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Systematische Aufrüstung im Kennenlern-Prozess

Es spricht viel dafür, unternehmensseitig auf Stressinterviews zu setzen im Kennenlernprozess:

Man sieht, wie jemand „unter Stress reagiert“, er kann einem da nichts vormachen, nichts wohlklingend zurechgeschneidertes von sich erzählen, was dann „auf Arbeit“ deutlich anders bei ihm darstellt. Außerdem ist man in der Angreifer-Position so schön unangreifbar („Angriff ist die beste Verteidigung!“), sonst stellt der nicht-eingeschüchterte Bewerber vielleicht noch unangenehme Rückfragen.

Ja, und auch systematisch: In einer Situation strukturellen Misstrauens, in der man sich Las-Vegas-Mäßig nach 2-3 Gesprächen wechselseitig die Pistole auf die Brust setzt und sich im Zustand des Volltrunkenheit fragt: „Wollen wir heiraten?“ –  OHNE vorherige Kennenlern-Phase, OHNE vorher mal zusammen Urlaub gemacht zu haben, OHNE vorher zusammen gezogen zu sein, ja, ohne vorher auch überhaupt nur mal was miteinander unternommen zu haben…

…da ist Misstrauen eben einfach ganz rational: Es ist angebracht!

Bei der Sache gibt es nur ein Problem:

Man kann sich auf sie vorbereiten. Und man wird sich auf sie vorbereiten. – Genau so, wie es jener Unilever-Mitarbeiter gegen Ende des Films „Augenhöhe“ wunderbar nachvollziehbar macht (ca ab min 42:00).

Spannend ist nun, was passiert, wenn „Unternehmen systematisch abrüsten“, wenn Sie on purpose allen Stress aus dem Kennenlern-Gespräch rausnehmen:

Dann nämlich erzählen Ihnen die Menschen, die vielleicht morgen schon Ihre Mitunternehmer sind, die allerschönsten Dinge „aus Ihrem Leben“.

Das könnte man nun ganz strategisch angehen: Als weitere Waffe im Arsenal des Krieges von Unternehmen gegen ihre Mitmenschen.

So nach der Marschroute: „Ich werd mal ganz vertraulich – Mal sehen, was dieses smart-ass mir DANN von sich erzählt…“

Man KÖNNTE es natürlich auch tun, um den anderen einfach wirklich kennen zu lernen…

…nur gibt es DANN ein unkalkulierbares Risiko, das man wohl vernünftigerweise kaum vor sich vertreten kann:

Jener Mensch, der schon morgen einer meiner Mitunternehmer sein könnte, könnte dann auf die Idee kommen, auch UNSER UNTERNEHMEN ERNSTHAFT KENNEN LERNEN ZU WOLLEN!!!

…und da sei Gott vor.

Oder eben ersatzweise das „Stress-Interview“…

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Ein „Geheimnis“ beim Sex, von dem seltsamerweise wenig Frauen und Männer wissen…

Wenn Frauen Sex wollen, dann…

…wollen sie Sex.

Meistens zumindest.

Wenn Männer Sex wollen, dann…

…wollen sie alles mögliche.

Unter anderem könnte es für einen Mann, der gerade Sex will, in jenem Moment um Folgendes gehen – Und das ist wahrscheinlich eine noch recht unvollständige Liste…:

  • Selbstbestätigung als Mann
  • Wunsch nach Entspannung
  • Wunsch nach „In den Körper kommen“
  • Wunsch, mal wieder zu fühlen
  • Wunsch nach Verbundenheit
  • Wunsch, sich zu verausgaben
  • Wunsch nach Anerkennung
  • Wunsch nach Ablenkung und/oder Zerstreuung von Problemen, die er gerade hat
  • Wunsch nach Geborgenheit
  • Wunsch nach Zuwendung
  • Wunsch, „es“ zu bringen
  • Einem anderen Menschen etwas Gutes zu tun
  • Akuten Lebensfrust abbauen
  • Eine neue Technik auszuprobieren, von der sie gehört haben (Neugier)
  • Forscherdrang ausleben („hm, wie reagiert sie, wenn ich X tue…“ – im Grunde auch Neugier, aber auch „Erkundgungs- und Entdeckerdrang“)
  • Wunsch, Konflikte beizulegen, Ärger abzuwenden, Beziehungsspannungen „durch Handeln“ abbauen
  • Verlustängste und Einsamkeit abwehren
  • Einen „Mitbewerber“ ausstechen
  • Problemlos einschlafen können
  • Und, und, und…

Wenn man oder frau wissen möchte, warum genau das bei uns Männern alles gar nicht so einfach ist, der sollte sich unbedingt mal das hier verlinkte Buch reinziehen.

Darin findet sich (sinngemäß) folgende schöne Formel:

„Männer denken eigentlich immer an Sex – Außer beim Sex.“

Und das hat Gründe.

Man findet in Björn Süfkes „Männerseelen“ nicht nur schöne Einsichten, warum wir Männer so ticken wie wir eben ticken. Sondern auch eine implizite Aufforderung zu „männlicher Emanzipation“. Wollen wir Männer uns wirklich aus unserer inneren Abhängigkeit lösen, so werden wir um die bei den meisten von uns stark angstbesetzte Auseinandersetzung mit unserem Innenleben nicht drumherum kommen.

Ohne diese Auseinandersetzung bleibt eben alles so, wie wir es schon nur zu gut kennen: Es bleibt beim gut abgestandenen Spiel: „Strebe möglichst viel Status an, werde dafür mit möglichst viel Sex belohnt. Sex, der Dir für einen Moment einen Zugang zu Deinem Körper und Gefühlen ermöglicht, die Dir ansonsten für immer verschlossen sind“.

Männliche Emanzipation würde heißen: Mehr Innenzugang. Weniger Abhängigkeit von Status. Weniger Abhängigkeit von Frauen. Weniger Abhängigkeit von Sex.

Männer, die „wirklich frei“ sein wollen, müssten – rein theoretisch – ein lebendiges Interesse daran haben, sich aus diesen gesellschaftlichen Fesseln zu lösen.

Denn mal unter uns: Diese Spiele machen deutlich weniger Spaß als uns unsere derzeitige Gesellschaft vorschreibt, dass sie uns Spaß machen sollen. „Have fun“ ist ein unerbittlicher Imperativ. Sex hat uns Spaß zu machen, denn sonst…

Der Mythos: „Männer sind halt so“ und „das ist halt die Biologie/Hormone/Y-Chromosom“ ist ein gesellschaftliches Konstrukt, dass darauf abzielt, aus uns „gute Soldaten“ zu machen, schmerzbefreit nach innen, schmerzbefreit nach außen, mit exzellent gepflegtem Körperpanzer, der bei uns dann eben nur durch Sex für seltene, kurze Momente aufbricht.

Freiheit sieht auf jeden Fall anders aus. Vor allem aber: Freiheit fühlt sich deutlich anders an.

„Männer werden als frei angesehen und überall liegen sie in Ketten.“ – Die stärkste Kette für uns Männer besteht aus den Ringen:

Drastisch sanktioniertes Gefühlsverbot –> Unbewusste Bedürftigkeit –> Sexzwang als kurzfristige Erleichterung –> Status-Imperativ, um darüber „an Sex heranzukommen“ –> „Sei ein lieber braver Soldat, der sich begeistert an vorderster Front verheizen lässt, dann wirst Du mit seltenen Gefühlen von Lebendigkeit belohnt.“

Solange wir Jungen systematisch ihre natürlichen Gefühle aberziehen, haben wir hochgradig bedürftige Männer, die Sex nur als Belohnungssystem kennen, von dem sie in jeder Hinsicht vollkommen abhängig sind. – Sie haben dann zwar noch die Wahl, sich von diesem System abzukoppeln, jedoch nur zu einem sehr hohen Preis: Sie werden dann nicht mehr als „richtige Männer“ angesehen. Im Grunde auch nicht mehr als „richtige Menschen“, die interessante Partner für irgendeine Form von Beziehungen sind, sei sie nun sexueller oder nicht-sexueller Art.

Fazit: Für uns Männer ist Sex in unserer derzeitigen Gesellschaftsordnung eine Strategie zur Befriedigung ganz anderer Bedürfnisse (siehe unvollständige Liste oben). Bedürfnisse, die mit Sex erstmal rein gar nichts zu tun haben.  Aber um das auch nur mitzukriegen, müssten wir uns von einigem emanzipieren, was klassische männliche Rollenbilder („Anführer“, „Held“, „Krieger“, „Priester“) uns vorschreiben, wie wir zu sein und was wir zu tun haben. – Und vor allem: Was wir als Männer alles NICHT tun dürfen, wenn wir „wertvolle Mitglieder der Gesellschaft“ sein wollen.

Ich gehe davon aus: In ausnahmslos jedem Mann steckt ein Mensch, der mal ein kleiner Junge war, der realisieren musste, dass er mit drastischen Sanktionen rechnen muss, wenn er nicht zumindest danach strebt, männlichen Rollenklischees gerecht zu weden. Und so hat er gelernt, seine eigene Verletzlichkeit zu verdrängen. Und genau dadurch eine sehr gut ausbeutbare Bedürftigkeit „gewonnen“. Wer sich als Mann heute gut um sich selbst kümmern will (= „gute Selbstsorge“), wird zurück zu jenem kleinen Jungen gehen müssen, der er mal war. Dort gibt es für jeden einzelnen von uns eine Menschlichkeit zu entdecken, die rein gar nichts mit gesellschaftlichen Konstruktionen von So-soll-ein-Mann-sein zu tun hat. – Wir alle fühlen das und sind oft auch schmerzhaft damit konfrontiert, wenn wir mit unseren kleinen Söhnen zusammen sind, bis sie selbst die gesellschaftlich von ihnen geforderte „Coolness“ bei sich zu kultivieren beginnen.

In der Regel ist uns all das in dem Moment, „in dem wir Sex wollen“, nicht im geringsten bewusst. – WÄRE es uns bewusst, hätten wir häufiger die Wahl, uns jenes Bedürfnis, um das uns eigentlich gerade geht, auch auf anderem Weg zu erfüllen, als „mittels Frauen“, als „mittels Sex“. – Wir wären dann deutlich „unabhängiger von Frauen“, auch: deutlich reifer. Deutlich beziehungsfähiger. Und würden uns um einiges freier fühlen als wir das heute tun.

 

Re-connect!

Ein zentrales Problem unserer heutigen Zeit ist unsere Unverbundenheit. Unsere „Disconnection“. – Der olle Karl Marx hat das gleiche Phänomen mal „Entfremdung“ genannt. – Und manchmal nennt man es auch „die Entzaubertheit der Welt“ oder „metaphysische Heimatlosigkeit“.

Diesen halbreligiösen, halbspirituellen Kram muss man nicht unbedingt kaufen oder mitgehen können, um wahrzunehmen, dass unsere Beziehungen und unsere Verbindungen untereinander gewisse Schräglagen haben, bis dahin, dass man von „kranken Beziehungen“ oder „krankmachenden Beziehungen“ sprechen muss.

Nichtsdestoweniger wissen wir: „Kontakt“ ist notwendig. Wir wollen ja „Business machen“, wir wollen uns spüren, wir wollen uns verbunden fühlen und wir wollen – obwohl das selbst eine kranke Motivation ist – „nicht einsam sein“.

Aber diese unsere Bemühungen um „Kontakt“ sind selbst merkwürdig schräg:

Wir wollen den Kontakt und wollen ihn nicht. Wir wollen baden, aber wir wollen nicht nass werden. Wir wollen Berührung, aber ohne Verletzlichkeit. Wir wollen, dass es etwas mit uns macht, aber bitte ohne dass es etwas mit uns macht, was wir nicht wollen.

Daher kommen wir nicht in Kontakt, daher fühlt sich alles so distanziert und leer uns hohl und sinnlos für uns an.

Wir gehen in Kontakt. Aber: „Gut gerüstet“. Wir gleichen Menschen, die sich zum Sex in einer Ritterrüstung packen, damit „nichts schiefgeht“.

Aber so fühlt sich das Ganze dann halt eben auch nicht ganz so toll an für uns…

Der Witz ist: Wir wollen in Kontakt mit anderen, aber ohne dabei mit Kontakt mit uns selbst zu kommen. – Und: Wir wollen den Kontakt zu anderen Menschen, UM mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Und an diesem Denken ist auch gar nicht unbedingt etwas Falsches: Denn es funktioniert ja!

„Kontakt“ bringt uns in Kontakt.

Im Grunde gibt es hier keine Wirkung und keine Ursache. Eher so etwas wie eine wechselseitige Verknüpfung, einen „systemischen Zusammenhang“.

Das ist im Grunde eine „frohe Botschaft“. – Denn sie bedeutet zwar, dass uns „Techniken“ hier nicht weiterhelfen (sie gehören zur Sphäre des Linearen, der eindeutigen Ursache und der eindeutigen Wirkung). Aber es bedeutet eben auch, dass wir ÜBERALL ANSETZEN KÖNNEN. Dass es völlig gleichgültigt ist, wo wir ansetzen:

Wir können einen besseren Kontakt mit uns selbst pflegen (meditieren, auf gute Art Sport machen, uns bewegen, tanzen, uns liebevoll nähren und versorgen, liebevolle Gedanken pflegen, und selbst nach unseren Bedürfnissen fragen, uns Zeit geben und uns Zeit nehmen, uns Ruhe und Stille gönnen, Singen, Spielen… and so on…). – UND DANN UND SO in Kontakt mit anderen Menschen gehen.

Wir können aber genauso gut all das sein lassen und – mit uns selbst unverbunden – in Kontakt mit anderen gehen. UND DADURCH mit uns selbst verbunden werden, angeregt werden, auf uns selbst verwiesen werden, usw. usf.

Der letztere „Weg“: Kontakt mit anderen zu suchen, ohne in Kontakt mit uns selbst zu sein, ist eine Art „instant feedback“ für uns, wo wir gerade stehen, wie es uns gerade geht, und wer wir eigentlich gerade sind.

Dieser Weg ist manchmal schmerzhaft und unangenehm. Aber das ist dann gut so.

Und dieser Weg ist nur dann ein „Problem“ und führt zu noch weiterem Kontaktverlust, zu noch mehr „Aufrüstung“, wenn wir das, was wir an „schlechtem Kontakt mit anderen erleben“, folgendermaßen zuordnen:

Die anderen sind doof. Die anderen sind das Problem.

Wenn wir stattdessen sagen: „Danke für dieses Feedback. Es tut weh. Ich lass das jetzt mal sacken. — Und ziehe dann, wenn ich soweit bin, meine Schlüsse für mich daraus…“

…dann gibt es da eigentlich kein Problem. Alles ist in bester Ordnung. Mit dem Unangenehmen, mit den Schmerzen, mit den Ängsten. – Es ist gut, dass es sie gibt. Es sind Signale, es sind liebevolle Hinweise an uns, dass wir uns weiterentwickeln wollen und jetzt sofort auch weiterentwickeln können.

Schmerz, Angst, Unangenehmes: All das ist Information über unsere Unverbundenheit mit uns selbst.

Und auch daher bringen uns Kontakte mit anderen Menschen immer wieder in Kontakt mit uns selbst.

Und wenn wir das eben gerade einfach nicht verstehen wollen: Dann VERTIEFEN sich eben unsere Probleme. Dann vertieft sich unsere Unverbundenheit.

Und auch das führt wieder zu Informationen. Auch das führt wieder zu liebevollen Hinweisen, wo wir nun stehen, durch unser Verhalten, durch unsere Schlüsse, durch unseren Umgang mit uns selbst.

We can’t blame nobody.

But we can re-connect.

Anytime.

Anyway.

Die 6 universalen Prinzipien guter Beratungsarbeit – In egal welchem Feld

1.) Machen Sie sich vorab selbst unmissverständlich klar: Es ist nicht Ihr Problem. Es ist das Problem des Kunden/Klienten. – Wenn es denn überhaupt ein Problem gibt. – Es geht darum, dem Kunden dabei zu beizustehen, sein Problem zu lösen. – Es geht um das Wohl des Kunden und wie er seine Situation verbessern und/oder erhalten kann.

2.) Hören Sie Ihrem Kunden erst mal einfach nur zu. – Aber hören Sie nicht einfach irgendwie zu. – Hören Sie empathisch hin und auch in sich hinein. – Nachdem es zu 100% um den Kunden geht, geht es eben auch darum, zu 100% innerlich bei ihm zu sein. – Das geht nur, wenn Sie zugleich auch mit sich selbst in Kontakt und Resonanz gehen. – Und mit ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. – Wenn Sie sich nun fragen, wie DAS denn bitteschön gehen soll, schauen Sie sich einfach mal dieses kurze, 3-minütige Video an, danach ist diese Frage in der Regel nicht mehr offen.

3.) Halten Sie das Problem des Kunden aus. – Das sollte Ihnen leicht fallen, denn es ist ja nicht Ihr Problem, sondern sein Problem. – Flüchten Sie nicht vor dem Problem und lösen Sie es auch nicht. – Stattdessen vertiefen Sie nun das Problem des Kunden. – Dazu gibt es viele Möglichkeiten und Techniken. – Einige davon sind ganz einfach. Z.B. der Einsatz der Frage: „Worum geht es Ihnen denn EIGENTLICH?“ – Wenn Sie Ihrem Kunden in Schritt 2.) wirklich empathisch zu gehört haben, wird ihnen der Kunde diese Frage niemals krumm nehmen.

4.) Aktivieren Sie zunächst die Ressourcen DES KUNDEN zur Lösung dieses vertieften Problems. – Selbst wenn Sie nicht in die Coaching-Haltung gehen (=> „der Kunde hat die Lösung selbst“), sondern ihren Kunden beraten oder trainieren, sollten Sie im ersten Schritt ausloten, was der Kunde selbst schon alles getan hat oder was er selbst tun könnte. – Das ist besonders schwierig bei Kunden in der Opferhaltung und/oder die sie als „Experten für das Problem“ umschmeicheln („ich kann das nicht, aber deswegen bin ich ja bei Ihnen, Sie sind ja SO GUT auf diesem Gebiet, Sie sind der Experte…“ usw. usf.). – Bleiben Sie dennoch dabei. Freundlich, aber beharrlich. Lösen Sie niemals selbst, BEVOR alle potentiell relevanten Ressourcen und Möglichkeiten des Kunden vor Ihnen auf dem gemeinsamen Tisch oder Flipchart liegen und für sie beide sichtbar geworden sind.

5.) Machen Sie sich rechtzeitig überflüssig. – Auch Empathie, auch Händchenhalten kann abhängig machen und den Kunden schwächen. – Am Problematischsten sind aber fortgesetzte Lösungsvorschläge ohne Umsetzung. – Ein freundlicher Schubs nach der Devise: „Sie haben jetzt alles was Sie brauchen, jetzt machen Sie erst mal, wozu Sie sich mit mir entschieden haben – Sie können das!“ bringt in der Regel mehr Erfolg und Zufriedenheit als notorisches Dabeibleiben, Kontrollieren und Weiter-Intervenieren, vielleicht sogar mit neuem Input, der neue Probleme fokussiert oder sogar erzeugt. – Selbst wenn der Kunde selbst danach verlangt.

6.) Bleiben Sie dennoch in Beziehung. – Halten Sie den Kontakt und erkundigen Sie sich auch nach Fortschritten. In erster Linie erkundigen Sie sich aber nach Gefühlen und Bedürfnissen des Kunden bei seiner eigenen Lösungs- und Umsetzungsarbeit. – Auch hier gilt wieder: Die Probleme hat der Kunde. – Es handelt sich also im Grunde um eine Wiederholung von Schritt 2.) – Mit dieser  Wiederholung machen Sie sich selbst klar und dem Kunden deutlich: Es geht Ihnen wirklich nicht um „ein Problem und seine Lösung“, es geht Ihnen um das Wohl des Kunden. – Und dieser Unterschied ist wichtig für erfolgreiche, gute Beratungsarbeit. – Sie wechseln damit vom Paradigma der Sachorientierung in das vielschichtigere und erfüllendere Paradigma der Beziehungsorientierung. – Sie werden vom nützlichen Fachidioten zu einem wertvollen Partner auf Augenhöhe für Ihren Kunden.

Theorien-Pragmatismus

Ende des letzten Jahrhunderts hat der amerikanische Philosoph Richard Rorty den philosophischen Pragmatismus aktualisiert und wieder salonfähig gemacht.

Obwohl Rorty durchaus am bestehenden „wissenschaftlichen“ Niveau in der Philosophie anknüpfte, wurden seine Ansätze und Gedanken in der akademischen philosophischen Szene mit viel Skepsis und Ablehnung aufgenommen. Viel positive Aufmerksamkeit bekam er dagegen in der außerphilosophischen akademischen Szene, z.B. an den literarischen und Kultur-Fakultäten.

Ich selber studierte Ende der 90er Jahre Philosophie in München. Und zwar so intensiv, dass ich mir durch mein Studium folgendes Problem einfing:

Wenn ich mich mit einer guten philophischen Theorie beschäftige, konnte ich darin unglaublich viel finden, zu dem ich innerlich laut „Ja, genau so ist es!“ oder mindestens „Was für eine unglaublich produktive Sichtweise!“ sagen konnte, wollte, musste.

Das Problem: Es gab mehr als nur eine, es gab -zig Theorien, mit denen es mir so ging. Und diese Theorien vertrugen sich untereinander gar nicht. Und das ist noch freundlich ausgedrückt. Sie waren beim näheren Hinsehen völlig unvereinbar – Und die „später-kommenden“ Protagonisten sagen einem das auch direkt, laut und deutlich, z.B. Nietzsche über Platon. – Ein Straßenkampf ohne Regeln und Tabus ist nichts dagegen, wenn sich ein Philosoph mit einem seiner Vorgänger „auseinandersetzt“… 😉

„Philosophisch naheliegend“ auf so eine „Problemlage“ ist der Versuch einer „Synthese“. Der letzte Philosoph, der ernsthaft (und aus seiner Sicht erfolgreich) versucht hat, alle Philosophien vor ihm in eine stimmige Sichtweise zu integrieren, ohne diesen Sichtweisen dabei Gewalt anzutun und sie grob zu beschneiden oder zu verkürzen, war Hegel.

Als junger, ambitionierter Mensch versuchte ich also ähnliches und musste nach mehreren Jahren einsehen: DAS schaffe ich nicht.

Ich stand also da mit meinen sich gegenseitig zersplitternden Sichtweisen, die alle einander ausschließen, die ich alle aber gleichermaßen gut fand.

In dieser Situation hat mir Rorty entscheidend weitergeholfen, „mit mir, wie ich durch mein Philosophie-Studium geworden war“, überhaupt noch ansatzweise klar zu kommen. – Und irgendwann: Wirklich Kapital aus diesem Studium zu schlagen. Ohne den Pragmatismus wäre mir persönlich das nicht gelungen.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob das, was ich für mich daraus gemacht habe, „wirklich noch Rorty ist“. Weil für mich aber der entscheidende Impuls eben zufällig von Rorty kam, nenne ich das, was mir in der beschriebenen Problemlage geholfen hat: „Theorien-Pragmatismus“.

Diese Zugangsweise zu Sichtweisen stellt an eine Sichtweise / Theorie (denn mehr als Sichtweisen sind Theorien in meinen Augen nicht, obwohl Theorien sehr gern behaupten, dass sie etwas ganz anderes als Sichtweisen seien…) nur folgende Fragen:

„Was macht es mit mir / Wohin führt es mich / Welche Effekte hat es (auf mich und durch mich hindurch auf Andere / Anderes), wenn ich diese Sichtweise für einen Moment, für eine Zeitlang annehme?“

Theorien werden zu Brillen, die man jederzeit aufsetzen und wieder absetzen kann. Man bleibt ihnen gegenüber frei. Bzw. wenn man sich unfrei macht, bleibt klar, dass dieses „sich-unfrei-machen“ auf einer freiwilligen, selbst-gewählten Entscheidung beruht.

Streit um Wahrheit (erster Ordnung) ist damit ausgeschlossen. Es geht eher um so etwas wie „Selbsterfahrung“: Ich in diesem Moment mit DIESER Theorie –> Solche Effekte. // Ich in einem anderen Moment mit einer ANDEREN Theorie –> Solche Effekte. usw.

Nach meinem Empfinden führt einen ein so praktizierter „Theorien-Pragmatismus“ sogar noch über das ursprüngliche Feld des philosophischen / akademischen Pragmatismus hinaus.

Ich gebe ein Beispiel:

Bei Rorty finden sich z.B. ziemlich polemische Passagen gegenüber religiösen oder spirituellen Sichtweisen. Rorty’s Pragmatismus ist anti-religiös oder wenigstens agnostisch. Er schreibt religiösen Sichtweisen – ganz Pragmatist – negative, entzweiende Effekte auf das menschliche Miteinander zu.

Nun kann man – ebenfalls ganz Pragmatist – z.B. einmal „ausprobieren“, was es mit einem macht, wenn man annimmt, dass es „mehrere Leben“, also irgendeine Form von personaler „Wiedergeburt“ gibt. Oder genauer: Dass dieses Leben, das man gerade lebt, nicht das letzte gewesen sein wird.

Das kann man „mit Karma“ oder „ohne Karma“ für sich erproben – mit dem Motto: „Entdecke die Unterschiede!“

Was ich persönlich beim Erproben gerade dieser Brille verspüre, ist: Unmittelbare Entspannung und Entlastung. Ich muss nicht alles „in diesem Leben“ lösen und zu Ende bringen. In Untätigkeit oder Phlegmatismus versetzt es mich persönlich nicht, wohl aber in eine gewisse Gelassenheit, die ich ohne diese Sichtweise bisher eher selten erreicht habe.

Das ist natürlich weit entfernt von einer echten religiösen Haltung, die immer darauf bestehen würde, „das es so ist“, dass die Sichtweise eben keine Sichtweise ist, sondern „die Wahrheit“. (Um etwas fachzusimpeln: der Pragmatismus nennt das „Korrespondenz-Theorie der Wahrheit“, weil Worte hier den Anspruch erheben, 1:1 Wirklichkeit abbilden zu können).

Im Austausch mit wirklich tief-spirituellen Menschen mache ich die Erfahrung, dass es sie stark revoltieren kann, wenn man eine Sichtweise von ihren Effekten her rechtfertigt und nicht von ihrer Wahrheit her. – Die Freiheit, die jeweilige Brille auch wieder ablegen zu können, „wenn sie einem nicht mehr passt“, ist für viele, die diese Brille lieben, eine echte Zumutung.

Ich selber, mit dem durch mein Studium „antrainierten“ Zugang zu so vielen tollen, aber einander ausschließenden Sichtweisen, ist der Theorien-Pragmatismus dagegen zu einer echten Existenz-Bedingung geworden. – Ich wüsste nicht, wie ich mit meinen vielen Lieben zu höchst unterschiedlichen Sichtweisen sonst klar kommen sollte.

Wenn man etwas gemein sein möchte ;-), kann man diese Umgangsform mit Theorien „serielle theoretische Polygamie“ nennen. Denn das trifft sehr gut, was das in der Praxis bedeutet. – Man bleibt keiner Theorie treu, die einem nicht gut tut, sondern man bleibt frei in der Beziehung zu ihr. Frei, sie auch wieder zu verlassen und sich einer anderen hinzugeben, wenn man merkt, dass das gerade besser für einen ist.

Im Umgang mit Menschen würde mir so eine Praxis eher fragwürdig vorkommen und ich würde bezweifeln, dass man sich damit selbst einen Gefallen tut. Im Umgang mit Theorien kann ich bisher dagegen keinerlei negative Effekte einer solchen Praxis bemerken.

Kurz – Meine bisherige Erfahrung ist: Bei Menschen zahlt sich Treue aus. Bei Theorien nicht.

[Dieser Artikel ist die erneute Veröffentlichung eines Beitrags, der erstmals am 28.03.2013 auf Xing erschienen ist. – Dei Wiederveröffentlichung hier auf ilwyc ist leicht überarbeitet.]

GfK / NVC – Gewaltfreie Kommunikation / Non Violent Communication

Derzeit habe ich den Eindruck, dass es bei der Arbeit mit Konzepten der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg für mich keine guten Leitgedanken sind, wenn ich dabei „Gewaltfreiheit“ oder „Kommunikation“ im Sinn habe.

Andere würden vielleicht sagen: „Bei der GfK geht es in erster Linie weder um Gewaltfreiheit noch um Kommunikation. In erster Linie geht es bei ihr um ganz andere Dinge…“

Ich wage mal eine unvollständige und vorläufige Sammlung, womit man sich beschäftigen könnte, wenn man sich mit GfK beschäftig…

  • Mit sich selbst besser in Kontakt zu kommen (= „bessere interne Kommunikation“, „bessere Gespräche der Seele mit sich selbst“)
  • Damit, auch im Alltag, in den Wechselfällen des Lebens „öfter und länger in der eigenen Mitte zu bleiben“ bzw. „leichter und schneller in die eigene Mitte zurück zu finden, wenn man sie mal verloren hat“
  • Mit Klarheit, was einem überhaupt wirklich wichtig ist. Und was eher nur liebgewonnene, schlechte Gewohnheiten sind. Dinge, die man gar nicht so dringend braucht, wie sie sich im ersten Moment anfühlen.
  • Mit einer Lösung von Reflexen, von Strategien, mit denen man sich nach der eigenen Erfahrung selber schadet oder mit denen man nur selten das erreicht hat, was man mit ihnen erreichen wollte.
  • Mit innerer Ruhe und Gelassenheit. – Mit der Erleichterung, die man sich verschafft, wenn man fühlt, worum es einem wirklich gerade geht, auch dann, wenn man es gerade nicht bekommen kann.
  • Mit der Senkung von Handlungsdruck, mit der Erlernung von Warten-Können.
  • Mit der Steigerung des Aushalten-Könnens von Zuständen, in denen man keine Lösung parat hat. Also der Spanne zwischen „Erkennen eines Problems“ („unerfülltes Bedürfnis“) und „Finden einer Lösung“ („Strategie, die das Bedürfnis erfüllt“). – Leichtere Vermeidung von Schnellschüssen und Lösungsfallen.
  • Mit dem Finden von echten Lösungen.
  • Mit besserem Verständnis eigener Beweggründe.
  • Mit Anerkennung der eigenen Person und ihren vielfältigen Wünsche und Bedürfnisse, die oft sogar gleichzeitig präsent sind.
  • Mit der Heilung von Abspaltungen: Persönlichkeitsanteilen, Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen, die man „als nicht der eigenen Person zugehörige“ eingestuft hat. – Und daher mit der Zeit gelernt hat, gar nicht mehr wahrzunehmen.
  • Mit „moralischer Abrüstung“. Mit der Eindämmung von Bewertungen, Kritik und Urteilen. – Mit einem Verlassen der Bahnen des Kritischen Eltern-Ichs und des Verfolgers/Täters aus dem Drama-Dreieck.
  • Mit der Übernahme von Eigen-Verantwortung. Mit Erwachsen-Werden. Einübung wahrhaft erwachsener Verhaltensweisen im rein bejahenswerten Sinn. – Mit einem Verlassen der Bahnen des hilflosen/angepassten Kinds und des Opfers aus dem Drama-Dreieck.
  • Mit Andere-Menschen-Sein-Lassen-Können. – Andere nicht ändern müssen. Andere in ihre Probleme selber lösen lassen können. Anderen eigene Erkenntnisse nicht aufdrängen. Andere Menschen in Ruhe lassen können. – Mit einem Verlassen der Bahnen des Fürsorglichen Eltern-Ichs und des Retters aus dem Drama-Dreieck.
  • Mit der Anerkennung von Räumen, eigener und fremder Räume, wie wir sie z.B. in der Form des TEMENOS gemeinsam üben und erlernen können.
  • Mit innerlicher Freiheit, mit der Nutzung der Möglichkeiten, die uns Menschen als komplexen Wesen gegeben ist („der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“)
  • Und noch vieles andere mehr, das INNERLICH ist und in gewissem Sinne für uns VOR aller Kommunikation liegt… (= der Moment, bevor wir Handeln, bevor wir den Mund aufmachen…)

Die Reduktion gewalthafter Verhältnisse, Situationen, Beziehungen und das häufigere Gelingen von Kommunikation (beide Kommunikationspartner bekommen, was sie sich wirklich wünschen) sind so gesehen nur indirekte Nebenfolgen einer eher INNERLICHEN PRAXIS, die man u.a. auch mithilfe der Formen üben kann, die von Marshall Rosenberg bereit gestellt wurden.

Es ist  – wie so oft – nicht sinnvoll, das Ziel direkt zu fokussieren, um das Ziel zu erreichen. Um das Ziel zu erreichen, muss man sich um ganz andere Dinge kümmern als um das Ziel selbst.

Andererseits: Gerade beim Üben mit Formen der GfK merke ich, wie heilsam Beziehungen sein können. Gerade konflikthafte Beziehungen. Sie bringen uns dort weiter, wo wir uns im inneren Dialog (wir mit uns selbst) in den immer gleichen Mustern verfangen und verstricken.

Um weiter zu kommen, brauchen wir Inter-Aktion, brauchen wir erfüllende Beziehungen und brauchen wir (als Kontrastmittel) Konflikt.

Auch deswegen empfinde ich viele unserer heutigen Unternehmen als so unbefriedigend: Sie unterdrücken Konflikte mehr als dass sie Konflikte fördern und in produktive Bahnen lenken. – Sie sehen Konflikte nur „als Störungen des ansonsten reibungslos ablaufenden operativen Prozesses“.

Viele unserer Unternehmen verfügen heute weder intern noch extern über diejenigen Bindungen und Beziehungen, die es braucht, um produktive Konflikte zu haben. Die es braucht, das Drama, das in produktiven Konflikten dann immer erst mal am Werk ist, aushalten zu können. Die Bindungen der meisten unserer heutigen Unternehmen sind nicht stabil, sind nicht tragfähig, nicht belastbar.

Viele unserer heutigen Unternehmen sehen daher auch noch nicht einmal im Ansatz die Chancen, die im Konflikt liegen. Sie sehen nicht DAS POTENTIAL DER WUT: Dinge auf den Tisch zu bringen, die definitiv auf den Tisch gehören. Dass manche Dinge nur mit der Kraft der Wut „hochploppen“ können. – Freilich sollte man es dabei nicht belassen und genau DIESE NEUEN INFORMATIONEN dann auch bewusst nutzen und dadurch zu neuen Lösungen und Arrangements kommen.

Deswegen setzen solche hilflosen Unternehmen, die im Grunde mit Konflikten einfach nicht umgehen können, die nichts mit ihnen anzufangen wissen, auf Konzepte wie das der Hierarchie oder das der Karriere.

Mich als Choleriker stört das.

Wofür Frauen da sind

Natürlich in erster Linie: Um da zu sein. Um Spaß zu haben. Um sich ihres Lebens zu freuen. Um von all ihren Eigenheiten Gebrauch zu machen und damit zu experimentieren. – Um die zehntausend Dinge zu tun und auszuprobieren, die Frauen eben so tun.

Und dann – unter ferner liefen – auch noch:

Um für Männer da zu seien. Um ihnen Halt zu geben. Vor allem um ihren Handeln einen Ankerpunkt, eine Richtung, ein Ziel, einen Sinn zu geben. Damit sie nicht völligen Mist bauen und die Welt mit ihrem Überschuss in Schutt und Asche legen. Um diese Kraft zu kanalisieren. Um sie mit sinnvollen Aufgaben zu versorgen.

Und dann – unter noch viel fernerem liefen – auch noch:

Um sich zu kümmern. Um das, worum sich sonst niemand kümmert. Um Liebe, Aufmerksamkeit und Wärme zu spenden. Um Zärtlichkeit in die Welt zu bringen, Feinheit und Geschmack. Um diese Feinheiten zu feiern. Um Überfluss zu fordern. Um zu vermitteln. Um elegant zu verbinden, was sonst unverbunden bliebe. Um Unterschiede zu unterlaufen. Um das Drama wieder zu besänftigen und zur Ruhe kommen zu lassen. Um Austausch und Kontakt zu fördern. Und noch für vieles andere mehr, das mir gerade nicht einfällt, weil ich, der ich das schreibe, überwiegend männlich gepolt bin…

Wofür Männer da sind

Natürlich in erster Linie: Um da zu sein. Um Spaß zu haben. Um sich ihres Lebens zu freuen. Um von all ihren Eigenheiten Gebrauch zu machen und damit zu experimentieren. – Um die zehntausend Dinge zu tun und auszuprobieren, die Männer eben so tun.

Und dann – unter ferner liefen – auch noch:

Um für Frauen da zu seien. Um ihnen Halt zu geben. Vor allem emotionalen Halt. Durch ihre bloße Präsenz, durch ihre bloße Aufmerksamkeit, durch Ihr reines Für-sie-da-Sein.

Und dann – unter noch viel fernerem liefen – auch noch:

Um einen Nagel in die Wand zu hauen. Um das Mammut zu erlegen. Um die Welt zu erweitern. Um die, die sie lieben, mit kleinen Geschenken zu erfreuen. Um Luxus, Überfluss, Überschreitung zu ermöglichen. Um das Leben abwechslungsreicher und spannender zu machen. Um wirren Unsinn und haltlosen Quatsch in die Welt zu bringen. Um das Leben zu kitzeln.

In love with your company

Es gibt sie natürlich: Die „rosarote Brille der Verliebtheit“ in der ersten Phase, in der man neu an Bord ist, eben gerade einen Job neu angetreten hat. Alles ist neu, alles ist aufregend, man ist hochmotiviert, bringt sich voll ein und möchte „den anderen und zugleich sich selbst neu entdecken“.

Je nachdem, wie man selbst und das Unternehmen, für das man arbeitet, aufgestellt ist, dauert diese Phase länger oder kürzer. In der Regel führt sie aber zu einer nachhaltigen Ernüchterung, wenn nicht sogar in eine bittere Enttäuschung und in stabilen Zynismus, anstatt in eine dauerhaft liebevolle Beziehung mit natürlichen Auf- und Abs des wechselseitigen Engagements. Wir leben in einer Zeit der unglücklichen Arbeits-Ehen, die die Zahl der ebenso viel zu häufigen unglücklichen privaten Ehen noch weit übersteigt.

Und das, so möchte ich hier argumentieren, hat viel damit zu tun, worüber wir in unseren Unternehmen sprechen – und worüber wir in unseren Unternehmen nicht sprechen.

Worüber wir in unseren Unternehmen sprechen: Leistung, Ziele, deadlines, Marktbewegungen, Strategische Neuausrichtungen, die Konkurrenz, nervende Kunden, das neue Auto, das wir uns geleistet haben, 3-Jahres-Pläne, das Essen in der Firmenkantine, Gehaltswünsche, Karrierepfade, den neuen Kollegen, der es nun wirklich nicht bringt, den bevorstehenden und den absolvierten Urlaub, den neuen Chef, der nun wirklich ein echtes Arschloch ist und den Kollegen X, der seine letzte Beförderung nun wirklich gar nicht verdient hat, sondern sie allein seiner Arschkriecherei beim Abteilungsleiter Y verdankt. – Gemeinsam haben diese Themen, wenn sie in dieser Form verhandelt werden, dass sie 1A-Beziehungskiller sind.

Worüber wir in unseren Unternehmen nicht-sprechen: „Das Wir“, das uns verbindet, den tieferen Sinn und „lebenserhaltenden Zweck“ (M.Miyashiro) unseres gemeinsamen Unternehmens, die immer neu auszutarierende Spannung zwischen unserer gemeinsamen Unternehmensidentität (wer wir sind und woher wir kommen) und sich verändernden Kundenbedürfnissen, denen wir weiterhin und wenn möglich immer besser gerecht werden wollen (wohin wir gehen). Wir reden außerdem nicht oder möglichst wenig über unsere persönliche Geschichte und über unser Innenleben und darüber wie sie unsere Präferenzen und Entscheidungen im Job beeinflussen. Wir reden nicht über unsere Gefühle, nicht über unsere Bedürfnisse, weder über unsere individuellen, noch über die Unternehmensbedürfnisse, mit denen wir uns untereinander und mit unserem gemeinsamen Unternehmen verbinden. Wir fragen auch andere nicht ihren Gefühlen und Bedürfnissen und wir fragen nicht nach ihrer persönlichen Geschichte, denn all das wäre ja „unprofessionell“ bzw. es fühlt sich im Unternehmen ziemlich gefährlich an.

Bei gemeinsamen Entscheidungen in unseren Meetings reden wir nur über Inhalte, nicht aber darüber, welche unserer Bedürfnisse dahinter stecken, warum wir eine Richtung bevorzugen und mit einer anderen Probleme haben. Wir reden auch nicht darüber, welche Gefühle es in uns auslösen würde, wenn unsere gemeinsame Entscheidung in diese oder in jene Richtung ausfallen würde. – Wir verbinden uns nicht systematisch miteinander, sondern streiten über Inhalte und verlieren so den Kontakt zueinander.

An anderen Stellen in diesem Forum habe ich das Bild vorgeschlagen, dass wir alle gemeinsam Mitunternehmer und als solche gemeinsame Väter und Mütter eines gemeinsamen Kinds (unseres gemeinsamen Unternehmens) sind, das aus unserem Zusammenschluss hervorgeht, erwächst und von uns gemeinsam gepflegt wird.

Das unterscheidet sich deutlich von der patriarchalen Auffassung, wie sie auch heute noch in manchen Inhabergeführten Unternehmen gepflegt wird, und in der es genau einen Unternehmer/Unternehmerin gibt, der ganz allein die Vater/Mutter-Rollen übernimmt und in der alle anderen „Mitarbeiter“ systematisch in eine Kind-Position gerückt werden (ohne dass das Unternehmen selbst als eigentliches Kind auftaucht).

Solche Unternehmen sind zwar im großen und ganzen immer noch besser dran als jene vollkommen seelenlose Geldvermehrungsmaschinen, in denen letztlich kein einziger Beteiligter (Investoren, Manager, Mitarbeiter, Kunden) eine echte Beziehung zum Unternehmen eingeht, so dass diese „Unternehmen“ eher selbstbedienungsläden gleichen, in denen jeder schaut, wo er bleibt und angstvoll und neidvoll versucht, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu ergattern. Und das gilt in solchen Fällen für Investoren/Eigner, Manager, Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen, so dass es im Grunde keinen echten Grund für wechselseitige Vorwürfe gibt. Was in solchen Unternehmen aber natürlich niemanden davon abhält, solche moralischen Vorwürfe als effektives Mittel im permanenten Machtkampf um ein größeres Stück vom Unternehmenskuchen zu verwenden.

Immerhin verwirklicht sich also in patrarchalisch/matriarchalisch geführten Unternehmen überhaupt irgendeine menschliche Seele, nämlich die des einen Unternehmers/der einen Unternehmerin. – Da aber alle anderen am Unternehmen beteiligten Menschen in eine Kind-Rolle gedrängt werden, ist diese „Lösung“ ziemlich suboptimal, und zwar vor allem für das Unternehmen selbst: Es könnte -zig, wenn nicht sogar hunderte oder tausende Väter/Mütter haben, die sich um es kümmern. Traurigerweise hat es aber nur eine(n) einzige(n). – Hier kann man an jenes afrikanische Sprichwort denken, dass sagt: „Um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf“.

Ich denke, dass jeder Mitunternehmer das Potential hat, zugleich eine „Mutter“ und ein „Vater“ des gemeinsamen Unternehmens zu sein. – Und dass es in jedem „Job“ sowohl mütterliche wie väterliche Qualitäten braucht, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Dabei spielt es eine weitgehend untergeordnete Rolle, ob wir selbst „Mann“ oder „Frau“ sind, denn wir alle vereinen weibliche und männliche Qualitäten in uns, die wir jeweils dann zum Einsatz bringen, wenn sie gerade gebraucht werden.

Unternehmerischen Erfolg, also ein organisch wachsendes und gedeihendes Unternehmen, das aus Lieblosigkeit hervorgeht, kann ich mir dagegen nur schwer vorstellen.

Natürlich kenne ich Unternehmen, die „seelenlos erfolgreich“ sind. Aber diese zehren entweder noch von einer Zeit, in der sie noch eine Seele (andere Eigner, andere Manager, andere Strukturen, eine Mission) hatten, oder sie sind vollgepumpt mit Fremdkapital, leben also nicht vom liebevoll Engagement der beteiligten Menschen, sondern aus einer kompensierenden Energie heraus. Beide Formen sind durch eine rein betriebswirtschaftliche Brille gesehen hochineffizient. Beide Arten von Unternehmen sind „Unternehmenszombies“: Innerlich leblos, ohne Seele, ohne Richtung, ohne Ausrichtung auf Kunden und Mitarbeiter, ohne lebendigen Wunsch, vorhandene menschliche Bedürfnisse zu befriedigen und dies zum Zentrum und zur Quelle der gemeinsamen Unternehmung zu machen.

Ich persönlichlich möchte sehr gern sehen, was passiert, wenn wir in dieser Hinsicht durchaus auch „streng“ sind (oder vielleicht besser: „klar“ oder „entschieden“) und aufhören, Lieblosigkeit in Bezug auf unsere Unternehmen zu dulden, egal wo und wann sie uns auffällt oder begegnet. An erster Stelle bei uns selbst, also wenn wir bemerken, dass wir selbst gerade lieblos handeln, unsere Seele unbeteiligt, abgeschottet ist und wir in einem unserer routinierten Selbst-Schutz-Modi unterwegs sind.

Aber ich möchte auch gern sehen, was passiert, wenn wir anfangen den Mut zu haben, es anzusprechen, wenn uns die Lieblosigkeit anderer in Bezug auf ihre eigenen Unternehmungen auffällt. – Denn ich glaube, wir alle brauchen solche Hinweise manchmal. Sicher nicht in der Form von „Kritik“ oder anderen demütigenden, kleinmachenden Formen der Kommunikation. Wohl aber in Form von Anteilnahme und Ermutigung, dass uns mehr und anderes möglich ist als das, was wir gerade realisieren. Und das heißt an erster Stelle: Dass wir eine andere, liebevollere Haltung zu dem einnehmen können, was wir gerade tun.

Nach meinem aktuellen Eindruck ist einer der unmittelbarsten Wege zu einer liebevollen Haltung zu eigenen Handlungen / Unternehmungen, darauf zu fokussieren, was sie in anderen Menschen auslösen. D.h. darauf zu fokussieren, was für einen tieferen Sinn diese Unternehmen haben und inwiefern sie eigene Bedürfnisse und zugleich die Bedürfnisse anderer Menschen befriedigen. Der letzte Sinn jeglichen Handelns / Unternehmens ist die Steigerung der Freude. Denn Freude entsteht ganz von allein, wann immer echte Bedürfnisse effektiv befriedigt werden.

Und Unternehmen mit so einem Bedüfnis-Fokus sind Unternehmen, die „als unsere Kinder“ durchaus unsere Liebe verdient haben.

Zur Vielschichtigkeit des Begriffes „Liebe“ siehe u.a. auch hier: https://www.xing.com/communities/posts/mehr-agape-und-philia-und-weniger-eros-in-unternehmen-1002918084

[Dieser Artikel ist die unveränderte Neuveröffentlichung eines Beitrags, der erstmals am 19.04.2014 auf Xing erschienen ist.]

„Du schreibst aber viel grade“ – Was tue ich hier eigentlich…?

Gestern fragte mich einer meiner Kontakte, wie es sein könne, dass ich derzeit so viel schreibe und ob ich gerade nichts anderes zu tun hätte oder ob mir vielleicht sogar etwas auf die Seele drückt, was mich veranlasst, so viel Text abzulassen.

Er fragte mich das natürlich anders, auf sehr freundliche Art.

Daher mal auch hier eine Antwort für diejenigen, die sich vielleicht ähnliche Gedanken machen:

Meine derzeitige Vielschreiberei hat drei Hauptaspekte:

1.) Ich kann verdammt schnell Tippen. In den 90er Jahren arbeitete ich in einem Call-Center. Und zwar in einem, in dem Pager-Texte per Hand (!) eingegeben wurden. Das lief so: Jemand rief bei uns auf dem Headset an und gab einen Text durch, z.B. „Schüttel Deine Nasenhaare für mich, Baby!“ (keine Erfindung von mir, sondern ein Zitat aus dem wahren Call-Center-Agenten-Leben… 😉 ). Dann tippten wir das ein und fertig war die Dienstleistung.

Aus diesem Grund und weil ich auf der Uni verdammt viel Schreiben musste, brachte ich mir also mittels eines Übungshefts (analog!, ich bin also ein echter Dino) das Zehnfinger-System bei.

Und was soll ich sagen? Das leistet mir noch heute gute Dienste.

Für einen Artikel auf ilwyc brauche ich also im Schnitt eine halbe Stunde. – Meine Frau und mein Sohn behaupten zwar hartnäckig, es sei mehr, aber ich kann beschwören, dass es „gefühlt“ nur eben eine halbe Stunde ist, die ich an einem Text sitze.

Der Gedanke ist einfach da. Wie ein Keimling oder eine Nuss, aus dem dann der Artikel ganz organisch heraus wächst. – Ich kann das Teil einfach runterschreiben. Da ich darüber die Rechtschreibung und die Lesbarkeit völlig vernachlässige, muss ich im Anschluss noch mal „festschrauben“, also nochmal 5 Minuten drüber gehen. – Dann ist die Laube aber fertig.

Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein irrer Alchemist, so nach der Devise: „Ahhhhh, dieser Gedanke und DIESER Gedanke – die KÖNNTE man doch mal in ein Reagenzglas zusammen schütten…. ….was dann wohl passiert…? …. heieieieiei… das zischt aber ganz schön….!“

Im Kern ist es also reine Lust am Schreiben und Experimentieren, was mich treibt. – So eine Art „Daniel Düsentrieb mit Worten“, wenn nicht grade wieder mal Donald auf der Matte steht und irgend etwas Bestimmtes für seine Aktivitäten als Phantomias von mir braucht…

2.) Ich bin an sich gerade voll ausgelastet als Coach. Und eigentlich schadet diese viele Schreiberei mir und der Qualität meiner Arbeit. Denn wenn man „in Gedanken ist“, fällt es schwerer, die Empathie aufzubringen (für sich selbst UND für den Kunden), die für gute Beratungsarbeit die absolute Basis ist.

Daher ringe ich derzeit noch um Formen, wie ich beides vereinen kann: Meine Neigung zu den Wolken und meine Neigung zu den Wassern und den Mühen der Ebene.

Ich ziehe für ilwyc auch viel aus meiner Beratungsarbeit: Ich darf durch sie Menschen aller Altersstufen, Branchen, Tätigkeitsfelder und Hierarchielevel tiefer kennen lernen. – Das hilft mir natürlich, „mit dem Wirtschaftsleben“ in Kontakt zu sein, v.a. von seiner menschlichen Seite her.

Das – und meine eigenen bisherigen Tätigkeiten in Festanstellung für Unternehmen unterschiedlichster Branche und Größe, bisher 17 an der Zahl – ist die „sachliche Quelle“ für das Geschreibs hier auf ilwyc.

3.) Ich bin inspiriert durch Richard Rortys Erfindung der  „Liberalen Ironikerin„, einer Figur, die er in seinem Buch „Kontingenz, Ironie und Solidarität“ entwickelt und  ausführlich beschreibt.

Diese „Figur“ zeichnet sich aus durch einen Faible für das Neue und Weiterentwicklung als „Zweck in sich selbst“. – Das ist „die Ironikerin“, die – oft ohne Rücksicht auf Verluste, Befindlichkeiten und Verletzungen, die dadurch entstehen – das forciert, was das Bestehende überschreitet.

Sie zeichnet sich aber auch aus, durch einen Kontakt zu dem, „was alle Menschen verbindet“. Folgt man Rorty, dann ist das UNSERE VERLETZLICHKEIT. – Damit ist seine Philosophie kompatibel mit Ansätzen wie wir sie bei Brené Brown und Marshall Rosenberg finden. – Rorty bezeichnet DAS als „Liberalismus“, was in unseren Breiten aber missverständlich ist, da wir in Kontinentaleuropa keine starke Sozialliberale Tradition haben und „Liberalismus“ hierzulande daher immer mit „der Markt wird’s schon richten“ und „jeder ist sich selbst der nächste“ inklusive wirtschaftlichem Hauen und Stechen assoziiert wird.

Rorty als Ostküsten-Intellektueller meint mit „Liberalismus“ dagegen so etwas wie die universelle Empathie, zu der wir als menschliche Wesen in der Lage sind. Er fasst diese Empathie auch in den Begriff der „Solidarität“. Dabei fokussiert er den Satz: „Ich sehe / empfinde Deinen Schmerz“ und das universelle Risiko der Demütigung als verbindendes Glied zwischen allen Menschen über ihre unübersehbare Unterschiedlichkeit hinweg. „Ein Liberaler“ ist für Rorty ein Mensch, der auf dieser Grundlage eine Verbindung zu einem Menschen spürt, mit dessen Werten, Neigungen, Praktiken, Gewohnheiten und anderen Präferenzen er ansonsten überhaupt nicht übereinstimmt (Im Hintergrund kann man den auch im Deutschen bekannten Text hören: „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden können, solange er dabei bei anderen keinen all zu großen Flurschaden anrichtet.“).

Der Liberale sagt also: „Ich sehe Deine Verletzlichkeit und ich fühle Deinen Schmerz, ich kann mir daher IRGENDWIE vorstellen, wie es ist, in Deiner Lage zu sein, obwohl Du in einer ganz anderen Lage bist als ich. – Deine Wunde ist auch meine Wunde. Du bist mir nicht gleichgültig, obwohl Du ganz anders bist als ich.“

Inspiriert von diesem Konzept würde ich stand heute sagen: Ich versuche eine „empathischer Kreativer“ zu sein und ringe für mich noch darum, diese beiden Seiten „operativ zusammen zu bekommen“.

Auf ilwyc kommt bisher eher der kreative Part zum Zug (mit dem Risiko fehlender Empathie und Demütigungen, d.h. anmaßender Kritik an den in sich selbst berechtigten Lebensentscheidungen und Lebenskonzepten anderer Menschen).

In meiner Coaching- und Unternehmensbegleitungs-Arbeit kommt der eher empathische Part zum Zug (mit Verzicht auf all zu große kreative Spirenzchen, einfach deswegen, weil solche ideen-überflüssigen Kapriolen meinen Kunden auf diese Weise im Moment nicht weiter bringen und ihren konkreten Anliegen nicht dienen, ihre akuten Bedürfnisse verfehlen würden) .