Menü

Der Nihilismus in unseren Unternehmen

„Nihilismus“ in Unternehmen ist leicht zu erkennen – Leider nur unser eigener Nihilismus…

Er ist immer genau dann gegeben, wenn das, was wir gerade tun, uns im Grunde herzlich egal ist. Wenn wir innerlich gleichgültig sind, „schmerzbefreit“, etc.

Äußerlich ist er weitaus weniger leicht zu erkennen…

…Nihilismus in Unternehmen kann z.B. erstaunlich „aktiv“ sein. Er kann Pläne fassen, Strategien beschließen, Projekte aufsetzen, Ergebnisse anstreben, ja, sogar diese Ergebnisse erreichen oder übertreffen.

Wann immer wir aber dabei „innerlich tot“ sind, wann immer uns nicht bewegt, was wir gerade bewegen, sind wir grade im „Nihilismus-Modus“ unterwegs.

Weil unser Nihilismus so wenig unmittelbar auf „Ergebnisse“ durchschlägt, dulden Unternehmen, dulden WIR diesen Nihilismus auch ohne Weiteres. – Sowohl bei anderen Mitunternehmern als auch bei uns selbst.

In dem, was ich hier auf ilwyc rauf und runter geißle als „rein zahlenorientiertes Herumgewirtschafte“ ist unternehmerischer Nihilismus das Medium, in dem die ganze Chose schwimmt und sich bewegt…

Innerlich völlig unverbunden mit dem, was man da gerade macht, innerlich völlig unverbunden mit sich, innerlich völlig unverbunden mit den Kunden, innerlich völlig unverbunden mit den anderen Mitunternehmern, innerlich völlig unverbunden mit den Investoren, innerlich völlig unverbunden mit den Dienstleistern, innerlich völlig unverbunden mit dem ganzen – vermeintlich – gemeinsamen Unternehmen…

„Nihilismus“ ist an aller erster Stelle ein Zustand, in dem wir selber sind oder nicht sind. – Und erst nachrangig ein „systemischer Effekt“ oder „eine nihilistische Unternehmenskultur“ oder ein „zynisches Management“.

Natürlich trifft zu, dass viele Unternehmen den „Nihilismus“ ihrer „Mitarbeiter“ triggern, weil sie von ihm zu profitieren glauben. – Und dass sie dadurch nihilistische Zustände ihrer Mitunternehmer verstärken und verlängern. – Weil sie die „Kosten nicht-nihilistischer Zustände“, also die Kosten einer „Nicht-innerlichen-Kündigung“ dramatisch erhöhen durch die Umwelt, die sie für viele Mitunternehmer darstellen…

Dennoch gibt es keine nicht-personalen Hebel, keine systemischen Werkzeuge mit denen man „Nihilismus im Unternehmen“ unwahrscheinlicher machen kann.

Grund: Die relevanteste Umwelt für uns als Menschen waren und sind noch immer: Andere Menschen und ihre inneren Zustände und die äußeren Handlungen, die aus ihnen zuverlässig und erwartbar hervorgehen…

Das heißt im Klartext: Wenn in unserem Unternehmen gerade „der Nihilismus überhand nimmt“, gibt es nur eine einzige Möglichkeit für uns, dass „im Außen“ zu ändern:

Indem wir uns selbst so selten wie möglich in nihilistischen Zuständen aufhalten.

Wir machen damit unserer unmittelbaren Umwelt (unseren Mitunternehmern) ein permanentes Angebot, selbst aus dem herauszugehen, wo sie grade sind. – Natürlich sind sie frei, dieses Angebot zu nutzen oder nicht. – Wir sind nicht „für ihre Zustände verantwortlich“ (soweit kommt’s noch!). – Aber „rein objektiv“, „rein statistisch“ steigt die Wahrscheinlichkeit dadurch beträchtlich, dass sich unsere Organisation in Richtung „mehr Verbundenheit“ bewegt…

Spannend ist nun, worauf wir bestehen müssen, wenn wir damit Ernst machen:

Wenn wir uns entschließen, uns zu unserem eigenen Wohl, zum Wohl unserer Mitunternehmer, zum Wohl unseres Unternehmens, zum Wohl der Kunden, der Investoren, der Dienstleister unseres Unternehmens, „möglichst selten in nihilistischen Zuständen aufzuhalten“, dann können wir viele Verhaltensweisen und Entscheidungen unserer Mitunternehmer nicht mehr auf die Arten und Weisen hinnehmen, wie wir das bislang praktiziert haben…

Es bleibt also nicht bei „einer reinen Innerlichkeit“ oder einem „stillen Entschluss“.

„Unternehmen“ ist Aktion. Ist Handeln. Ist Entscheiden. – Selbst noch im still halten oder im Pausen machen.

Daher werden wir ganz natürlich vom „praktizierten Nihilismus“ unserer Kollegen usw. berührt. Schmerzhaft berührt, wenn wir uns selbst dazu entschlossen haben, das bei uns selbst nicht mehr zu dulden…

WENN wir also wirklich entschlossen dabei bleiben wollen, unserem eigenen Nihilismus den Gar aus zu machen, werden wir ganz unausweichlich dazu getrieben, neue Strategien zu entwickeln, wenn wir auf den operativ-strategischen Nihilismus unserer Mitunternehmer treffen…

Wir können dann gegenüber der Gleichgültigkeit nicht mehr gleichgültig bleiben. – Wir werden „aus der Rolle fallen“. Wir werden „unprofessionell“ werden müssen…

Aber wir können das auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten tun:

Einer Art, durch die wir uns selbst schaden, isolieren und das Unternehmen dazu bringen, „sich gegen uns zu immunisieren“. Mit dem Ergebnis, dass wir „aus dem Unternehmenskörper“ herausgeschleust werden durch die diversen „weißen Blutkörperchen“, die ein Unternehmen so hat und die es auch haben MUSS, wenn es sich selbst erhalten will…

Wenn wir es AUF DIESE ART tun, ist unser Effekt gleich Null. Zumindest auf unsere Mitunternehmer und auf unser Unternehmen. Für uns selbst hat es dramatische Effekte. Aber wenig erfreuliche…

Aber es gibt eben auch eine andere Art, die geschickter, klüger, spannender und effektvoller ist: Wir können unseren jeweiligen Mitunternehmer bei dem packen, was für ihn TROTZ ALLEM NIHILISMUS immer noch Bedeutung hat.

Dazu muss man genau wahrnehmen. Die Unterschiede bei anderen Menschen sehen, spüren. Und den Mut haben, da hinein zu gehen, das zu nutzen.

In der GfK nennt man diesen Teil: „Das, was im Menschen gerade lebendig ist“.

Und in jedem Menschen, der noch „biologisch lebt“, ist noch irgendetwas lebendig. – Menschen, in denen innerlich nichts mehr lebt, sterben. – Man kann das oft bei Menschen wahrnehmen, die „sich nach langer Krankheit entschließen zu sterben“.

Wir wecken dieses Verschüttete oft schon durch unsere eigene Lebendigkeit. – Wenn wir auf sie bestehen, wenn wir sie uns nicht selbst nehmen, wenn wir uns nicht selbst Angst machen (in wirklich furchterregenden Situationen, von denen es in Unternehmen deutlich mehr gibt, als man sich eingestehen möchte; wenn man es sich eingestehen würde, könnten das am Ende noch die anderen mitkriegen…).

Aber eben nicht immer.

In manchen Situationen braucht es auch „die Offensive“. Die kluge Offensive. – Das aktive Kontaktaufnehmen, das Bündnis mit dem „Nicht-Nihilistischen im Anderen“.

Und dieses Bündnis findet man – wie könnte es beim „Nihilismus“ anders sein? – nahezu immer in der offenen und offensiven Negation:

Man spricht dem Anderen offen ab, dass etwas für ihn Bedeutung hat, das für ihn trotz allem offensichtlich immer noch Bedeutung hat. – Man erklärt dem anderen sehr direkt und glaubwürdig, das man sein offensichtliches Bedürfnis in diesem Moment und in Zukunft zu ignorieren beabsichtigt. – Man verschärft vorsätzlich den Nihilismus im Unternehmen. – Bis zu einem für den Anderen unerträglichen Grad.

Denn DANN beginnt das Leben in ihm sich von ganz alleine „zu wehren“…

Manchmal müssen wir zu dem hier werden, um dem Nihilismus in unseren Unternehmen, den wir uns unerträglich gemacht haben, auf Augenhöhe entgegenzutreten…

Und in der Folge erleben wir auch, wie viel „Lebendigkeit in Unternehmen“ wir selber wirklich haben wollen…

Wie lebendig wir noch sind.


An den werten Leser, die werte Leserin, die sich durch die Zeilen dieses Artikels bis hierhin durchgekämpft hat:

Ich freue mich, wenn Sie Lust haben und mir im unterhalb dieses Artikels angeschlossenen Kommentarfeld eine Rückmeldung geben, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm).

Genauso gern ohne wie mit Begründung. Begründungen können in die Richtung gehen: “Warum überhaupt mehr als 1?” Oder auch: “Warum unterhalb von 10 geblieben?”

Diese Ihre Bewertung dient meinem persönlichen Tracking der “wahren Wirkung” von ilwyc: Wenn Sie eine solche Bewertung abgeben, erfüllt mich das – wie auch immer sie ausfällt – mit Glück 🙂

Danke Ihnen dafür!

Advertisements

Glücksmessung bei Kunden zur individuellen Selbststeuerung von Unternehmen

Unternehmen haben IMMER das Ziel möglichst viele Menschen möglichst glücklich zu machen. Das ist ihr „innerer“ Daseinszweck. Er ist von der „äußeren“ aktuellen Verfassung des Unternehmens unabhänig.

Menschen werden glücklicher, wenn ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Sie werden weniger glücklich, wenn ihre Bedürfnisse über längere Zeit nicht befriedigt werden. „Bedürfnisse“ hier verstanden im tieferen, von Marshall Rosenberg geprägten Sinn: Universal-menschliche, „echte“ Bedürfnisse.

Vor diesem Hintergrund macht es viel Sinn, wenn Unternehmen das Glück, das sie ermöglichen, regelmäßig messen, um „sich mit sich selbst vergleichen“.

Das hat mehrere Vorteile: Es erübrigt den „Vergleich mit anderen (Unternehmen)“. Der relevante Vergleich ist immer man selbst, bzw. das eigene Wachstum. Genauer: Das Wachstum, Stagnieren oder der Rückgang des eigenen Beitrags zum „menschlichen Glück“.

Es gibt einem einen konreten Fokus. D.h. jedem Mitunternehmer, der daraufhin besser sich selbst steuern kann.

Es versachlicht die Kommunikation innerhalb von Unternehmen (also zwischen den Mitunternehmern) ganz erheblich. Bullshit-Kommunikation (in der es um anderes geht als um Bedürfnisse) hört von allein auf oder lässt sich mit dem Verweis darauf, dass es Bullshit-Kommunikation ist, leichter ad acta legen. – Es ist nämlich für alle leicht überprüfbar, ob gerade ein Bedürfnisbezug in der Kommunikation vorhanden ist oder eben nicht. Nahezu jeder Mensch kann das unmittelbar unterscheiden, wenn der Fokus darauf gelenkt wird. – Daher kann dadurch das Unternehmen auf diesem Wege sehr leicht „kommunikativ entschlacken“.

Das „Glücks-Wachstum“ hat allerdings Grenzen. – Unternehmen tun also gut daran, dass sie sich nicht dadurch in den Wahninn treiben, dass sie so etwas wie „unbegrenztes Glücks-Wachstum“ anstreben. Die Grenzen liegen in der Identität des Unternehmens, im gewählten lebensdienlichen Zweck des Unternehmens und in den anderen Bedürfnissen der Mitunternehmer („andere Bedürfnisse“ deswegen, weil „Identität“ und „Lebensdienlicher Zweck“ EBENFALLS lebendige Bedürfnisse der Mitunternehmer sind. Näheres dazu findet man bei Marie Miyashiro ausgeführt).

Dennoch macht es Sinn, „unternehmerisch“ zu bleiben und durch die besagten Messungen die Wahrnehmung aller Mitunternehmer auf Möglichkeiten zu fokussieren, wie man möglicherweise trotz der existierenden Grenzen „die Glückszahlen erhöhen“ 😉 könnte…

Im weiteren Sinn: „Die Glückszahlen aller am Unternehmen beteiligten Menschen“. Also sowohl der Kunden, wie auch der Mitunternehmer, der Investoren, der Dienstleister, sowie anderer menschlicher Stakeholder, die auf andere Weise „am Unternehmen beteiligt“ sind…

Diese ließen sich dann in einem solcherart erweiterten „Kunden = Mitunternehmer“-Begriff allesamt als „Kunden UND Mitunternehmer“ des jeweiligen Unternehmens verstehen.

Bestimmte Unterschiede, die bislang im Kontext von Unternehmertum sehr wichtig waren, werden dadurch unwichtiger. Einige andere Unterschiede, die bisher im Kontext von Unternehmen bisher oft nicht allzu wichtig genommen wurden, werden dadurch aufgewertet.

Ich schlage zum Zweck der unternehmerischen Glücks-Beitrags-Messung folgende einfache Skala vor:

1-10

1= Kein Beitrag zu meiner Befriedigung / zu meinem Glück – Lässt mich völlig kalt, was Du da machst / was Ihr da macht.

10= Feels like an orgasm

Die Zahlen werden schlicht und einfach addiert. – Sie geben aggregiert „den Beitrag des Unternehmens zum Menschheitsglück“.

Mehrere Rückmeldungen durch den gleichen Menschen sind jederzeit möglich. Jede Glücks-Rückmeldung „ist für die Ewigkeit“, wie ja auch jeder menschliche Moment „für die Ewigkeit ist“.

Es wird kein Unterschied gemacht zwischen „geringem Glück für viele“ und „großem Glück für wenige“ als Folge von dem, was wir unternehmerisch treiben…

Man kann jederzeit jeden (Kunden) fragen. Bzw.: Jemand, den man fragt und der antwortet, wird durch seine Antwort auf diese Frage automatisch zum „Kunden“ des Unternehmens (im Gegensatz zu bisher: erst dadurch dass er Geld zahlt).

Ziel des Unternehmens ist es

a) die Zahl von Jahr zu Jahr, Monat zu Monat, Tag für Tag, Stunde für Stunde zu erhöhen.

b) Ohne dabei wahnsinnig zu werden. D.h.: Unter Wahrung der eigenen Unternehmensidentität, der eigenen Unternehmensmission (keine „Gemischtwarenläden“, stattdessen: Klarheit, für welche menschlichen Bedürfnisse wir uns hier in DIESEM Unternehmen zuständig fühlen) und unter Wahrung der eigenen Bedürfnisse.

Ich beginne einfach mal hier ganz direkt damit:

Gehen wir mal davon aus, dass dieser Artikel hier in irgendeinem verquasten Sinne „ein Produkt“ darstellt:

Würden Sie mir den Gefallen tun und im angeschlossenen Kommentarfeld von wordpress eine Rückmeldung machen, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm)?

Sie würden mir eine Freude damit machen! 🙂

Sollte sich das, was an Feedback einläuft, zweckmäßig anfühlen, würde ich diese Bitte fortan an jeden der hier erscheinenden Artikel anschließen. – Auf diese Weise könnte ich „unternehmerisch messen“, wie sehr meine ilwyc-Artikel „zum menschlichen Glück“ beitragen. Oder eben nicht.

Um mich selbst damit nicht verrückt zu machen, operiere ich NICHT mit abstrakten Zielvorgaben („ich will aufaddiert im Monat März 2015 die und die Zahl unbedingt erreichen“).

Aber ich bekomme dadurch ein Feedback, mit dem ich weiter arbeiten kann, mit dem ich mich selbst viel, viel besser selbst steuern kann, meine Artikel in eine Richtung weiter zu entwickeln, in der sich wahrscheinlich mit der Zeit „ein größerer Nutzen (hier: meines Schreibens) für eine größere Zahl von Menschen“ ergibt…

Und das will am Ende JEDES Unternehmen: Anderen Menschen nach seinen Möglichkeiten maximal nutzen.

Unser natürlicher Einfluss in unseren Unternehmen

Wenn wir derart viel Einfluss auf unsere Mitmenschen haben, wie in den letzten Artikeln auf ilwyc angenommen – ermutigt durch das in therapeutischen Situationen Erlebbare -, was heißt DAS nun für uns als MITUNTERNEHMER unserer aktuellen Unternehmen?

Ich war und bin glücklicherweise von Menschen umgeben, die es mir persönlich vormachen, was das heißen kann: Menschen, die sich IN ihren Unternehmen immer wieder rausziehen. Und von dort aus einen eigenen Standpunkt, eine eigene Haltung gewinnen, von denen aus sie einen eigenen Einfluss haben…

Hört sich trivial an? – Ist es aber nicht!

Der Normalfall ist, dass das Unternehmen wie seine Mitunternehmer im Fluss der Aktivitäten untergehen, vor allem im Versuch, Erwartungen zu erfüllen.

Das Unternehmen wie seine Mitunternehmer sind gewissermaßen „würdelos“ unterwegs: Ohne eigenes Gewicht, verschwundene Wassertröpchen im „Strom der täglichen Ereignisse“.

Das genannte „Innehalten“, Sich-zurückgewinnen und von DORT aus handeln ist also ein ganz ENTSCHEIDENDER Unterschied zwischen Unternehmen und Mitunternehmern, die sich ihre Substanz wahren und aus ihr heraus handeln, und solchen Unternehmen, die keine Substanz zu haben scheinen und in denen die Mitarbeiter „von ihrer Substanz leben“, das Unternehmen ausbeuten und sich vom Unternehmen ausbeuten lassen.

Ein Blogartikel, auf den ich gestern gestoßen bin, verdeutlicht das sehr schön:

Vor allem der Satz: „Die tragende Idee ist wichtiger als die Produkte“ gefällt mir dabei besonders gut, weil er deutlich macht, dass die Substanz sich nicht in den aktuellen Aktivitäten des Unternehmens erschöpft.

Ich selber muss dabei natürlich zugleich auch an das von mir bevorzugte Konzept von Marie Miyashiro denken, das den gleichen Sachverhalt in die beiden Unternehmensbedürfnisse „Identität“ und „Lebensbejahender Zweck“ fasst.

Und auch der bei Miyashiro formulierte Weg, eine organisches Kontinuum zwischen Unternehmens-Zweck und operativen Aktivitäten zu schaffen, wird in dem Blogartikel in eine schöne Formel gefasst:

Die Konsistenz des Warum (die tragende Idee), das Wie (Prozesse) und das Was (die Produkte) müssen konsistent miteinander sein. Widersprüche werden von Kunden und Mitarbeitern sofort wahrgenommen und führen zur Entfremdung und zum Verlust der Loyalität.

Bei Miyashiro ist das bereits etwas „operativer“ ausgedrückt, indem konkrete Bedürfnisse in eine Reihenfolge gefasst sind, in denen man sich ihnen zuwenden könnte, falls das in der jeweils momentanen Situation „auch von innen heraus“ stimmig erscheint.

Das Konzept der „Unternehmensbedürfnisse“ ist auf den Punkt gebracht, ein Angebot, wie ein Unternehmen es schaffen kann, seine Würde zu erhalten oder wieder zu erlangen. Eine Würde die vom Alltagsgeschehen im Business permanent „bedroht“ ist, wenn sie keine regelmäßige Aufmerksamkeit im Unternehmen bekommt und wenn sie für die Mitunternehmer keine emotionale Bedeutung hat.

„Emotionale Bedeutung“ bedeutet hier zweierlei:

a) Eine für jeden einzelnen Mitunternehmer subjektiv-nachvollziebare Bedeutung – Was für uns Bedeutung hat, entscheidet sich nicht „im Unternehmen“, es entscheidet sich in uns, in jedem Einzelnen von uns. Wir geben Bedetung oder eben nicht. Das ist eine freie, souveräne Entscheidung jedes Einzelnen.

b) Eine Bedeutung, die eine natürliche Auswirkung auf sein Handeln hat, ohne zusätzliche Zwänge, Ängste, Belohnungen, Bedrohungen.

Wenn die Würde des Unternehmens für den einzelnen Mitunternehmer „emotionale Bedeutung“ hat, dann heißt das auch, dass er das Gefühl hat: „das ist AUCH mein Unternehmen“ und „ich möchte dazu beitragen, dass es dem Unternehmen gut geht“. – Selbst ohne individuelle Anreize (Belohnungen) oder individuelle Ängste (Bedrohungen durch Ressourcenentzug).

Mindestens genauso wichtig wie dass das Unternehmen als Ganzes sich nicht verliert, ist aber auch: Dass sich jeder einzelne Mitunternehmer nicht „im Unternehmen verliert“, ganz unabhängig davon, ob das Unternehmen vorwiegend zahlenorientiert (selbstverloren) oder bedürfnisorientiert (selbstbestätigend) unterwegs ist.

Alle „souveränen“ Mitarbeiter und Mitunternehmer, die ich bisher erleben durfte, pflegen Praktiken, die ihnen helfen, „sich nicht im Unternehmen zu verlieren“.

Denn auch in einem bedürfnisorientierten Unternehmen ist die „Substanz des Unternehmens“ NICHT mit der „Substanz des Mitunternehmers“ identisch!

Einer der größten und für mich gewichtigsten Unterschiede zwischen Bedürfnisorientierten und Zahlenorientierten Unternehmen besteht gerade darin, dass Bedürfnisorientierte Unternehmen ihre Mitunternehmer darin systematisch unterstützen, sich immer wieder ihrer Substanz versichern zu können. Zahlenorientierte Unternehmen tun das nicht, wenn sie es tun, tun sie es nicht systematisch, sondern eher zufällig; in den meisten Fällen jedoch machen es zahlenorientierte Unternehmen ihren Mitarbeitern schwer, „ihre Substanz nicht zu verlieren“ bzw. versuchen sie sogar offensiv auszubeuten.

Die Folge ist, dass „Burn out“ in vielen zahlenorientierten Unternehmen keine Frage des „Ob“ oder „Wer“ ist, sondern nur eine Frage des „Früher oder Später“.

Geht man nun mal von der „Verantwortung der Unternehmen“ weg (die sowieso nur in einem Zustand der Entfremdung NICHT unsere Verantwortung ist – Im natürlichen Verhältnis sind WIR unsere Unternehmen, folglich ist die „Verantwortung der Unternehmen“ identisch mit unserer Verantwortung), und lässt uns zurück an unser „Lebenssteuerrad“, dann wird die ganze Geschichte deutlich konkreter und trivialer, aber gerade nicht „einfacher“ für uns:

Wir machen in unseren Unternehmen gewaltige Unterschiede. Aber eben nur, „wenn wir bei uns sind“. Wir selbst tragen dafür sorge, „ob wir immer wieder bei uns sind“ – Oder eben nicht. Den größten Einfluss in ihren Unternehmen haben Menschen, die sich immer wieder ihrer Substanz vergewissern. – Und zwar auf „ganz natürlichem Wege“: Über den „hardwired“ Anteil der zwischenmenschlichen Interaktionen. – Solche Menschen befinden sich „in ihrer eigenen Würde“. – Das wird von ALLEN anderen Menschen ganz unweigerlich wahrgenommen (genauso wie ihr Fehlen übrigens).

Bisher verweigern wir die meiste Zeit unseren Mitunternehmern und unseren Unternehmen die Ehre, in den Genuß von uns selbst in unserer Würde zu kommen.

Die Frage ist für mich: Gibt es einen Grund für mich, so etwas Sinnloses weiter fortsetzen?

 

Eines von vielen möglichen Enden der Reproduktion der GOD-POSITION in Unternehmen…

„Die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre sind einfach zu verstehen: Die Mitglieder einer Branche sind nicht alle exakt gleich, sondern unterscheiden sich geringfügig in ihrem Lebensdienlichen Zweck und ihrer Identität. Nicht alle Unternehmen überleben den Wettbewerb um die Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen und regen zur Bildung von neuen Unternehmen an.

Die besten Chancen zu überleben haben solche Unternehmen, die durch ihre Kultur und Organisation besser als andere Unternehmen an die gerade vorhandenen menschlichen Bedürfnisse angepasst sind. Sie verkaufen dann mehr Produkte oder Dienstleistungen als andere und regen auch andere Unternehmen zu ähnlichen Organisationsformen und Unternehmenspraktiken an.

Auf diese Weise haben sich im Laufe langer Zeiträume zahlreiche Unternehmensarten und Rechtsformen aus zunächst einfachen Handwerksbetrieben, Fabriken, Start-Ups und Einzelunternehmen entwickelt. Alle Unternehmen sind also miteinander verwandt, sie sind Teil einer gewaltigen unternehmerischen Evolution.

Die Entstehung von Unternehmen ist die Folge von zahlreichen Zufällen. Die unternehmerische Evolution hat kein Ziel, sondern reagiert nur auf die jeweiligen menschlichen Bedürfnisse. Sie kann auch auch keine Unternehmen [aus dem Nichts] konstruieren, sondern muss die jeweils in den bisherigen Unternehmen und Rechtsformen angelegten Möglichkeiten nutzen.“

Aus diesem Buch, S. 5 zitiert. – Mit vereinzelten Änderungen… 😉

Wozu gibt es eigentlich Unternehmen?

Nun, die Antwort auf DIESE Frage ist wirklich einfach…

Unternehmen sind dazu da, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. – Deswegen gründen wir sie, deswegen betreiben wir sie, deswegen schließen wir uns ihnen an und deswegen machen wir sie auch manchmal dicht oder setzen sie in den Sand.

Nun sind es aber Bedürfnisse von Menschen, die etwas verschieden an einem Unternehmen beteiligt sind. Die wohl drei wichtigsten Formen (neben anderen, die es auch noch gibt), an einem Unternehmen beteiligt zu sein und durch seine Beteiligung bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen, sind:

1.) Als Kunde, durch den Kauf von Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens, die ganz unmittelbar bestimmte meiner Bedürfnisse befriedigen sollen.

2.) Als Mitunternehmer, der Lebenszeit investiert und dadurch hofft, bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. U.a. Geld, das wiederum verwendet werden kann, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Aber auch anderes, wie Sinn, wie Austausch, wie Anregungen, Abwechslung, „aus dem Haus kommen“, Geborgenheit, Kommunikation, Erleben von Selbstwirksamkeit, etc.

3.) Als Investor, der Geld investiert und dafür in Zukunft mehr Geld zurückerhalten möchte, das er wiederum für anderes verwenden kann. – Auch hier können unterschiedlichste Bedürfnisse eine Rolle spielen. Auch das Bedürfnis nach Sinn (= „Impact Investing“). Aber auch andere: Bestätigung eigenen Wissens (wenn man „richtig investiert hat“), „Altersvorsorge“, ein gewisser Spiel- und Zocker-Trieb, Anerkennung, etc.

Nun kann man die Frage stellen, welche Form von Bedürfnis-Gruppe den anderen übergeordnete ist, welche Bedürfnisse die wichtigsten sind und „zuerst bedient werden sollten“.

Aus meiner Sicht: Keine.

Wir können dreist einfach annehmen, das alle Bedürfnisse gleich wichtig sind.

Auf diesem Weg gelangen wir zu einem Schluss, der Unternehmen um einiges weiter bringt als es das Herumschlagen mit Rechtsfragen und Anspruchsfragen je bringen könnte…

…wir kommen dann nämlich zu dem Schluss, dass es für den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens (Erfolg im Sinne von: Es befriedigt die Bedürfnisse, die es befriedigen soll – Es erfüllt die Zwecke, zu denen es „von Menschen gemacht wird“) entscheidend ist, dass alle Bedürfnisgruppen / Beteiligungsgruppen in regem und ständigem Austausch miteinander bleiben. Und zwar in Austausch über die eigenen Bedürfnisse.

Wenn ich IRGENDETWAS kritisieren dürfte an den heute verbreiteten Formen von Unternehmertum, dann wäre es: Dass dieser ganz natürliche Austausch in vielen unserer heutigen Unternehmen künstlich blockiert wird.

D.h. wir haben heute viele Unternehmen, in denen sich die unterschiedlichen Beteiligungsgruppen

1.) nicht

2.) nicht effektiv

3.) nicht häufig genug

4.) nicht aufrichtig genug

etc.

miteinander über ihre Bedürfnisse verständigen.

Wir haben damit nicht nur systematische „Kommunikationsblockaden“ in unseren Unternehmen, sondern wir haben viel tiefergehend und aus meiner Sicht viel schlimmer: „Klarheitsblockaden“ in unseren Unternehmen. Und zwar Klarheitsblockaden nicht indivdueller, sondern systemischer Art, die weitgehend „einzel-personen-unabhängig“ vorhanden sind, auch wenn sie nur von uns selbst, also „von Personen“ behoben werden können.

Die unterschiedlichen Beteiligungsgruppen wissen oft nicht, welche Bedürfnisse bei den jeweils anderen Beteiligungsgruppen gerade im Spiel sind. Ja, sie interessieren sich gar nicht dafür.

Durch diese „unvollständige Kooperation“ scheitern die meisten Unternehmen und verfehlen ihren Daseins-Zweck: Sie befriedigen weniger menschliche Bedürfnisse als sie könnten und sie befriedigen die Bedürfnisse, die sie befriedigen, in geringerem Ausmaß als sie könnten.

Und Menschen neigen dazu, „Unternehmen“, die ihre Bedürfnisse nicht hinreichend befriedigen, diejenigen Ressourcen zu entziehen, die sie bisher in sie reingesteckt haben – um fortan schlichtweg „andernorts zu investieren“…

D.h. im Klartext:

1.) Kunden kaufen woanders.

2.) Mitunternehmer investieren ihre Zeit, Aufmerksamkeit, Kräfte, Ideen und Liebe woanders. – Offen oder unter der Hand.

3.) Investoren ziehen ihr Geld ab und investieren lieber woanders.

Das heißt: Der „philosophische“ Zugang, mal den tieferen Zweck von Unternehmen in den Blick zu nehmen und zu fragen, wozu ein Unternehmen eigentlich da ist, seine Selbstverständlichkeit in Frage zu stellen, zeigt deutlich:

Die Wurzel der Probleme, die Unternehmen haben. Und: Was wir in Unternehmen tun können, wenn wir diese Probleme angehen wollen.

Die Rückbindung von „etwas unternehmen“ an ihre Quelle: unsere Bedürfnisse und die unserer Mitmenschen, und die Sichtweise: „Jeder Mensch ist ein Investor – Ob er das wahr haben will oder nicht“, führen alle auf den gleichen Zielpunkt:

Klarheit und Austausch über Bedürfnisse in Unternehmen.

Nicht-Dulden des Nicht-Austausches.

Aufbruch von Schonhaltungen. Ignorieren von Ängsten. Wegräumen von rechtlichem und moralisierendem Schutt. In-Kauf-Nehmen von Verletzlichkeit und zwischenmenschlichen Risiken.

Und: Viel mehr Kontakt.

Das heißt nicht zwingend, dass wir nun NOCH MEHR ineffiziente und ineffektive Meetings in Unternehmen brauchen. DIE gibt es bereits im Überfluss.

Sondern dass wir, wenn wir in Unternehmen miteinander sprechen, über WESENTLICHES sprechen: Über unsere Bedürfnisse und die unserer Mitunternehmer, unserer Kunden und unserer Investoren.

Und den ganzen überflüssigen Firlefanz weglassen, der dem einzigen Zweck dient: DER VERMEIDUNG, dass über Bedürfnisse gesprochen wird. AUS ANGST davor, was DANN passieren wird…

Was wir also brauchen, sind:

1.) Mutige Kunden

2.) Mutige Unternehmer

3.) Mutige Investoren

„Mutig“ im Sinne von: Bereit und entschlossen, sich den eigenen Ängste davor zu stellen, die ganz unweigerlich aufkommen, wenn man sich vornimmt, sich mit den anderen Beteiligten darüber auszutauschen, was ihnen und den anderen am Unternehmen wirklich wichtig ist, welche Bedürfnisse sie über ihre Beteiligung an DIESEM Unternehmen eigentlich befriedigen wollen.

Das läuft über eigene Klarheit und eigene Klärung. – Das ist nicht unbedingt etwas, das „im stillen Kämmerlein“ oder „in einer ruhigen Minute im Einzelbüro“ passiert. – Oft gewinnen wir diese Klarheit gerade in der Interaktion, im Konflikt, im Gespräch, indem wir uns „aneinander reiben“, indem es „gerade nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben“…

All das liefert Klarheit über eigene Bedürfnisse.

Ich glaube, dass wir viel fieser werden müssen im Business: Fieser zu uns und fieser zu den anderen.

Dass wir uns und die anderen WENIGER in Ruhe lassen, wenn wir oder sie „unwesentlichen Schwachsinn“ von sich geben oder auf der Basis von völliger Unklarheit über eigene Bedürfnisse Unternehmensrelevante Entscheidungen treffen.

Das geht los „bei der Einstellung“ neuer Mitunternehmer. Bei der Aufnahme eines Kredits. Bei der Entscheidung, sich DIESEM Unternehmen anzuschließen und dort die eigene und schmerzhaft begrenzte Lebenszeit zu investieren. Bei der Entscheidung, mit meinem Geld zum Wachstum oder auch nur zur Aufrechterhaltung DIESES Betriebs beizutragen und nicht von jenem Betrieb. Bei der Entscheidung, DAS DORT zu kaufen und DAS HIER nicht zu kaufen.

Mir persönlich sind die größten Teile des heutigen Business, die ich vorfinde, viel zu soft. Viel zu windelweich in ihrer Unklarheit, in ihren Wischi-Waschi-Entscheidungen. – Das wird zwar sauber kaschiert von irgendwelchen „knallharten“ Zahlenspielereien. Aber wie bei jedem Zaubertrick versuchen wir uns mit jenem „Over-Controlling“ nur von etwas anderem abzulenken. Etwas wichtigerem, was dort zugleich passiert…

…nach meinem Dafürhalten versuchen wir uns durch „die harte BWL“ davon abzulenken, dass wir keine Ahnung haben, warum wir HIER arbeiten, warum wir HIER investieren, warum wir HIER kaufen.

Wir haben keine Ahnung, was wir wirklich wollen.

Und das ist die Grundlage der meisten Geschäfte, die derzeit abgeschlossen werden.

Natürlich kann ich jeden Deal, jede Entscheidung ex-post rationalisieren. Natürlich kann ich mich auf Zahlen herausreden.

Aber das kann eben nicht kaschieren, dass es sich um völligen Mindfuck handelt. Um Dinge, die für uns in Wahrheit überhaupt keine Bedeutung haben, die leere Betriebsamkeit und „lindernden Konsum“ generieren. – Eine hohle Maschine auf Hochbetrieb, zu deren Bestandteilen, zu deren Rädchen wir uns machen. Ohne Erfüllung, ohne Sinn, ohne Zweck, ohne echte Befriedigung.

„Nihilismus in Aktion“ sozusagen…

Wir können das machen. Wir können das weiter machen. Die Welt wird davon nicht untergehen. Ist sie bis jetzt nicht – und wird sie auch in Zukunft nicht. – Ich bin da deutlich „optimistischer“, in Wahrheit: „pessimistischer“ als viele heutige Zeitgenossen, die glauben, dass sie durch irgendeinen mystischen „Zusammenbruch des Systems“ irgendwann von außen erlöst werden…

Aber unsere wertvolle Lebenszeit verrinnt. Sie verrinnt sinnlos.

„Die Welt“, „das Business“, „die Wirtschaft“ kümmert das nicht.  – Sie nehmen weiter ihren Lauf.

Aber uns, uns könnte das vielleicht stören.

Oder eben auch nicht…

…das muss wohl jeder „für sich selbst entscheiden“…

Kundenzentriertes Verkaufen – Eine Fantasie aus der Praxis

Stellen Sie sich vor: Sie sind ein Verkäufer oder Vertriebler, „im Namen Ihres Unternehmens“ unterwegs. Sie sind „das Gesicht zum Kunden“..

Und stellen Sie vor: „Ihrem“ Unternehmen sind die Kunden, die sie bedienen, im Grunde egal. Sie sollen einfach nur möglichst viel aus dem vorhandenen Sortiment „an den Mann, an die Frau bringen“…

Das wissen allerdings nur Sie, die Kunden wissen das natürlich nicht, ihnen wird „marketingtechnisch“, „weil man das halt so machen muss“, das genaue Gegenteil signalisiert: „Der Kunde ist König“, „wir lösen Ihre Probleme“, „wir sind für Sie da“, „Leben Sie Ihr Leben, wir kümmern um uns X“, etc.

Sie als professioneller Verkäufer aber können aus zahlreichen offiziellen Äußerungen Ihrer Vorgesetzten und aus dem ganzen Agieren des Unternehmens herauslesen:

Die Kunden sind dem Unternehmen, für das sie arbeiten, herzlich egal. „Kunden“ werden in ihrem Unternehmen eher betrachtet wie Melkkühe oder wie Dummies, die halt weniger wissen über die Produkte des Unternehmens und die Produkte anderer Unternehmen. – Eine Wissensasymmetrie, die sie als Verkäufer zum Wohle ihres Unternehmens weidlich und geschickt ausbeuten sollen…

Sagen wir der Vorstellbarkeit halber: Sie sind ein Schuhverkäufer.

Nun haben Sie einen Kunden, der einen Wunsch hat, den sie gerade nicht erfüllen können. Vielleicht will er einen Schuh in einer Größe, die nicht vorrätig ist. Oder er hat Vorstellungen von seinem neuen Laufwerk, die sie aus dem gerade vorhandenen Sortiment nicht wirklich bedienen können.

Wie fühlt sich das wohl an? Nicht: „Wie fühlt sich das für den Kunden an“. Sondern: Wie fühlt sich das für Sie als Verkäufer wohl an?

Ich spüre bei der Vorstellung: Zerrissenheit, Stress, Genervtheit, Unlust, Aggressivität.

Nun habe ich noch nie als Schuhverkäufer gearbeitet. – Am tiefsten drin im Einzelhandel war ich mal ein paar Monate als Teilzeit-Kassierer für eine große Kette in einem Markt mit 22 Kassen. Und das vor knapp 20 Jahren.

Ich habe also „eigentlich keine Ahnung“ wie ich mich in der oben vage skizzierten Situation wirklich fühlen würde. – Und noch viel weniger, wie andere sich in einer solchen Situation fühlen.

Aber ich habe in den letzten Jahren viele Kunden gehabt, für die vergleichbare Situationen „daily business“ waren.

Und ich habe mir anhören „dürfen“, was den betreffenden Menschen nach vielen Jahren mit solchen Situationen so alles durch den Kopf ging, was ihnen durch den Körper ging, was ihnen durch Mark und Bein ging und was Ihnen ans Herz ging…

Viele davon waren offensichtlich großartige Verkäufer, Kenner und Könner ihres Fachs. – Obwohl wir uns in keiner Verkaufssituation befanden, merkte ich für mich allein schon beim „neutralen Zuhören“, wie es wohl für mich wäre, auf sie als Verkäufer zu treffen, wie ich Lust bekam, mit diesen Leuten als Kunde in Kontakt zu sein.

Nun stellen Sie sich nochmal vor, Sie sind Schuhverkäufer. UND Sie sind Teil einer Organisation, der die Kunden wirklich etwas bedeuten.

Klingt irgendwie idealistisch.

Aber bleiben wir dennoch mal dabei: Sie kommen also in die gleiche Situation, sind aber Teil von etwas ganz anderem. Die Situation ist, noch einmal:

Sie haben einen Kunden, der einen Wunsch hat, den sie gerade nicht erfüllen können. Vielleicht will er einen Schuh in einer Größe, die nicht vorrätig ist oder er hat Vorstellungen von seinem neuen Laufwerk, die sie aus dem gerade vorhandenen Sortiment nicht wirklich bedienen können.

Wie werden Sie sich nun wohl fühlen? Und: Was werden Sie wohl tun?

Bei mir ist es Folgendes, aber ich bin wohl kein sonderlich guter Verkäufer:

Zunächst: Da ist keine Zerrissenheit. Ich würde wohl vermutlich recht entspannt sein. Wir schauen mal, worum es dem Kunden wirklich geht. Und dann schaue ich, ob wir den eigentlichen Wunsch des Kunden doch irgendwie erfüllen können. – Wenn nicht: Auch okay. – Ich sage dem Kunden, wann und wie wir den Wunsch erfüllen könnten, auch wenn wir das jetzt grade nicht können.

Und wenn wir den Wunsch einfach NIE erfüllen können, dann wäre es sogar noch entspannter: Denn dann ist das einfach nicht UNSER Kunde, „er ist kein Teil unseres Markts“, er hat kein Bedürfnis, für das WIR uns als Unternehmen für zuständig erklärt haben. – Ich kann ihn also sehr entspannt dabei beraten, wohin ich mich wenden würde, hätte ich seinen Wunsch. Dazu würde ich meinen Wissensvorsprung in Sachen „Schuhe“ nutzen, den ich vermutlich hätte.

Der Kunde und ich hätten vermutlich eine gute Zeit miteinander. – Ich denke mal, der Kunde wäre vielleicht erst mal enttäuscht, würde sich aber bei mir „gut aufgehoben fühlen“ und eine aus seiner Sicht eher angenehme Erfahrung machen.

Glauben Sie, er käme wieder, obwohl wir seinen Wunsch nicht erfüllen konnten? – „Beim nächsten Schuhbedarf“?

Keine Ahnung. Kommt wohl drauf an.

Aber vielleicht ist das auch gar nicht die entscheidende Frage. – Eine interessantere Frage könnte sein: Warum bin ich überhaupt Schuhverkäufer geworden? Oder: Teil von was für einer Organisation möchte ich sein? Und: Bin ich als Verkäufer intern „wichtig“ oder bin ich nur „ausführendes Organ“ von etwas, was sich unser Management irgendwann ausgedacht hat? Nur ein Rädchen, nur die Hand, die an Fäden hängt, die ein anderer zieht?

Wenn ich also jemals ein Unternehmen gründe, werden die Verkäufer mit die „mächtigsten“ Menschen im Unternehmen sein: Sie kennen den realen Bedarf, die realen Möglichkeiten und die realen Probleme unseres gemeinsamen Unternehmens.

Besser als ich. Besser als die Marktforscher. Besser als die Trendforscher. Besser als die Unternehmensberater.

Klar sind Logistik, IT, Produktentwicklung, Fertigung und Backstage-Orga wichtig. Klar ist wichtig, „dass die Zahlen stimmen“, so dass wir gemeinsam als Unternehmen überleben und auch immer wieder mal investieren können, wo es für uns dran ist und uns sinnvoll erscheint.

Aber wer kann so blöd sein, Vertriebler und Verkäufer zentral steuern zu wollen, anstatt die Organisation von ihnen steuern zu lassen?

Das frage ich mich, wenn ich erfahrenen Vertrieblern zu höre, die mehr als 20 Jahre in Ihrem Geschäft auf dem Buckel haben.

Und natürlich kommen bei diesem Zuhören auch eine Menge Tricks und Kniffe heraus, mit denen sie arbeiten. – Den Kunden gegenüber. Aber auch ihrem eigenen Management gegenüber.

Sind sehr unterschiedlich übrigens. „Den Vertriebler“, „den Verkäufer“ gibt es nach meiner Erfahrung nicht. – Aber jede Menge klasse Leute, die keinen Bock mehr auf Vertrieb und Verkauf haben, unter den Bedingungen, die ihnen angeboten werden…

Was ist eigentlich ein „Unternehmen“?

Ein Unternehmen ist im Kern eine gezielte Zusammenführung verschiedener, vordem getrennter Ressourcen zu dem Zweck, ganz bestimmte menschliche Bedürfnisse dadurch besser zu erfüllen, als sie vordem erfüllt wurden. – Und sich dafür von den menschlichen „Trägern“ jener Bedürfnisse bezahlen zu lassen.

Ein Unternehmen aus mehreren Mitunternehmern kommt nur dann zustande, wenn Klarheit und Einigkeit gepflegt werden sowohl über die Bedürfnisse, denen das gemeinsame Unternehmen dient (life affirming purpose of a company), als auch über die spezifische Art und Weise wie man in DIESEM Unternehmen die Erfüllung DIESER Bedürfnisse angehen möchte – und wie auf keinen Fall (identity).

Nimmt man dieses Verständnis von Unternehmertum ernst (und wischt die rein formalistische Definition von Unternehmertum über Rechtsformen beiseite, die nichts über die vorhandene „unternehmerische Substanz“ auszusagen vermag, weder über ihr Vorhandensein noch über ihr Fehlen), dann fällt auf, dass nicht nur viele Konzerne und Mittelständler im strengen philosophischen Sinn eigentlich gar keine „Unternehmen“ sind, sondern dass auch viele Solounternehmer gar kein Unternehmen betreiben bzw. eben nur rein formell.

Was vielen Solounternehmern fehlt, was ihnen vielleicht zum gegebenen Zeipunkt gerade noch fehlt, ist eben jene Klarheit darüber, welchen Bedürfnissen sie eigentlich dienen wollen mit ihrem Unternehmen + auf welche Art und Weise und auf welche Arten und Weisen sie diesen Bedürfnissen auf keinen Fall dienen wollen.

Stattdessen werden wild und ungesteuert Aufträge angenommen oder sogar aktiv akquiriert, die mal jenen, mal diesen Bedürfnissen dienen. – So dass im Ergebnis viele Solounternehmen im Grunde ähnliche Gemischtwarenläden sind wie so mancher „Misch-Konzern“. – Ohne inneren Kern, ohne inneren Zweck, ohne inneres Ziel, Treibgut auf den sich gerade bietenden Wellen des großen Business-Meeres…

Nun möchte ich keineswegs so lebensfremd und lebensfeindlich daherschreiben, dass ich irgendwem einreden möchte, er müsse zu jedem Zeitpunkt seiner unternehmerischen Aktivitäten absolute Klarheit darüber haben, what the hell er da eigentlich gerade tut. – Vielmehr habe ich es, gerade in meinen Zeiten als Gründerberater, als überaus sinnvoll erlebt, „einfach mal zu machen“. – Und eben NICHT allzu viel nachzudenken, NICHT allzu sicherheits-orientiert und konzept-fixiert zu agieren. Sich NICHT durch einen großkopferten Business Plan zu geißeln. – „Lean start-up“ nennt man das wohl mittlerweile…

Denn im Tun, im Machen KANN sich oft erst jene Klarheit ergeben – aus konkreten Erfahrungen mit konkreten Kunden und konkreten Problemen und konkreten Erfolgen…

Die Tragik vieler Nicht-Unternehmen ist allerdings: Dass sie die gemachten Erfahrungen eben NICHT dazu nutzen, zu einem echten Unternehmen zu werden (im oben definierten Sinn). Sie BLEIBEN auch nach Jahren immer noch solches Treibgut, oft trotz Wachstums und oft trotz Einstellung von „Mitarbeitern“.

Mit-Unternehmer sind nämlich nur möglich, wenn es sich um ein echtes Unternehmen handelt. – Unternehmerische Gesellschaften, die es versäumen, in das interne, intensive, oft schmerzhafte und ergebnis-offene Gespräch darüber einzusteigen, was wir hier eigentlich gemeinsam erreichen wollen, können nur „Mitarbeiter“ generieren, niemals Mitunternehmer.

Und es gibt gute Gründe, NICHT in solch ein internes Gespräch einzusteigen: Angst vor Verlusten von „wertvollen Mitarbeitern“ dürften hier eine wichtige Rolle spielen, neben Angst vor Kontrollverlust und Angst vor Konflikten und Auseinandersetzungen generell. Auch Angst davor, den laufenden Betrieb zu stören und das unter zahlreichen Opfern und Mühen bereits Erreichte nun „ohne Not“ durch die offene Beschäftigung mit „Grundsatzfragen“ zu gefährden…

Und diese Angst WÄCHST mit dem rein zahlenmäßigen Erfolg! – Gerade solcher „Erfolg“ lindert solche Ängste nicht, sondern verschärft sie. Denn nun scheint es „mehr zu verlieren“ zu geben.

Daher ist meine momentane Einschätzung: Bei allem „einfach mal machen und dadurch herausfinden, was man eigentlich will“, sollte die Auseinandersetzung mit der Sinnfrage des eigenen Unternehmens und der Frage nach der Identität des eigenen Unternehmens nicht ZU SPÄT erfolgen. D.h.: Nicht erst dann, wenn man schon auf einem Riesenumsatz und Riesenerträgen sitzt.

Formelles Unternehmertum, das rein zahlenmäßig „erfolgreich“ ist, hat zumindest das Potential, echtes Unternehmertum, echten unternehmerischen Erfolg zu blockieren.

Und wenn man nun fragt, was denn Mysteriöses mit „echtem Unternehmertum“ gemeint sein soll, dann lautet meine Antwort:

Ganz einfach: Ein Unternehmen, dass Sie auch INNERLICH erfüllt und befriedigt, durch dass sie sich unmittelbar belebt und nicht belastet fühlen.

Dieses Kriterium zu nutzen hat allerdings eine Voraussetzung:

Sie müssen überhaupt einen Zugang zu Ihrem Innenleben und Ihren Gefühlen haben. – Und diese Voraussetzung ist weitaus weniger selbstverständlich als man meinen könnte. In der Regel ist es für viele, die mitten „im Berufsleben“ stehen, echte Arbeit, wieder einen Zugang dazu zu öffnen, was sie eigentlich wollen.

Ich weiß hier, wovon ich spreche: Ich kämpfe selbst immer wieder neu um diese Öffnung. Und ich unterstütze beinahe täglich andere Menschen aller Branchen, aller Professionen und aller Altersstufen dabei, diesen Innenzugang wieder zu pflegen.

Dieser Innenzugang der Mitunternehmer – das aktive Wahrnehmen eigener Gefühle und Bedürfnisse – ist DIE zentrale Voraussetzung für lebendiges Unternehmertum. Für ein Unternehmertum, das seinen Namen auch verdient hat. Für Unternehmen, die wirklich dauerhaft echten Kundenbedürfnissen dienen können. Für Unternehmen, die echte menschliche Bedürfnisse zur Grundlage haben: Bedürfnisse von Menschen, die mit ihren Bedürfnissen innerlich verbunden sind.

Denn momentan haben wir „im Business“ Zombies: von ihren eigenen Bedürfnissen dissoziierte Menschen auf allen Seiten der unternehmersichen Zahlungsvereinbarungen: Bei den Kunden genauso wie bei den Mitunternehmern. Bei den Investoren genauso wie bei den Dienstleistern und Zulieferern des Unternehmens.

Das Gute daran ist: Es ist im Grund gleichgültig, wo man beginnt, sich um mehr innere Klarheit und Verbundenheit zu bemühen. – Die Auswirkungen werden überall spürbar und greifbar.

Egal wer es schafft, mit sich selbst verbundener zu agieren, und in dieser größeren Verbundenheit mit sich selbst mit anderen Menschen und Personengruppen Verträge einzugehen: Er leistet dadurch nebenher ganz unvermeidlich einen substantiellen Beitrag zur Steigerung des Unternehmertums auf diesem schönen Planeten.

In love with your company

Es gibt sie natürlich: Die „rosarote Brille der Verliebtheit“ in der ersten Phase, in der man neu an Bord ist, eben gerade einen Job neu angetreten hat. Alles ist neu, alles ist aufregend, man ist hochmotiviert, bringt sich voll ein und möchte „den anderen und zugleich sich selbst neu entdecken“.

Je nachdem, wie man selbst und das Unternehmen, für das man arbeitet, aufgestellt ist, dauert diese Phase länger oder kürzer. In der Regel führt sie aber zu einer nachhaltigen Ernüchterung, wenn nicht sogar in eine bittere Enttäuschung und in stabilen Zynismus, anstatt in eine dauerhaft liebevolle Beziehung mit natürlichen Auf- und Abs des wechselseitigen Engagements. Wir leben in einer Zeit der unglücklichen Arbeits-Ehen, die die Zahl der ebenso viel zu häufigen unglücklichen privaten Ehen noch weit übersteigt.

Und das, so möchte ich hier argumentieren, hat viel damit zu tun, worüber wir in unseren Unternehmen sprechen – und worüber wir in unseren Unternehmen nicht sprechen.

Worüber wir in unseren Unternehmen sprechen: Leistung, Ziele, deadlines, Marktbewegungen, Strategische Neuausrichtungen, die Konkurrenz, nervende Kunden, das neue Auto, das wir uns geleistet haben, 3-Jahres-Pläne, das Essen in der Firmenkantine, Gehaltswünsche, Karrierepfade, den neuen Kollegen, der es nun wirklich nicht bringt, den bevorstehenden und den absolvierten Urlaub, den neuen Chef, der nun wirklich ein echtes Arschloch ist und den Kollegen X, der seine letzte Beförderung nun wirklich gar nicht verdient hat, sondern sie allein seiner Arschkriecherei beim Abteilungsleiter Y verdankt. – Gemeinsam haben diese Themen, wenn sie in dieser Form verhandelt werden, dass sie 1A-Beziehungskiller sind.

Worüber wir in unseren Unternehmen nicht-sprechen: „Das Wir“, das uns verbindet, den tieferen Sinn und „lebenserhaltenden Zweck“ (M.Miyashiro) unseres gemeinsamen Unternehmens, die immer neu auszutarierende Spannung zwischen unserer gemeinsamen Unternehmensidentität (wer wir sind und woher wir kommen) und sich verändernden Kundenbedürfnissen, denen wir weiterhin und wenn möglich immer besser gerecht werden wollen (wohin wir gehen). Wir reden außerdem nicht oder möglichst wenig über unsere persönliche Geschichte und über unser Innenleben und darüber wie sie unsere Präferenzen und Entscheidungen im Job beeinflussen. Wir reden nicht über unsere Gefühle, nicht über unsere Bedürfnisse, weder über unsere individuellen, noch über die Unternehmensbedürfnisse, mit denen wir uns untereinander und mit unserem gemeinsamen Unternehmen verbinden. Wir fragen auch andere nicht ihren Gefühlen und Bedürfnissen und wir fragen nicht nach ihrer persönlichen Geschichte, denn all das wäre ja „unprofessionell“ bzw. es fühlt sich im Unternehmen ziemlich gefährlich an.

Bei gemeinsamen Entscheidungen in unseren Meetings reden wir nur über Inhalte, nicht aber darüber, welche unserer Bedürfnisse dahinter stecken, warum wir eine Richtung bevorzugen und mit einer anderen Probleme haben. Wir reden auch nicht darüber, welche Gefühle es in uns auslösen würde, wenn unsere gemeinsame Entscheidung in diese oder in jene Richtung ausfallen würde. – Wir verbinden uns nicht systematisch miteinander, sondern streiten über Inhalte und verlieren so den Kontakt zueinander.

An anderen Stellen in diesem Forum habe ich das Bild vorgeschlagen, dass wir alle gemeinsam Mitunternehmer und als solche gemeinsame Väter und Mütter eines gemeinsamen Kinds (unseres gemeinsamen Unternehmens) sind, das aus unserem Zusammenschluss hervorgeht, erwächst und von uns gemeinsam gepflegt wird.

Das unterscheidet sich deutlich von der patriarchalen Auffassung, wie sie auch heute noch in manchen Inhabergeführten Unternehmen gepflegt wird, und in der es genau einen Unternehmer/Unternehmerin gibt, der ganz allein die Vater/Mutter-Rollen übernimmt und in der alle anderen „Mitarbeiter“ systematisch in eine Kind-Position gerückt werden (ohne dass das Unternehmen selbst als eigentliches Kind auftaucht).

Solche Unternehmen sind zwar im großen und ganzen immer noch besser dran als jene vollkommen seelenlose Geldvermehrungsmaschinen, in denen letztlich kein einziger Beteiligter (Investoren, Manager, Mitarbeiter, Kunden) eine echte Beziehung zum Unternehmen eingeht, so dass diese „Unternehmen“ eher selbstbedienungsläden gleichen, in denen jeder schaut, wo er bleibt und angstvoll und neidvoll versucht, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu ergattern. Und das gilt in solchen Fällen für Investoren/Eigner, Manager, Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen, so dass es im Grunde keinen echten Grund für wechselseitige Vorwürfe gibt. Was in solchen Unternehmen aber natürlich niemanden davon abhält, solche moralischen Vorwürfe als effektives Mittel im permanenten Machtkampf um ein größeres Stück vom Unternehmenskuchen zu verwenden.

Immerhin verwirklicht sich also in patrarchalisch/matriarchalisch geführten Unternehmen überhaupt irgendeine menschliche Seele, nämlich die des einen Unternehmers/der einen Unternehmerin. – Da aber alle anderen am Unternehmen beteiligten Menschen in eine Kind-Rolle gedrängt werden, ist diese „Lösung“ ziemlich suboptimal, und zwar vor allem für das Unternehmen selbst: Es könnte -zig, wenn nicht sogar hunderte oder tausende Väter/Mütter haben, die sich um es kümmern. Traurigerweise hat es aber nur eine(n) einzige(n). – Hier kann man an jenes afrikanische Sprichwort denken, dass sagt: „Um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf“.

Ich denke, dass jeder Mitunternehmer das Potential hat, zugleich eine „Mutter“ und ein „Vater“ des gemeinsamen Unternehmens zu sein. – Und dass es in jedem „Job“ sowohl mütterliche wie väterliche Qualitäten braucht, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Dabei spielt es eine weitgehend untergeordnete Rolle, ob wir selbst „Mann“ oder „Frau“ sind, denn wir alle vereinen weibliche und männliche Qualitäten in uns, die wir jeweils dann zum Einsatz bringen, wenn sie gerade gebraucht werden.

Unternehmerischen Erfolg, also ein organisch wachsendes und gedeihendes Unternehmen, das aus Lieblosigkeit hervorgeht, kann ich mir dagegen nur schwer vorstellen.

Natürlich kenne ich Unternehmen, die „seelenlos erfolgreich“ sind. Aber diese zehren entweder noch von einer Zeit, in der sie noch eine Seele (andere Eigner, andere Manager, andere Strukturen, eine Mission) hatten, oder sie sind vollgepumpt mit Fremdkapital, leben also nicht vom liebevoll Engagement der beteiligten Menschen, sondern aus einer kompensierenden Energie heraus. Beide Formen sind durch eine rein betriebswirtschaftliche Brille gesehen hochineffizient. Beide Arten von Unternehmen sind „Unternehmenszombies“: Innerlich leblos, ohne Seele, ohne Richtung, ohne Ausrichtung auf Kunden und Mitarbeiter, ohne lebendigen Wunsch, vorhandene menschliche Bedürfnisse zu befriedigen und dies zum Zentrum und zur Quelle der gemeinsamen Unternehmung zu machen.

Ich persönlichlich möchte sehr gern sehen, was passiert, wenn wir in dieser Hinsicht durchaus auch „streng“ sind (oder vielleicht besser: „klar“ oder „entschieden“) und aufhören, Lieblosigkeit in Bezug auf unsere Unternehmen zu dulden, egal wo und wann sie uns auffällt oder begegnet. An erster Stelle bei uns selbst, also wenn wir bemerken, dass wir selbst gerade lieblos handeln, unsere Seele unbeteiligt, abgeschottet ist und wir in einem unserer routinierten Selbst-Schutz-Modi unterwegs sind.

Aber ich möchte auch gern sehen, was passiert, wenn wir anfangen den Mut zu haben, es anzusprechen, wenn uns die Lieblosigkeit anderer in Bezug auf ihre eigenen Unternehmungen auffällt. – Denn ich glaube, wir alle brauchen solche Hinweise manchmal. Sicher nicht in der Form von „Kritik“ oder anderen demütigenden, kleinmachenden Formen der Kommunikation. Wohl aber in Form von Anteilnahme und Ermutigung, dass uns mehr und anderes möglich ist als das, was wir gerade realisieren. Und das heißt an erster Stelle: Dass wir eine andere, liebevollere Haltung zu dem einnehmen können, was wir gerade tun.

Nach meinem aktuellen Eindruck ist einer der unmittelbarsten Wege zu einer liebevollen Haltung zu eigenen Handlungen / Unternehmungen, darauf zu fokussieren, was sie in anderen Menschen auslösen. D.h. darauf zu fokussieren, was für einen tieferen Sinn diese Unternehmen haben und inwiefern sie eigene Bedürfnisse und zugleich die Bedürfnisse anderer Menschen befriedigen. Der letzte Sinn jeglichen Handelns / Unternehmens ist die Steigerung der Freude. Denn Freude entsteht ganz von allein, wann immer echte Bedürfnisse effektiv befriedigt werden.

Und Unternehmen mit so einem Bedüfnis-Fokus sind Unternehmen, die „als unsere Kinder“ durchaus unsere Liebe verdient haben.

Zur Vielschichtigkeit des Begriffes „Liebe“ siehe u.a. auch hier: https://www.xing.com/communities/posts/mehr-agape-und-philia-und-weniger-eros-in-unternehmen-1002918084

[Dieser Artikel ist die unveränderte Neuveröffentlichung eines Beitrags, der erstmals am 19.04.2014 auf Xing erschienen ist.]

„Du schreibst aber viel grade“ – Was tue ich hier eigentlich…?

Gestern fragte mich einer meiner Kontakte, wie es sein könne, dass ich derzeit so viel schreibe und ob ich gerade nichts anderes zu tun hätte oder ob mir vielleicht sogar etwas auf die Seele drückt, was mich veranlasst, so viel Text abzulassen.

Er fragte mich das natürlich anders, auf sehr freundliche Art.

Daher mal auch hier eine Antwort für diejenigen, die sich vielleicht ähnliche Gedanken machen:

Meine derzeitige Vielschreiberei hat drei Hauptaspekte:

1.) Ich kann verdammt schnell Tippen. In den 90er Jahren arbeitete ich in einem Call-Center. Und zwar in einem, in dem Pager-Texte per Hand (!) eingegeben wurden. Das lief so: Jemand rief bei uns auf dem Headset an und gab einen Text durch, z.B. „Schüttel Deine Nasenhaare für mich, Baby!“ (keine Erfindung von mir, sondern ein Zitat aus dem wahren Call-Center-Agenten-Leben… 😉 ). Dann tippten wir das ein und fertig war die Dienstleistung.

Aus diesem Grund und weil ich auf der Uni verdammt viel Schreiben musste, brachte ich mir also mittels eines Übungshefts (analog!, ich bin also ein echter Dino) das Zehnfinger-System bei.

Und was soll ich sagen? Das leistet mir noch heute gute Dienste.

Für einen Artikel auf ilwyc brauche ich also im Schnitt eine halbe Stunde. – Meine Frau und mein Sohn behaupten zwar hartnäckig, es sei mehr, aber ich kann beschwören, dass es „gefühlt“ nur eben eine halbe Stunde ist, die ich an einem Text sitze.

Der Gedanke ist einfach da. Wie ein Keimling oder eine Nuss, aus dem dann der Artikel ganz organisch heraus wächst. – Ich kann das Teil einfach runterschreiben. Da ich darüber die Rechtschreibung und die Lesbarkeit völlig vernachlässige, muss ich im Anschluss noch mal „festschrauben“, also nochmal 5 Minuten drüber gehen. – Dann ist die Laube aber fertig.

Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein irrer Alchemist, so nach der Devise: „Ahhhhh, dieser Gedanke und DIESER Gedanke – die KÖNNTE man doch mal in ein Reagenzglas zusammen schütten…. ….was dann wohl passiert…? …. heieieieiei… das zischt aber ganz schön….!“

Im Kern ist es also reine Lust am Schreiben und Experimentieren, was mich treibt. – So eine Art „Daniel Düsentrieb mit Worten“, wenn nicht grade wieder mal Donald auf der Matte steht und irgend etwas Bestimmtes für seine Aktivitäten als Phantomias von mir braucht…

2.) Ich bin an sich gerade voll ausgelastet als Coach. Und eigentlich schadet diese viele Schreiberei mir und der Qualität meiner Arbeit. Denn wenn man „in Gedanken ist“, fällt es schwerer, die Empathie aufzubringen (für sich selbst UND für den Kunden), die für gute Beratungsarbeit die absolute Basis ist.

Daher ringe ich derzeit noch um Formen, wie ich beides vereinen kann: Meine Neigung zu den Wolken und meine Neigung zu den Wassern und den Mühen der Ebene.

Ich ziehe für ilwyc auch viel aus meiner Beratungsarbeit: Ich darf durch sie Menschen aller Altersstufen, Branchen, Tätigkeitsfelder und Hierarchielevel tiefer kennen lernen. – Das hilft mir natürlich, „mit dem Wirtschaftsleben“ in Kontakt zu sein, v.a. von seiner menschlichen Seite her.

Das – und meine eigenen bisherigen Tätigkeiten in Festanstellung für Unternehmen unterschiedlichster Branche und Größe, bisher 17 an der Zahl – ist die „sachliche Quelle“ für das Geschreibs hier auf ilwyc.

3.) Ich bin inspiriert durch Richard Rortys Erfindung der  „Liberalen Ironikerin„, einer Figur, die er in seinem Buch „Kontingenz, Ironie und Solidarität“ entwickelt und  ausführlich beschreibt.

Diese „Figur“ zeichnet sich aus durch einen Faible für das Neue und Weiterentwicklung als „Zweck in sich selbst“. – Das ist „die Ironikerin“, die – oft ohne Rücksicht auf Verluste, Befindlichkeiten und Verletzungen, die dadurch entstehen – das forciert, was das Bestehende überschreitet.

Sie zeichnet sich aber auch aus, durch einen Kontakt zu dem, „was alle Menschen verbindet“. Folgt man Rorty, dann ist das UNSERE VERLETZLICHKEIT. – Damit ist seine Philosophie kompatibel mit Ansätzen wie wir sie bei Brené Brown und Marshall Rosenberg finden. – Rorty bezeichnet DAS als „Liberalismus“, was in unseren Breiten aber missverständlich ist, da wir in Kontinentaleuropa keine starke Sozialliberale Tradition haben und „Liberalismus“ hierzulande daher immer mit „der Markt wird’s schon richten“ und „jeder ist sich selbst der nächste“ inklusive wirtschaftlichem Hauen und Stechen assoziiert wird.

Rorty als Ostküsten-Intellektueller meint mit „Liberalismus“ dagegen so etwas wie die universelle Empathie, zu der wir als menschliche Wesen in der Lage sind. Er fasst diese Empathie auch in den Begriff der „Solidarität“. Dabei fokussiert er den Satz: „Ich sehe / empfinde Deinen Schmerz“ und das universelle Risiko der Demütigung als verbindendes Glied zwischen allen Menschen über ihre unübersehbare Unterschiedlichkeit hinweg. „Ein Liberaler“ ist für Rorty ein Mensch, der auf dieser Grundlage eine Verbindung zu einem Menschen spürt, mit dessen Werten, Neigungen, Praktiken, Gewohnheiten und anderen Präferenzen er ansonsten überhaupt nicht übereinstimmt (Im Hintergrund kann man den auch im Deutschen bekannten Text hören: „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden können, solange er dabei bei anderen keinen all zu großen Flurschaden anrichtet.“).

Der Liberale sagt also: „Ich sehe Deine Verletzlichkeit und ich fühle Deinen Schmerz, ich kann mir daher IRGENDWIE vorstellen, wie es ist, in Deiner Lage zu sein, obwohl Du in einer ganz anderen Lage bist als ich. – Deine Wunde ist auch meine Wunde. Du bist mir nicht gleichgültig, obwohl Du ganz anders bist als ich.“

Inspiriert von diesem Konzept würde ich stand heute sagen: Ich versuche eine „empathischer Kreativer“ zu sein und ringe für mich noch darum, diese beiden Seiten „operativ zusammen zu bekommen“.

Auf ilwyc kommt bisher eher der kreative Part zum Zug (mit dem Risiko fehlender Empathie und Demütigungen, d.h. anmaßender Kritik an den in sich selbst berechtigten Lebensentscheidungen und Lebenskonzepten anderer Menschen).

In meiner Coaching- und Unternehmensbegleitungs-Arbeit kommt der eher empathische Part zum Zug (mit Verzicht auf all zu große kreative Spirenzchen, einfach deswegen, weil solche ideen-überflüssigen Kapriolen meinen Kunden auf diese Weise im Moment nicht weiter bringen und ihren konkreten Anliegen nicht dienen, ihre akuten Bedürfnisse verfehlen würden) .

Was eine Geteilte Mission / ein Geklärter Zweck des Unternehmens leistet (und was nicht)

1.) Was eine „Geteilte Mission“ ist

Mit unserer Geteilten Mission bestimmen wir, „wozu das Unternehmen eigentlich da ist“. – Sie ist ein Fokus für das gesamte Unternehmen, auf den wir uns gemeinsam festlegen, für WELCHE Kundenbedürfnisse wir uns hier gemeinsam zuständig fühlen; – und die Erfüllung welcher menschlichen Bedürfnisse wir gerne anderen Unternehmen überlassen oder Privatpersonen oder dem Staat. Sie hat also v.a. auch einen ausschließenden und eben dadurch einen fokussierenden Zweck.

DIE GETEILTE MISSION ist nicht zu verwechseln mit der IDENTITÄT unseres Unternehmens. – Diese Unterscheidung ist (zumindest für mich) nicht ganz leicht im Blick zu behalten. Am leichtesten und prägnantesten trifft man sie vielleicht folgendermaßen:

Es sind mehrere Unternehmen denkbar, die den exakt gleichen „lebenserhaltenden Zweck“ verfolgen und zum Grund ihres Daseins nehmen. – Diese Unternehmen haben, zumindest potentiell, „den gleichen Markt“, „die gleichen Zielkunden“. – Aber die Art der Herangehensweise, „was uns ausmacht“, WIE wir diese Bedürfnisse befriedigen wollen, das unterscheidet unser Unternehmen von anderen Unternehmen. – Das hat auch viel zu tun mit der Herkunft unseres Unternehmens, aber auch mit den spezifischen Mitunternehmern, die wir an Bord haben bzw. die wir uns an Bord holen (und welche eben gerade nicht, weil sie „nicht zu uns passen“…).

Die geteilte Mission eines Unternehmens bestimmt sich auch nicht durch ein ganz bestimmtes, abschließbares, konkretes Ziel. – Sind wir etwa eine Truppe, die Häuser baut, so ist unsere Mission nicht „dieses Haus sauber zu Ende zu bringen“. – Die geteilte Mission bestimmt sich mehr durch eine echte, innere Verbundenheit mit bestimmten Kundenbedürfnissen. Im Fall eines Bauunternehmens könnte das sein: „Menschen ein zu echtes Hause geben, in dem sie sich wohlfühlen“ oder „neue Formen des Wohnens erschließen“ oder „auch solchen Menschen ein gesundes Wohnen ermöglichen, die unterdurchschnittliche Einkommen haben“ oder oder oder. – Das heißt: Innerhalb der gleichen Branche sind vollkommen verschiedene Missionen denkbar und daher bestehen auch innerhalb der gleichen Branche „mehrere Märkte nebeneinander“.

Durch unseren gemeinsamen Fokus auf unsere gemeinsame Mission schaffen wir Raum für Möglichkeiten und Anstrengungen, diese Mission immer neu und immer anders zu erfüllen. Die Mission ist wie ein Jungbrunnen und Vitalitätszentrum für unser Unternehmen. – Gerade durch unsere (selbstgewählte!) Beschränkung auf bestimmte Kunden-Bedürfnisse setzen wir unsere Kreativität als Mitunternehmer frei. Das heißt: Unsere Mission ist keine Einschränkung sondern eine Quelle der Kraft und der Innovation.

Empfinden oder erleben wir das anders, dann befinden wir uns mit absoluter Sicherheit in einem Unternehmen, das nicht das Unsere ist. – Entweder in einem Unternehmen, das gar keine Mission hat oder in einem Unternehmen, das eine Mission verfolgt, in der wir uns nicht wieder finden können.

2.) Was eine geteilte Mission leistet

– Sie ermöglicht JEDEM Mitunternehmer zu JEDEM Zeitpunkt, für sich selbständig zu überprüfen, ob er mit dem, was er da gerade tut, wirklich unserem gemeinsamen Unternehmen dient oder nicht. – Es reduziert also den Bedarf an „Rückfragen“ und „Koordination“ bzw. (altmodisch ausgedrückt) „Führung“.

– Sie ermöglicht echte Kreativität. Auf Dauer. Und zwar weil sie Regeln und Führung überflüssig macht, die Kreativität trotz bestem gegenläufigen Willen zwangsläufig ersticken und verhindern.

– Sie ermöglicht „Bewerbern“ (potentiellen zukünftigen Mitunternehmern), für sich zu überprüfen, ob sie wirklich gerne für unser Unternehmen und mit uns arbeiten wollen – Oder ob sie sich vielmehr zu anderen Unternehmen hingezogen fühlen, weil sie andere Missionen vielmehr bewegen. – Sie ist also ein vorausschauender Invest in Klarheit.

– Sie gibt den Mitunternehmern ein „WIR“ (neben der aktiv gepflegten, ständig re-aktualisierten Identität, also Prozessen der Selbstverständigung über „was uns ausmacht“). – Damit nimmt sie manche Konflikte in Unternehmen aus dem Spiel: Die Konkurrenz nimmt ab, genauso wie andere Egoismen, die wir dann leichter zugunsten des gemeinsamen Ziels zurückstellen können. „Die persönliche Opferbereitschaft“ nimmt zu, und zwar weil die gleichen Aktivitäten von einzelnen Mitunternehmern subjektiv gar nicht „als Opfer“ erlebt werden, sondern als Aktivitäten zur Verwirklichung ihrer eigenen Ziele, ihrer eigenen, individuellen Mission.

– Sie gibt den Mitunternehmern „Treibstoff“: Nichts ist so motivierend für uns, wie einen offensichtlichen Sinn unseres Handelns vor Augen zu haben (Genauso wie nichts so demotivierend ist wie die offensichtliche Sinnlosigkeit eigener Anstrengungen). – „Sinn“ hat aber immer einen Beziehungsaspekt, immer einen Bezug zum Wohlergehen anderer. – Daher sind Unternehmen auch immer zumindest potentiell „sinnvolle Gebilde“, denn sie haben per Definitionem einen solchen Bezug: Eben das „Kundenwohl“. Unternehmen ohne echten Beitrag zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse können auf Dauer nicht exisitieren ohne den kompensatorischen Zufluss von Kapital und anderer Enerige von Außen. Sie können versuchen, einen solchen Sinn vozugaukeln (ihren Kunden nützlich zu sein), auf Dauer ist das aber nicht möglich, da Menschen dazu neigen, irgendwann zu merken, was ihre Bedürfnisse besser erfüllt und was nicht ganz so gut und was gar nicht.

– Sie malt ein hoffnungsfrohes Bild von der Zukunft unseres Unternehmens. Dieses Bild besteht darin, neue Wege zu finden, der Mission gerecht zu werden, neue Wege zu beschreiten, menschliche Bedürfnisse zu erfüllen und genau darin „immer besser zu werden“ oder zumindest mit der Zeit zu gehen und das Nötige an den eigenen Produkten und Dienstleistungen immer neu anzupassen, wie es eben die gesellschaftlichen Veränderungen erfordern. Wir WOLLEN dann solche Anpassungen in unserem Unternehmen, weil wir unserer gewählten Mission nur so gerecht werden könne. Etwas zu tun, was die Bedürfnisse nicht befriedigt, für deren Befriedigung wir einstehen, lässt uns selbst unbefriedigt zurück. Wir erleben unsere Arbeit dann als sinnlos. – Die Geteilte Mission gibt dem Unternehmen „Substanz“. D.h. sie gibt dem Unternehmen etwas, dass das Unternehmen wert macht, zeitlich zu überdauern. Und sie gibt den Mitunternehmern etwas, auf das sie zu Recht stolz sein können, dass sie davon ein Teil sind oder waren. – Weil sie durch ihre Arbeit, ihre Ideen und ihre Anstrengungen dazu beigetragen haben. Zum Unternehmen und dadurch dazu, dass Bedürfnisse besser erfüllt wurden.

3.) Was eine geteilte Mission nicht leistet

– Sie verhindert nicht alle Arten von Konflikten, manche heizt sie sogar an. Unternehmen, die ihre Mission nicht klären, die keine Mission haben (außer „Geld verdienen“, was gleichbedeutend ist mit keiner Mission), oder die ihre „Mission“ möglichst schwamming, nebulös und fuzzy lassen (so dass sie im Grunde nichts ausschließt): SOLCHE Unternehmen können auch keine Konflikte darüber haben, was die Mission ist, wie sie sich verändern sollte und ob eine einzelne Maßnahme / gemeinsame Aktion mit Blick auf die Mission zweckmäßig ist oder nicht (wo kein gemeinsames Ziel, da kann nichts Sinnvolles gemessen werden, sondern nur irgendetwas Willkürliches).

– Sie legt nicht exakt fest, was zu tun ist. Aus ihr lässt sich nichts direkt ableiten. Sie lässt Luft und Spielraum, macht das Unternehmen nicht zu einer mechanischen, trivialen Maschine, in der einzelne Mitunternehmer nur noch Rädchen sind, die „funktionieren müssen, wie einmal festgelegt“.

– Sie ist keine schöne Werbung, kein Employer Branding, sie ist nicht „Glanz und Gloria“, in der wir uns suhlen und sonnen, vielmehr ist sie ein Anspruch, mit dem wir uns beinahe minütlich triezen, dem wir erklärtermaßen in unserem Handeln gerecht zu werden versuchen. Sie ist mehr demütige Verpflichtung als eitle Selbstfeier.

– Sie legt den Sinn des Unternehmens nicht für alle Zeiten fest. – Es reicht also keine einmalige Klärung, die ab da Geschäftsgrundlage für das Handeln aller Mitunternehmer ist. – Vielmehr ist sie die Etablierung eines permanenten Austausches und Verständigungsprozesses über das Gemeinsame. – Sie schafft also keine inhaltliche Klarheit, sondern nur Raum für den Prozess des permanenten Verständigung über das, was wir hier gemeinsam wollen. – Sie macht aus Mitarbeitern Mitunternehmer. – Mitunternehmer können sich bei einzelnen Aktivitäten sowohl auf die Geteilte Mission berufen, wie sie einzelne, offensichtliche sinnvolle Aktivitäten dazu nutzen können, eine Änderung oder Modfikation der Geteilten Mission zum Thema im Unternehmen zu machen.

P.S.: Ich möchte an dieser Stelle Marie Miyashiro nochmals dafür danken, dass sie die Unterscheidung zwischen „life affirming purpose“ und „identity“ eines Unternehmens getroffen hat, indem sie beide als „Unternehmensbedürfnisse“ identifiziert. Also als Bedürfnisse, die wir als Menschen IMMER haben, wenn wir Teil eines Unternehmens sind. – Diese Unterscheidung ist für mich außerordentlich produktiv und ich hätte sie nicht selbst (er-)finden können.