Umkehrung der Gehaltspyramide – Erwartbare Effekte auf uns in unserem Unternehmen, Teil III

Mehr generelle Erwägungen zur Andersausschüttung des gemeinsam Erwirtschafteten habe ich versucht, in den ersten beiden Teilen dieses Artikels hier auf ilwyc zu umreissen…

In diesem 3. Teil möchte ich mich den Folgeproblemen im internen Miteinander zuwenden, die ich vor Augen habe, wenn ich mir ein Unternehmen vorstelle, das sich konsequent von Oben-Unten-Selbstorganisation auf Innen-Außen-Selbstorganisation umgestellt hat. – Und damit verbunden ein Unternehmen, in dem wir ALLE Innen-Rollen konsequent schlechter bezahlen als alle Außen-Rollen…

Eine Skizze der erreichten Situation:

Wir haben also in diesem Unternehmen eine Menge Mitunternehmer, die direkten Kundenkontakt haben und eine Menge Mitunternehmer, die „am Produkt arbeiten“ (= „Außen-Rollen“).

Und wir haben zugleich einige Mitunternehmer, die sich einzig und allein um jene „Außen-Mitunternehmer“ kümmern: Um ihre Bedürfnisse als Menschen und Mitunternehmer (in einem sehr umfassenden Sinn, der ihre „Unternehmensbedürfnisse“ miteinschließt).

Da wir uns in diesem Unternehmen aber prinzipiell gegenseitig wie Erwachsene behandeln, werden jene Innen-Mitunternehmer die Außen-Mitunternehmer nicht „bemuttern“, ihnen die Verantwortung für Ihre Selbstsorge nicht „abzunehmen versuchen“ (also anders als es in vielen Oben-Unten-organisierten Unternehmen passiert).

Stattdessen werden sie „den Raum organisieren“ und „permanent anpassen“ mit dem Ziel, dass die Außen-Mitunternehmer aus ihrer eigenen Perspektive bessere Möglichkeiten vorfinden, sich die aktuell gerade auftuenden Bedürfnisse SELBST besser zu erfüllen.

Dazu werden die Innen-Mitunternehmer vor allem: Den Außen-Mitunternehmern ZUHÖREN und NACHFRAGEN, OHNE EIGENE ANTWORTEN ZU HABEN.

Wo keine Antworten kommen, wo aber Antworten kommen müssten, werden sie ebenfalls keine Antworten geben, sondern sie werden stattdessen: Antworten der Außen-Mitunternehmer PROVOZIEREN.

Und bei all dem werden ALLE im Unternehmen wissen, dass sie schlechter bezahlt sind als diejenigen, um die sie sich auf diese spezifische Art „kümmern“…

Was sicher KEIN Problem sein wird: Motivierte Menschen für die neuen Innen-Rollen zu finden

Es gibt Menschen, denen solche Rollen in genau dieser Konstellation durchaus viel Spaß machen. – Allerdings nicht sonderlich viele. DAS aber ist kein ernstzunehmendes Problem, denn allzuviele Innen-Mitunternehmer braucht ein so umgestelltes Unternehmen gar nicht.

Ich rechne derzeit mit ca. 4 Innen-Mitunternehmern pro hundert Außen-Mitunternehmern. – 2 rein administrativ-verwaltenden. 2 rein moderierend-provozierenden.

Belege für diesen „Quotienten“ zwischen Innen- und Außen-Mitunternehmern habe ich nicht. – Im Moment ist diese Verteilung bei mir nichts weiter als reines Bauchgefühl.

Ab einer Größe von 100 Mitunternehmern empfiehlt sich sowieso die Aufteilung in autarke, selbständig wirtschaftende Einheiten. Einheiten,  die untereinander nurmehr „miteinander befreundet“ sind, die alle ihre unternehmerischen Entscheidungen jeweils völlig eigenständig treffen können.

Der Riesenoverhead an „Innen-Mitarbeitern“ tritt nur dann auf, wenn wir diese Aufteilung NICHT vornehmen. Denn DANN steigt der Verwaltungsaufwand und Managementaufwand in absurde Höhen.

Weil die Außen-Mitunternehmer sich dann nicht mehr persönlich kennen, kein Vertrauen zueinander haben können und ihre Probleme dann eben nicht mehr großteils selbst und eigenverantwortlich miteinander regeln können.

Dann braucht es plötzlich ganz viel „Mutti und Vati“ im Unternehmen, die „die Dinge in die Hand nehmen, damit das hier nicht aus dem Ruder läuft…“. – Unternehmens-Muttis und Unterenhmens-Vatis, die nebenher und unbeabsichtigt aus selbstbewussten, erwachsenen Menschen große Kinder: unselbständige „Mitarbeiter“ machen, indem sie systematisch deren kindischen Ich-Zustände triggern und stabilisieren…

Die Folgeprobleme, die zu lösen oder mit denen umzugehen ist:

  • Viele Manager gehen, weil sie sich qua geringerem Gehalt nicht gewertschätzt fühlen.
  • „Außen-Mitunternehmer“ beginnen, „Innen-Mitunternehmer“ tatsächlich wie schlechtere Sekretärinnen zu behandeln; die Innen-Mitarbeiter haben einen solchen Selbstwertverlust erlitten, dass sie nicht mit der Haltung des selbstbewussten, hinterfradenden Dienens dagegen halten (= „innere Sklaverei“, allzu devotes Auftreten); in der Folge nehmen die Innen-Mitunternehmer ihre für das Unterenehmen äußerst wichtigen Aufgaben nicht mehr wahr, weil sie es so erleben, dass diese Aufgaben „nicht gewollt“ oder „doch nicht so wichtig“ ist; die Innen-Mitunternehmer landen dadurch in der inneren Kündigung, die Außen-Mitunternehmer in einer überzogen fordernden, notorisch nörglerischen, dauer-unzufriedenen Haltung.
  • Die Außen-Mitarbeiter brauchen sehr, sehr viel push-back; sie erwarten noch lange Zeit, dass sie Antworten und Anweisungen „von innen“ bekommen, obwohl sie selbst am Besten wissen, was zu tun und wie zu entscheiden ist. – Das erfordert von den Innen-Mitarbeitern viel Durchhaltevermögen in der neuen Haltung; aus ihrer Sicht führen sie die Außen-Mitarbeiter permanent „in Versuchung“, doch wieder Ansagen zu machen (was dann nur wieder mit höheren Gehältern stimmig wäre…)
  • Es treten ganz neue Konflikte zwischen den Außen-Mitunternehmer auf, die von den Innen-Mitarbeitern souverän moderiert werden, aber nicht „mit Machtworten“ gelöst werden dürfen.
  • Die Organisation wird in Krisenzeiten nervös und verlangt in diesen noch stärker als sonst oder plötzlich wieder nach dem „wohlwollenden (und bestbezahlten) Diktator“, der die Probleme „fixen“ soll; anstatt neue Wege zu finden, das vorhandene, gemeinsame Potential auf die Straße zu bringen; auch mit dem ganzen Wissen, das bereit in der Organisation ist.
  • Und, und, und. – Vermutlich sind die Folgeprobleme der Umstellung „gegen unendlich“

Dennoch glaube ich, dass wir uns und unseren Unternehmen mit dieser „Neuordnung“ einen echten Gefallen tun.

Den Kunden und den Investoren übrigens auch…


An den werten Leser, die werte Leserin, die sich durch die Zeilen dieses Artikels bis hierhin durchgekämpft hat:

Ich freue mich, wenn Sie mir den Gefallen tun wollen und im angeschlossenen Kommentarfeld von wordpress eine Rückmeldung machen, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm).

Genauso gern ohne wie mit Begründung. Begründungen können in die Richtung gehen: “Warum überhaupt mehr als 1?” Oder auch: “Warum unterhalb von 10 geblieben?”

Diese Ihre Bewertung dient meinem persönlichen Tracking der “wahren Wirkung” von ilwyc: Wenn Sie eine solche Bewertung abgeben, erfüllt mich das – wie auch immer sie ausfällt – mit Glück 🙂

Danke Ihnen dafür!

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Was Liebe in unserem Unternehmen verloren hat – Was unser Unternehmen an Liebe gewinnt

„Liebe“ ist im Kern die wiederholte Bezugnahme auf etwas, bei dem wir jeweils das Gefühl der Freude empfinden, weil unser Bewusstsein „ja“ zu diesem etwas sagt, so wie es ist, weil wir es affirmieren mit einem „das ist gut so, das ist schön so, das ist richtig so“.

Liebe geht über das rein Momentane der Freude hinaus und stellt eine beinahe identifikatorische, jedenfalls dauerhafte Bindung her zu jenem etwas. Und sie führt dazu, dass wir an jenem „etwas“ immer neue Details und Aspekte entdecken, die wir ebenfalls bejahen und an denen wir uns ebenfalls freuen.

Der menschlichen Liebesfähigkeit sind daher im Grunde kaum Grenzen gesetzt. Wir können alles mögliche lieben: Bestimmte Aktivitäten, Gegenstände, lebende Wesen, Dinge, natürliches, künstliches, Abstraktes, Komplexes, Kompliziertes, Einfaches, Orte, Situationen, usw. usf.

Es gibt laute und leise Formen der Liebe, solche die mit einer Form äußerer Aktivität verbunden sind und scheinpar passive, die ohne auskommen. Es gibt manchmal den Wunsch von Fürsorge für „das Objekt der Liebe“, den Wunsch, etwas zu seinem Wohlergehen beizutragen, vielleicht auch: alles, was man kann, zu seinem Wohlergehen beizutragen, aber auch das ist keine Notwendigkeit, damit es sich um Liebe handelt.

Liebe hat auch viel mit Betroffen-Sein, Verletzlichkeit und Mitgefühl zu tun. „Es macht etwas mit mir“, wie es um das, was ich liebe, gerade bestellt ist. Es lässt mich nicht kalt, es bewegt mich. – Und das obwohl wir eigentlich getrennt sind, obwohl es nichts mit mir machen müsste, weil da eben eine Trennung ist, die bedeutet, dass es mich kalt lassen könnte, nicht bewegen müsste.

Denn dies ist ein weiterer zentraler Aspekt der Liebe: Ihre völlige Freiwilligkeit und Ungezwungenheit. In der Liebe gehe ich eine Bindung ein, ich übernehme Verantwortung („etwas in mir antwortet auf das, was ich ‚da draußen‘ vorfinde, nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder“). Aber ich tue es nicht aus Zwang oder aus der Not heraus. Ich könnte es immer auch nicht tun und wäre dann ungebundener und (oberflächlich gesehen) freier. Auf jeden Fall viel weniger verletztlich. Nicht mehr zu lieben bedeutet Sicherheit, „jetzt kann mir nichts mehr etwas anhaben“, ich schütze mich. Liebe ist daher auch Wahnsinn: Völlig freiwillig mache ich mich noch verletzlicher als ich ohnehin schon bin, in dem ich mich mit etwas anderem verbinde, mit dem vielerlei der Fall sein kann, was dann auch mich berührt.

Aufgrund unserer prinzipiell unbegrenzten Liebesfähigkeit heraus sind wir ganz selbstverständlich auch in der Lage, ein bestimmtes Unternehmen zu lieben. Die Liebe zu einem Unternehmen ist sogar leichter und naheliegender als die Liebe zu vielem Anderen. Denn hier wird ja produziert, hier entsteht täglich Neues und wird anderen Menschen zur Verfügung gestellt. Der Aspekt des „Gebens“ ist sehr lebendig in Unternehmen, auch wenn man vordergründig oft den Eindruck hat, es ginge nur ums (Ein-)Nehmen.

Wichtiger aber ist noch, was mit den Mitunternehmern eines Unternehmens passiert und ob sie  „in einer erkennbar bestimmten Liebe zusammenkommen“. – Sehr naheliegend ist im Fall von Unternehmen die Liebe zu bestimmten Kunden, bzw. die Liebe dazu, für andere Menschen etwas Bestimmtes zu leisten, zu liefern, zur Verfügung zu stellen, Menschen, die dann rückwirkend als „Kunden“ bezeichnet werden können. – Eine sehr abstrakte Liebe.

Denn da im Unternehmen die unterschiedlichen Mitunternehmer sehr unterschiedliches tun, kann man auch nur im übertragenen Sinn von einer „gemeinsamen Aktivität“ oder von der „Liebe zu einer gemeinsamen Aktivität“ sprechen. Ich kann auch die Geschäftsführerin, der Buchhalter, die Empfangsdame oder der ITler dieses Unternehmens sein. Und dennoch kann es sein, dass es mir nicht egal ist, wozu meine eigene spezifische Aktivität am Ende beiträgt. – WENN das so ist, dann haben wir als Mitunternehmer in unserem Unternehmen eine echte, dauerhafte Verbindung, eine echte Geschäftsgrundlage. Wenn nicht, dann haben wir im Grunde gar keine Verbindung und unser Unternehmen verkommt über kurz oder lang zu so etwas wie einer Räuberbande mit schöner Verpackung und Eintrag im Unternehmensregister.

Die Liebe zu einem Unternehmen und dass ein Unternehmen überhaupt liebesfähig und liebenswert ist, muss daher täglich gepflegt sein. – Ganz genauso wie jede andere Form von Liebe auch. Wir nehmen dann in unserem Unternehmen mehrmals an jedem Tag unserer gemeinsamen Arbeit aktiv Bezug auf das Wesentliche unseres Unternehmens, auf das, worum es in unserem Unternehmen eigentlich geht. – Wir verlieren uns nicht in den notwendigen Details, ToDos, Prozessen usw., sondern wir finden unsere gemeinsame Liebe in ihnen wieder. Wir lassen uns unsere Liebe nicht von den Anforderungen des daily business davonschwemmen, sondern tragen sie in dieses daily business hinein und formen es so, dass es zu einem einzigen Ausdruck unserer gemeinsamen Liebe wird.

Das klingt obsessiv und vielleicht ist es das auch. Aber es gibt eben auch stille, leise, unaufgeregte Formen der Liebe, die wenig mit dem zu tun haben, was uns in Medien, Werbung und Filmen verkauft wird. Formen, in denen man ganz bei sich ist und ganz bei der Sache und ganz beim Anderen.

Im Kern geht es im Unternehmertum darum, dass man etwas tut, was für andere von Wert ist, und sich DABEI nicht verliert. Eben dann wird unternehmerische Tätigkeit zum stimmigen Ausdruck von Liebe.

Und dann kommt ein weiterer wesentlicher Aspekt von Liebe zum Tragen: Die Selbstauflösung ohne Selbstauflösung. Man geht auf in etwas, „das größer ist als man selbst“, aber man bleibt bestehen, opfert sich nicht auf, geht darin nicht unter. „Liebe im Unternehmen“ hat mit dem Märtyrertum, das wir derzeit in vielen Unternehmen erleben, nichts zu schaffen. Dieses Märtyrertum lässt eine kaputte Gesundheit zurück und zerstört zwischenmenschliche Beziehungen. Es verarmt emotional und manchmal sogar geistig. Liebe ist – mit dieser Überspitzung sollte man vorher aufräumen, bevor man mit dem Begriff der Liebe auf Unternehmen losgeht 😉 – eben nicht Selbstaufgabe, ist nicht heroisch. Sie ist einfach die bestmögliche, erfüllendste Form des Zusammenkommens und Sich-aufeinander-Beziehens, in dem beide Seite so wie sie sind gefeiert werden: Das Liebende und das Geliebte. Wenn das Geliebte das Liebende auffrisst, dann kann es sich um alles möglich handeln, aber sicher nicht um Liebe.

Und es gibt eben auch sehr asymmetrische Formen der Liebe. „Unternehmen“ ist eine davon (die Liebe zur Erfüllung bestimmter Kundenbedürfnisse). Eltern-Sein eine andere.

Der Liebe im Unternehmen auf der Spur

„Liebe im Unternehmen“? – Die erste Reaktion darauf könnte lauten: „Bitte nicht!“ Oder vielleicht: „Was soll denn das?“ Und dann eventuell noch: „Sie meinen jetzt aber nicht das, was einer unserer Vorstände mit seiner langjährigen Assistentin hat?“ Oder frei nach Gustav Heinemann: „Ach was, ich liebe keine Unternehmen, ich liebe meine Frau; fertig!“

Also, es ist schwierig über „Liebe im Unternehmen“ zu schreiben. Vielleicht ist es auch wirklich problematisch.

Um sich diesem Thema mit der ihm gebührenden Vorsicht zu nähern, ist es vielleicht sinnvoll, eher von „Spurenelementen der Liebe“ in Unternehmen zu sprechen.

Sammeln wir einmal, was naheliegend ist an solchen Spurenelementen:

„Ich liebe meinen Job“. – Kann je nach Mensch und seinen wichtigsten Bedürfnissen alles mögliche heißen: Abwechslung, angemessenes Herausgefordert-Sein, wichtige Fähigkeiten einbringen können, Sinnerleben, tolle Kollegen, Vertrauen vom Chef, in jüngster Zeit ein Erfolgserlebnis gehabt, wenig zu tun und gleichzeitig viel Kohle bekommen, Reisen können, nicht reisen müssen, dankbare Kunden haben, und und und.

In jedem Fall bekommt da jemand was, was er wirklich braucht und schätzt.

„Ich liebe dieses Unternehmen“. – Dürfte in nicht-sarkastischer Form derzeit eher selten anzutreffen sein, ist aber nicht ganz undenkbar. Das Unternehmen, dem dies gilt, müsste eine erkennbare stabile Kultur haben, in dem bestimmte Dinge, die der Liebe-Bekundende schätzt, regelmäßig vorkommen. Vielleicht sind es Dinge, die anderswo selten sind aus Sicht von dem, der den Satz sagt. Vielleicht ist er aber einfach schon sehr lange in jenem Unternehmen? – Nein, rein aus Dauer würde man so einen Satz wahrscheinlich nicht sagen. Da wäre zuviel Gewohnheit, Routine und Langeweile vor, vielleicht auch Genervtheit über die X-te Reorg, die man schon mitgemacht hat und Distanznahme zu der ganzen Sache aufgrund des Y-ten Chef, den man gerade hat. Es muss also wirklich etwas stabiles, wirklich Gutes sein im Unternehmen, das jemand zu so einer Aussage veranlasst. Und es könnte nicht nur von einem Mitarbeiter kommen. Es könnte sogar von einem Kunden kommen, einem Dienstleister/Zulieferer jenes Unternehmens oder von einem Investor.

„Ich liebe meine Kollegen“ – Hm. Irgendwie noch schwerer vorstellbar. Wer würde so einen Satz sagen? – In jedem Fall liegt hier eine irgendwie persönliche Beziehung vor, die über das rein Funktionale („die Räder greifen gut ineinander“) hinausgeht. – Oder doch nicht? Vielleicht bringen „die Kollegen“ einfach nur richtig gute Leistung, so dass es Spaß macht, mit ihnen zu arbeiten? – Wahrscheinlicher scheint mir aber, dass hier eine menschliche Ebene jenseits der Zusammenarbeit entstanden ist, dass man seine Kollegen durch irgendeinen glücklichen Zufall oder günstige Rahmenbedingungen als Menschen kennen gelernt hat und sich „zufällig“ mag. Man fühlt sich miteinander vertraut und wird gleichzeitig auch arbeitsmäßig nicht übermäßig enttäuscht (dann würden sich andere Gefühle anstauen, die kaum zu Liebesbekundungen führen würden). – Vielleicht kein sonderlich haltbarer Zustand. Aber ein denkbarer.

„Ich liebe meinen Chef“. – Ich muss zugeben: Dieser Satz löst bei mir persönlich unmittelbar Unbehagen aus. – Was ist hier der Fall? Vor kurzem befördert worden? Der Chef ist ein wirklich toller Mentor, ein geborener „People Manager“, der seine Aufgabe darin sieht, seine Mitarbeiter dahin zu bringen, dass sie ihn überflügeln, mindestens aber ihren Weg machen? – Selten, aber immerhin vorstellbar. Ich selber durfte einige solche Chefs kennen lernen. Und ja, wenn ich so darüber nachdenke: Ich liebe sie dafür.

„Ich liebe meine Kunden“. – Dazu fällt mir nur eines ein: Dass ich es wirklich schade finde und ein Armutszeugnis für unsere Unternehmen, dass ich annehme, dass dieser Satz mir am absurdesten und unwahrscheinlichsten scheint, dass er in unserer realexistierenden Wirtschaftswelt ausgesprochen oder auch nur einmal gedacht wird. – Denn im Kern geht es in jedem Unternehmen um die Kunden. Und wenn man die nicht liebt, was will man dann da eigentlich, in diesem Unternehmen? Wie gesagt: Extrem traurig und ein Armutszeugnis. Das Potential des Unternehmens ist verschenkt und den tragenden Protagonisten des Unternehmens oft noch nicht einmal ansatzweise überhaupt bekannt. – Weil sie sich ihrem Unternehmen und seinen Kunden nicht mit Liebe nähern, sondern mit ganz viel Anderem, völlig unbrauchbarem, beliebigem Zeug, das kein Mensch braucht.

„Ich liebe meine Investoren/ meine Firmeneigner“. Meinana! – Was muss da alles noch passieren, dass dieser Satz mal in der Realität fällt und ernstgemeint und vor allem ernst gefühlt ist! – Wünschenswert scheint mir das allemal, denn hier krankt unser momentanes System am Meisten und Zentralsten. – Aber das ist ein Thema für die, die sich mit Finanzen und Investments besser auskennen, und für Menschen, die sich mit „Impact Investing“ beschäftigen.

„Ich liebe meine Dienstleister/ meine Zulieferer“. – Hier scheinen mir die Dinge ähnlich gelagert wie beim Abschnitt über die Liebe zu den lieben Kollegen oben. Vielleicht täusche ich mich da aber auch?

Das soll als erste Sammlung von Liebes-Spurenelementen in Unternehmen genügen. Vielleicht mehr zu einzelnen dieser Elemente demnächst hier an dieser Stelle.