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Gute Selbstsorge als Unternehmensfokus

Thesen:

  • „Gute Selbstsorge“ ist das Gegenteil von Egoismus, obwohl er leicht mit ihm verwechselt werden kann.
  • Um so besser man Selbstsorge praktiziert, um so mehr erweitert sie sich um die gute Sorge für Bedürfnisse, deren Erfülltheit einen in guten Kontakt mit anderen Menschen bringen. – Auch im Business.
  • Ein großer Mehrwert von „Guter Selbstsorge“ als einziger Fokus im Unternehmen besteht darin, dass sie INNENORIENTIERUNG (= Wahrnehmen eigener Bedürfnisse) unmittelbar mit HANDLUNGSORIENTIERUNG vereint. – Fast alle anderen möglichen Fokusse vereinseitigen dagegen entweder in Richtung einseitiger Außenorientierung (Handeln ohne innere Haltung) oder in Richtung einseitiger Handlungsvermeidung (Gewahrwerden ohne Handlungsimpuls).
  • Ab einer gewissen Intensität der Auseinandersetzung mit „Guter Selbstsorge“ entsteht der Eindruck, dass es gar nicht möglich ist, „gut für sich selbst zu sorgen“ OHNE eine unternehmerische Haltung einzunehmen. – Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zu der Annahme, dass alles echte Unternehmertum „in guter Selbstsorge“ besteht: Durch gute Selbstsorge zustande kommt und sich durch gute Selbstsorge erhält.
  • Da gute Selbstsorge die konflikt-triggernde Dichotomie „Egoismus/Altruismus“ vollkommen auflöst zugunsten der innovations-triggernden Frage „Was sind meine/Deine-Bedürfnisse in der Situation, die uns gerade verbindet?“, können wir auch auf diesem Wege feststellen, dass es kein „Nicht-Soziales Unternehmertum“ gibt. – Jedes Unternehmen ist ein „soziales Unternehmen“. – Diejenigen Gebilde, die wir wirklich als „asozial“ empfinden, sind gar keine Unternehmen, sondern tarnen sich nur als solche. In Wirklichkeit sind sie etwas ganz anderes. – Hier ein paar Vorschläge, wie wir sie sehen können:

1.) Als Business-Bordelle

2.) Als aktiv gelebter Nihilismus

3.) Als seelenlose Geldvermehrungs-Zombies, die auch uns zu Zombies machen.

4.) Als desorganisierte Räuberbanden

Wir haben also die Wahl…


An den werten Leser, die werte Leserin, die sich durch die Zeilen dieses Artikels bis hierhin durchgekämpft hat:

Ich freue mich, wenn Sie mir den Gefallen tun wollen und im angeschlossenen Kommentarfeld von wordpress eine Rückmeldung machen, wie glücklich sie das Lesen dieses Artikels gerade eben jetzt macht, auf einer Skala von 1 (völlige Gleichgültigkeit, macht gar nichts mit mir) bis 10 (feels like an orgasm).

Genauso gern ohne wie mit Begründung. Begründungen können in die Richtung gehen: “Warum überhaupt mehr als 1?” Oder auch: “Warum unterhalb von 10 geblieben?”

Diese Ihre Bewertung dient meinem persönlichen Tracking der “wahren Wirkung” von ilwyc: Wenn Sie eine solche Bewertung abgeben, erfüllt mich das – wie auch immer sie ausfällt – mit Glück 🙂

Danke Ihnen dafür!

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Unterschiede, die Unterschiede machen

Ilwyc ist AUCH ein Versuch, „Unterschiede zu machen, die Unterschiede machen.“

Genauer: „Unterschiede im Reden übers Unternehmen zu machen, die Unterschiede in entstehenden oder bestehenden Unternehmen machen.“

Mit Ilwyc möchte ich also beeinflussen, worüber in Unternehmen geredet wird und wie darüber geredet wird. – Ilwyc ist ein kostenloses Kommunikationsangebot, das man für sich adaptieren, ignorieren oder anderweitig verwenden kann.

Andernorts habe ich ein wenig auf die Unterscheidung zwischen „zahlenorientierten“ und „bedürfnisorientierten“ Unternehmen geschaut.

Das heißt ganz platt: In einigen Unternehmen wird v.a. auf Zahlen geschaut – Bedürfnisse sind dort nicht so wichtig, oder – wieder – genauer: Bedürfnisse sind in solchen Unternehmen „Mittel zum Zweck, Zahlen zu generieren“.

In einigen anderen Unternehmen wird v.a. auf Bedürfnisse geschaut – Zahlen sind dort nicht so wichtig, oder genauer: Zahlen sind in solchen Unternehmen „Mittel zum Zweck, die Erfüllung eigener Bedürfnisse wahrzunehmen, vor allem die Erfüllung von Unternehmensbedürfnissen, die oft nur in Zahlen sichtbar gemacht werden können.

Obwohl also sehr wohl Bedürfnisse auch in zahlenorientierten Unternehmen vorkommen und Zahlen in bedürfnisorientierten Unternehmen, wird in beiden Unternehmensformen sehr unterschiedlich kommuniziert. – Etwas altertümlich könnte man sagen: „Die Leitbegriffe der Alltagskommunikation sind in beiden Unternehmen unterschiedlich“ oder „Die Diskurse im Unternehmen kreisen um Verschiedenes“.

Da Sprache ein Faktor ist (einer von vielen), mit dem sich Unternehmssysteme mit den psychischen Systemen der an ihnen beteiligten Menschen verkoppeln, ist auch das Bewusstsein der Menschen auf unterschiedliches gerichtet, die mit beiden unterschiedlichen Unternehmensformen zu tun haben.

Unternehmen werden von Menschen verändert. Aber sie verändern zugleich auch Menschen, denn wir sind „plastische Wesen„. – Schon wieder genauer: „In Unternehmen verändern wir uns“, da wir ja von außen nicht verändert werden können. Aber wir nehmen die unterschiedlichen Angebote aus unserer Umwelt an, vor allem, wenn wir JEDEN TAG MEHRERE STUNDEN ganz bestimmten (Unternehmens-)Umwelten ausgesetzt sind, in denen unser Bewusstsein systematisch auf Bestimmtes (Zahlen/Bedürfnisse) ausgerichtet wird…

Kurz: Nach einigen Jahren in bestimmten Unternehmen sind wir entweder „Zombies“ oder wir haben uns – qua geeigneter Angebote aus unserer Unternehmensumwelt – selbst weiterbilden können. Beides durch unser pures „dabei bleiben“. Mischformen nicht ausgeschlossen.

Wobei mir selbst noch nicht viele dieser „weitergebildeten Zombies“ begegnet sind, aber viele Menschen, deren Potential ganz eindeutig unter oder über dem lag, das sie ganz offensichtlich mitbrachten, als sie in ihr aktuelles / letztes Unternehmen „eintraten“. In vielen unserer heutigen Unternehmen betreiben wir immer noch exzessives „Humankapital-Dumping„.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Mit Ilwyc möchte ich…

…sprachliche Angebote zur Verfügung stellen, die eine Chance bieten, dass es für einen leichter wird,

…Unternehmen dazu zu benutzen, das eigene Potential und das Potential anderen Menschen zu entfalten…,

…sprachliche Angebote, durch die es zugleich schwerer für einen wird…,

…sich und andere Menschen in Unternehmen dazu zu benutzen, bestimmte Zahlen zu erreichen, die keinen Menschen auch nur ansatzweise befriedigen oder sonstwie glücklich machen, der an dieser Zahlenerreichung beteiligt ist.

Die größte Chance auf diese Erleichterung und Erschwerung für einen selbst besteht dann, wenn man für ein Unternehmen arbeitet, das bereits eigene Wege für sich gefunden hat, bedürfnisorientiert zu kommunizieren. – D.h. die meisten Menschen orientieren sich dort an konkreten Bedürfnissen. In ihrem Entscheiden, Denken und Handeln. Und sie nehmen ihre Gefühle dabei war und sind nicht völlig von ihnen dissoziiert.

Hintergrundthese: Wer Gefühle „bei der Arbeit“ regelmäßig nicht ausdrücken kann, wird sie auch für sich selbst irgendwann gar nicht mehr wahrnehmen. Zwangsläufig verliert sich dann jeglicher Bedürfnisbezug im Unternehmen, da „Gefühle Informationen über die Erfülltheit/Unerfülltheit von Bedürfnissen sind.“- Das System sendet und sendet Gefühle, diese Information wird von uns nicht wahrgenommen, und so stellt unser System das Senden dann eben irgendwann einfach ein…

Wenn Sie also nicht mehr fühlen, wie Scheiße es Ihnen mit Ihrem aktuellen Unternehmen geht, sind sie angekommen in der reinen Zahlenorientierung: Sie sind dann in der Regel ein perfektes Rädchen in einem rein mechanistischen Apparat, austauschbar und reibungslos, trivial und emotionslos, vollkommen angepasst und innitiativlos.

– Alles, was Sie dann noch tun ist: Zahlen erfüllen. Ohne Sinn und Verstand. Ohne Gefühle und Befriedigung. – Zahlen erfüllen, um nicht aus jenem Unternehmen geworfen zu werden, hinaus in die Freiheit, in der Sie Ihren unbefriedigten Bedürfnissen wieder begegnen würde…

…eine Drohung, die sich zunächst schmerzhaft und hoffnungslos anfühlt. Garniert wird jene Hoffnungslosigkeit, die aus der im zahlenorientierten Unternehmen jahrelang gezüchteten Unzufriedenheit genährt wird, in der Regel mit dem Satz:

„Woanders ist es doch auch nicht besser – eher noch schlechter!“

Der Mensch ist das Maß aller Unternehmen – Der Seienden, dass sie sind, der Nichtseienden, dass sie nicht sind

„Bedenke, dass Du ein Mensch bist“ hatte ein Sklave angeblich dem Triumphator regelmäßig ins Ohr zu flüstern, während der sich auf einem öffentlichen Triumphzug durch das alte Rom für seine Siege feiern ließ…

In ganz anderem Sinne könnte man den gleichen Satz all den Menschen zuflüstern, die sich im Zuge des Dauer-Selbst-Bombardements via Internet und ihrer zahllosen Bindungen in der Geschäftswelt aufzulösen beginnen, und die immer mehr Geistern und Schatten ihrer selbst ähneln, und immer weniger sich selbst als Menschen aus Fleisch und Blut…

Eigentlich sind wir ja perfekt ausgestattet. – Unsere Gefühle und vor allem unserer Körper ist ein idealer Resonanzboden für Feedback über „die Wirklichkeit“.

Dieses „innere Feedback“ ermöglicht uns, Orientierung in uns selbst zu finden, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was (für uns und für uns mit anderen) gut und was (für uns und für uns mit anderen) weniger gut ist.

Das gilt auch und gerade „im Business“, also dann, wenn wir etwas „unternehmen“, womit wir uns für eine Zeit lang systematisch auf die Bedürfnisse anderer ausrichten, anstatt allein auf unsere Bedürfnisse.

Wir veräußern uns dabei, weil wir dabei unsere eigenen Bedürfnisse zurück stellen, um dadurch „Geld zu verdienen“, mit dem wir dann – aufgeschoben in eine unbestimmte Zukunft – wiederum eigene Bedürfnisse zu befriedigen hoffen.

Allerdings ist es – wie auf diesem Blog mit dem schönen Namen ilwyc schon öfters bemerkt – auch möglich, „Business zu machen“, OHNE sich auf diese Weise zu entäußern: Also auch „beim Unternehmen bei sich zu bleiben“.

Das setzt aber voraus:

a) Dass man seine Bedürfnisse in der Gegenwart des Unternehmens sucht, nicht erst in der Zukunft des Geld-Ausgebens und Konsumierens.

b) Dass man halbwegs „in seinem Körper ist“ / „auf seinen Körper hört“.

Jenes b) ist weit weniger trivial als viele zu glauben scheinen…

Es wird teilweise erschwert auch dadurch, dass wir ja auch außerhalb unserer Unternehmen „in Beziehungen stehen“ und „außer uns sind“.

Denn zwischenmenschliche Beziehungen – für uns als Menschen DIE RELEVANTE UMWELT SCHLECHTHIN – haben die Kraft, uns sowohl außer uns zu bringen als auch zu uns selbst zu bringen.

„Privat wie beruflich“ gilt: Wir reiben uns an anderen, wir werden gestört durch andere, wir verlieren uns an andere… Aber wir werden durch andere auch gespiegelt, bekommen durch andere Hinweise auf blinde Flecken und finden durch andere Menschen zu uns selbst.

Hinzu kommt heute, dass wir alle unser „informationelle Selbstbestimmung“ täglich neu aufgeben, indem wir uns wahllos zudröhnen lassen mit ALLEM, was da digital so auf uns einschwappt aus zahllosen Quellen. – Vieles davon nützlich, vieles unglaublich wertvoll. Nur will es halt auch verdaut sein.

Der Resonanzboden diesen ganzen „Beziehungs-Geschehens“ ist unser Körper – mit „seinen Gefühlen“, die als reine Informationsquelle gesehen werden können darüber, unsere eigenen Gedanken in Reaktion auf Wahrnehmungen in der Beziehungs-Außenwelt in uns auslösen. – Denn Gedanken, mentale Konzepte sind bei uns IMMER zwischengeschaltet, wenn es darum geht, unsere Wahrnehmungen in unsere Gefühle münden zu lassen.

Überhaupt „Verdauung“: DIE Grundfunktion des Lebens noch vor Wahrnehmung, Fortpflanzung und Eigenbewegung: Sie bedeutet nichts anderes, als das ein Organismus fähig ist, das, was er brauchen kann, von dem zu trennen, was er nicht brauchen kann und was er folglich wieder ausscheidet.

Und hier gilt: Verdauen braucht seine Zeit. – Sonst bleibt zu viel „im Organismus“, was dort nicht hin gehört und was den Organismus schwächt.

Leider gewöhnen wir uns in dieser Hinsicht leicht an so einiges…

Existentiell gesehen genauso wie unternehmerisch gesehen sind also „Menschen“ unsere Umwelt. – Ständig gehen wir Beziehungen ein und ständig versuchen wir diese Beziehungen zu unserer Befriedigung zu kontrollieren. Da dies aber alle Menschen gleichzeitig tun, entsteht ein unkontrollierbares, häufig unglückliches Geschehen, das nur mittelbar wertvoll für uns ist und uns kaum eindeutige Informationen darüber liefern kann, „wohin wir uns wenden“ können…

…es kommt zur Rückzügen, auch: Zu Rückzügen aus dem eigenen Körper, der eben der Resonanzboden für all jenes Beziehungsgeschehen, dass eben als unkontrollierbar und glücklos erlebt wird.

So nach der Devise:

„Kann ich auch das Außen, meine Beziehungen nicht so kontrollieren, wie ich das eigentlich gern würde, so kontrolliere ich wenigstens das Ausmaß, in dem ich das an mich heranlasse, das Ausmaß, in dem ich in meinem Körper bin.“

All jene Internet-Verlorenen, all jene Generation-Head-Down-Anhänger, alle jene Süchtigen aller Couleur, all jene Wenig-Schlafer, Nebenher-Esser, Dauer-Sitzer, Nichts-mehr-Fühler…

…also: beinahe „wir alle“ legen mit unserem von-uns-selbst-eingeschränkten-Körperzugang die Hauptinformationsquelle lahm, die uns Orientierung geben kann im Leben.

Dass damit „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“ wird, ist vielleicht überflüssig zu erwähnen, vielleicht aber auch nicht…

…in jedem Fall erklären die beschriebenen Vorgänge aber, wie es eigentlich sein kann, dass sich für so ein perfekt ausgestattetes Lebewesen wie uns das Leben so unperfekt anfühlt.

Denn wer weitgehend orientierungslos durchs Leben tappt, kann sich kaum zielgerichtet seine Bedürfnisse erfüllen. – Er wird das, was er gerade vermeiden will zu sein: Er wird manipulierbar. Er verliert die Kontrolle. Weil er durch seine innerlichen Praktiken „mich sich selbst“ das „Ruhen in sich selbst“ mit wegrationalisiert hat.

Er hat seinen Körper verlassen, weil dies die einzig dauerhaft effektive Art ist, die Bindungen an andere zu kappen. Und da diese Bindungen häufig unbefriedigend, vor allem aber beängstigend unkontrollierbar erscheinen, erscheint dieses „Verlassen des Körpers“ trotz aller Nachteile wie eine „gute Idee“.

Doch nun fehlt im jede Befriedigung, jede Ruhe, jeder Anker, jeder Halt, jede Erfüllung…

Was ich gern postulieren würde für unsere heutige Unternehmenswelt ist eine moderne Form des „homo mensura-Satzes“:

„Der Mensch ist das Maß aller Unternehmen – Der Seienden, dass sie sind, der Nicht-Seienden, dass sie nicht sind.“

Da wir alle – und ich selbst an erster Stelle – kaum mit uns selbst verbunden scheinen, da wir es aus Angst nicht wagen, unseren scheinbar so banalen Körper zum „Maß unserer Aktivitäten und Dinge“ zu machen, so muss uns jener Satz ins Leere führen.

Wer sich nicht spürt, wer nicht fragt, „was mir mein Körper und meine unbewerteten Gefühle eigentlich sagen wollen“, der stolpert durchs Leben, von seinen Gedanken mal hier hin, mal dorthin gerissen. – Und häufig sind es nicht mal seine, sondern die aufgeschnappten Gedanken anderer…

…unverdaut und ungeprüft auf ihre Bekömmlichkeit für mich…

Wer halbwegs weiß und beachtet, was ihm gut und was ihm schlecht tut, kann Gebrauch machen von einem menschlichen Zugang zum Unternehmertum. – Wer den Zugang zum eigenen Körper und Gefühlen verschüttet, dem steht jener Zugang zum Unternehmen nicht offen.

Nun soll das hier keine Lanze für eine „neue Empfindlichkeit“ sein, nicht dafür auf „jedem Zipperlein unproduktiv herumzukauen“.

„Im Körper sein“ heißt vielmehr „das Übliche“: Das Körper/Geist/Seele so eins wie möglich sind, indem man es nicht forciert und nicht zulässt, dass sie all zu weit auseinander treten. Indem man Gedanken rückbindet an die aktuelle Situation. Indem man Bewertungen rückbindet an das, wie es einem geht.

„Im Körper sein“ ist für ein Wesen mit einem potentiell so hyperaktiven Gehirn wie dem unseren ein hochgradig aktiver Vorgang.

Und gewissermaßen sind die Krebsgeschwür-Artigen Unternehmen, die wir als Menschen teilweise hervorbringen, ein perfekter Spiegel dessen, wie wir innerlich mit uns selbst und unserer Körperlichkeit umgehen

Oben ein „Wasserkopf“, eine „Zentrale“, die jeden Furz noch „zu steuern“ versucht. Unterhalb dessen: So einiges in Schräglage…

…einiges, was sich selbst recht gut ins Lot bringen könnte, wenn es „von oben“ nicht permanent dabei gestört würde…

Aber umgekehrt zeigen uns auch Unternehmen, „die’s anders machen“, wie man auch selbst als Mensch anders mit so einem „Problemgehirn“ umgehen kann:

Man schaut immer wieder mal vorbei bei seinen verschiedenen Gefühlen und Körperbefindlichkeiten, aber man hat nicht JEDESMAL gleich eine Agenda mit im Gepäck, wenn man vorbeischaut. – Und man nimmt auch nicht JEDESMAL eine Agenda mit, wenn man von dort weg geht und sich die „Probleme vor Ort“ angeschaut hat. – Seine „Unterstützung“ bietet man nur dort an, wo die die „guten Mitarbeiter an Ort und Stelle“ das Problem wirklich nicht alleine lösen können und unmittelbar dankbar und erleichtert sind, dass sich nun „der Chef“ der Sache annimmt.

Auf diese Weise wird die Perfektion nicht zerstört, die wir selber sind.

Und diese Perfektion brauchen wir, wenn wir Unternehmen anders aufbauen und anders betreiben wollen. Wenn wir nicht nur anderes, sondern anders unternehmen wollen…

Der große Vorteil, den „der Mensch“ gegenüber allen anderen Arten auf diesem schönen Planeten entwickelt hat, war seine Anpassungsfähigkeit, seine GERINGE Spezialisierung im Vergleich zu nahezu allen anderen relevanten „Konkurrenten“.

Aber wie es so schön heißt in der Formel „die Austreibung des Lebens aus seinen Erfolgen“: JEDER Vorteil hat auch seine Nachteile.

Unsere übergroße Anpassungsfähigkeit ist für uns zum Problem geworden.

Es wird Zeit für unsere ganz biologischen Grenzen. Und die sind schwer zu sehen, wenn man so ein schönes, plastisches Gehirn hat, wie wir es besitzen. Bzw.: Diese Grenzen sind durch uns in unserem Alltag, in unserer Lebensführung leicht zu übersehen.

Und: Diese Grenzen liegen wohl eher nicht „in unserem Gehirn“.

Weitaus eher liegen unsere Grenzen wohl in dem…

1.) …was wir körperlich, mental und emotional verdauen können, ohne uns dauerhaft zu schwächen.

2.) …was wir an Bewegung und Ausleben unserer Selbstbewegtheit brauchen. Auch hier wieder: Körperlich (uns auf die Art und Weise bewegen, nach der wir uns im jeweiligen Moment wirklich fühlen) UND Emotional (Wahrnehmen und Ausdrücken statt Ignorieren und Unterdrücken von Gefühlen) UND mental (Fabrizieren eigener Gedanken, statt nur Aufnahme im Nürnberger Trichter).

3.) …was uns in unseren Beziehungen gut tut und was uns dort weniger gut tut. (Without further disclaimer: Wir haften vollumfänglich für die Beziehungen, die wir eingehen und die wir nicht eingehen…)

Grenzen geben Orientierung: Immer wenn wir wütend werden, wenn wir Trauer empfinden, wenn sich unser Körper schmerzhaft meldet: Immer dann haben wir mal wieder „eine Grenze erreicht“. – Das muss nicht zwingend heißen, dass es nicht Sinn machen kann, DIESE Grenze HIER UND JETZT bewusst einmal zu überschreiten, Ängste zu überwinden, aus Komfort-Zonen auszubrechen, sich dadurch zu stärken nach dem altbekannten Prinzip: „Was mich nicht umbringt, …“

Aber wer ständig unbewusst über eigene Grenzen geht, wer sich gewöhnt wie der Frosch im Wasserglas mit der ganz unmerklich immer weiter ansteigenden Temperatur, der überschreitet seine Grenzen auf ganz andere Weise…

Und auch deshalb setze ich auf „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“:

Denn es ist überaus spannend herauszufinden was das für ein Maß ist, das wir uns selbst geben. Als die Natur, die wir selber sind.

Yin und Yang – Die Sache mit den Punkten…

Aus aktuellem Anlass: Mal wieder einen Kunden gehabt, der in die Kategorie „jobbedingt Familien-abwesende Väter“ gehört…

Bei Frank Farelly findet sich auf S. 208 eine von LeMasters kopierte Liste mit „Mythen über Eltern und Kinder, die als Handlungsvorgaben in unserer Kultur gegeben sind“:

  1. Kinder aufziehen macht Spaß.
  2. Kinder werden sich gut entwickeln, wenn sie „gute Eltern“ haben.
  3. Kinder nehmen wirklich all die Vorteile wahr, die ihre Eltern ihnen geben können.
  4. Es gibt keine schlechten Kinder – nur schlechte Eltern.
  5. Die moderne Verhaltenswissenschaft ist für Eltern hilfreich.
  6. Liebe ist genug, um gute Elternschaft aufrecht zu erhalten.
  7. Amerikanische Eltern können analysiert werden, ohne Väter zu interviewen.

Unter all diesen schönen Punkten hat es mir grade Punkt 7 besonders angetan…

Zwar hat sich seit den späten 60er Jahren wirklich einiges getan. Aber „die Menschen unserer Gesellschaft“ wachsen nach wie vor in zwei getrennten Sphären auf, in denen völlig gegensätzliche und widersprüchliche Prinzipien zu herrschen scheinen:

In einer „mütterlichen“ Familienwelt, in der sich alles um Fürsorge, Förderung und Verbindung zu drehen scheint.

Und in einer „männlichen“ Arbeitswelt, in der sich alles um Leistung, Ergebnisse und Konkurrenz zu drehen scheint.

Wem das zu zugespitzt ist, kann – wenn er mag – noch einmal hier rein schauen und überprüfen, ob er seinen Widerspruch danach wirklich noch aufrecht erhalten möchte…

Gut, die meisten von uns kommen mit diesem „Wechseln zwischen den Welten“ allem Anschein nach recht gut klar…

Zwei Mythen in diesem Zusammenhang kann aber klar eine Abfuhr erteilen:

Dass unsere Arbeitswelt in ihren Strukturen und Entscheidungsweisen allein schon dadurch „weiblicher“ würde, nur weil mittlerweile mehr Frauen erwerbstätig oder in Führungspositionen sind als „früher“.

Und:

Dass unsere Familienwelt in ihren Strukturen und Entscheidungsweisen allein schon dadurch „männlicher“ würde, nur weil mittlerweile ein paar mehr Väter wickeln, ihre Kinder vom Kindergarten abholen und im Beruf bewusst kürzer treten, um mehr für ihre Familien da zu sein.

„Das Männliche“ ist nach wie vor ein Fremdkörper in vielen Familien. – Vor allem, da wir Männer uns in der Regel mittlerweile oft selbst völlig unklar darüber sind, was wir denn nun eigentlich für eine „gute Form von Männlichkeit“ halten. Und Orientierungslose können da halt schlecht Orientierung stiften…

„Das Weibliche“ ist nach wie vor ein Fremdkörper in nahezu allen Firmen. – Aus verschiedensten Grünen. Vielen scheint es sogar so, „als würde es dort einfach nicht hingehören“. – Nochmal: Nicht „Frauen“ sind hier gemeint, sondern typisch weibliche Formen der Kooperation, der Kontaktaufnahme, des Entscheidens, der Präferenzsetzung, egal ob von Männern oder Frauen gelebt.

Man muss nur mal mit der Dichotomie „Prozessorientierung“ vs. „Ergebnisorientierung“ arbeiten, um zu sehen, wie wenig Prozessorientierung wirklichen Raum in Unternehmen bekommt, „die ja liefern müssen“. – Und das in der Regel noch dazu in ZWEI Richtungen: Den Kunden des Unternehmens die Produkte und den Investoren des Unternehmens den Return on invest.

Das alles löst sich wie gesagt NICHT allein dadurch schon in Wohlgefallen auf, nur weil mehr Frauen Geschäftsführer werden, oder nur weil mehr Männer sich entscheiden, „operative Familienmänner“ zu sein.

Aber es hilft.

Wann ist etwas „genug“ im Business?

Es mag im ersten Moment absurd erscheinen, aber ich denke, dass es sich mit „genug im Business“ nicht sehr viel anders verhält als mit „genug“ bei anderen menschlichen Bedürfnissen. – Wir nehmen daher weiter unten in diesem Artikel unseren Hunger: das Bedürfnis nach Nahrung als Vergleichsgrundlage…

Vorab aber ein paar notwendige Sätze zur Absurdität dieser Parallelisierung von Bedürfnissen im Allgemeinen und Bedürfnissen im Business: Kluge Menschen wenden gute Gründe ein, die es unwahrscheinlich scheinen lassen, dass wir mit unserer biologischen Grundausstattung komplexe Zusammenhänge (wie wir sie im Business heutzutage regelmäßig antreffen) korrekt auffassen können.

Diese Einwände machen deutlich, dass wir von unserer Biologie her eher dafür gemacht sind, „linear zu denken“, d.h. Vorgänge korrekt zu erfassen und einzuschätzen, in denen einfache Ursache-Wirkung-Zusammenhänge weitgehend zutreffende Prognosen zulassen. Bei Vorgängen komplexer Wechselwirkungen (wie heutigem Unternehmertum), in denen das lineare Ursache-Wirkung-Denken keine zutreffenden Prognosen liefern kann, sind wir mit „unserem natürlichen Apparat“ auf verlorenem Posten.

So mag es scheinen.

Ich denke, dass wir dennoch auch und gerade im Business ein ganz gutes Gefühl dafür haben, wann irgendwas gerade „genug“ ist.

Denn wir müssen gar nicht die emergente Komplexität eines Business oder eines Unternehmens „steuern“, das aus zahlreichen Mitunternehmern besteht. Es reicht völlig aus, dass wir mit unserer jeweils eigenen, idiosynkratischen Bedürfnis-Struktur in hinreichend gutem Kontakt sind, um mitzukriegen, wann etwas für uns „genug“ ist.

Oder um z.B. die gleichzeitige Unerfülltheit mehrerer Bedürfnisse wahrzunehmen. Dass wir also gerade nicht nur EIN Bedürfnis haben, sondern viele, viele, manche davon gerade erfüllt, andere davon gerade unerfüllt.

Oder wir wahrnehmen, dass eine unserer eigenen Strategien, die wir gerade verfolgen, um ein EINES unserer Bedürfnisse zu befriedigen, die Befriedigung eines ANDEREN unserer Bedürfnisse nachhaltig gefährdet.

Im Klartext: Während wir „ein Problem lösen“, erzeugen wir uns selbst gleichzeitig ein neues, anderes Problem: Ein Bedürfnis wird durch eine bestimmte Strategie auf Kosten eines anderen Bedürfnisses erfüllt, während eine andere Strategie möglicherweise beide Bedürfnisse würdigen könnte.

Sich das einzugestehen, dass man seine eigenen Probleme selbst verursacht durch unvorteilhafte Strategiewahl, ist deutlich leichter, wenn man in gutem Kontakt mit seinen Bedürfnissen steht. – Nicht mit diesem oder jenem Bedürfnis, auf das man zufällig vom Kopf her fixiert ist. Sondern in aller Offenheit: Mit allen eigenen Bedürfnissen verbunden. Das garantiert denjenigen Bedürfnissen Aufmerksamkeit, die gerade dran sind, die „von unten hochsteigen“, Bedürfnisse die wir eben nicht – völlig mindfucked – „top-down auswählen und zu steuern“ versuchen. – Denn steuern wir Bedürfnisse top-down, dann legen wir einen Filter über sie, der dazu führt, dass wir ausblenden, was gerade wirklich in uns los und wirklich für uns dran ist. Wir empfinden das dann so, dass „unsere Bedürfnisse uns bei unseren schönen Plänen stören“, oder gleich so, dass „unsere Bedürfnisse uns stören“.

…Und das ist dann eine wirklich absurde Lage, wenn man Unternehmen so auffasst, dass Unternehmen „von ihrem Zweck her“ der besseren Erfüllung menschlicher Bedürfnisse dienen…

Unser Innenleben also. Unsere Bedürfnisse also. Unsere Gefühle also – In Unternehmen???

Nähern wir uns dem über einen anderen Begriff, der gerade in Mode ist und der die Bedürfnisorientierung von und in Unternehmen treibt: „Das Wissen der Vielen.“

„Das Wissen der Vielen“ ist in erster Linie ein Wissen NICHT über die Außenwelt, über die Umwelt des Unternehmens (obwohl es das in zweiter Linie durchaus auch ist), sondern es ist ein Wissen der Einzelnen über sich selbst, das geteilt wird, das im Unternehmen „öffentlich“ und „kommunizierbar“ wird.

„Das Wissen der Vielen“ ist ein Zustand, indem es ermöglicht wurde,  dass sich alle Mitunternehmer über den menschlichen Zustand aller Mitunternehmer zumindest weitläufig auf dem Laufenden halten, ohne all zu großen Aufwand und all zu große Risiken für den einzelnen Mitunternehmer. – Und das ist etwas, was „Mitarbeiterbefragungen“ niemals leisten können, nur echter Kontakt und echter, ergebnisoffener Austausch, der emotionale Zustände und Bedürfnislagen in die Unternehmenskommunikation aktiv einbezieht.

Eine solche „Ermöglichung“ erfordert zwingend eine Unternehmenskultur, die weitgehend „entpolitisiert“ ist, weil sie z.B. nicht mehr in den Kategorien von „Karriere“ unterwegs ist. Denn nur dort kann ich als Mitunternehmer mich gefahrlos über mein Innenleben austauschen.

„Bedürfnisorientierung“ in Unternehmenskulturen zu fordern, in denen Dissoziierung (innere Abspaltung) von eigenen Gefühlen und Bedürfnissen ganz klare Vorteile hat und oft sogar Überlebensbedingung (im Sinne der Möglichkeit zum Verbleib in DIESEM Unternehmen) ist…

…DAS würde bedeuten, dass man im Modus des „leeren Sollens“ unterwegs ist: Man bürdet dann Einzelnen Dinge auf, die sie zu Märtyrern des Business werden lassen würden, würden sie diese Bürde wirklich auf ihre Schultern nehmen.

Nein: Bedürfnisorientierung macht nur Sinn, wenn ich auch im Unternehmen über meine Gefühle mit meinen Bedürfnissen in Kontakt sein kann, ohne dass ich dadurch ganz zwangsläufig in tausend Messer laufe.

Und das ist wirklich voraussetzungsreich.

Wir dürfen uns also niemals ein „klassisches“ Unternehmen vorstellen, wenn wir von „Bedürfnisorientierung“ sprechen, kein Unternehmen, wie wir sie aus dem 19. und 20. Jahrhundert kennen. – Und wie sie auch jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch die Regel sind, während sich hier und dort schon vereinzelt erste Ausnahmen abzuzeichnen beginnen.

Die Frage, warum und auf welche Weise wir im Business bisher so regelmäßig den Kontakt zu unseren eigentlichen Bedürfnissen verlieren? ist für mich also weitaus spannender als die Frage, ob die Übertragung der Rede von „Bedürfnissen“ in so komplexen Kontexten heutigen Unternehmen einen Mehrwert hat.

Denn Bedürfnisse – echte, menschlich-universale Bedürfnisse im Sinne Marshall Rosenbergs – haben eine interessante Eigenschaft: Sie können für den Moment vollkommen gesättigt werden. – Wir können als Menschen fühlen, wann wir gerade „genug von etwas haben“. – Die vermeintliche „Unersättlichkeit der Bedürfnisse“ ist eine Wahrnehmungs-Illusion. Eine Illusion, die sich ganz häufig daraus nährt, dass wir bestimmte unserer Bedürfnisse dauerhaft unerfüllt lassen, uns ihnen niemals wirklich zuwenden, dass wir bestimmte unserer Bedürfnisse wie ungeliebte Stiefkinder behandeln.

Aus einem solchen „Bedürfnis-Stau“, der auch die zugehörigen Gefühle (Signale für die Erfülltheit/Unerfülltheit von Bedürfnissen) in den Untergrund des Unbewussten verdrängt, resultieren „Maßlosigkeitsgefühle“: „Ich brauche sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo viel davon, bis ich satt sein werde…!!!“. – Eine Gefühl, das, bekommt man dann wirklich, was man braucht, sich ganz schnell als Anschein ex ante herausstellt.

Ein solcher Bedürfnis-Stau resultiert aber auch regelmäßig in unbefriedigenden Kompensations-Verhaltensweisen, an erster Stelle in „Süchten“ aller Art, auch in vermeintlich harmlosen und gesellschaftlich akzeptierten Süchten.

Wir machen dann fast zwanghaft X, was im Grunde unser Bedürfnis Y befriedigen soll, aber niemals kann, weil Bedürfnis Y mitsamt den im Grunde durchaus möglichen Strategien A,B,C,D,usw., die es wirklich befriedigen würden, in unserem Bewusstsein niemals auftaucht.

Die Sucht wird zum Komplizen der Verdrängung, dass das eigentliche Bedürfnis im Untergrund festhält.

Zugleich wird dabei die Illusion genährt, Bedürfnisse seien eben unersättlich und wir seien zu permanenter Unzufriedenheit verurteilt, könnten in diesem Leben niemals Erfüllung finden.

Bei echten Bedürfnissen und funktionalen Strategien zu ihrer Befriedigung ist das aber nicht so.

Und darum ist auch der Vergleich mit dem Nahrungsbedürfnis so interessant, um diesen Faden wieder aufzugreifen:

Warum übergehen wir unsere „Sättigung“? Warum essen wir „zu viel“? Warum übergehen das durchaus fühlbare „Genug“? – Warum verlieren wir innerlich den Kontakt zu unserem Nahrungsbedürfnis, wenn wir ihn denn verlieren?

Zahlreiche Gründe sind für mich denkbar:

  • Gesellschaftliche Konvention: Wir essen „mit“. Wir befriedigen unser Zugehörigkeits-Bedürfnis, unser Bedürfnis nach emotionaler Geschütztheit und Unversehrtheit, indem wir spitzen bis wohlmeinenden Kommentaren von Menschen ausweichen, die wir zu hören bekommen würden, wenn wir auf die Sättigung unseres Nahrungsbedürfnisses hören würden.
  • Biologische Fehlausstattung zum Umgang mit dauerhaftem Überfluss: Wir sind dazu gemacht, in einer Welt des rythmischen oder regelmäßigen (Nahrungs-)Mangels leben und überleben zu können. Wir sind nicht dazu gemacht, in einer Welt zu leben, in der DAUERHAFT Überfluss herrscht. – Wenn wir die Gelegenheit haben, uns ein Polster anzufressen (für in unserer Gesellschaft so gut wie niemals auftretende Notzeiten), dann machen wir das. – Das ist auch der Grund, warum Zucker- und Fett-reiche Nahrung so anziehend, so „appetitlich“ für uns ist.
  • Schlechter allgemeiner Kontakt zu eigenen Bedürfnissen, von denen das Nahrungs-Bedürfnis nur eines unter vielen ist: Wer keinen Innenzugang mehr hat, wer nur noch aus Gedanken und Meinungen heraus entscheidet, der wird das auch beim Thema Nahrungsaufnahme tun. – Hört man lange genug nicht mehr auf sein inneres Bedürfnisses, so schaltet das innere Bedürfnis irgendwann seine Primärartikulation ab (man „fühlt nichts mehr“). – Das ist der Punkt, an dem man in der Regel beginnt, zu „somatisieren“. D.h. es stellen sich köperliche Beschwerden ein, die auch verstanden können als „verstärkte Signale, nachdem die üblichen Signale (= Gefühle) ja nicht wahrgenommen werden“. – Man (= das eigene Bewusstsein) bekommt die gleiche Nachricht vom eigenen System noch mal rückgemeldet. Nicht mehr mit einem freundlichen Schultertippen, sondern eher mit dem Holzhammer (unterschiedlicher Gewichtsklassen).

Am spannendsten unter diesen Gründen des Übergehens des „genug“ ist für mich die #2: Die unbewusste Angst vor dem Mangel, der unbewusste Aufbau von „Reserven“ – Die aber niemals gebraucht werden in den Umwelten, in denen wir derzeit leben.

Denn Ähnliches finden wir auch im Business:

Dass wir deswegen den „Business-Erfolg“ auf „unendlich“, auf potentiell „unbegrenztes Wachstum“ stellen, anstatt auf die Befriedigung ganz bestimmter Kundenbedürfnisse, um die es in DIESEM Unternehmen geht.

Ich denke, dass hier Bedürfnis-Kontakt-Verlust eine Allianz mit eher unbewussten Ängsten eingeht, „morgen nicht mehr genug zu haben“. – Also jenes Barney-Stinson’sche „Mehr ist immer besser“, dass wir auch oben bei der Ernährung analysiert haben.

Natürlich finden wir auch viele Rationalisierungen solcher Ängste im Business, die in BWLer-Sprache daherkommen und sich klug und vernünftig anhören.

Aber das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass wir dann immer einen Mit-Unternehmer und manchmal ganze Unternehmen vor uns haben, die kollektiv den Kontakt zum Kern ihres Tuns vollkommen verloren haben. – Wir haben dann „Unternehmen ohne Unternehmertum“, in denen „Kundenbedürfnisse“ nur noch mittel zum Zweck sind.

Rücklagen im Business sind nun aber nicht wirklich etwas schlechtes: Sie ermöglichen es vielmehr, dem eigentlichen Unternehmenszweck treu zu bleiben, indem gezielt investiert werden kann und indem nicht jeder dahergelaufene Auftrag angenommen werden muss (oft: aus einem völlig anderem Gebiet als aus dem Gebiet, auf das man sich in diesem Unternehmen konzentrieren will).

Aber das sind Rücklagen mit Grund. Rücklagen-Bildung von Menschen, die noch mit sich und ihrem Unternehmen in Kontakt sind.

Bei Menschen, die zu sich selbst und folglich auch zwingend zu ihrem Unternehmen völlig den innerlichen Kontakt verloren haben, ist jene Rücklagen-Bildung, jenes „Mehr ist immer Besser“ genau das Gleiche, was es auch bei verloren gegangenem Kontakt zu individuellen Bedürfnissen ist:

Eine Sucht. – Eine Sucht, die den Kontakt zu eigenen Bedürfnissen immer NOCH schwerer macht, die die Tätigkeiten, die man zur Befriedigung der Sucht unternimmt, immer NOCH unbefriedigender macht, und die als letztendliche Motivation immer NOCH tiefer hinein in Ängste führt, die einen jenes „Mehr“ mit tausend gründen rationalisieren lassen, warum es eben doch notwendig sei.

Einseitige Sicherheitsorientierung war schon immer der Tod jeglichen Unternehmertums. – D.h.: Sie ist es nicht erst seitdem wir die Bedürfnisorientierung als neues Paradigma unternehmerischer Tätigkeit annehmen.

Aus den Spiralen der unbefriedigenden Selbstbefriedigung im Business führt nur ein Weg heraus. – Und dieser Weg führt erst einen nach innen, in den echten Kontakt mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen –  und dann erst nach außen, ins Handeln und Reden. Und dann wieder nach innen und dann wieder nach außen. Und immer so weiter…

Dies kann man „bedürnisorientiertes Unternehmertum“ nennen. Oder „bedürfnisgeleitetes unternehmerisches Handeln“. Oder auch einfach: Die natürliche Art, unter heutigen Bedingungen überhaupt irgendetwas zu unternehmen…

Was ist eigentlich ein „Unternehmen“?

Ein Unternehmen ist im Kern eine gezielte Zusammenführung verschiedener, vordem getrennter Ressourcen zu dem Zweck, ganz bestimmte menschliche Bedürfnisse dadurch besser zu erfüllen, als sie vordem erfüllt wurden. – Und sich dafür von den menschlichen „Trägern“ jener Bedürfnisse bezahlen zu lassen.

Ein Unternehmen aus mehreren Mitunternehmern kommt nur dann zustande, wenn Klarheit und Einigkeit gepflegt werden sowohl über die Bedürfnisse, denen das gemeinsame Unternehmen dient (life affirming purpose of a company), als auch über die spezifische Art und Weise wie man in DIESEM Unternehmen die Erfüllung DIESER Bedürfnisse angehen möchte – und wie auf keinen Fall (identity).

Nimmt man dieses Verständnis von Unternehmertum ernst (und wischt die rein formalistische Definition von Unternehmertum über Rechtsformen beiseite, die nichts über die vorhandene „unternehmerische Substanz“ auszusagen vermag, weder über ihr Vorhandensein noch über ihr Fehlen), dann fällt auf, dass nicht nur viele Konzerne und Mittelständler im strengen philosophischen Sinn eigentlich gar keine „Unternehmen“ sind, sondern dass auch viele Solounternehmer gar kein Unternehmen betreiben bzw. eben nur rein formell.

Was vielen Solounternehmern fehlt, was ihnen vielleicht zum gegebenen Zeipunkt gerade noch fehlt, ist eben jene Klarheit darüber, welchen Bedürfnissen sie eigentlich dienen wollen mit ihrem Unternehmen + auf welche Art und Weise und auf welche Arten und Weisen sie diesen Bedürfnissen auf keinen Fall dienen wollen.

Stattdessen werden wild und ungesteuert Aufträge angenommen oder sogar aktiv akquiriert, die mal jenen, mal diesen Bedürfnissen dienen. – So dass im Ergebnis viele Solounternehmen im Grunde ähnliche Gemischtwarenläden sind wie so mancher „Misch-Konzern“. – Ohne inneren Kern, ohne inneren Zweck, ohne inneres Ziel, Treibgut auf den sich gerade bietenden Wellen des großen Business-Meeres…

Nun möchte ich keineswegs so lebensfremd und lebensfeindlich daherschreiben, dass ich irgendwem einreden möchte, er müsse zu jedem Zeitpunkt seiner unternehmerischen Aktivitäten absolute Klarheit darüber haben, what the hell er da eigentlich gerade tut. – Vielmehr habe ich es, gerade in meinen Zeiten als Gründerberater, als überaus sinnvoll erlebt, „einfach mal zu machen“. – Und eben NICHT allzu viel nachzudenken, NICHT allzu sicherheits-orientiert und konzept-fixiert zu agieren. Sich NICHT durch einen großkopferten Business Plan zu geißeln. – „Lean start-up“ nennt man das wohl mittlerweile…

Denn im Tun, im Machen KANN sich oft erst jene Klarheit ergeben – aus konkreten Erfahrungen mit konkreten Kunden und konkreten Problemen und konkreten Erfolgen…

Die Tragik vieler Nicht-Unternehmen ist allerdings: Dass sie die gemachten Erfahrungen eben NICHT dazu nutzen, zu einem echten Unternehmen zu werden (im oben definierten Sinn). Sie BLEIBEN auch nach Jahren immer noch solches Treibgut, oft trotz Wachstums und oft trotz Einstellung von „Mitarbeitern“.

Mit-Unternehmer sind nämlich nur möglich, wenn es sich um ein echtes Unternehmen handelt. – Unternehmerische Gesellschaften, die es versäumen, in das interne, intensive, oft schmerzhafte und ergebnis-offene Gespräch darüber einzusteigen, was wir hier eigentlich gemeinsam erreichen wollen, können nur „Mitarbeiter“ generieren, niemals Mitunternehmer.

Und es gibt gute Gründe, NICHT in solch ein internes Gespräch einzusteigen: Angst vor Verlusten von „wertvollen Mitarbeitern“ dürften hier eine wichtige Rolle spielen, neben Angst vor Kontrollverlust und Angst vor Konflikten und Auseinandersetzungen generell. Auch Angst davor, den laufenden Betrieb zu stören und das unter zahlreichen Opfern und Mühen bereits Erreichte nun „ohne Not“ durch die offene Beschäftigung mit „Grundsatzfragen“ zu gefährden…

Und diese Angst WÄCHST mit dem rein zahlenmäßigen Erfolg! – Gerade solcher „Erfolg“ lindert solche Ängste nicht, sondern verschärft sie. Denn nun scheint es „mehr zu verlieren“ zu geben.

Daher ist meine momentane Einschätzung: Bei allem „einfach mal machen und dadurch herausfinden, was man eigentlich will“, sollte die Auseinandersetzung mit der Sinnfrage des eigenen Unternehmens und der Frage nach der Identität des eigenen Unternehmens nicht ZU SPÄT erfolgen. D.h.: Nicht erst dann, wenn man schon auf einem Riesenumsatz und Riesenerträgen sitzt.

Formelles Unternehmertum, das rein zahlenmäßig „erfolgreich“ ist, hat zumindest das Potential, echtes Unternehmertum, echten unternehmerischen Erfolg zu blockieren.

Und wenn man nun fragt, was denn Mysteriöses mit „echtem Unternehmertum“ gemeint sein soll, dann lautet meine Antwort:

Ganz einfach: Ein Unternehmen, dass Sie auch INNERLICH erfüllt und befriedigt, durch dass sie sich unmittelbar belebt und nicht belastet fühlen.

Dieses Kriterium zu nutzen hat allerdings eine Voraussetzung:

Sie müssen überhaupt einen Zugang zu Ihrem Innenleben und Ihren Gefühlen haben. – Und diese Voraussetzung ist weitaus weniger selbstverständlich als man meinen könnte. In der Regel ist es für viele, die mitten „im Berufsleben“ stehen, echte Arbeit, wieder einen Zugang dazu zu öffnen, was sie eigentlich wollen.

Ich weiß hier, wovon ich spreche: Ich kämpfe selbst immer wieder neu um diese Öffnung. Und ich unterstütze beinahe täglich andere Menschen aller Branchen, aller Professionen und aller Altersstufen dabei, diesen Innenzugang wieder zu pflegen.

Dieser Innenzugang der Mitunternehmer – das aktive Wahrnehmen eigener Gefühle und Bedürfnisse – ist DIE zentrale Voraussetzung für lebendiges Unternehmertum. Für ein Unternehmertum, das seinen Namen auch verdient hat. Für Unternehmen, die wirklich dauerhaft echten Kundenbedürfnissen dienen können. Für Unternehmen, die echte menschliche Bedürfnisse zur Grundlage haben: Bedürfnisse von Menschen, die mit ihren Bedürfnissen innerlich verbunden sind.

Denn momentan haben wir „im Business“ Zombies: von ihren eigenen Bedürfnissen dissoziierte Menschen auf allen Seiten der unternehmersichen Zahlungsvereinbarungen: Bei den Kunden genauso wie bei den Mitunternehmern. Bei den Investoren genauso wie bei den Dienstleistern und Zulieferern des Unternehmens.

Das Gute daran ist: Es ist im Grund gleichgültig, wo man beginnt, sich um mehr innere Klarheit und Verbundenheit zu bemühen. – Die Auswirkungen werden überall spürbar und greifbar.

Egal wer es schafft, mit sich selbst verbundener zu agieren, und in dieser größeren Verbundenheit mit sich selbst mit anderen Menschen und Personengruppen Verträge einzugehen: Er leistet dadurch nebenher ganz unvermeidlich einen substantiellen Beitrag zur Steigerung des Unternehmertums auf diesem schönen Planeten.

Re-connect!

Ein zentrales Problem unserer heutigen Zeit ist unsere Unverbundenheit. Unsere „Disconnection“. – Der olle Karl Marx hat das gleiche Phänomen mal „Entfremdung“ genannt. – Und manchmal nennt man es auch „die Entzaubertheit der Welt“ oder „metaphysische Heimatlosigkeit“.

Diesen halbreligiösen, halbspirituellen Kram muss man nicht unbedingt kaufen oder mitgehen können, um wahrzunehmen, dass unsere Beziehungen und unsere Verbindungen untereinander gewisse Schräglagen haben, bis dahin, dass man von „kranken Beziehungen“ oder „krankmachenden Beziehungen“ sprechen muss.

Nichtsdestoweniger wissen wir: „Kontakt“ ist notwendig. Wir wollen ja „Business machen“, wir wollen uns spüren, wir wollen uns verbunden fühlen und wir wollen – obwohl das selbst eine kranke Motivation ist – „nicht einsam sein“.

Aber diese unsere Bemühungen um „Kontakt“ sind selbst merkwürdig schräg:

Wir wollen den Kontakt und wollen ihn nicht. Wir wollen baden, aber wir wollen nicht nass werden. Wir wollen Berührung, aber ohne Verletzlichkeit. Wir wollen, dass es etwas mit uns macht, aber bitte ohne dass es etwas mit uns macht, was wir nicht wollen.

Daher kommen wir nicht in Kontakt, daher fühlt sich alles so distanziert und leer uns hohl und sinnlos für uns an.

Wir gehen in Kontakt. Aber: „Gut gerüstet“. Wir gleichen Menschen, die sich zum Sex in einer Ritterrüstung packen, damit „nichts schiefgeht“.

Aber so fühlt sich das Ganze dann halt eben auch nicht ganz so toll an für uns…

Der Witz ist: Wir wollen in Kontakt mit anderen, aber ohne dabei mit Kontakt mit uns selbst zu kommen. – Und: Wir wollen den Kontakt zu anderen Menschen, UM mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Und an diesem Denken ist auch gar nicht unbedingt etwas Falsches: Denn es funktioniert ja!

„Kontakt“ bringt uns in Kontakt.

Im Grunde gibt es hier keine Wirkung und keine Ursache. Eher so etwas wie eine wechselseitige Verknüpfung, einen „systemischen Zusammenhang“.

Das ist im Grunde eine „frohe Botschaft“. – Denn sie bedeutet zwar, dass uns „Techniken“ hier nicht weiterhelfen (sie gehören zur Sphäre des Linearen, der eindeutigen Ursache und der eindeutigen Wirkung). Aber es bedeutet eben auch, dass wir ÜBERALL ANSETZEN KÖNNEN. Dass es völlig gleichgültigt ist, wo wir ansetzen:

Wir können einen besseren Kontakt mit uns selbst pflegen (meditieren, auf gute Art Sport machen, uns bewegen, tanzen, uns liebevoll nähren und versorgen, liebevolle Gedanken pflegen, und selbst nach unseren Bedürfnissen fragen, uns Zeit geben und uns Zeit nehmen, uns Ruhe und Stille gönnen, Singen, Spielen… and so on…). – UND DANN UND SO in Kontakt mit anderen Menschen gehen.

Wir können aber genauso gut all das sein lassen und – mit uns selbst unverbunden – in Kontakt mit anderen gehen. UND DADURCH mit uns selbst verbunden werden, angeregt werden, auf uns selbst verwiesen werden, usw. usf.

Der letztere „Weg“: Kontakt mit anderen zu suchen, ohne in Kontakt mit uns selbst zu sein, ist eine Art „instant feedback“ für uns, wo wir gerade stehen, wie es uns gerade geht, und wer wir eigentlich gerade sind.

Dieser Weg ist manchmal schmerzhaft und unangenehm. Aber das ist dann gut so.

Und dieser Weg ist nur dann ein „Problem“ und führt zu noch weiterem Kontaktverlust, zu noch mehr „Aufrüstung“, wenn wir das, was wir an „schlechtem Kontakt mit anderen erleben“, folgendermaßen zuordnen:

Die anderen sind doof. Die anderen sind das Problem.

Wenn wir stattdessen sagen: „Danke für dieses Feedback. Es tut weh. Ich lass das jetzt mal sacken. — Und ziehe dann, wenn ich soweit bin, meine Schlüsse für mich daraus…“

…dann gibt es da eigentlich kein Problem. Alles ist in bester Ordnung. Mit dem Unangenehmen, mit den Schmerzen, mit den Ängsten. – Es ist gut, dass es sie gibt. Es sind Signale, es sind liebevolle Hinweise an uns, dass wir uns weiterentwickeln wollen und jetzt sofort auch weiterentwickeln können.

Schmerz, Angst, Unangenehmes: All das ist Information über unsere Unverbundenheit mit uns selbst.

Und auch daher bringen uns Kontakte mit anderen Menschen immer wieder in Kontakt mit uns selbst.

Und wenn wir das eben gerade einfach nicht verstehen wollen: Dann VERTIEFEN sich eben unsere Probleme. Dann vertieft sich unsere Unverbundenheit.

Und auch das führt wieder zu Informationen. Auch das führt wieder zu liebevollen Hinweisen, wo wir nun stehen, durch unser Verhalten, durch unsere Schlüsse, durch unseren Umgang mit uns selbst.

We can’t blame nobody.

But we can re-connect.

Anytime.

Anyway.

Die 6 universalen Prinzipien guter Beratungsarbeit – In egal welchem Feld

1.) Machen Sie sich vorab selbst unmissverständlich klar: Es ist nicht Ihr Problem. Es ist das Problem des Kunden/Klienten. – Wenn es denn überhaupt ein Problem gibt. – Es geht darum, dem Kunden dabei zu beizustehen, sein Problem zu lösen. – Es geht um das Wohl des Kunden und wie er seine Situation verbessern und/oder erhalten kann.

2.) Hören Sie Ihrem Kunden erst mal einfach nur zu. – Aber hören Sie nicht einfach irgendwie zu. – Hören Sie empathisch hin und auch in sich hinein. – Nachdem es zu 100% um den Kunden geht, geht es eben auch darum, zu 100% innerlich bei ihm zu sein. – Das geht nur, wenn Sie zugleich auch mit sich selbst in Kontakt und Resonanz gehen. – Und mit ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. – Wenn Sie sich nun fragen, wie DAS denn bitteschön gehen soll, schauen Sie sich einfach mal dieses kurze, 3-minütige Video an, danach ist diese Frage in der Regel nicht mehr offen.

3.) Halten Sie das Problem des Kunden aus. – Das sollte Ihnen leicht fallen, denn es ist ja nicht Ihr Problem, sondern sein Problem. – Flüchten Sie nicht vor dem Problem und lösen Sie es auch nicht. – Stattdessen vertiefen Sie nun das Problem des Kunden. – Dazu gibt es viele Möglichkeiten und Techniken. – Einige davon sind ganz einfach. Z.B. der Einsatz der Frage: „Worum geht es Ihnen denn EIGENTLICH?“ – Wenn Sie Ihrem Kunden in Schritt 2.) wirklich empathisch zu gehört haben, wird ihnen der Kunde diese Frage niemals krumm nehmen.

4.) Aktivieren Sie zunächst die Ressourcen DES KUNDEN zur Lösung dieses vertieften Problems. – Selbst wenn Sie nicht in die Coaching-Haltung gehen (=> „der Kunde hat die Lösung selbst“), sondern ihren Kunden beraten oder trainieren, sollten Sie im ersten Schritt ausloten, was der Kunde selbst schon alles getan hat oder was er selbst tun könnte. – Das ist besonders schwierig bei Kunden in der Opferhaltung und/oder die sie als „Experten für das Problem“ umschmeicheln („ich kann das nicht, aber deswegen bin ich ja bei Ihnen, Sie sind ja SO GUT auf diesem Gebiet, Sie sind der Experte…“ usw. usf.). – Bleiben Sie dennoch dabei. Freundlich, aber beharrlich. Lösen Sie niemals selbst, BEVOR alle potentiell relevanten Ressourcen und Möglichkeiten des Kunden vor Ihnen auf dem gemeinsamen Tisch oder Flipchart liegen und für sie beide sichtbar geworden sind.

5.) Machen Sie sich rechtzeitig überflüssig. – Auch Empathie, auch Händchenhalten kann abhängig machen und den Kunden schwächen. – Am Problematischsten sind aber fortgesetzte Lösungsvorschläge ohne Umsetzung. – Ein freundlicher Schubs nach der Devise: „Sie haben jetzt alles was Sie brauchen, jetzt machen Sie erst mal, wozu Sie sich mit mir entschieden haben – Sie können das!“ bringt in der Regel mehr Erfolg und Zufriedenheit als notorisches Dabeibleiben, Kontrollieren und Weiter-Intervenieren, vielleicht sogar mit neuem Input, der neue Probleme fokussiert oder sogar erzeugt. – Selbst wenn der Kunde selbst danach verlangt.

6.) Bleiben Sie dennoch in Beziehung. – Halten Sie den Kontakt und erkundigen Sie sich auch nach Fortschritten. In erster Linie erkundigen Sie sich aber nach Gefühlen und Bedürfnissen des Kunden bei seiner eigenen Lösungs- und Umsetzungsarbeit. – Auch hier gilt wieder: Die Probleme hat der Kunde. – Es handelt sich also im Grunde um eine Wiederholung von Schritt 2.) – Mit dieser  Wiederholung machen Sie sich selbst klar und dem Kunden deutlich: Es geht Ihnen wirklich nicht um „ein Problem und seine Lösung“, es geht Ihnen um das Wohl des Kunden. – Und dieser Unterschied ist wichtig für erfolgreiche, gute Beratungsarbeit. – Sie wechseln damit vom Paradigma der Sachorientierung in das vielschichtigere und erfüllendere Paradigma der Beziehungsorientierung. – Sie werden vom nützlichen Fachidioten zu einem wertvollen Partner auf Augenhöhe für Ihren Kunden.

GfK / NVC – Gewaltfreie Kommunikation / Non Violent Communication

Derzeit habe ich den Eindruck, dass es bei der Arbeit mit Konzepten der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg für mich keine guten Leitgedanken sind, wenn ich dabei „Gewaltfreiheit“ oder „Kommunikation“ im Sinn habe.

Andere würden vielleicht sagen: „Bei der GfK geht es in erster Linie weder um Gewaltfreiheit noch um Kommunikation. In erster Linie geht es bei ihr um ganz andere Dinge…“

Ich wage mal eine unvollständige und vorläufige Sammlung, womit man sich beschäftigen könnte, wenn man sich mit GfK beschäftig…

  • Mit sich selbst besser in Kontakt zu kommen (= „bessere interne Kommunikation“, „bessere Gespräche der Seele mit sich selbst“)
  • Damit, auch im Alltag, in den Wechselfällen des Lebens „öfter und länger in der eigenen Mitte zu bleiben“ bzw. „leichter und schneller in die eigene Mitte zurück zu finden, wenn man sie mal verloren hat“
  • Mit Klarheit, was einem überhaupt wirklich wichtig ist. Und was eher nur liebgewonnene, schlechte Gewohnheiten sind. Dinge, die man gar nicht so dringend braucht, wie sie sich im ersten Moment anfühlen.
  • Mit einer Lösung von Reflexen, von Strategien, mit denen man sich nach der eigenen Erfahrung selber schadet oder mit denen man nur selten das erreicht hat, was man mit ihnen erreichen wollte.
  • Mit innerer Ruhe und Gelassenheit. – Mit der Erleichterung, die man sich verschafft, wenn man fühlt, worum es einem wirklich gerade geht, auch dann, wenn man es gerade nicht bekommen kann.
  • Mit der Senkung von Handlungsdruck, mit der Erlernung von Warten-Können.
  • Mit der Steigerung des Aushalten-Könnens von Zuständen, in denen man keine Lösung parat hat. Also der Spanne zwischen „Erkennen eines Problems“ („unerfülltes Bedürfnis“) und „Finden einer Lösung“ („Strategie, die das Bedürfnis erfüllt“). – Leichtere Vermeidung von Schnellschüssen und Lösungsfallen.
  • Mit dem Finden von echten Lösungen.
  • Mit besserem Verständnis eigener Beweggründe.
  • Mit Anerkennung der eigenen Person und ihren vielfältigen Wünsche und Bedürfnisse, die oft sogar gleichzeitig präsent sind.
  • Mit der Heilung von Abspaltungen: Persönlichkeitsanteilen, Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen, die man „als nicht der eigenen Person zugehörige“ eingestuft hat. – Und daher mit der Zeit gelernt hat, gar nicht mehr wahrzunehmen.
  • Mit „moralischer Abrüstung“. Mit der Eindämmung von Bewertungen, Kritik und Urteilen. – Mit einem Verlassen der Bahnen des Kritischen Eltern-Ichs und des Verfolgers/Täters aus dem Drama-Dreieck.
  • Mit der Übernahme von Eigen-Verantwortung. Mit Erwachsen-Werden. Einübung wahrhaft erwachsener Verhaltensweisen im rein bejahenswerten Sinn. – Mit einem Verlassen der Bahnen des hilflosen/angepassten Kinds und des Opfers aus dem Drama-Dreieck.
  • Mit Andere-Menschen-Sein-Lassen-Können. – Andere nicht ändern müssen. Andere in ihre Probleme selber lösen lassen können. Anderen eigene Erkenntnisse nicht aufdrängen. Andere Menschen in Ruhe lassen können. – Mit einem Verlassen der Bahnen des Fürsorglichen Eltern-Ichs und des Retters aus dem Drama-Dreieck.
  • Mit der Anerkennung von Räumen, eigener und fremder Räume, wie wir sie z.B. in der Form des TEMENOS gemeinsam üben und erlernen können.
  • Mit innerlicher Freiheit, mit der Nutzung der Möglichkeiten, die uns Menschen als komplexen Wesen gegeben ist („der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“)
  • Und noch vieles andere mehr, das INNERLICH ist und in gewissem Sinne für uns VOR aller Kommunikation liegt… (= der Moment, bevor wir Handeln, bevor wir den Mund aufmachen…)

Die Reduktion gewalthafter Verhältnisse, Situationen, Beziehungen und das häufigere Gelingen von Kommunikation (beide Kommunikationspartner bekommen, was sie sich wirklich wünschen) sind so gesehen nur indirekte Nebenfolgen einer eher INNERLICHEN PRAXIS, die man u.a. auch mithilfe der Formen üben kann, die von Marshall Rosenberg bereit gestellt wurden.

Es ist  – wie so oft – nicht sinnvoll, das Ziel direkt zu fokussieren, um das Ziel zu erreichen. Um das Ziel zu erreichen, muss man sich um ganz andere Dinge kümmern als um das Ziel selbst.

Andererseits: Gerade beim Üben mit Formen der GfK merke ich, wie heilsam Beziehungen sein können. Gerade konflikthafte Beziehungen. Sie bringen uns dort weiter, wo wir uns im inneren Dialog (wir mit uns selbst) in den immer gleichen Mustern verfangen und verstricken.

Um weiter zu kommen, brauchen wir Inter-Aktion, brauchen wir erfüllende Beziehungen und brauchen wir (als Kontrastmittel) Konflikt.

Auch deswegen empfinde ich viele unserer heutigen Unternehmen als so unbefriedigend: Sie unterdrücken Konflikte mehr als dass sie Konflikte fördern und in produktive Bahnen lenken. – Sie sehen Konflikte nur „als Störungen des ansonsten reibungslos ablaufenden operativen Prozesses“.

Viele unserer Unternehmen verfügen heute weder intern noch extern über diejenigen Bindungen und Beziehungen, die es braucht, um produktive Konflikte zu haben. Die es braucht, das Drama, das in produktiven Konflikten dann immer erst mal am Werk ist, aushalten zu können. Die Bindungen der meisten unserer heutigen Unternehmen sind nicht stabil, sind nicht tragfähig, nicht belastbar.

Viele unserer heutigen Unternehmen sehen daher auch noch nicht einmal im Ansatz die Chancen, die im Konflikt liegen. Sie sehen nicht DAS POTENTIAL DER WUT: Dinge auf den Tisch zu bringen, die definitiv auf den Tisch gehören. Dass manche Dinge nur mit der Kraft der Wut „hochploppen“ können. – Freilich sollte man es dabei nicht belassen und genau DIESE NEUEN INFORMATIONEN dann auch bewusst nutzen und dadurch zu neuen Lösungen und Arrangements kommen.

Deswegen setzen solche hilflosen Unternehmen, die im Grunde mit Konflikten einfach nicht umgehen können, die nichts mit ihnen anzufangen wissen, auf Konzepte wie das der Hierarchie oder das der Karriere.

Mich als Choleriker stört das.

In love with your company

Es gibt sie natürlich: Die „rosarote Brille der Verliebtheit“ in der ersten Phase, in der man neu an Bord ist, eben gerade einen Job neu angetreten hat. Alles ist neu, alles ist aufregend, man ist hochmotiviert, bringt sich voll ein und möchte „den anderen und zugleich sich selbst neu entdecken“.

Je nachdem, wie man selbst und das Unternehmen, für das man arbeitet, aufgestellt ist, dauert diese Phase länger oder kürzer. In der Regel führt sie aber zu einer nachhaltigen Ernüchterung, wenn nicht sogar in eine bittere Enttäuschung und in stabilen Zynismus, anstatt in eine dauerhaft liebevolle Beziehung mit natürlichen Auf- und Abs des wechselseitigen Engagements. Wir leben in einer Zeit der unglücklichen Arbeits-Ehen, die die Zahl der ebenso viel zu häufigen unglücklichen privaten Ehen noch weit übersteigt.

Und das, so möchte ich hier argumentieren, hat viel damit zu tun, worüber wir in unseren Unternehmen sprechen – und worüber wir in unseren Unternehmen nicht sprechen.

Worüber wir in unseren Unternehmen sprechen: Leistung, Ziele, deadlines, Marktbewegungen, Strategische Neuausrichtungen, die Konkurrenz, nervende Kunden, das neue Auto, das wir uns geleistet haben, 3-Jahres-Pläne, das Essen in der Firmenkantine, Gehaltswünsche, Karrierepfade, den neuen Kollegen, der es nun wirklich nicht bringt, den bevorstehenden und den absolvierten Urlaub, den neuen Chef, der nun wirklich ein echtes Arschloch ist und den Kollegen X, der seine letzte Beförderung nun wirklich gar nicht verdient hat, sondern sie allein seiner Arschkriecherei beim Abteilungsleiter Y verdankt. – Gemeinsam haben diese Themen, wenn sie in dieser Form verhandelt werden, dass sie 1A-Beziehungskiller sind.

Worüber wir in unseren Unternehmen nicht-sprechen: „Das Wir“, das uns verbindet, den tieferen Sinn und „lebenserhaltenden Zweck“ (M.Miyashiro) unseres gemeinsamen Unternehmens, die immer neu auszutarierende Spannung zwischen unserer gemeinsamen Unternehmensidentität (wer wir sind und woher wir kommen) und sich verändernden Kundenbedürfnissen, denen wir weiterhin und wenn möglich immer besser gerecht werden wollen (wohin wir gehen). Wir reden außerdem nicht oder möglichst wenig über unsere persönliche Geschichte und über unser Innenleben und darüber wie sie unsere Präferenzen und Entscheidungen im Job beeinflussen. Wir reden nicht über unsere Gefühle, nicht über unsere Bedürfnisse, weder über unsere individuellen, noch über die Unternehmensbedürfnisse, mit denen wir uns untereinander und mit unserem gemeinsamen Unternehmen verbinden. Wir fragen auch andere nicht ihren Gefühlen und Bedürfnissen und wir fragen nicht nach ihrer persönlichen Geschichte, denn all das wäre ja „unprofessionell“ bzw. es fühlt sich im Unternehmen ziemlich gefährlich an.

Bei gemeinsamen Entscheidungen in unseren Meetings reden wir nur über Inhalte, nicht aber darüber, welche unserer Bedürfnisse dahinter stecken, warum wir eine Richtung bevorzugen und mit einer anderen Probleme haben. Wir reden auch nicht darüber, welche Gefühle es in uns auslösen würde, wenn unsere gemeinsame Entscheidung in diese oder in jene Richtung ausfallen würde. – Wir verbinden uns nicht systematisch miteinander, sondern streiten über Inhalte und verlieren so den Kontakt zueinander.

An anderen Stellen in diesem Forum habe ich das Bild vorgeschlagen, dass wir alle gemeinsam Mitunternehmer und als solche gemeinsame Väter und Mütter eines gemeinsamen Kinds (unseres gemeinsamen Unternehmens) sind, das aus unserem Zusammenschluss hervorgeht, erwächst und von uns gemeinsam gepflegt wird.

Das unterscheidet sich deutlich von der patriarchalen Auffassung, wie sie auch heute noch in manchen Inhabergeführten Unternehmen gepflegt wird, und in der es genau einen Unternehmer/Unternehmerin gibt, der ganz allein die Vater/Mutter-Rollen übernimmt und in der alle anderen „Mitarbeiter“ systematisch in eine Kind-Position gerückt werden (ohne dass das Unternehmen selbst als eigentliches Kind auftaucht).

Solche Unternehmen sind zwar im großen und ganzen immer noch besser dran als jene vollkommen seelenlose Geldvermehrungsmaschinen, in denen letztlich kein einziger Beteiligter (Investoren, Manager, Mitarbeiter, Kunden) eine echte Beziehung zum Unternehmen eingeht, so dass diese „Unternehmen“ eher selbstbedienungsläden gleichen, in denen jeder schaut, wo er bleibt und angstvoll und neidvoll versucht, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu ergattern. Und das gilt in solchen Fällen für Investoren/Eigner, Manager, Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen, so dass es im Grunde keinen echten Grund für wechselseitige Vorwürfe gibt. Was in solchen Unternehmen aber natürlich niemanden davon abhält, solche moralischen Vorwürfe als effektives Mittel im permanenten Machtkampf um ein größeres Stück vom Unternehmenskuchen zu verwenden.

Immerhin verwirklicht sich also in patrarchalisch/matriarchalisch geführten Unternehmen überhaupt irgendeine menschliche Seele, nämlich die des einen Unternehmers/der einen Unternehmerin. – Da aber alle anderen am Unternehmen beteiligten Menschen in eine Kind-Rolle gedrängt werden, ist diese „Lösung“ ziemlich suboptimal, und zwar vor allem für das Unternehmen selbst: Es könnte -zig, wenn nicht sogar hunderte oder tausende Väter/Mütter haben, die sich um es kümmern. Traurigerweise hat es aber nur eine(n) einzige(n). – Hier kann man an jenes afrikanische Sprichwort denken, dass sagt: „Um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf“.

Ich denke, dass jeder Mitunternehmer das Potential hat, zugleich eine „Mutter“ und ein „Vater“ des gemeinsamen Unternehmens zu sein. – Und dass es in jedem „Job“ sowohl mütterliche wie väterliche Qualitäten braucht, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Dabei spielt es eine weitgehend untergeordnete Rolle, ob wir selbst „Mann“ oder „Frau“ sind, denn wir alle vereinen weibliche und männliche Qualitäten in uns, die wir jeweils dann zum Einsatz bringen, wenn sie gerade gebraucht werden.

Unternehmerischen Erfolg, also ein organisch wachsendes und gedeihendes Unternehmen, das aus Lieblosigkeit hervorgeht, kann ich mir dagegen nur schwer vorstellen.

Natürlich kenne ich Unternehmen, die „seelenlos erfolgreich“ sind. Aber diese zehren entweder noch von einer Zeit, in der sie noch eine Seele (andere Eigner, andere Manager, andere Strukturen, eine Mission) hatten, oder sie sind vollgepumpt mit Fremdkapital, leben also nicht vom liebevoll Engagement der beteiligten Menschen, sondern aus einer kompensierenden Energie heraus. Beide Formen sind durch eine rein betriebswirtschaftliche Brille gesehen hochineffizient. Beide Arten von Unternehmen sind „Unternehmenszombies“: Innerlich leblos, ohne Seele, ohne Richtung, ohne Ausrichtung auf Kunden und Mitarbeiter, ohne lebendigen Wunsch, vorhandene menschliche Bedürfnisse zu befriedigen und dies zum Zentrum und zur Quelle der gemeinsamen Unternehmung zu machen.

Ich persönlichlich möchte sehr gern sehen, was passiert, wenn wir in dieser Hinsicht durchaus auch „streng“ sind (oder vielleicht besser: „klar“ oder „entschieden“) und aufhören, Lieblosigkeit in Bezug auf unsere Unternehmen zu dulden, egal wo und wann sie uns auffällt oder begegnet. An erster Stelle bei uns selbst, also wenn wir bemerken, dass wir selbst gerade lieblos handeln, unsere Seele unbeteiligt, abgeschottet ist und wir in einem unserer routinierten Selbst-Schutz-Modi unterwegs sind.

Aber ich möchte auch gern sehen, was passiert, wenn wir anfangen den Mut zu haben, es anzusprechen, wenn uns die Lieblosigkeit anderer in Bezug auf ihre eigenen Unternehmungen auffällt. – Denn ich glaube, wir alle brauchen solche Hinweise manchmal. Sicher nicht in der Form von „Kritik“ oder anderen demütigenden, kleinmachenden Formen der Kommunikation. Wohl aber in Form von Anteilnahme und Ermutigung, dass uns mehr und anderes möglich ist als das, was wir gerade realisieren. Und das heißt an erster Stelle: Dass wir eine andere, liebevollere Haltung zu dem einnehmen können, was wir gerade tun.

Nach meinem aktuellen Eindruck ist einer der unmittelbarsten Wege zu einer liebevollen Haltung zu eigenen Handlungen / Unternehmungen, darauf zu fokussieren, was sie in anderen Menschen auslösen. D.h. darauf zu fokussieren, was für einen tieferen Sinn diese Unternehmen haben und inwiefern sie eigene Bedürfnisse und zugleich die Bedürfnisse anderer Menschen befriedigen. Der letzte Sinn jeglichen Handelns / Unternehmens ist die Steigerung der Freude. Denn Freude entsteht ganz von allein, wann immer echte Bedürfnisse effektiv befriedigt werden.

Und Unternehmen mit so einem Bedüfnis-Fokus sind Unternehmen, die „als unsere Kinder“ durchaus unsere Liebe verdient haben.

Zur Vielschichtigkeit des Begriffes „Liebe“ siehe u.a. auch hier: https://www.xing.com/communities/posts/mehr-agape-und-philia-und-weniger-eros-in-unternehmen-1002918084

[Dieser Artikel ist die unveränderte Neuveröffentlichung eines Beitrags, der erstmals am 19.04.2014 auf Xing erschienen ist.]