Management by asking around

Meines Erachtens sollten nicht erst für die Erarbeitung von Lösungen diejenigen Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung herangezogen werden, die „nah am Kunden“ bzw. „nah am Produkt“ sind.

Sondern bereits bei der Benennung der Probleme des Unternehmens, für die gemeinsam neue Lösungen gesucht werden.

Diese erhabene und exklusive Managementaufgabe gehört in die Hände derjenigen Mitarbeiter des Unternehmens, die die meiste Ahnung von genau dieser Sache haben: Den aktuellen Problemen des Unternehmens.

Für das Management heißt das: Abstand nehmen und die Finger von dem lassen, was bisher seine Haupttätigkeit war: Strategieentwicklung, Expansionsplanung, Geschäftsentwicklung, Identifizierung neuer Geschäftsfelder, Visionserarbeitung, Orientierungsstiftung, Fusionsentscheidungen, Geschäftsausgliederungen, etc.

Stattdessen geht es für das Management in Zukunft allein darum, den richtigen Mitarbeitern zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen zu stellen – Oder so viel Transparenz und öffentlichen Raum wie nur möglich im Unternehmen zu schaffen, so dass Mitarbeiter sich ungefragt, von ganz alleine äußern, wenn sie etwas wahrnehmen, was sonst keiner im Unternehmen wahrnimmt. Denn Mitarbeiter nehmen permanent Dinge war, die unternehmerisch relevant sind, wenn denn klar ist, was das Unternehmen als Ganzes leisten will. – Mitarbeiter nehmen war, was das Unternehmen vor Problemen bewahren kann, was neue Geschäfte oder neue Rentabilität generieren kann, und manchmal sogar etwas, das dem Unternehmen seinen werten Hintern retten kann.

Wenn wir überhaupt noch „Management“ brauchen – dann so etwas wie „Management by asking around“.

Und eigentlich ist doch schon seit langem bekannt:
„Wer fragt, der führt“.

Ich frage mich: Warum wird das eigentlich in Unternehmen noch nicht systematisch angewandt? 😉

Noch ein kleines Zitat aus dem Tao te king, das dazu passt:

„Die besten Herrscher sind dem Volk fast nicht bewußt.
Die nächstbesten werden geliebt und verehrt.
Darunter die werden gefürchtet.
Und die schlechtesten werden gehaßt.“

Die besten Herrscher – und hat IRGENDEIN Unternehmen schlechtere „Herrscher“ als die besten verdient? – sind die, die sich selbst überflüssig machen.

[Dieser Artikel wurde leicht überarbeitet übernommen aus der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing und erschien erstmals dort am 06.11.2012]

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Wem die GF verantwortlich ist und worauf sie demzufolge schaut – „Der Fokus der Geschäftsführung“

In vielen, wenn nicht allen Unternehmen ist die GF den Eignern des Unternehmens verantwortlich, wenn sie nicht sogar GF und Eigner in Personalunion ist.

Worauf die GF demzufolge schaut bei ihren Entscheidungen, hängt davon ab, was die Interessen der Eigner sind.

Was die Interesen der Eigner sind bestimmt und wird bestimmt davon, was sie für eine Beziehung zum Unternehmen haben.

Der entscheidende Faktor für Unternehmensführung ist daher eigentlich nicht die GF, sondern die Beziehung der Eigner des Unternehmens zum Unternehmen.

Unabhängig davon ist eine GF dem „Wohl des Unternehmens als Ganzem“ verpflichtet: Die Geschäfte sollen florieren.

Wie Nils Pfläging gegen Ende des folgenden Interviews Ende sehr anschaulich macht, ist es sinnvoll, dass die GF ZU DIESEM ZWECK: Florierende Geschäfte, an aller erster Stelle auf die Mitarbeiter des Unternehmens fokussiert – und auf nichts anderes:
http://intrinsify.me/Blog/items/niels-pflaeging-im-video-interview.html

Es geht bei „Mitarbeiterorientierter Unternehmensführung“ im Kern um Wirtschaftlichkeit.

D.h. selbst dann, wenn die finanziellen Investoren als Menschen arme Schweine sind, die aus dem allereinzigsten Grund Eigner des Unternehmens geworden sind und/oder bleiben, weil sie „den maximalen Profit“ rausholen wollen. – Selbst dann ist es für die GF möglich, mit bestem Gewissen und in voller Verantwortlichkeit gegenüber den Eignern, denen sie Rechenschaft schuldig ist, „Mitarbeiterorientierte Unternehmensführung“ zu betreiben.

Weil dies der ökonomischste, sicherste und nachhaltigste Weg ist, prosperierende Unternehmen zu generieren.

Mitarbeiterorientierte Unternehmensführung fühlt sich aber in der Praxis an wie Kontrollverlust. Und die GF ist ja von den Eignern in der Regel eingesetzt, „um die Geschäfte zu kontrollieren und Rechenschaft darüber abzulegen, wie es lief, wie es läuft und wie wir planen, weiter vorzugehen“.

Und dieser gefühlte (nicht reale) Kontrollverlust sorgt dafür, dass dieser Weg in vielen Unternehmen von „den Verantwortlichen“ nicht beschritten wird. – Obwohl genau das im Grunde unverantwortlich ist. Denn dadurch wird eben gerade nicht das Maximale aus dem Unternehmen herausgeholt, was möglich wäre.

Das heißt: Die Eigner / finanziellen Investoren stehen sich mit ihrem Kontrollbedürfnis selbst im Weg.
Und die GF ebenfalls, sofern sie es nicht wagen „den Auftrag hinter dem Auftrag wahrzunehmen“: Das Unternehmen zum Blühen zu bringen.

Dazu müssen sie das tun, wozu sie eigentlich antreten: Gegenüber den Unternehmemnseignern Verantwortung für ihre souveränen Entscheidungen übernehmen und sagen: „Wenn ihr mich als GF wollt, dann machen wir das so – ich übernehmen die Verantwortung dafür.“ D.h. bei „guter Führung“: Sie übernehmen Verantwortung dafür, dass sie sie innerhalb der Organisation abgeben und die Entscheidungsfähigkeit nahezu vollständig in das Unternehmen rück-delegieren.

In der Praxis heißt das: Sie vertrauen ihren Leuten, lassen sie alles Unternehmerische entscheiden und stellen sich vor sie, wenn es schief geht. Wenn es ein Problem gibt oder eine Vorgabe der Eigner, dann kommunizieren sie das direkt und zu 100% offen und FRAGEN dann: „So und so sieht’s von meiner Warte aus / das und das habe ich gerade erfahren – WAS MACHEN WIR JETZT?“. Aber sie entscheiden nichts. Denn das ist NICHT ihre Aufgabe.

Eine geklärte „Geteilte Mission des Unternehmens“ kann dabei auch der GF erheblich helfen, täglich auf’s Neue genau so agieren zu können. – Mit dem Konzept der Geteilten Mission kann man sich hier auseinandersetzen, wenn man das möchte:
https://www.xing.com/net/qualitativemarktwirtschaft/fact-follows-fiction-was-gibt-es-heute-noch-nicht-in-unternehmen-sollte-es-aber-geben-711193/die-geteilte-mission-eines-unternehmens-43304771/43304771/#43304771

[Der Artikel ist die unüberarbeitet übernommene Version eines Beitrags, der zum ersten Mal am 04.11.2012 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen ist.]