Verweis darauf, dass es Bullshit-Kommunikation ist, leichter ad acta legen. – Es ist nämlich für alle leicht überprüfbar, ob gerade ein Bedürfnisbezug in der Kommunikation vorhanden ist oder eben nicht. Nahezu jeder Mensch kann das unmittelbar unterscheiden, wenn der Fokus darauf gelenkt wird. – Daher kann dadurch das Unternehmen auf diesem Wege sehr leicht „kommunikativ entschlacken“.

Das „Glücks-Wachstum“ hat allerdings Grenzen. – Unternehmen tun also gut daran, dass sie sich nicht dadurch in den Wahninn treiben, dass sie so etwas wie „unbegrenztes Glücks-Wachstum“ anstreben. Die Grenzen liegen in der Identität des Unternehmens, im gewählten lebensdienlichen Zweck des Unternehmens und in den anderen Bedürfnissen der Mitunternehmer („andere Bedürfnisse“ deswegen, weil „Identität“ und „Lebensdienlicher Zweck“ EBENFALLS lebendige Bedürfnisse der Mitunternehmer sind. Näheres dazu findet man bei Marie Miyashiro ausgeführt).

Dennoch macht es Sinn, „unternehmerisch“ zu bleiben und durch die besagten Messungen die Wahrnehmung aller Mitunternehmer auf Möglichkeiten zu fokussieren, wie man möglicherweise trotz der existierenden Grenzen „die Glückszahlen erhöhen“ 😉 könnte…

Im weiteren Sinn: „Die Glückszahlen aller am Unternehmen beteiligten Menschen“. Also sowohl der Kunden, wie auch der Mitunternehmer, der Investoren, der Dienstleister, sowie anderer menschlicher Stakeholder, die auf andere Weise „am Unternehmen beteiligt“ sind…

Diese ließen sich dann in einem solcherart erweiterten „Kunden = Mitunternehmer“-Begriff allesamt als „Kunden UND Mitunternehmer“ des jeweiligen Unternehmens verstehen.

Bestimmte Unterschiede, die bislang im Kontext von Unternehmertum sehr wichtig waren, werden dadurch unwichtiger. Einige andere Unterschiede, die bisher im Kontext von Unternehmen bisher oft nicht allzu wichtig genommen wurden, werden dadurch aufgewertet.

Ich schlage zum Zweck der unternehmerischen Glücks-Beitrags-Messung folgende einfache Skala vor:

1-10

1= Kein Beitrag zu meiner Befriedigung / zu meinem Glück – Lässt mich völlig kalt, was Du da machst / was Ihr da macht.

10= Feels like an orgasm

Die Zahlen werden schlicht und einfach addiert. – Sie geben aggregiert „den Beitrag des Unternehmens zum Menschheitsglück“.

Mehrere Rückmeldungen durch den gleichen Menschen sind jederzeit möglich. Jede Glücks-Rückmeldung „ist für die Ewigkeit“, wie ja auch jeder menschliche Moment „für die Ewigkeit ist“.

Es wird kein Unterschied gemacht zwischen „geringem Glück für viele“ und „großem Glück für wenige“ als Folge von dem, was wir unternehmerisch treiben…

Man kann jederzeit jeden (Kunden) fragen. Bzw.: Jemand, den man fragt und der antwortet, wird durch seine Antwort auf diese Frage automatisch zum „Kunden“ des Unternehmens (im Gegensatz zu bisher: erst dadurch dass er Geld zahlt).

Ziel des Unternehmens ist es

a) die Zahl von Jahr zu Jahr, Monat zu Monat, Tag für Tag, Stunde für Stunde zu erhöhen.

b) Ohne dabei wahnsinnig zu werden. D.h.: Unter Wahrung der eigenen Unternehmensidentität, der eigenen Unternehmensmission (keine „Gemischtwarenläden“, stattdessen: Klarheit, für welche menschlichen Bedürfnisse wir uns hier in DIESEM Unternehmen zuständig fühlen) und unter Wahrung der eigenen Bedürfnisse.

Ich beginne einfach mal hier ganz direkt damit:

Gehen wir mal davon aus, dass dieser Artikel hier in irgendeinem verquasten Sinne „ein Produkt“ darstellt:

Würden Sie mir den Gefallen tun und im angeschlossenen Kommentarfeld von wordpress eine Rückmeldung machen, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm)?

Sie würden mir eine Freude damit machen! 🙂

Sollte sich das, was an Feedback einläuft, zweckmäßig anfühlen, würde ich diese Bitte fortan an jeden der hier erscheinenden Artikel anschließen. – Auf diese Weise könnte ich „unternehmerisch messen“, wie sehr meine ilwyc-Artikel „zum menschlichen Glück“ beitragen. Oder eben nicht.

Um mich selbst damit nicht verrückt zu machen, operiere ich NICHT mit abstrakten Zielvorgaben („ich will aufaddiert im Monat März 2015 die und die Zahl unbedingt erreichen“).

Aber ich bekomme dadurch ein Feedback, mit dem ich weiter arbeiten kann, mit dem ich mich selbst viel, viel besser selbst steuern kann, meine Artikel in eine Richtung weiter zu entwickeln, in der sich wahrscheinlich mit der Zeit „ein größerer Nutzen (hier: meines Schreibens) für eine größere Zahl von Menschen“ ergibt…

Und das will am Ende JEDES Unternehmen: Anderen Menschen nach seinen Möglichkeiten maximal nutzen.

Der Mensch ist das Maß aller Unternehmen – Der Seienden, dass sie sind, der Nichtseienden, dass sie nicht sind

„Bedenke, dass Du ein Mensch bist“ hatte ein Sklave angeblich dem Triumphator regelmäßig ins Ohr zu flüstern, während der sich auf einem öffentlichen Triumphzug durch das alte Rom für seine Siege feiern ließ…

In ganz anderem Sinne könnte man den gleichen Satz all den Menschen zuflüstern, die sich im Zuge des Dauer-Selbst-Bombardements via Internet und ihrer zahllosen Bindungen in der Geschäftswelt aufzulösen beginnen, und die immer mehr Geistern und Schatten ihrer selbst ähneln, und immer weniger sich selbst als Menschen aus Fleisch und Blut…

Eigentlich sind wir ja perfekt ausgestattet. – Unsere Gefühle und vor allem unserer Körper ist ein idealer Resonanzboden für Feedback über „die Wirklichkeit“.

Dieses „innere Feedback“ ermöglicht uns, Orientierung in uns selbst zu finden, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was (für uns und für uns mit anderen) gut und was (für uns und für uns mit anderen) weniger gut ist.

Das gilt auch und gerade „im Business“, also dann, wenn wir etwas „unternehmen“, womit wir uns für eine Zeit lang systematisch auf die Bedürfnisse anderer ausrichten, anstatt allein auf unsere Bedürfnisse.

Wir veräußern uns dabei, weil wir dabei unsere eigenen Bedürfnisse zurück stellen, um dadurch „Geld zu verdienen“, mit dem wir dann – aufgeschoben in eine unbestimmte Zukunft – wiederum eigene Bedürfnisse zu befriedigen hoffen.

Allerdings ist es – wie auf diesem Blog mit dem schönen Namen ilwyc schon öfters bemerkt – auch möglich, „Business zu machen“, OHNE sich auf diese Weise zu entäußern: Also auch „beim Unternehmen bei sich zu bleiben“.

Das setzt aber voraus:

a) Dass man seine Bedürfnisse in der Gegenwart des Unternehmens sucht, nicht erst in der Zukunft des Geld-Ausgebens und Konsumierens.

b) Dass man halbwegs „in seinem Körper ist“ / „auf seinen Körper hört“.

Jenes b) ist weit weniger trivial als viele zu glauben scheinen…

Es wird teilweise erschwert auch dadurch, dass wir ja auch außerhalb unserer Unternehmen „in Beziehungen stehen“ und „außer uns sind“.

Denn zwischenmenschliche Beziehungen – für uns als Menschen DIE RELEVANTE UMWELT SCHLECHTHIN – haben die Kraft, uns sowohl außer uns zu bringen als auch zu uns selbst zu bringen.

„Privat wie beruflich“ gilt: Wir reiben uns an anderen, wir werden gestört durch andere, wir verlieren uns an andere… Aber wir werden durch andere auch gespiegelt, bekommen durch andere Hinweise auf blinde Flecken und finden durch andere Menschen zu uns selbst.

Hinzu kommt heute, dass wir alle unser „informationelle Selbstbestimmung“ täglich neu aufgeben, indem wir uns wahllos zudröhnen lassen mit ALLEM, was da digital so auf uns einschwappt aus zahllosen Quellen. – Vieles davon nützlich, vieles unglaublich wertvoll. Nur will es halt auch verdaut sein.

Der Resonanzboden diesen ganzen „Beziehungs-Geschehens“ ist unser Körper – mit „seinen Gefühlen“, die als reine Informationsquelle gesehen werden können darüber, unsere eigenen Gedanken in Reaktion auf Wahrnehmungen in der Beziehungs-Außenwelt in uns auslösen. – Denn Gedanken, mentale Konzepte sind bei uns IMMER zwischengeschaltet, wenn es darum geht, unsere Wahrnehmungen in unsere Gefühle münden zu lassen.

Überhaupt „Verdauung“: DIE Grundfunktion des Lebens noch vor Wahrnehmung, Fortpflanzung und Eigenbewegung: Sie bedeutet nichts anderes, als das ein Organismus fähig ist, das, was er brauchen kann, von dem zu trennen, was er nicht brauchen kann und was er folglich wieder ausscheidet.

Und hier gilt: Verdauen braucht seine Zeit. – Sonst bleibt zu viel „im Organismus“, was dort nicht hin gehört und was den Organismus schwächt.

Leider gewöhnen wir uns in dieser Hinsicht leicht an so einiges…

Existentiell gesehen genauso wie unternehmerisch gesehen sind also „Menschen“ unsere Umwelt. – Ständig gehen wir Beziehungen ein und ständig versuchen wir diese Beziehungen zu unserer Befriedigung zu kontrollieren. Da dies aber alle Menschen gleichzeitig tun, entsteht ein unkontrollierbares, häufig unglückliches Geschehen, das nur mittelbar wertvoll für uns ist und uns kaum eindeutige Informationen darüber liefern kann, „wohin wir uns wenden“ können…

…es kommt zur Rückzügen, auch: Zu Rückzügen aus dem eigenen Körper, der eben der Resonanzboden für all jenes Beziehungsgeschehen, dass eben als unkontrollierbar und glücklos erlebt wird.

So nach der Devise:

„Kann ich auch das Außen, meine Beziehungen nicht so kontrollieren, wie ich das eigentlich gern würde, so kontrolliere ich wenigstens das Ausmaß, in dem ich das an mich heranlasse, das Ausmaß, in dem ich in meinem Körper bin.“

All jene Internet-Verlorenen, all jene Generation-Head-Down-Anhänger, alle jene Süchtigen aller Couleur, all jene Wenig-Schlafer, Nebenher-Esser, Dauer-Sitzer, Nichts-mehr-Fühler…

…also: beinahe „wir alle“ legen mit unserem von-uns-selbst-eingeschränkten-Körperzugang die Hauptinformationsquelle lahm, die uns Orientierung geben kann im Leben.

Dass damit „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“ wird, ist vielleicht überflüssig zu erwähnen, vielleicht aber auch nicht…

…in jedem Fall erklären die beschriebenen Vorgänge aber, wie es eigentlich sein kann, dass sich für so ein perfekt ausgestattetes Lebewesen wie uns das Leben so unperfekt anfühlt.

Denn wer weitgehend orientierungslos durchs Leben tappt, kann sich kaum zielgerichtet seine Bedürfnisse erfüllen. – Er wird das, was er gerade vermeiden will zu sein: Er wird manipulierbar. Er verliert die Kontrolle. Weil er durch seine innerlichen Praktiken „mich sich selbst“ das „Ruhen in sich selbst“ mit wegrationalisiert hat.

Er hat seinen Körper verlassen, weil dies die einzig dauerhaft effektive Art ist, die Bindungen an andere zu kappen. Und da diese Bindungen häufig unbefriedigend, vor allem aber beängstigend unkontrollierbar erscheinen, erscheint dieses „Verlassen des Körpers“ trotz aller Nachteile wie eine „gute Idee“.

Doch nun fehlt im jede Befriedigung, jede Ruhe, jeder Anker, jeder Halt, jede Erfüllung…

Was ich gern postulieren würde für unsere heutige Unternehmenswelt ist eine moderne Form des „homo mensura-Satzes“:

„Der Mensch ist das Maß aller Unternehmen – Der Seienden, dass sie sind, der Nicht-Seienden, dass sie nicht sind.“

Da wir alle – und ich selbst an erster Stelle – kaum mit uns selbst verbunden scheinen, da wir es aus Angst nicht wagen, unseren scheinbar so banalen Körper zum „Maß unserer Aktivitäten und Dinge“ zu machen, so muss uns jener Satz ins Leere führen.

Wer sich nicht spürt, wer nicht fragt, „was mir mein Körper und meine unbewerteten Gefühle eigentlich sagen wollen“, der stolpert durchs Leben, von seinen Gedanken mal hier hin, mal dorthin gerissen. – Und häufig sind es nicht mal seine, sondern die aufgeschnappten Gedanken anderer…

…unverdaut und ungeprüft auf ihre Bekömmlichkeit für mich…

Wer halbwegs weiß und beachtet, was ihm gut und was ihm schlecht tut, kann Gebrauch machen von einem menschlichen Zugang zum Unternehmertum. – Wer den Zugang zum eigenen Körper und Gefühlen verschüttet, dem steht jener Zugang zum Unternehmen nicht offen.

Nun soll das hier keine Lanze für eine „neue Empfindlichkeit“ sein, nicht dafür auf „jedem Zipperlein unproduktiv herumzukauen“.

„Im Körper sein“ heißt vielmehr „das Übliche“: Das Körper/Geist/Seele so eins wie möglich sind, indem man es nicht forciert und nicht zulässt, dass sie all zu weit auseinander treten. Indem man Gedanken rückbindet an die aktuelle Situation. Indem man Bewertungen rückbindet an das, wie es einem geht.

„Im Körper sein“ ist für ein Wesen mit einem potentiell so hyperaktiven Gehirn wie dem unseren ein hochgradig aktiver Vorgang.

Und gewissermaßen sind die Krebsgeschwür-Artigen Unternehmen, die wir als Menschen teilweise hervorbringen, ein perfekter Spiegel dessen, wie wir innerlich mit uns selbst und unserer Körperlichkeit umgehen

Oben ein „Wasserkopf“, eine „Zentrale“, die jeden Furz noch „zu steuern“ versucht. Unterhalb dessen: So einiges in Schräglage…

…einiges, was sich selbst recht gut ins Lot bringen könnte, wenn es „von oben“ nicht permanent dabei gestört würde…

Aber umgekehrt zeigen uns auch Unternehmen, „die’s anders machen“, wie man auch selbst als Mensch anders mit so einem „Problemgehirn“ umgehen kann:

Man schaut immer wieder mal vorbei bei seinen verschiedenen Gefühlen und Körperbefindlichkeiten, aber man hat nicht JEDESMAL gleich eine Agenda mit im Gepäck, wenn man vorbeischaut. – Und man nimmt auch nicht JEDESMAL eine Agenda mit, wenn man von dort weg geht und sich die „Probleme vor Ort“ angeschaut hat. – Seine „Unterstützung“ bietet man nur dort an, wo die die „guten Mitarbeiter an Ort und Stelle“ das Problem wirklich nicht alleine lösen können und unmittelbar dankbar und erleichtert sind, dass sich nun „der Chef“ der Sache annimmt.

Auf diese Weise wird die Perfektion nicht zerstört, die wir selber sind.

Und diese Perfektion brauchen wir, wenn wir Unternehmen anders aufbauen und anders betreiben wollen. Wenn wir nicht nur anderes, sondern anders unternehmen wollen…

Der große Vorteil, den „der Mensch“ gegenüber allen anderen Arten auf diesem schönen Planeten entwickelt hat, war seine Anpassungsfähigkeit, seine GERINGE Spezialisierung im Vergleich zu nahezu allen anderen relevanten „Konkurrenten“.

Aber wie es so schön heißt in der Formel „die Austreibung des Lebens aus seinen Erfolgen“: JEDER Vorteil hat auch seine Nachteile.

Unsere übergroße Anpassungsfähigkeit ist für uns zum Problem geworden.

Es wird Zeit für unsere ganz biologischen Grenzen. Und die sind schwer zu sehen, wenn man so ein schönes, plastisches Gehirn hat, wie wir es besitzen. Bzw.: Diese Grenzen sind durch uns in unserem Alltag, in unserer Lebensführung leicht zu übersehen.

Und: Diese Grenzen liegen wohl eher nicht „in unserem Gehirn“.

Weitaus eher liegen unsere Grenzen wohl in dem…

1.) …was wir körperlich, mental und emotional verdauen können, ohne uns dauerhaft zu schwächen.

2.) …was wir an Bewegung und Ausleben unserer Selbstbewegtheit brauchen. Auch hier wieder: Körperlich (uns auf die Art und Weise bewegen, nach der wir uns im jeweiligen Moment wirklich fühlen) UND Emotional (Wahrnehmen und Ausdrücken statt Ignorieren und Unterdrücken von Gefühlen) UND mental (Fabrizieren eigener Gedanken, statt nur Aufnahme im Nürnberger Trichter).

3.) …was uns in unseren Beziehungen gut tut und was uns dort weniger gut tut. (Without further disclaimer: Wir haften vollumfänglich für die Beziehungen, die wir eingehen und die wir nicht eingehen…)

Grenzen geben Orientierung: Immer wenn wir wütend werden, wenn wir Trauer empfinden, wenn sich unser Körper schmerzhaft meldet: Immer dann haben wir mal wieder „eine Grenze erreicht“. – Das muss nicht zwingend heißen, dass es nicht Sinn machen kann, DIESE Grenze HIER UND JETZT bewusst einmal zu überschreiten, Ängste zu überwinden, aus Komfort-Zonen auszubrechen, sich dadurch zu stärken nach dem altbekannten Prinzip: „Was mich nicht umbringt, …“

Aber wer ständig unbewusst über eigene Grenzen geht, wer sich gewöhnt wie der Frosch im Wasserglas mit der ganz unmerklich immer weiter ansteigenden Temperatur, der überschreitet seine Grenzen auf ganz andere Weise…

Und auch deshalb setze ich auf „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“:

Denn es ist überaus spannend herauszufinden was das für ein Maß ist, das wir uns selbst geben. Als die Natur, die wir selber sind.

Wann ist etwas „genug“ im Business?

Es mag im ersten Moment absurd erscheinen, aber ich denke, dass es sich mit „genug im Business“ nicht sehr viel anders verhält als mit „genug“ bei anderen menschlichen Bedürfnissen. – Wir nehmen daher weiter unten in diesem Artikel unseren Hunger: das Bedürfnis nach Nahrung als Vergleichsgrundlage…

Vorab aber ein paar notwendige Sätze zur Absurdität dieser Parallelisierung von Bedürfnissen im Allgemeinen und Bedürfnissen im Business: Kluge Menschen wenden gute Gründe ein, die es unwahrscheinlich scheinen lassen, dass wir mit unserer biologischen Grundausstattung komplexe Zusammenhänge (wie wir sie im Business heutzutage regelmäßig antreffen) korrekt auffassen können.

Diese Einwände machen deutlich, dass wir von unserer Biologie her eher dafür gemacht sind, „linear zu denken“, d.h. Vorgänge korrekt zu erfassen und einzuschätzen, in denen einfache Ursache-Wirkung-Zusammenhänge weitgehend zutreffende Prognosen zulassen. Bei Vorgängen komplexer Wechselwirkungen (wie heutigem Unternehmertum), in denen das lineare Ursache-Wirkung-Denken keine zutreffenden Prognosen liefern kann, sind wir mit „unserem natürlichen Apparat“ auf verlorenem Posten.

So mag es scheinen.

Ich denke, dass wir dennoch auch und gerade im Business ein ganz gutes Gefühl dafür haben, wann irgendwas gerade „genug“ ist.

Denn wir müssen gar nicht die emergente Komplexität eines Business oder eines Unternehmens „steuern“, das aus zahlreichen Mitunternehmern besteht. Es reicht völlig aus, dass wir mit unserer jeweils eigenen, idiosynkratischen Bedürfnis-Struktur in hinreichend gutem Kontakt sind, um mitzukriegen, wann etwas für uns „genug“ ist.

Oder um z.B. die gleichzeitige Unerfülltheit mehrerer Bedürfnisse wahrzunehmen. Dass wir also gerade nicht nur EIN Bedürfnis haben, sondern viele, viele, manche davon gerade erfüllt, andere davon gerade unerfüllt.

Oder wir wahrnehmen, dass eine unserer eigenen Strategien, die wir gerade verfolgen, um ein EINES unserer Bedürfnisse zu befriedigen, die Befriedigung eines ANDEREN unserer Bedürfnisse nachhaltig gefährdet.

Im Klartext: Während wir „ein Problem lösen“, erzeugen wir uns selbst gleichzeitig ein neues, anderes Problem: Ein Bedürfnis wird durch eine bestimmte Strategie auf Kosten eines anderen Bedürfnisses erfüllt, während eine andere Strategie möglicherweise beide Bedürfnisse würdigen könnte.

Sich das einzugestehen, dass man seine eigenen Probleme selbst verursacht durch unvorteilhafte Strategiewahl, ist deutlich leichter, wenn man in gutem Kontakt mit seinen Bedürfnissen steht. – Nicht mit diesem oder jenem Bedürfnis, auf das man zufällig vom Kopf her fixiert ist. Sondern in aller Offenheit: Mit allen eigenen Bedürfnissen verbunden. Das garantiert denjenigen Bedürfnissen Aufmerksamkeit, die gerade dran sind, die „von unten hochsteigen“, Bedürfnisse die wir eben nicht – völlig mindfucked – „top-down auswählen und zu steuern“ versuchen. – Denn steuern wir Bedürfnisse top-down, dann legen wir einen Filter über sie, der dazu führt, dass wir ausblenden, was gerade wirklich in uns los und wirklich für uns dran ist. Wir empfinden das dann so, dass „unsere Bedürfnisse uns bei unseren schönen Plänen stören“, oder gleich so, dass „unsere Bedürfnisse uns stören“.

…Und das ist dann eine wirklich absurde Lage, wenn man Unternehmen so auffasst, dass Unternehmen „von ihrem Zweck her“ der besseren Erfüllung menschlicher Bedürfnisse dienen…

Unser Innenleben also. Unsere Bedürfnisse also. Unsere Gefühle also – In Unternehmen???

Nähern wir uns dem über einen anderen Begriff, der gerade in Mode ist und der die Bedürfnisorientierung von und in Unternehmen treibt: „Das Wissen der Vielen.“

„Das Wissen der Vielen“ ist in erster Linie ein Wissen NICHT über die Außenwelt, über die Umwelt des Unternehmens (obwohl es das in zweiter Linie durchaus auch ist), sondern es ist ein Wissen der Einzelnen über sich selbst, das geteilt wird, das im Unternehmen „öffentlich“ und „kommunizierbar“ wird.

„Das Wissen der Vielen“ ist ein Zustand, indem es ermöglicht wurde,  dass sich alle Mitunternehmer über den menschlichen Zustand aller Mitunternehmer zumindest weitläufig auf dem Laufenden halten, ohne all zu großen Aufwand und all zu große Risiken für den einzelnen Mitunternehmer. – Und das ist etwas, was „Mitarbeiterbefragungen“ niemals leisten können, nur echter Kontakt und echter, ergebnisoffener Austausch, der emotionale Zustände und Bedürfnislagen in die Unternehmenskommunikation aktiv einbezieht.

Eine solche „Ermöglichung“ erfordert zwingend eine Unternehmenskultur, die weitgehend „entpolitisiert“ ist, weil sie z.B. nicht mehr in den Kategorien von „Karriere“ unterwegs ist. Denn nur dort kann ich als Mitunternehmer mich gefahrlos über mein Innenleben austauschen.

„Bedürfnisorientierung“ in Unternehmenskulturen zu fordern, in denen Dissoziierung (innere Abspaltung) von eigenen Gefühlen und Bedürfnissen ganz klare Vorteile hat und oft sogar Überlebensbedingung (im Sinne der Möglichkeit zum Verbleib in DIESEM Unternehmen) ist…

…DAS würde bedeuten, dass man im Modus des „leeren Sollens“ unterwegs ist: Man bürdet dann Einzelnen Dinge auf, die sie zu Märtyrern des Business werden lassen würden, würden sie diese Bürde wirklich auf ihre Schultern nehmen.

Nein: Bedürfnisorientierung macht nur Sinn, wenn ich auch im Unternehmen über meine Gefühle mit meinen Bedürfnissen in Kontakt sein kann, ohne dass ich dadurch ganz zwangsläufig in tausend Messer laufe.

Und das ist wirklich voraussetzungsreich.

Wir dürfen uns also niemals ein „klassisches“ Unternehmen vorstellen, wenn wir von „Bedürfnisorientierung“ sprechen, kein Unternehmen, wie wir sie aus dem 19. und 20. Jahrhundert kennen. – Und wie sie auch jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch die Regel sind, während sich hier und dort schon vereinzelt erste Ausnahmen abzuzeichnen beginnen.

Die Frage, warum und auf welche Weise wir im Business bisher so regelmäßig den Kontakt zu unseren eigentlichen Bedürfnissen verlieren? ist für mich also weitaus spannender als die Frage, ob die Übertragung der Rede von „Bedürfnissen“ in so komplexen Kontexten heutigen Unternehmen einen Mehrwert hat.

Denn Bedürfnisse – echte, menschlich-universale Bedürfnisse im Sinne Marshall Rosenbergs – haben eine interessante Eigenschaft: Sie können für den Moment vollkommen gesättigt werden. – Wir können als Menschen fühlen, wann wir gerade „genug von etwas haben“. – Die vermeintliche „Unersättlichkeit der Bedürfnisse“ ist eine Wahrnehmungs-Illusion. Eine Illusion, die sich ganz häufig daraus nährt, dass wir bestimmte unserer Bedürfnisse dauerhaft unerfüllt lassen, uns ihnen niemals wirklich zuwenden, dass wir bestimmte unserer Bedürfnisse wie ungeliebte Stiefkinder behandeln.

Aus einem solchen „Bedürfnis-Stau“, der auch die zugehörigen Gefühle (Signale für die Erfülltheit/Unerfülltheit von Bedürfnissen) in den Untergrund des Unbewussten verdrängt, resultieren „Maßlosigkeitsgefühle“: „Ich brauche sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo viel davon, bis ich satt sein werde…!!!“. – Eine Gefühl, das, bekommt man dann wirklich, was man braucht, sich ganz schnell als Anschein ex ante herausstellt.

Ein solcher Bedürfnis-Stau resultiert aber auch regelmäßig in unbefriedigenden Kompensations-Verhaltensweisen, an erster Stelle in „Süchten“ aller Art, auch in vermeintlich harmlosen und gesellschaftlich akzeptierten Süchten.

Wir machen dann fast zwanghaft X, was im Grunde unser Bedürfnis Y befriedigen soll, aber niemals kann, weil Bedürfnis Y mitsamt den im Grunde durchaus möglichen Strategien A,B,C,D,usw., die es wirklich befriedigen würden, in unserem Bewusstsein niemals auftaucht.

Die Sucht wird zum Komplizen der Verdrängung, dass das eigentliche Bedürfnis im Untergrund festhält.

Zugleich wird dabei die Illusion genährt, Bedürfnisse seien eben unersättlich und wir seien zu permanenter Unzufriedenheit verurteilt, könnten in diesem Leben niemals Erfüllung finden.

Bei echten Bedürfnissen und funktionalen Strategien zu ihrer Befriedigung ist das aber nicht so.

Und darum ist auch der Vergleich mit dem Nahrungsbedürfnis so interessant, um diesen Faden wieder aufzugreifen:

Warum übergehen wir unsere „Sättigung“? Warum essen wir „zu viel“? Warum übergehen das durchaus fühlbare „Genug“? – Warum verlieren wir innerlich den Kontakt zu unserem Nahrungsbedürfnis, wenn wir ihn denn verlieren?

Zahlreiche Gründe sind für mich denkbar:

  • Gesellschaftliche Konvention: Wir essen „mit“. Wir befriedigen unser Zugehörigkeits-Bedürfnis, unser Bedürfnis nach emotionaler Geschütztheit und Unversehrtheit, indem wir spitzen bis wohlmeinenden Kommentaren von Menschen ausweichen, die wir zu hören bekommen würden, wenn wir auf die Sättigung unseres Nahrungsbedürfnisses hören würden.
  • Biologische Fehlausstattung zum Umgang mit dauerhaftem Überfluss: Wir sind dazu gemacht, in einer Welt des rythmischen oder regelmäßigen (Nahrungs-)Mangels leben und überleben zu können. Wir sind nicht dazu gemacht, in einer Welt zu leben, in der DAUERHAFT Überfluss herrscht. – Wenn wir die Gelegenheit haben, uns ein Polster anzufressen (für in unserer Gesellschaft so gut wie niemals auftretende Notzeiten), dann machen wir das. – Das ist auch der Grund, warum Zucker- und Fett-reiche Nahrung so anziehend, so „appetitlich“ für uns ist.
  • Schlechter allgemeiner Kontakt zu eigenen Bedürfnissen, von denen das Nahrungs-Bedürfnis nur eines unter vielen ist: Wer keinen Innenzugang mehr hat, wer nur noch aus Gedanken und Meinungen heraus entscheidet, der wird das auch beim Thema Nahrungsaufnahme tun. – Hört man lange genug nicht mehr auf sein inneres Bedürfnisses, so schaltet das innere Bedürfnis irgendwann seine Primärartikulation ab (man „fühlt nichts mehr“). – Das ist der Punkt, an dem man in der Regel beginnt, zu „somatisieren“. D.h. es stellen sich köperliche Beschwerden ein, die auch verstanden können als „verstärkte Signale, nachdem die üblichen Signale (= Gefühle) ja nicht wahrgenommen werden“. – Man (= das eigene Bewusstsein) bekommt die gleiche Nachricht vom eigenen System noch mal rückgemeldet. Nicht mehr mit einem freundlichen Schultertippen, sondern eher mit dem Holzhammer (unterschiedlicher Gewichtsklassen).

Am spannendsten unter diesen Gründen des Übergehens des „genug“ ist für mich die #2: Die unbewusste Angst vor dem Mangel, der unbewusste Aufbau von „Reserven“ – Die aber niemals gebraucht werden in den Umwelten, in denen wir derzeit leben.

Denn Ähnliches finden wir auch im Business:

Dass wir deswegen den „Business-Erfolg“ auf „unendlich“, auf potentiell „unbegrenztes Wachstum“ stellen, anstatt auf die Befriedigung ganz bestimmter Kundenbedürfnisse, um die es in DIESEM Unternehmen geht.

Ich denke, dass hier Bedürfnis-Kontakt-Verlust eine Allianz mit eher unbewussten Ängsten eingeht, „morgen nicht mehr genug zu haben“. – Also jenes Barney-Stinson’sche „Mehr ist immer besser“, dass wir auch oben bei der Ernährung analysiert haben.

Natürlich finden wir auch viele Rationalisierungen solcher Ängste im Business, die in BWLer-Sprache daherkommen und sich klug und vernünftig anhören.

Aber das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass wir dann immer einen Mit-Unternehmer und manchmal ganze Unternehmen vor uns haben, die kollektiv den Kontakt zum Kern ihres Tuns vollkommen verloren haben. – Wir haben dann „Unternehmen ohne Unternehmertum“, in denen „Kundenbedürfnisse“ nur noch mittel zum Zweck sind.

Rücklagen im Business sind nun aber nicht wirklich etwas schlechtes: Sie ermöglichen es vielmehr, dem eigentlichen Unternehmenszweck treu zu bleiben, indem gezielt investiert werden kann und indem nicht jeder dahergelaufene Auftrag angenommen werden muss (oft: aus einem völlig anderem Gebiet als aus dem Gebiet, auf das man sich in diesem Unternehmen konzentrieren will).

Aber das sind Rücklagen mit Grund. Rücklagen-Bildung von Menschen, die noch mit sich und ihrem Unternehmen in Kontakt sind.

Bei Menschen, die zu sich selbst und folglich auch zwingend zu ihrem Unternehmen völlig den innerlichen Kontakt verloren haben, ist jene Rücklagen-Bildung, jenes „Mehr ist immer Besser“ genau das Gleiche, was es auch bei verloren gegangenem Kontakt zu individuellen Bedürfnissen ist:

Eine Sucht. – Eine Sucht, die den Kontakt zu eigenen Bedürfnissen immer NOCH schwerer macht, die die Tätigkeiten, die man zur Befriedigung der Sucht unternimmt, immer NOCH unbefriedigender macht, und die als letztendliche Motivation immer NOCH tiefer hinein in Ängste führt, die einen jenes „Mehr“ mit tausend gründen rationalisieren lassen, warum es eben doch notwendig sei.

Einseitige Sicherheitsorientierung war schon immer der Tod jeglichen Unternehmertums. – D.h.: Sie ist es nicht erst seitdem wir die Bedürfnisorientierung als neues Paradigma unternehmerischer Tätigkeit annehmen.

Aus den Spiralen der unbefriedigenden Selbstbefriedigung im Business führt nur ein Weg heraus. – Und dieser Weg führt erst einen nach innen, in den echten Kontakt mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen –  und dann erst nach außen, ins Handeln und Reden. Und dann wieder nach innen und dann wieder nach außen. Und immer so weiter…

Dies kann man „bedürnisorientiertes Unternehmertum“ nennen. Oder „bedürfnisgeleitetes unternehmerisches Handeln“. Oder auch einfach: Die natürliche Art, unter heutigen Bedingungen überhaupt irgendetwas zu unternehmen…

Was ist eigentlich ein „Unternehmen“?

Ein Unternehmen ist im Kern eine gezielte Zusammenführung verschiedener, vordem getrennter Ressourcen zu dem Zweck, ganz bestimmte menschliche Bedürfnisse dadurch besser zu erfüllen, als sie vordem erfüllt wurden. – Und sich dafür von den menschlichen „Trägern“ jener Bedürfnisse bezahlen zu lassen.

Ein Unternehmen aus mehreren Mitunternehmern kommt nur dann zustande, wenn Klarheit und Einigkeit gepflegt werden sowohl über die Bedürfnisse, denen das gemeinsame Unternehmen dient (life affirming purpose of a company), als auch über die spezifische Art und Weise wie man in DIESEM Unternehmen die Erfüllung DIESER Bedürfnisse angehen möchte – und wie auf keinen Fall (identity).

Nimmt man dieses Verständnis von Unternehmertum ernst (und wischt die rein formalistische Definition von Unternehmertum über Rechtsformen beiseite, die nichts über die vorhandene „unternehmerische Substanz“ auszusagen vermag, weder über ihr Vorhandensein noch über ihr Fehlen), dann fällt auf, dass nicht nur viele Konzerne und Mittelständler im strengen philosophischen Sinn eigentlich gar keine „Unternehmen“ sind, sondern dass auch viele Solounternehmer gar kein Unternehmen betreiben bzw. eben nur rein formell.

Was vielen Solounternehmern fehlt, was ihnen vielleicht zum gegebenen Zeipunkt gerade noch fehlt, ist eben jene Klarheit darüber, welchen Bedürfnissen sie eigentlich dienen wollen mit ihrem Unternehmen + auf welche Art und Weise und auf welche Arten und Weisen sie diesen Bedürfnissen auf keinen Fall dienen wollen.

Stattdessen werden wild und ungesteuert Aufträge angenommen oder sogar aktiv akquiriert, die mal jenen, mal diesen Bedürfnissen dienen. – So dass im Ergebnis viele Solounternehmen im Grunde ähnliche Gemischtwarenläden sind wie so mancher „Misch-Konzern“. – Ohne inneren Kern, ohne inneren Zweck, ohne inneres Ziel, Treibgut auf den sich gerade bietenden Wellen des großen Business-Meeres…

Nun möchte ich keineswegs so lebensfremd und lebensfeindlich daherschreiben, dass ich irgendwem einreden möchte, er müsse zu jedem Zeitpunkt seiner unternehmerischen Aktivitäten absolute Klarheit darüber haben, what the hell er da eigentlich gerade tut. – Vielmehr habe ich es, gerade in meinen Zeiten als Gründerberater, als überaus sinnvoll erlebt, „einfach mal zu machen“. – Und eben NICHT allzu viel nachzudenken, NICHT allzu sicherheits-orientiert und konzept-fixiert zu agieren. Sich NICHT durch einen großkopferten Business Plan zu geißeln. – „Lean start-up“ nennt man das wohl mittlerweile…

Denn im Tun, im Machen KANN sich oft erst jene Klarheit ergeben – aus konkreten Erfahrungen mit konkreten Kunden und konkreten Problemen und konkreten Erfolgen…

Die Tragik vieler Nicht-Unternehmen ist allerdings: Dass sie die gemachten Erfahrungen eben NICHT dazu nutzen, zu einem echten Unternehmen zu werden (im oben definierten Sinn). Sie BLEIBEN auch nach Jahren immer noch solches Treibgut, oft trotz Wachstums und oft trotz Einstellung von „Mitarbeitern“.

Mit-Unternehmer sind nämlich nur möglich, wenn es sich um ein echtes Unternehmen handelt. – Unternehmerische Gesellschaften, die es versäumen, in das interne, intensive, oft schmerzhafte und ergebnis-offene Gespräch darüber einzusteigen, was wir hier eigentlich gemeinsam erreichen wollen, können nur „Mitarbeiter“ generieren, niemals Mitunternehmer.

Und es gibt gute Gründe, NICHT in solch ein internes Gespräch einzusteigen: Angst vor Verlusten von „wertvollen Mitarbeitern“ dürften hier eine wichtige Rolle spielen, neben Angst vor Kontrollverlust und Angst vor Konflikten und Auseinandersetzungen generell. Auch Angst davor, den laufenden Betrieb zu stören und das unter zahlreichen Opfern und Mühen bereits Erreichte nun „ohne Not“ durch die offene Beschäftigung mit „Grundsatzfragen“ zu gefährden…

Und diese Angst WÄCHST mit dem rein zahlenmäßigen Erfolg! – Gerade solcher „Erfolg“ lindert solche Ängste nicht, sondern verschärft sie. Denn nun scheint es „mehr zu verlieren“ zu geben.

Daher ist meine momentane Einschätzung: Bei allem „einfach mal machen und dadurch herausfinden, was man eigentlich will“, sollte die Auseinandersetzung mit der Sinnfrage des eigenen Unternehmens und der Frage nach der Identität des eigenen Unternehmens nicht ZU SPÄT erfolgen. D.h.: Nicht erst dann, wenn man schon auf einem Riesenumsatz und Riesenerträgen sitzt.

Formelles Unternehmertum, das rein zahlenmäßig „erfolgreich“ ist, hat zumindest das Potential, echtes Unternehmertum, echten unternehmerischen Erfolg zu blockieren.

Und wenn man nun fragt, was denn Mysteriöses mit „echtem Unternehmertum“ gemeint sein soll, dann lautet meine Antwort:

Ganz einfach: Ein Unternehmen, dass Sie auch INNERLICH erfüllt und befriedigt, durch dass sie sich unmittelbar belebt und nicht belastet fühlen.

Dieses Kriterium zu nutzen hat allerdings eine Voraussetzung:

Sie müssen überhaupt einen Zugang zu Ihrem Innenleben und Ihren Gefühlen haben. – Und diese Voraussetzung ist weitaus weniger selbstverständlich als man meinen könnte. In der Regel ist es für viele, die mitten „im Berufsleben“ stehen, echte Arbeit, wieder einen Zugang dazu zu öffnen, was sie eigentlich wollen.

Ich weiß hier, wovon ich spreche: Ich kämpfe selbst immer wieder neu um diese Öffnung. Und ich unterstütze beinahe täglich andere Menschen aller Branchen, aller Professionen und aller Altersstufen dabei, diesen Innenzugang wieder zu pflegen.

Dieser Innenzugang der Mitunternehmer – das aktive Wahrnehmen eigener Gefühle und Bedürfnisse – ist DIE zentrale Voraussetzung für lebendiges Unternehmertum. Für ein Unternehmertum, das seinen Namen auch verdient hat. Für Unternehmen, die wirklich dauerhaft echten Kundenbedürfnissen dienen können. Für Unternehmen, die echte menschliche Bedürfnisse zur Grundlage haben: Bedürfnisse von Menschen, die mit ihren Bedürfnissen innerlich verbunden sind.

Denn momentan haben wir „im Business“ Zombies: von ihren eigenen Bedürfnissen dissoziierte Menschen auf allen Seiten der unternehmersichen Zahlungsvereinbarungen: Bei den Kunden genauso wie bei den Mitunternehmern. Bei den Investoren genauso wie bei den Dienstleistern und Zulieferern des Unternehmens.

Das Gute daran ist: Es ist im Grund gleichgültig, wo man beginnt, sich um mehr innere Klarheit und Verbundenheit zu bemühen. – Die Auswirkungen werden überall spürbar und greifbar.

Egal wer es schafft, mit sich selbst verbundener zu agieren, und in dieser größeren Verbundenheit mit sich selbst mit anderen Menschen und Personengruppen Verträge einzugehen: Er leistet dadurch nebenher ganz unvermeidlich einen substantiellen Beitrag zur Steigerung des Unternehmertums auf diesem schönen Planeten.

Warum Frauen die besseren Führungskräfte sind

Ich bin jetzt nicht gerade konservativ, aber ich könnte in diesem Artikel viel über Angela Merkel schreiben und darüber, was sie absolut richtig macht und warum genau sie so erfolgreich ist. Und das in einem Haifischbecken sonders gleichen…

Ich lass das mal (vielleicht reiche ich das noch mal irgendwann nach) und wechsle statt dessen die Ebene…

Frauen sind die besseren Führungskräfte, weil die meisten von ihnen nicht führen. – Zumindest nicht im klassischen Sinn.

Bevor ich auf das näher eingehe, was ich hier beobachtet zu haben glaube, möchte ich einen verbreiteten Einwand gegen meine Behauptung erwähnen.

Viele, wirklich viele meiner Klienten, Frauen öfter als Männer sagen mir im Coachinggespräch: „Lieber Herr Ibrahim, ich arbeite einfach lieber mit Männern.“ Oder: „Ich komme mit Männern als Chef viel besser klar.“

Über die konkreten Gründe, wie es meiner Meinung nach zu solchen Aussagen kommt, könnte ich ebenfalls viel schreiben. – Mehr interessieren mich hier aber die bloßen Fakten:

1.) Viele Menschen wünschen sich Männer als Chefs. Erzählen von „schlechten Erfahrungen mit weiblichen Vorgesetzten“.

2.) Unter diesen Menschen artikulieren Frauen diesen Wunsch sogar weit häufiger und weit offener als das Männer tun.

Nur um offen zu legen, womit ich selber immer wieder bei meiner Arbeit konfrontiert bin, was ich also gar nicht umhin komme wahrzunehmen. Und um offen zu legen, dass ich persönlich TROTZ dieser Erfahrungen zur Aussage „Frauen sind die besseren Führungskräfte“ komme…

…und noch ein Zwischeneinschub, bevor es ans Eingemachte geht:

Ich selber teile diese Erfahrungen von einigen meiner Klienten nicht –  Die drei besten Vorgesetzten, die ich in meinem bisherigen Berufsleben hatte (17 Festanstellungen), waren Frauen. Zwei wirklich miserable Vorgesetzte hatte ich allerdings auch schon. Ihnen stehen aber vier katastrophale männliche Vorgesetzte gegenüber.

Hinzu kommen meine Erfahrungen als interner Führungskräfteberater bei einem internationalen Konzern, wo ich die „Führungspraxis“ von zig Führungskräften, männlichen wie weiblichen, hautnah erleben durfte.

So. Und nun – nach diesen notwendigen Vorrednereien – also endlich das langatmig versprochene „Eingemachte“:

Wir Männer haben ein Problem, das wir exklusiv haben: Wir müssen uns unsere männliche Identität erarbeiten, verdienen. Wer diese Problematik ausgebreitet und im Detail beschrieben haben möchte, bekommt das hier per Link geliefert.

Auf Zurücktreten, Zurückhalten und eine geeignete Arbeitsumgebung für andere zu schaffen sind wir nicht gepolt.

Ohne uns beiden damit irgendetwas anzutun, kann ich auch sagen: Ich nehme bei mir selber auch starke weibliche Anteile wahr und bei meiner Frau auch starke männliche Anteile. – Und DENNOCH, wenn ich mit etwas Abstand und Ruhe auf unser jeweiliges Konfliktverhalten in Auseinandersetzungen mit unserem Sohn schaue, muss ich sagen: Sie macht da mehr (und anderes) richtig als ich.

Meine Frau und ich haben zudem die gleiche Coaching-Ausbildung absolviert, eine recht hochwertige, wirklich tolle Coaching-Ausbildung, nach der ich mich „mit vielen Wassern gewaschen“ fühlte. – Und ich denke auch, wenn ich mir das Feedback meiner Kunden vor Ohren führe: Ich bin wohl ein ganz anständiger Coach. – Und DENNOCH, wenn ich „mein Wirken“ mit dem vergleiche, was meine Frau in ihren Coachings, in ihren Workshops und für ihre Unternehmen tut, würde ich sagen: Sie ist der eindeutig bessere Coach von uns beiden.

„Drive success through others“ hieß eine der vielen Beschreibungen von „Manager“-Aufgaben bei dem internationalen Konzern, für den ich eine Weile tätig sein durfte.

Obwohl ich von diesen Beschreibungen in diesem Konzern sowas von aber überhaupt gar nichts halte: DIESE Formulierung ist bei mir hängen geblieben. – Sie beschreibt wirklich gut, worum es bei Management geht, wenn es noch Management gibt in einem Unternehmen.

Sich-Zurücknehmen können, präsent, aber nicht erdrückend oder bedrängend sein, Fragen stellen können, dem anderen Raum geben, seine Fähigkeiten zu entfalten, für seine Leute einstehen, ihnen den Rücken frei halten, sich auch menschlich für sie interessieren, nicht nur als herumschiebbare Schachfiguren „in meinem Spiel“: Dass sind MIT ABSOLUTER SICHERHEIT die zentralen Erfolgsfaktoren guten, nachhaltigen Managements.

Und DAS können Frauen von ihren biologischen Anlagen und ihrer gesellschaftlich geformten Gewordenheit her einfach besser als wir Männer.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen, bei Männern wie Frauen.

Natürlich gibt es fantastische männliche Führungskräfte (auch davon durfte ich in meinem bisherigen Leben viele, viele Kennenlernen).

Natürlich sind nicht alle Frauen gute Managerinnen, noch wollen überhaupt alle Frauen Managerinnen sein (zumindest nicht in Unternehmenssystemen, wie wir sie bisher noch flächendeckend antreffen).

Aber all das ändert nichts daran, dass, wenn ich mir sehr nüchtern anschaue, worin exakt die Tendenz-Unterschiede zwischen Männern und Frauen liegen und was an welcher Stelle in Unternehmen benötigt wird, ich viel mehr Frauen auf Management-Positionen sehe als Männer.

Eine gute „Quote“ wäre hier nach meinem Verständnis ca. 75% Frauen und 25% Männer.

Was die Frage aufwirft: „Wohin mit uns Männern? Wohin mit dem männlichen Geltungsbewusstsein? Wohin mit dem männlichen Selbstbestätigungsbedarf?“ – Diese Fragen habe ich „glücklicherweise“ schon in anderen Artikeln sehr erschöpfend behandelt, unter anderem in diesem hier.

Nichts desto trotz möchte ich entschieden darauf hinweisen, dass der limitierende Faktor für gute Lösungen einer guten Human-Ressourcen-Allokation die Möglichkeiten in Unternehmen sind, ihren Männern gute, für Männer wirklich geeignete Tätigkeiten und Aufgaben zur Verfügung zu stellen, an denen wir uns in unserer ganzen Pracht und Männlichkeit austoben können – zum Wohl des Unternehmens und zum Wohl von uns Männern selbst.

Bei dieser Aufgabe versagen unsere Unternehmen bisher weitgehend.

Und nur deswegen haben wir bisher so viele Männer im Management.

So viele, dass wir von „Männergement“ reden müssen. Und wir sollten in unseren Unternehmen wirklich dringend DARÜBER reden. NICHT über Frauen, nicht über Frauenförderung, nicht über „die Quote“.

Sondern darüber, wie wir für uns Männer in unseren Unternehmen geeignete Alternativen schaffen können, damit wir nicht mehr Manager werden MÜSSEN. Aus verzweifelter Alternativlosigkeit.

Denn es wird weitgehend verkannt, in was für einer unangenehmen Lage sich Männer „qua Mannsein“ befinden. Vera F. Birkenbihl bringt das in ihrem Vortrag zum Thema wunderbar auf den Punkt. Dieser Vortrag ist empathisch mit uns Männern. Und genau deswegen sieht er auch, welchen Druck „Mann sein“ per se bedeutet. – Nicht, dass wir ihm nicht gewachsen wären, diesem Druck. Der passt schon, ist ganz richtig für uns. Aber dieser spezifisch männliche Druck sorgt auch dafür, dass wir in unseren Unternehmen bisher mehr Flurschaden hinterlassen als uns in ihnen nutzbringend einzubringen.

Aber dieses Problem ist lösbar. Nur müsste halt erst mal überhaupt „das Problem in seiner ganzen Pracht“ wirklich auf den Tisch in unseren Unternehmen!

Auch wenn es vielleicht reaktionär rüber kommt. Ich halte folgenden Vorschlag für einen absolut sinnvollen Schritt, der dafür sorgt, dass:

A) Männer glücklicher werden in ihrem Job und sich sinnvoller einbringen können.

B) Frauen glücklicher werden in ihrem Job und sich sinnvoller einbringen können.

C) Unternehmen besser wachsen und gedeihen und nachhaltiger erfolgreich sind.

D) Unser ganzes Wirtschaftsleben eine Turnaround machen wird, hin zu Formen des Wirtschaftens, die wirklich uns und unseren Bedürfnissen, die wirklich „dem Leben“ dienen.

Diesen möglichen ersten Schritt hin zu sinnvoller Arbeitsteilung und sinngetriebenen Unternehmen beschreibe ich hier. Er ist „relativ einfach umzusetzen“, weil er ganz simpel ist, d.h. er ist nullkommanull komplex.

Dieser Vorschlag, Management-Positionen systematisch Frauen zu überlassen UND ZUGLEICH Management-Tätigkeiten systematisch schlechter zu bezahlen als „Front-Tätigkeiten“ wird zwar auf größte Widerstände treffen. Bei Männern wie Frauen. Aus verschiedenen Gründen auch innerhalb beider „Gruppen“.

Aber solche Widerstände haben uns Männer ja noch nie geschreckt. Im Gegenteil: Die machen uns so richtig heiß, sie lassen uns zur Höchstform auflaufen, sie sorgen dafür, dass wir uns in „unseren speziellen Fähigkeiten“ gebraucht fühlen! 😉

5 verschiedene Gründe, Unternehmer zu werden und Unternehmer zu sein

Jenseits systemischer Zusammenhänge kann man auch ganz äußerlich fragen, was denn „die bestimmende Gestalt des Unternehmers“ in einem Zeitalter ist: Die prägende Figur, die am meisten Aufmerksamkeit bekommt und auf die sich die Systeme Politik, Recht, Finanzen einstellen, obwohl es neben ihr auch noch ganz andere Unternehmer und Unternehmensformen gibt. Man könne auch sagen: Die Gestalt, die das Klischee bestimmt und die die Phantasien beflügelt; und an der sich die Bewertungen festmachen, die positiven wie die negativen.

Entsprechend der verschiedenen Gründe „zu unternehmen“, kann man 5 verschiedene Typen von Unternehmen unterscheiden. Dabei ist der Grund, sein Auskommen zu haben („Existenzsicherung“), bei allen 5 mit dabei, aber nur bei einem Unternehmenstyp der bestimmende Grund.

1.) Der Conquistador

In manchen Geschichtsschreibungen wird die Entdeckung Amerikas als Geburtsstunde des Unternehmertums bezeichnet. Der Zusammenhang ist einfach: Getrieben von vermeintlichen und echten Schätzen fremder Völker wurden in Europa (auch) von Privatleuten Schiffs-Expeditionen ausgestattet, die eine so große Rendite versprachen, dass sie „den Unternehmergeist“ in die Welt brachten. Diese Unternehmer waren nichts anderes als gut ausgestattete Piraten, wie es sie bereits seit der Antike gegeben hatte. Nur das Ausmaß ihrer Reichweite und der Umfang dieser Raubzüge war neu. Sie versprachen allen Beteiligten im Erfolgsfall einen schnellen gesellschaftlichen Aufstieg, wie es ihn in der feudalistischen Gesellschaft sonst nur im Ausnahmefall gab. – Wichtig für das Unternehmertum ist der Finanzierungstypus, der dadurch in die Welt kam: Ich beteilige mich mit meinem Geld und dafür wird festgeschrieben, welcher Anteil an der Beute mir zusteht. – Motto dieses Unternehmertyps: „Da ist noch mehr rauszuholen.“

2.) Der Technik-/Ideen-Verliebte

Dieser Unternehmertyp ist so fasziniert von einer für ihn neuen Technik oder einer neuen Idee, dass er ein Unternehmen gründet, das sich mit ihrer Herstellung oder der Verbreitung ihrer Anwendung befasst. – Ist der Conquistador noch „negativ sozial“, in dem er seine Kunden als Opfer betrachtet, die es auszuschlachten, zu schröpfen und über den Tisch zu ziehen gilt, ist der Technik-Verliebte im Grunde a-sozial: Seine Kunden spielen in seinen Überlegungen und vor allem in seiner Motivation im Grunde keine Rolle. Sie werden vom Technikverliebten als gesetzt gedacht, denn die Technik begeistert ihn so sehr, dass er sich nicht vorstellen kann, dass andere weniger begeistert sein könnten. – Entsprechend sieht der Technikverliebte alles Unternehmerische: Finanzierung, Kunden, Management als reines Mittel zum Zweck, als notwendiges, eher lästiges Übel. Der Technikverliebte kann auch als besondere Unterform des Selbstverwirklichers (s.u.) gesehen werden, dem es ähnlich geht. Allerdings kann der Selbstverwirklicher vielschichtiger sein in seinen Bedürfnissen, während der Technikverliebte wenigen, absolut dominanten Bedürfnissen getrieben ist (kindliche Begeisterung + Wunsch nach Anerkennung), was ihn vom Selbstverwirklicher recht eindeutig unterscheidet. Motto dieses Unternehmertyps: „Das ist der Wahnsinn – Und ich hab’s als erster gesehen.“

3.) Der Unternehmer aus Not

Diesen Unternehmertyp verbindet beinahe nichts mit seinem Unternehmen, noch mit seinen Kunden. Er sieht keine Chancen, sich irgendwo anstellen zu lassen, darum gründet er ein Unternehmen. In unseren sicherheitsorientierten Breiten ist er vergleichsweise selten anzutreffen, wenn man den Blick zeitlich wie örtlich etwas weitet, dürfte er weitaus häufiger sein als hierzulande derzeit. – Man könnte ihn auch sehen als Conquistador ohne Schiff und Waffen, also als Räuber ohne Mittel zum Raub. Er kann aber genauso gut zum Technikverliebten oder Sinngetriebenen neigen, wenn er nach und nach auf die eine oder andere Art Gefallen an „seinem Business“ findet, obwohl ihm ursprünglich die reine Not den Antrieb gegeben hat. – Am deutlichsten unterscheiden kann man ihn vom Selbstverwirklicher, sofern irgend etwas an der Maslow’schen Bedürfnispyramide dran ist. Ein eigener Typ ist „der Unternehmer aus Not“ für mich dennoch, da er das, was bei allen anderen Unternemenstypen mitschwingt, in Reinkultur verkörpert: Unternehmen dienen den Mitunternehmern auch einfach zur Existenzsicherung, zur Deckung ganz grundlegender Bedürfnisse wie Essen, Dach über dem Kopf, etc. – Erst wenn andere Bedürfnisse dominant werden, ergibt sich ein anderer Unternehmenstyp. Daher ist das Unternehmen aus Not vielleicht auch das ursprünglichste aller Unternehmenstypen. Motto dieses Unternehmertyps: „Verdammt! – Wenn mir jetzt wirklich gar nichts anderes übrig bleibt, dann mach ich eben das!“

4.) Der Selbstverwirklicher

Dieser Unternehmertyp denkt wie alle 3 vorgenannten Typen vor allem an seine eigenen Bedürfnisse und wie sie durch ein Unternehmen befriedigt werden können. – Er hat aber keine unersättliche Gier, keinen unersättlichen Ehrgeiz und kein gesellschaftliches Aufstiegsbedürfnis wie der Conquistador. Auch seine Abenteuerlust muss nicht unbedingt ähnlich großartig sein. – Das liegt häufig daran, dass der Selbstverwirklicher häufig schon „gesellschaftlich oben“ ist, also aus einem Elternhaus kommt, dass soziale, finanzielle und statusmäßige Absicherung und Befriedigung bereits mitliefern konnte. Das ist bei Selbstverwirklichern häufig, aber durchaus nicht immer der Fall. Denn vom Unternehmer aus Not unterscheidet sie vor allem ihr subjektives Gefühl, Möglichkeiten zu haben. – Wir haben hier also einen Unternehmertypus, der in seinem Unternehmen wirklich Erfüllung finden kann, zumindest potentiell. Er findet sich mit der Vielschichtigkeit seiner Bedürfnisse in seinem Unternehmen wieder: Der Wunsch nach Selbstbestimmung („keinen Chef haben“), der Wunsch, in einer ganz bestimmten Welt zu verkehren und sich mit ganz bestimmten Dingen zu beschäftigen. – Für Selbstverwirklicher ist ihr Unternehmertum häufig ein Befreiungsschlag, von dem sie sich erhoffen, eben auf einen Schlag viel von dem zu bekommen, was sie vorher lange vermisst haben. – Die Vielschichtigkeit ihrer Bedürfnisse unterscheidet sie auch vom Technikverliebten, der sein Ego ein großes Stück weit „in seinen unternehmerischen Gegenstand hinein veräußert“. Beim Selbstverwirklicher bleibt sein Ego hübsch bei ihm als Unternehmer und wandert nicht klammheimlich ein ins Unternehmen. Das Unternehmen bleibt nicht nur für andere, sondern auch für ihn selbst deutlich erkennbar ein Mittel zum Zweck. Und dieser Zweck ist die Befriedigung seiner sehr verschiedenen Bedürfnisse, an erster Stelle des Bedürfnisses nach Autonomie. Motto dieses Unternehmertyps: „Endlich mach ich mein Ding – Was könnte ich Besseres tun?“

5.) Der Sinngetriebene

Bei diesem Unternehmertypus liegt der Fokus auf einem Bedarf, den er bei Anderen sieht. Sein Antrieb ist: „Hier fehlt etwas“ bzw. „Denen fehlt etwas“. – Dieser vermeintlich altruistische Unternehmensgrund setzt natürlich voraus, dass beim Unternehmer selbst die meisten Bedürfnisse gut gesättigt sind (noch einmal: wenn wir Maslow zustimmen). Daher dürfte auch dieser Unternehmertyp in den meisten Fällen gut genährt aus seinem Elternhaus hervorgegangen sein. – Wenn der Sinngetriebene auf seinen „Markt“ schaut, sieht er ungefähr das Gegenteil von dem, was der Conquistador sieht: Er sieht keine zu schröpfenden Schafe, er sieht Menschen, denen es an irgendetwas fehlt und dass er glaubt zustande oder herbei bringen zu können. Der Sinngetriebene versteht sich damit selbst auch nicht als jemand, dem etwas fehlt, sondern als jemand, der etwas beitragen kann. – Vom „Sozialunternehmer“, der neuerdings so in Mode gekommen ist, unterscheidet ihn im Grunde nichts, außer vielleicht der geringere Grad seiner Überheblichkeit: Dass ihm bewusst ist, dass er nicht in einer reinen Geberposition ist, sondern dass er von denen, denen etwas Bestimmtes fehlt, auch etwas Bestimmtes verlangt: Eben den Preis seiner Produkte oder Dienstleistung. – Mit Blick auf den Sinngetriebenen kann man sagen, dass im Grunde jedes Unternehmen potentiell „social entrepreneurship“ ist, da das Unternehmen mindestens ein Bedürfnis von jemandem befriedigen muss, damit von diesem jemandem (dem Kunden) erwartet werden kann, dass er dafür etwas bezahlt. – Neben dem Conquistador ist der Sinngetriebene der einzige Unternehmertyp, der sich für „den Markt“ wirklich interessiert. Während der Conquistador den Markt aber erobern will, um ihn „auszuquetschen wie eine Zitrone“, und sich daher rein militärisch-generalstabsmäßig mit ihm beschäftigt, will der Sinngetriebene von jenem Markt dauerhaft leben. Für ihn gibt es kein „hit and run“. Er will nicht von vornherein wieder weg, wenn der letzte Inka-Schatz geraubt ist, denn für ihn geht es gar nicht darum, irgendetwas „auszubeuten“. Für ihn ist das Unternehmen Mittel zum Zweck der Befriedigung der Bedürfnisse seiner Kunden. Und eben diese anhaltende Zufriedenheit seiner Kunden befriedigt sein Sinn-Bedürfnis, das Bedürfnis, einen sinnvollen Beitrag zum Miteinander zu leisten. – Der Sinngetriebene kann aus einem Helferkomplex heraus agieren (wenn er eigene Bedürfnisse nicht im Blick hat und diesen persönlichen Mangel durch übertriebene Fürsorge für andere zu kompensieren versucht), aber das dürfte nur selten dauerhaft gut gehen. Bei sinngetriebenen Unternehmen, die sich dauerhaft am Markt halten können, kann man davon ausgehen, dass sie ein halbwegs stabiles Gleichgewicht zwischen dem Blick auf eigene Bedürfnisse und Bedürfnisse ihrer Kunden etabliert haben. Motiv sinngetriebener Unternehmen bleibt aber, dass die Bedürfnisse ihrer Kunden gesehen und durch die eigene unternehmerische Leistung erkennbar befriedigt werden. Motto dieses Unternehmertyps: „Daran fehlt’s? – Das können wir ändern!“

Spannend ist für mich nun die Frage, welcher dieser Unternehmertypen in unserer Gesellschaft derzeit die „bestimmende Gestalt“ ist? Also: Woran denken Sie zuerst oder am ehesten, wenn Sie an „Unternehmer“ denken?

Personal-Überschuss, mit Vorsatz geschaffen

Was wir oft zu hören bekommen: „Personal muss gekürzt werden“. Denn: Personalkosten sind Fixkosten und belasten das Unternehmen in seiner Rentabilität.

Ein Instrument zur Steigerung der Unternehmensproduktivität, auf das aus genau diesem Grund nur wenige Unternehmen kommen, ist der gezielt eingesetzte Personalüberschuss.

Denn: Wenn nicht zu dicht „gestafft“ wird, entsteht im Unternehmen Raum für etwas, was in Unternehmen sonst wirklich selten ist, nämlich: Muße.

Muße ist aber das entscheidende „Düngemittel“ für Kreativität.

Ich habe das selbst mal erleben dürfen: In einem Projekt mit ca. 20 Team-Mitgliedern, in dem ich arbeitete, kam es aus kontingenten Gründen nicht gleich zur Vollauslastung. 3-4 Monate lang, waren wir vom „Workload“ systematisch „unterfordert“. Was passierte, war: Die Ideen sprossen! Und zwar produktiv. Jeder brachte sich ein, jeder war bereit Sonderaufgaben zu übernehmen, auch unangenehme, und persönlich Extrameilen zu gehen. Warum? Weil Raum dafür da war! Nur noch selten habe ich später einen so guten Team-Spirit erlebt und so produktive Menschen.

Dieses Instrument ist natürlich nichts für Unternehmen, die immer noch glauben, in der Wirtschaft ginge es um Erfolg durch „Mehr vom Selben“ oder durch „Noch mehr Gas geben“ oder durch „Tougher, schneller, härter, etc. sein als der Wettbewerb“.

Es ist ein Instrument für Unternehmen, die wissen, dass es bei Wettbewerb darum geht, smarter und erfinderischer zu sein als die relevante Konkurrenz.

Um das mal in ein Bild zu fassen:
Erstere Unternehmen glauben, dass die Wirtschaft ein Wettrennen unter Galeeren-Schiffen ist. Erfolg ist dann zu erreichen durch: Der Galeeren-Trommler muss schneller trommeln und die Ruderer müssen härter Rudern. Und vor allem muss man ganz viel Zeit und Aufwand in die Auswahl investieren, damit man die toughesten der toughen Ruderer bekommt. Und damit man die bekommt, muss man ihnen ganz viel Schmerzensgeld zahlen und weitere Anreize setzen, damit sie „an Bord kommen“, z.B. Massagen am Arbeitsplatz für die schmerzenden Muskeln und Gelenke…

Zweitere Unternehmen glauben, dass es in der Wirtschaft darum geht, dass man nicht bei der Ruder-Galeere stehen bleibt, sondern dass man das Segelschiff erfindet, danach das Dampfschiff, danach das Atom-U-Boot und danach all das, was noch alles möglich ist und was der menschliche Erfindergeist schaffen kann, wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt.

Und eins ist sicher: Die Fortschritte in der Schifffahrt wurden nicht von Galeeren-Ruderern erdacht. Die hatten nämlich keine Zeit dazu. Sie mussten ja rudern… 😉

[Dieser Artikel ist die unüberarbeitet übernommene Kopie eines Beitrags, der erstmals am 10.11.2012 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen ist.]

Es gibt nichts Gutes unter der Wirtschaftssonne, oder: Sachorientierte Unternehmer unter Verdacht

Immer wieder stößt man auf Unternehmen, die ganz offensichtlich aus Interesse „an der Sache“ gegründet wurden oder vorangetrieben werden.

Premium-Cola scheint so ein Fall zu sein. Oder, aus nicht ganz anderer Branche: Innocent Drinks. Bei Marie Miyashiro findet man sogar die Geschichte eines Transport-Unternehmens, dass sich selbst so versteht: „Die Kunden durchs Leben befördern“ (S. 122 in „Der Faktor Empathie“). Auch am Ende dieses Artikels, der im April 2014 in der Zeit erschien, werden zwei solche Beispiele angeführt.

Aber, so fragt man sich: Ist das denn möglich? Dauerhaft? Sind nicht am Ende alle Menschen egoistisch? Treten nicht automatisch, wenn erst mal der Rubel rollt, ganz andere Dinge in den Vordergrund?

Ja, selbst bei der Liste dieser „geprüften Intrinsifier“ bleiben Zweifel, auch wenn diese Unternehmen ausführliche Antworten über ihre internen Abläufe geben und sie dabei von Menschen befragt wurden, die äußerst kritisch sind, was Mogelpackungen und reines employer branding angeht.

In der Tat haben solche Unternehmen ein Problem, wenn es denn überhaupt „ihr Problem“ ist und nicht vielmehr unseres: Man kann sie von außen kaum von allen anderen Unternehmen unterscheiden, die ich gerne „Gewinnabschöpfungsmaschinen“ oder wahlweise „Gelderzeugungsmaschinen“ oder „Unternehmenszombies“ nenne. Denn auch hier wird auf Websites, in Broschüren und in Pressemitteilungen behauptet, dass es den Unternehmen selbstverständlich allein um die Sache und um die Zufriedenheit der Kunden geht.

Unser Misstrauen ist hier ein Spiegel unserer Erfahrungen mit und in Unternehmen. – Aber nicht nur. Unser Misstrauen ist zugleich auch Ergebnis eines negativen Diskurs über „die Wirtschaft“ und über „die Unternehmen“. – Unser Arbeitsrecht ist – mit guten Gründen – ein „Arbeitnehmerschutzrecht“. Und überhaupt scheint der tief in der deutschen Seele verinnerlichte Kategorische Imperativ Immanuel Kants ja so etwas zu sagen wie: Wenn es Dir nutzen bringt, dann ist es nicht mehr moralisch sauber, dann ist es kein „guter Wille“ mehr. – Und strebt nicht jedes Unternehmen genau danach, nach Nutzen?

Ich selbst bin mit diesem Bild der „bösen Wirtschaft“ aufgewachsen. Hineinsozialisiert in die spätesten, letzten Ausläufer hippen 68er-tums, das auf der Schule schick war, in die ich ging. Und darum habe auch ich dieses Misstrauen, wenn ich von „guten Unternehmen“ höre.

Später habe ich dann, im Fach „Wirtschaftsethik“, gelernt, wie fatal es für ein Unternehmen sein kann, wenn es öffentlich und lautstark kommuniziert (und damit Marketing betreibt), dass es in irgendeiner Hinsicht „ethisch“ agiert. Am Beispiel der Fa. Henkel und des Films „In Unschuld waschen“. Denn Unternehmen, die öffentlich mit Ethik hausieren gehen, werden von ebendieser Öffentlicher deutlich kritischer unter die Lupe genommen als ihre Konkurrenz (z.B. in diesem Fall: procter&gamble), die niemals so etwas behauptet hat.- So als könnten wir es psychisch nur schwer ertragen, dass der Profit-vs.-Ethik-Gegensatz auch nur an irgendeiner Stelle unseres Wirtschaftsgeschehens aufgehoben sein soll.

Noch später sind mir dann konkrete Unternehmen begegnet, die „wirklich anders sind“ – so war zumindest mein Eindruck – , die das aber gerade nicht an die große Glocke hängen wollen. Halb aus der Befürchtung, die dadurch geweckten Erwartungen (intern wie extern) nicht einlösen zu können. Halb aus Unklarheit darüber, wie besonders sie waren, also aus positiver Betriebsblindheit („ist das nicht überall so?“).

In jedem Fall hat es das gute, das sachorientierte Unternehmertum nicht leicht, nicht in der Öffentlichkeit. Jene Öffentlichkeit, die uns als entscheidend zähmendes Moment in der Politik so gute Dienste erweist (NUR Wahlen alle 4-5 Jahre allein wären da ein bisschen wenig, die Kontrolle im daily business der Politik leistet eben jene Öffentlichkeit). – Aber hinsichtlich Unternehmen kann Öffentlichkeit kaum oder zumindest nicht zuverlässig leisten, was wir brauchen: Klare, eindeutige, vertrauenswürdige Unterscheidung.

Zwar gibt es Unternehmensbewertungs-Portale wie kununu, und davon mittlerweile eine ganze Menge. – Aber diese werden schnell zu reinen Employer-Branding-Veranstaltungen, ebenso wie das von Unternehmen bezahlte „Deutschlands beste Arbeitgeber“. Zwar gibt es bei diesen Plattformen durchaus Unternehmen, wo auch aus der Innensicht tatsächlich drin ist, was oben auf dem Paket draufsteht. Aber eben nicht immer und überall. Und daher leisten diese Plattformen eben nicht, was wir brauchen: Vertauenswürdige Unterscheidung.

Zwar gibt es auch Zeitschriften wie die „brand eins“, die hier seit vielen Jahren einen fantastischen Job macht, immer neues Gutes, Anderes und Faszinierendes aufstöbert. – Aber auch sie ist bei vielen ein rotes Tuch, steht unter Beschuss, weil sie vermeintlich ein „verzerrendes Bild von der Realität zeichnet“, wo sie in Wahrheit eben nur die lichten Ecken beleuchtet, die überall sonst systematisch ausgeblendet werden. – Und die gleiche Kritik trifft die vielen neuen Publikationsorgane, die es seit neuerem gibt.

Es scheint so, das wir von der Öffentlichkeit nicht viel erwarten können, dass sie uns hilft, Aufmerksamkeit zu erzeugen für Unternehmen, die bereits heute andere Wege gehen, manche seit Kurzem, andere schon seit Langem, einige laut, andere heimlich still und leise. In denen Menschen, in denen Unternehmer am Werk sind, denen es wirklich um die Sache und um den echten Nutzen für ihre Kunden geht.

Wenn ich aber jemand bin, der in einem Unternehmen arbeitet, in dem Zynismus und systemische Verrücktheit an der Tagesordnung ist, dann ist es für mich auch schwer erträglich, davon zu hören, wie saftig das Obst in anderen Gärten angeblich sein soll. Es macht mir wenig Lust, es erhöht meinen Frust. Aber einen Frust ohne Ausweg. Daher blende ich sie lieber aus, die sauren Trauben, die für mich gerade zu hoch hängen. – Ich selbst habe das erst letztes Jahr noch einmal erlebt, als ich Teil von solch einem Unternehmen war: Meine Lust, von guten Unternehmen zu hören, ging schlagartig in den Keller, beinahe zeitgleich mit meiner Unterschrift unter meinen Arbeitsvertrag.

Und dennoch, trotz all dem ist es wichtig, dass es Öffentlichkeitsarbeit, dass es Lobbyarbeit gibt, für die Möglichkeit, wie man heutzutage auch zusammen arbeiten kann, wie man heute auch Unternehmertum definieren kann.

Denn die Welt wächst gerade zusammen. Nie, niemals zuvor war der Slogan vom „global village“ so zutreffend, so wahr, wie er heute ist. Und er wird immer noch wahrer. Man wird immer schneller immer mehr davon hören, wie Unternehmen „intern so drauf sind“. Man wird bald nicht mehr lange irgendwo gearbeitet haben müssen, um einschätzen zu können, ob auch drin ist, was vorne drauf steht. Denn neben dem, dass es jetzt „das Netz“ gibt, werden auch wir immer sensibler für die feinen Unterschiede. Und irgendwann werden wir ihn einfach nicht mehr glauben, den pauschalen Mythos von „Unternehmen sind / Arbeit ist halt so, da kann man nichts machen“. Dann, erst dann werden wir wirklich pragmatisch. Denn dann werden wir schauen, was uns wirklich wichtig ist, werden wir selbst Unterschiede machen und uns dann gezielt das suchen, was wir gerade brauchen. Und uns mit nichts weniger zufrieden geben. – Und damit wird es auch „Öffentlichkeit“ in der altbekannten Form irgendwann nicht mehr geben als das, was uns Fernliegendes nahebringt. Weil dann „gefühlt“ bereits alles recht nah beieinander liegt  und gar nicht erst überbrückt werden muss. Wie in einem Dorf eben. Nur größer, viel größer und vielfältiger, viel vielfältiger.

Aus diesem Grund bin ich so glücklich, dass es so ein Filmprojekt gibt, wie das, das „Augenhöhe“ heisst. Denn für mich ist ist dieses Projekt ein kraftvoller Beitrag zu genau dieser Entwicklung.

Pure business fiction: Eine kleine Theorie des guten Unternehmertums – Wie es in Zukunft in unseren Unternehmen aussehen wird…

Das Erste ist schon mal: Wir wissen alle genau, warum wir hier, in DIESEM Unternehmen sind. Wir haben ein Gefühl für unser HIER und nicht woanders. Wir können unmittelbar spüren, was es uns gibt, hier dabei zu sein. Und wir können genauso unmittelbar spüren, was wir selber hier geben, was unser Beitrag ist, warum es uns hier gerade braucht.

Und das Zweite ist: Wir sehen uns dabei alle als reich, als Pakete voller Ressourcen unterschiedlichster Art, wahre Schatztruhen, als Bündel von großartigen, irisierenden, weil sich immer wieder verändernden Fähigkeiten und Eigenschaften. Fülle eben. Dynamische Fülle. Nicht festgelegt und ganz zugleich. Als „perfekt“. Und zwar MIT allen uns unseren Macken und Begrenzungen. Ja, perfekt gerade durch unsere „Fehler“ und wegen ihnen.

Was uns hier her, zur Beteiligung an DIESEM Unternehmen gebracht hat, sind Fragen wie die Folgenden: Wo bin ich als „absolut perfektes Paket, genau so, wie ich im Moment einfach bin“ gut aufgehoben? Wem will ich dieses aktuelle Paket, das ich bin, am liebsten in die Hand drücken? Wozu will ich mit meinen Ressourcen: Fähigkeiten, Ideen, Erfahrungen beitragen? Was macht mir am meisten Freude? Was will ich wachsen sehen? Wozu in der Welt will ich beitragen?

Durch DIESE Fragen haben wir hierher und zusammen gefunden. In einem Unternehmen, das wir als gemeinsames Projekt sehen, weil wir nur gemeinsam dazu beitragen können, dass in die Welt kommt, was wir alle gleichermaßen verwirklicht sehen wollen. Wir haben eine gemeinsame Mission, eine „shared vision“. Wir sehen die gleichen Kunden vor Augen, für die unser gemeinsames Wirken in diesem Unternehmen eine Lösung eines ihrer Probleme darstellt oder einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Daran arbeiten wir, auch daran, sich noch bessere Lösungen für dieses Problem auszudenken, sie zu realisieren und sie möglichst vielen Kunden zugänglich zu machen. Nicht, weil wir „maximalen Profit“ rausholen wollen. Sondern weil wir von dem, was wir tun, überzeugt sind. Wir machen daher ein Angebot, wir pressen unsere Produkte und Dienstleistungen nicht mit tausend extrinsischen Kaufanreizen und anderen Schleifchen bestückt „in den Markt“. Wir machen aber auch keinen Hehl daraus, dass wir die Qualität unserer Arbeit für gut halten, wir stellen unser Licht nicht unter den Scheffel. Genauso wenig verhehlen und vertuschen wir, wenn wir einen Fehler gemacht haben, wenn unser Produkt einen Mangel hat oder ähnliches. Die Kunden schätzen das. Und sie schätzen uns: Weil wir wirklich verlässlich sind, weil man als Kunde weiß, woran man mit uns ist, weil das Wort „Kundennutzen“ für uns nicht nur ein schönes Marketing-Klingel-Spiel ist, sondern Teil unserer gemeinsamen Mission: Eben der Grund, warum wir überhaupt hier sind, überhaupt für DIESES Unternehmen arbeiten – und nicht für ein anderes, gutes Unternehmen.

Weil wir eine gemeinsame Mission haben, brauchen wir in unserem Unternehmen keinen Chef, der uns antreibt, motiviert oder einbremst oder auch nur „koordiniert“. Das können wir alles selber, machen das alles untereinander aus. Wenn es mal richtig heiß wird, Interessenskonflikte oder Meinungsverschiedenheiten hochschwappen benennen wir einen von uns als Moderator und klären das schnell und mit Blick auf die Sache. Vielleicht holen wir uns manchmal auch einen externen Moderationsprofi, von dem wir aber keinen Input erwarten, sondern eben nur die Strukturierung unseres Gesprächs mit uns selbst. Wenn Konflikte zu häufig werden, machen wir uns Gedanken darüber, ob wir unsere geteilte Mission anpassen, weiterentwickeln oder modifizieren müssen. Oder ob es besser ist, vielleicht getrennte Wege zu gehen und verschiedene Unternehmen zu haben. Dies alles geschieht mit Blick auf die geteilte Mission, in unverbrüchlicher Wertschätzung für die Menschen, mit denen wir zusammen arbeiten. Denn wir wissen, dass wir sie brauchen, um zu realisieren, was wir realisieren wollen. Mehr noch: Wir wissen, dass wir einander in „einem guten Zustand“ brauchen. Daher passen wir auch aufeinander auf. Nicht übergriffig und herablassend (Eltern-Kind), sondern wie Brüder und Schwestern aufeinander aufpassen, wenn sie eine gute Beziehung haben. Über unser gemeinsames Schaffen an einem „Werk“ lernen wir uns auch über das rein funktionale als Menschen schätzen. Wir haben keinen Grund, den anderen klein zu machen oder sonstwie zu demütigen. Wir haben den Raum, bei der Arbeit auf die Gesamtheit unserer Bedürfnisse zu achten und sind aus diesem Grund „meistens gut drauf“. Menschen, denen es gut geht und bei denen das Gesamtspektrum ihrer Bedürfnisse bedient ist, deren „Gesamt-Bedürfnis-Niveau“ gesättigt ist, können mit Konflikten und Problemen gelassen umgehen. Sie sind zuversichtlich, weil es ihnen gut geht.

Wir haben vielleicht noch so etwas wie einen Geschäftsführer – aber auch das nur, weil äußere Institutionen so etwas erwarten und wir sie nicht vor den Kopf stoßen wollen. Wir verstehen uns alle als „Spezialisten auf Zeit für einen bestimmten Aufgabenbereich“. Wir tragen in unseren Augen alle GLEICHERMASSEN dazu bei, dass Realität wird, was wir gemeinsam vor Augen habne. Da wir alle jeden einzelnen von uns brauchen, um realisieren zu können, was wir realisieren wollen, hat kein einziger von uns ein Problem damit, dass wir alle den gleichen Stundenlohn verdienen. Gehaltsunterschiede gibt es nur insofern, als der eine – aus kontingenten Gründen – gerne 20 Stunden pro Woche in unser gemeinsames Unternehmen einbringen will, eine anderer 40, ein anderer für eine begrenzte Zeit 60 Stunden pro Woche. Nicht, weil er das Geld so liebt und „maximal abschöpfen“ will, sondern weil er so viel Erfüllung in der Tätigkeit für unser Unternehmen findet, weil er das Gefühl hat, gerade sehr viel geben zu können, ohne dass er damit seinen anderen Bedürfnissen in den Hintern tritt. Die Höhe des derzeitigen Stundenlohns passen wir gemeinsam flexibel an. Er ist jederzeit änderbar und wird grundsätzlich im Konsens angepasst. Auch hier gibt es keine Probleme: Keiner will das Gesamte durch seinen Egoismus gefährden, dazu ist es ihm zu wichtig. Alle kennen alle zahlen, es herrscht absolute Transparenz darüber, wo wir Businessmäßig gerade stehen. Wenn jemand einfach mehr Geld braucht für seinen persönlichen Bedarf als dieses Unternehmen derzeit abwerfen kann, dann geht er einfach – zum nächsten guten Unternehmen. Er geht ohne Zorn und Verbitterung, aber mit Trauer über den Verlust von etwas, was ihm wichitg ist. Er trifft eine erwachsene Entscheidung darüber, dass ihm derzeit etwas anderes noch wichtiger ist. Daher ist seine Trennung von unserem Unternehmen selbstbestimmt.

Auch Aufgabenveränderungen können wir in unserem Unternehmen selbstbestimmt und im Konsens gestalten. Unser Unternehmen ist dynamisch. Unsere Interessen sind es auch. Da wir alle das gleiche verdienen (pro Stunde), und jede Aufgabe, die getan werden muss, für gleich wichtig halten, damit unser Unternehmen erfolg haben kann, gibt es keinen anderen Anreiz, eine Aufgabe zu machen als den, dass wir Lust auf diese Aufgabe haben, weil wir uns neu ausprobieren, neu erfinden wollen. Wir lassen einander auch diesen Raum für das Sich-erproben und bauen einander auch Exit-Optionen für den Fall, dass einer von uns feststellt, dass ihm eine neu übernommene Aufgabe doch weniger liegt, als er im Vorfeld gedacht hatte. Dadurch, durch die Minimierung des persönlichen Risikos, fördern wir eine experimentierfreudige, wagemutige, erfinderische Einstellung beieinander.

Generell gibt es in unserem Unternehmen Raum für das Gesamtspektrum menschlicher Gefühle. Niemand muss irgend etwas unterdrücken, „damit es funktioniert“. Das ist möglich, weil wir wissen, dass wir einander vertrauen können. Wir können einander vertrauen, weil wir freiwillig an der gleichen Sache arbeiten. Wir haben frei gewählt, hier zu sein, und miteinander zu arbeiten. Weil wir wissen, dass wir im Grunde reich sind: Reich beschenkt vom Leben, reich beschenkt von anderen Menschen, die täglich 99% dessen erwirtschaften, was wir zum Leben brauchen. Wir haben uns entschieden, unseren persönlichen Reichtum in DIESES Unternehmen zu tragen, uns DARAN zu beteiligen. Wir sehen uns selbst als Investoren.

…wie im Titel angedeutet: Pure business fiction. Ich persönlich bin aber überzeugt davon, dass die Realität in vielen Unternehmen in ein paar Jahren ganz genau so aussehen wird.

P.S.  Und noch ein Hinweis, warum „Management“ generell gutem Unternehmertum, wie ich es oben skizziert habe, im Weg steht:

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/a-865990.html

Es gab nicht immer „Manager“ in Unternehmen und es wird nicht für immer „Manager“ in Unternehmen geben.

Viele der Aufgaben heutiger Manager erübrigen sich in einer guten Kultur von ganz allein.

Das wirklich für ein gut zusammen arbeitendes Unternehmen Notwendige, was dann noch vom alten „Management“ übrig bleibt, besteht in sehr konkreten Aufgaben, die von den immer gleichen oder von wechselnden Mitarbeitern übernommen werden können. Dazu gehören auch Hinweise auf bestimmte mögliche (!) zukünftige Entwicklungen in der relevanten Umwelt des Unternehmens, die auf ihre anderen Aufgaben fokussierte Mitarbeiter schlecht dauernd im Blick behalten können. Es sind aber eben nur Hinweise / Informationen, die den anderen Mitarbeitern, „die den eigentlichen Job machen“, in geeigneter Form zugänglich gemacht und vorgelegt werden müssen, so dass dann SIE entscheiden, ob es überhaupt Handlungsbedarf gibt und wenn ja, wie man gemeinsam darauf reagieren will.

Viele Hinweise auf zukünftige Entwicklungen in der Unternehmensumwelt, die ein Unternehmen im Blick haben sollte, werden übrigens ebenfalls „von einfachen Mitarbeitern“ am schnellsten und genauesten gesehen. D.h. auch diese Aufgabe ist sehr begrenzt und nur in ganz bestimmten Teilen nicht mit den normalen, auch sonst notwendigen Arbeitsprozessen verbunden. Nur diese nicht-verbundenen Teile bedürfen einer „Sonderaufgabe“, die in „besonderer Beobachtung“ besteht. Sie bedürfen aber eben nicht zwingend einer eigenen „Rolle“ im Unternehmen, die dauerhaft von den gleichen Menschen ausgefüllt wird.

[Dieser Artikel ist die leicht überarbeitete Version von Beiträgen, die zwischen dem 24.10.2012 und dem 08.11.2012 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen sind.]