Was Liebe in unserem Unternehmen verloren hat – Was unser Unternehmen an Liebe gewinnt

„Liebe“ ist im Kern die wiederholte Bezugnahme auf etwas, bei dem wir jeweils das Gefühl der Freude empfinden, weil unser Bewusstsein „ja“ zu diesem etwas sagt, so wie es ist, weil wir es affirmieren mit einem „das ist gut so, das ist schön so, das ist richtig so“.

Liebe geht über das rein Momentane der Freude hinaus und stellt eine beinahe identifikatorische, jedenfalls dauerhafte Bindung her zu jenem etwas. Und sie führt dazu, dass wir an jenem „etwas“ immer neue Details und Aspekte entdecken, die wir ebenfalls bejahen und an denen wir uns ebenfalls freuen.

Der menschlichen Liebesfähigkeit sind daher im Grunde kaum Grenzen gesetzt. Wir können alles mögliche lieben: Bestimmte Aktivitäten, Gegenstände, lebende Wesen, Dinge, natürliches, künstliches, Abstraktes, Komplexes, Kompliziertes, Einfaches, Orte, Situationen, usw. usf.

Es gibt laute und leise Formen der Liebe, solche die mit einer Form äußerer Aktivität verbunden sind und scheinpar passive, die ohne auskommen. Es gibt manchmal den Wunsch von Fürsorge für „das Objekt der Liebe“, den Wunsch, etwas zu seinem Wohlergehen beizutragen, vielleicht auch: alles, was man kann, zu seinem Wohlergehen beizutragen, aber auch das ist keine Notwendigkeit, damit es sich um Liebe handelt.

Liebe hat auch viel mit Betroffen-Sein, Verletzlichkeit und Mitgefühl zu tun. „Es macht etwas mit mir“, wie es um das, was ich liebe, gerade bestellt ist. Es lässt mich nicht kalt, es bewegt mich. – Und das obwohl wir eigentlich getrennt sind, obwohl es nichts mit mir machen müsste, weil da eben eine Trennung ist, die bedeutet, dass es mich kalt lassen könnte, nicht bewegen müsste.

Denn dies ist ein weiterer zentraler Aspekt der Liebe: Ihre völlige Freiwilligkeit und Ungezwungenheit. In der Liebe gehe ich eine Bindung ein, ich übernehme Verantwortung („etwas in mir antwortet auf das, was ich ‚da draußen‘ vorfinde, nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder“). Aber ich tue es nicht aus Zwang oder aus der Not heraus. Ich könnte es immer auch nicht tun und wäre dann ungebundener und (oberflächlich gesehen) freier. Auf jeden Fall viel weniger verletztlich. Nicht mehr zu lieben bedeutet Sicherheit, „jetzt kann mir nichts mehr etwas anhaben“, ich schütze mich. Liebe ist daher auch Wahnsinn: Völlig freiwillig mache ich mich noch verletzlicher als ich ohnehin schon bin, in dem ich mich mit etwas anderem verbinde, mit dem vielerlei der Fall sein kann, was dann auch mich berührt.

Aufgrund unserer prinzipiell unbegrenzten Liebesfähigkeit heraus sind wir ganz selbstverständlich auch in der Lage, ein bestimmtes Unternehmen zu lieben. Die Liebe zu einem Unternehmen ist sogar leichter und naheliegender als die Liebe zu vielem Anderen. Denn hier wird ja produziert, hier entsteht täglich Neues und wird anderen Menschen zur Verfügung gestellt. Der Aspekt des „Gebens“ ist sehr lebendig in Unternehmen, auch wenn man vordergründig oft den Eindruck hat, es ginge nur ums (Ein-)Nehmen.

Wichtiger aber ist noch, was mit den Mitunternehmern eines Unternehmens passiert und ob sie  „in einer erkennbar bestimmten Liebe zusammenkommen“. – Sehr naheliegend ist im Fall von Unternehmen die Liebe zu bestimmten Kunden, bzw. die Liebe dazu, für andere Menschen etwas Bestimmtes zu leisten, zu liefern, zur Verfügung zu stellen, Menschen, die dann rückwirkend als „Kunden“ bezeichnet werden können. – Eine sehr abstrakte Liebe.

Denn da im Unternehmen die unterschiedlichen Mitunternehmer sehr unterschiedliches tun, kann man auch nur im übertragenen Sinn von einer „gemeinsamen Aktivität“ oder von der „Liebe zu einer gemeinsamen Aktivität“ sprechen. Ich kann auch die Geschäftsführerin, der Buchhalter, die Empfangsdame oder der ITler dieses Unternehmens sein. Und dennoch kann es sein, dass es mir nicht egal ist, wozu meine eigene spezifische Aktivität am Ende beiträgt. – WENN das so ist, dann haben wir als Mitunternehmer in unserem Unternehmen eine echte, dauerhafte Verbindung, eine echte Geschäftsgrundlage. Wenn nicht, dann haben wir im Grunde gar keine Verbindung und unser Unternehmen verkommt über kurz oder lang zu so etwas wie einer Räuberbande mit schöner Verpackung und Eintrag im Unternehmensregister.

Die Liebe zu einem Unternehmen und dass ein Unternehmen überhaupt liebesfähig und liebenswert ist, muss daher täglich gepflegt sein. – Ganz genauso wie jede andere Form von Liebe auch. Wir nehmen dann in unserem Unternehmen mehrmals an jedem Tag unserer gemeinsamen Arbeit aktiv Bezug auf das Wesentliche unseres Unternehmens, auf das, worum es in unserem Unternehmen eigentlich geht. – Wir verlieren uns nicht in den notwendigen Details, ToDos, Prozessen usw., sondern wir finden unsere gemeinsame Liebe in ihnen wieder. Wir lassen uns unsere Liebe nicht von den Anforderungen des daily business davonschwemmen, sondern tragen sie in dieses daily business hinein und formen es so, dass es zu einem einzigen Ausdruck unserer gemeinsamen Liebe wird.

Das klingt obsessiv und vielleicht ist es das auch. Aber es gibt eben auch stille, leise, unaufgeregte Formen der Liebe, die wenig mit dem zu tun haben, was uns in Medien, Werbung und Filmen verkauft wird. Formen, in denen man ganz bei sich ist und ganz bei der Sache und ganz beim Anderen.

Im Kern geht es im Unternehmertum darum, dass man etwas tut, was für andere von Wert ist, und sich DABEI nicht verliert. Eben dann wird unternehmerische Tätigkeit zum stimmigen Ausdruck von Liebe.

Und dann kommt ein weiterer wesentlicher Aspekt von Liebe zum Tragen: Die Selbstauflösung ohne Selbstauflösung. Man geht auf in etwas, „das größer ist als man selbst“, aber man bleibt bestehen, opfert sich nicht auf, geht darin nicht unter. „Liebe im Unternehmen“ hat mit dem Märtyrertum, das wir derzeit in vielen Unternehmen erleben, nichts zu schaffen. Dieses Märtyrertum lässt eine kaputte Gesundheit zurück und zerstört zwischenmenschliche Beziehungen. Es verarmt emotional und manchmal sogar geistig. Liebe ist – mit dieser Überspitzung sollte man vorher aufräumen, bevor man mit dem Begriff der Liebe auf Unternehmen losgeht 😉 – eben nicht Selbstaufgabe, ist nicht heroisch. Sie ist einfach die bestmögliche, erfüllendste Form des Zusammenkommens und Sich-aufeinander-Beziehens, in dem beide Seite so wie sie sind gefeiert werden: Das Liebende und das Geliebte. Wenn das Geliebte das Liebende auffrisst, dann kann es sich um alles möglich handeln, aber sicher nicht um Liebe.

Und es gibt eben auch sehr asymmetrische Formen der Liebe. „Unternehmen“ ist eine davon (die Liebe zur Erfüllung bestimmter Kundenbedürfnisse). Eltern-Sein eine andere.

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Gefühle im Business

Hm, wie schreibe ich jetzt darüber, damit möglichst viele Menschen was damit anfangen können? – Am besten noch die Menschen, die gerade voll im Berufsleben stehen und „Business“ täglich erleben, erleiden und selbst formen und machen?

Ich glaube, das kriege ich grade eh nicht hin, es hier allen Recht zu machen, hier möglichst viele da abzuholen, wo sie stehen, dazu hat diese Buslinie zu viele Stationen, und die sind kaum auf eine Linie zu bringen. – Ich behelfe mir also aus Verlegenheit damit, mal über das das zu schreiben, was mir hilft.

Gefühle, hm. Ja, also…

Im Business…

…da kommt erst mal lange nichts bei mir. – Warum verdammt noch mal will ich also überhaupt darüber schreiben!? Ach so, ach ja, es gibt da schon einen konkreten Impuls, vielleicht schreib ich erst mal über den. Und der ist – wie so oft – erst mal negativ. D.h. ich weiß genau, was falsch ist, was ich nicht will…

Damit wären wir auch schon beim ersten Gefühl: Wut. Denn als „Wut“ beschreiben manche genau das Gefühl, das aus dem Satz „Das ist falsch“ entsteht. (BTW: Das verlinkte Buch ist wirklich toll, eine Perle, Prachtstück, nur beim „fünften Gefühl“ hat die geschätzte Autorin aus meiner Sicht einen veritablen Bock geschossen: Denn „Scham“ ist nach meinem Dafürhalten kein Gefühl eigener Art, sondern eine Variante von Angst (die Angst ausgegrenzt und abgelehnt zu werden), verbunden mit negativen Glaubenssätzen. Wenn es ein „fünftes Gefühl“ gibt, dann ist das „die Liebe“, die – wie die Autorin ganz richtig (d.h. mir gefallend ;)) schreibt, „eine Entscheidung ist“, aber all „das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…“).

Zumindest sind wir damit schon mal mittendrin: 4 Gefühle: Wut, Freude, Trauer, Angst. – Sie resultieren, möchte man der werten Frau Virani folgen, aus den Sätzen: „Das ist falsch“ (Wut), „Das ist schön/richtig“ (Freude), „Das ist schade“ (Trauer) und „Das ist furchtbar“ (Angst). – Diese Sätze sind Interpretationen, die wir konkreten Situationen aufpropfen und die DANN die entsprechenden Gefühle auslösen. – Frau Virani exerziert das durch am Beispiel eines Kindes, das wir alleine in einem Raum spielen sehen (Beobachtung), eine wahrgenommene Situation, in der wir relativ leicht alle 4 Grundgefühle haben können. – Sehr nachvollziehbar und sehr beeindrucken für mich in seiner Klarheit.

Zu welcher Interpretation wir häufiger neigen – so möchte ich sagen – das hat viel mit uns zu tun. D.h. mit zweierlei: Wie geht’s uns gerade? Wie gut sind unsere Bedürfnisse gerade erfüllt und wie verbinden sich diese mit der aktuellen Situation, mit der wir gerade konfrontiert sind? (hier spricht der „GfK-geschulte“ aus mir…;-)).

Und mit dem, wie wir geprägt sind. – Die vier Grundgefühle lassen sich nämlich sehr, sehr gut mit der klassischen Temperamentenlehre (cholerisch, sanguinisch, melancholisch, phlegmatisch) überblenden. Und genau so gut mit ihrer „modernen Variante“, dem DISC-Profil, das viele kennen, weil es gerade im Business hohe Verbreitung und viel Anklag gefunden hat (manche hassen es auch, aber auch das ist wieder eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll…).

Gerade das DISC-Modell, bzw. das, was als Schema dahinter steht, ist recht aufschlussreich, wenn man über „Gefühle im Business“ sprechen will. – Es lässt sich nämlich aufschlüsseln in „4 Quadranten, die sich durch die Kombination von zwei Unterscheidungen ergeben: Einmal der Unterscheidung: „Ich kann meine (soziale) Umwelt beeinflussen/gestalten“  vs. „Ich kann meine (soziale) Umwelt nicht gestalten“. – Das ist die eine Achse.

Und die andere Unterscheidung ist: „Meine Umwelt ist überwiegen okay, so wie sie ist“ vs. „Meine Umwelt ist überwiegen nicht okay, so wie ist“ bzw. „günstig für mich und meine Vorhaben“ vs. „ungünstig für mich und meine Vorhaben“. Wobei sich „günstig“ auch mit „meine Bedürfnisse werden befriedigt“ übersetzen lässt und „ungünstig“ mit „meine Bedürfnisse werden nicht befriedigt“.

Wut = cholerisch = „Das ist falsch“ deckt sich dann weitgehend mit der Neigungskombi „Ungünstige Umwelt + Ich kann gestalten“

Freude = sanguinisch = „Das ist richtig/schön“ deckt sich dann weitgehend mit der Neigungskombi „Günstige Umwelt + Ich kann gestalten“

Trauer = phlegmatisch (!) = „Das ist traurig“ deckt sich dann weitgehend mit der Neigungskombi „Günstige Umwelt + Ich kann nicht ändern/gestalten“

Angst = melancholisch (!) = „Das ist furchtbar“ deckt sich dann weitgehend mit der Neigungskombi „Ungünstige Umwelt + ich kann nicht ändern/gestalten“.

Je nachdem, was wir als kleine Menschenwesen relativ am Meisten erlebt haben, je nachdem, wie die  Umwelt in unserer frühen Zeit auf diesem Planeten überwiegend gestaltet war, neigen wir – ich möchte sagen: reflexartig – dazu, Situationen, die auf uns zu kommen, eher mal den einen gefühlsauslösenden Satz aufzupappen und nicht den anderen. – Und zwar auch relativ unabhängig davon, wie es uns grade geht und wie es um unsere Bedürfnisse so steht. – Man könnte sagen: Aus (schlechter) Gewohnheit.

Die Folge: Wir fühlen – und handeln dann auch – „situations-unangemessen“. Im Business genauso wie anderswo.

Solche Programmierungen sind nicht einfach eben mal so zu ändern (ich weiß, wovon ich rede, ich schlage mich seit mehr als 20 Jahren aktiv mit „Selbstveränderungsversuchen“ rum). Sie bilden das Betriebssystem, die neuronale und auch in unserem Körper verankerte „Basis-Software“, auf der wir laufen und mit der wir das zu verarbeiten versuchen, was alles an Umwelt, Situationen und Herausforderungen auf uns zu kommt, in unserem heutigen Alltag.

Spannend wird das Ganze, wenn nun Menschen auf Menschen treffen und sich wechselseitig Umwelt sind. Jeder bringt seine Neigungskombi mit und interpretiert das Verhalten des Anderen eben so wie er geneigt ist – und vice versa.

Noch spannender wird das, wenn sich Menschen nicht leicht aus dem Weg gehen können, weil die Kosten des Sich-aus-dem-Weg-gehens von ihnen als höher eingeschätzt werden als die Kosten des Dableibens und Sich-miteinander-auseinander-Setzen-Müssens.

Das ist in langjährigen, privaten Beziehungen oft so. Erst recht, wenn gemeinsamer Besitz vorhanden ist oder gemeinsame Kinder.

Und das ist im Business, in Unternehmen und in Kundenbeziehungen oft so.

Gefühle haben dabei eine recht positive Funktion (folgt man Frau Virani): Sie reinigen das System des „Gefühlshabers“ und energetisieren ihn.

Frau Virani führt hier eine sehr schöne Unterscheidung ein, die ich sehr hilfreich finde: Sie unterscheidet Gefühle von Emotionen. „Emotionen“ sind verfestigte, ungelebte Gefühle, die durchaus mal in konkreten Situationen entstanden sind, die aber irgendwie von uns selbst blockiert wurden und uns nun im Körper festsitzen und von dort aus unser Verhalten beeinflussen, wenn nicht sogar bestimmen. „Gefühle“ sind und bleiben rein situativ, v.a. wenn sie durchlebt werden und führen zu Neuem. Vor allem hat man mehr Energie zur Verfügung, wenn der Gefühlsfluss nicht gestaut oder blockiert wird.

Nun gibt es Business etwas, das ich „falsch verstandene Professionalität“ nennen möchte: Es ist ein Imperativ oder auch ein Glaubenssatz, den wir uns selbst auferlegen, nachdem wir im beruflichen Kontext unsere Gefühle systematisch blockieren müssen, weil sonst etwas ganz Schlimmes passiert. Z.B. eine Kundenbeziehung bricht ab, wir werden abgemahnt, wir bekommen nicht die Ressourcen, die wir brauchen, um unsere Arbeit gut machen zu können, wir werden vielleicht sogar gekündigt, vielleicht gemobbt, vielleicht lässt man uns auch nur spüren, dass unser Verhalten missbilligt oder abgelehnt wird (das kann mitunter das Schlimmste für uns sein, weit Schlimmer als die dramatischeren, äußerlichen Folgen, die wir uns ausmalen).

Man kann diese falsche Professionalität auf die Formel bringen: „Gefühle haben im Business nichts zu suchen“.

Nun gibt es zwei Konzepte, die nahelegen, dass es sein könnte, dass es keine sonderlich gute Idee ist, diese Formel zu praktizieren:

Einmal die von Frau Virani (zu deren wunderschönen Website es übrigens hier geht, ich habe mal ihre die Bücherseite verlinkt, aber auch das Stöbern auf der weiteren Seite lohnt sich), die uns nahelegt, dass wir auf diese Weise zu A) deutlich weniger Energie kommen, als wir haben könnten, und zu B) systematisch situations-unangepasstem Verhalten, weil dann „Emotionenen“ überhand nehmen und an unser Verhaltensruder kommen und uns dazu bringen, Situationen im Business anders zu interpretieren, als wir das würden, wenn wir keinen Gefühlsstau hätten.

Zum Anderen die Konzepte der „Gewaltfreien“ oder vielleicht besser: „Wertschätzenden Kommunikation“, die uns nahelegen, dass Gefühle reine Informationen sind, und zwar über konkrete Bedürfnisse die wir haben. Also einfach interne Botschaften ans Bewusstsein von der Form: „Schau doch mal da hin, da muss was gemacht werden, weil da ist grad was nicht so sonderlich gut“ (bei unangenehmen Gefühlen). Bzw.: „Schau doch mal da hin, da läuft was sehr rund, das solltest Du vielleicht beibehalten, das tut Dir gut“. – Folgt man diesen Konzepten sind die Folgen der falschen Professionalität, dass man im Blindflug unterwegs ist, was seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche angeht. – Man macht dann irgendwas. Und wundert sich dann, warum man so unzufrieden ist und bleibt. Weil die Gefühlsverbindung vorsätzlich unterbrochen wurde, hat man keinen Kontakt zu dem, was man eigentlich gerade braucht. In der Folge verschwendet man viel Energie mit Aktionen, die viel bewirken, nur halt eben keine Befriedigung: Die gewählten Aktionen sind „uninformiert“ und gehen daher schlicht und einfach an den eigenen vorhandenen Bedürfnissen vorbei. – Ungefähr so als wär mein Hotline-Agent, der einen Kunden dran hat und ihm irgendwas erzält, berät oder verkauft, ohne sich und vor allem den anderen zu fragen, was der überhaupt gerade will und braucht. – „Schlechten Service“ nenne wir das dann. – Falsche Professionalität führt zu schlechtem Service uns selbst gegenüber, führt systematisch in dauerhafte Unzufriedenheit. – Und ob dauerhaft unzufriedene Menschen gut im Job sind? Keine Ahnung. Meine Intuition sagt mir: Eher nicht.

Nun, was können wir tun, wenn wir „Mehr Gefühle im Business“ zulassen wollen?

Drei einfache, vielleicht allzu einfache Ideen:

  • Wir können mal das Konzept „falsche Professionalität“ auf den Tisch bringen und hinterfragen (hiermit geschehen; wer NOCH mehr zu meiner Kritik an diesem Konzept lesen möchte, kann das z.B. hier tun)
  • Wir können uns mehr Zeit nehmen zu fühlen, mehr nach innen gehen. Dazu müssen wir uns immer mal wieder, am Besten regelmäßig „vom Außen zurückziehen“. Auf gut Deutsch: Wir können Pausen machen, in denen wir „nichts tun“ und in denen wir die Gefühle spüren können, die wir gerade haben, anstatt sie durch Business und Aktionismus aus unserem Bewusstsein zu verdrängen.
  • Wir können Menschen und Firmen meiden, die von uns jene falsche Professionalität erwarten, zu der wir sowieso selbst schon neigen. – Man kann es sich auch durch die Umwelt, die man wählt, schwerer oder leichter machen, wenn man „eigene alte Muster und Verhaltensweisen ändern will“.

Vielleicht langt das schon. Sicher bin ich mir nicht. Es kommt mir auch ein wenig so vor als ob „der Erfolg“ hier mehr bei konsequenten Umsetzen und Dranbleiben einstellt als bei noch schlauerem und ausgefeilterem Dranherumdenken. Wie auch immer. Das kann ja jeder für sich selbst ausprobieren und dann sieht bzw. fühlt man schon, was sich dann so einstellt oder eben nicht einstellt…

…Achja. Den konkreten Anlass bin ich oben noch schuldig geblieben, aus dem heraus ich den Impuls hatte, hier und jetzt über „Gefühle im Business“ zu schreiben:

Ich bin Teil eines Netzwerks mit dem schönen, irreführenden Namen „intrinsify!me“ (steht für „intrinsic motivation satisfies me!“), das aus irgendwas zwischen 200 und 300 Menschen in ganz Deutschland besteht, die sich regelmäßig treffen und sich auch viel virtuell austauschen und auch vieles gemeinsam machen. Verbinden tut uns unser Eindruck, dass in Unternehmen sehr viel anderes und besseres möglich ist als wir dort bisher geschafft haben zu realisieren. Und ein paar, mittlerweile nicht mehr gar so wenige, Unternehmen haben sich bereits auch schon gefunden, die das – jedes auf seine ganz eigene Art – leben und umsetzen. Meist im in meinen Augen ziemlich mutigen „Experimentiermodus unter Wettbewerbsbedingungen“. Für diese Unternehmen hat man dort ein Kunstwort geschaffen und nennt sie „Intrinsifier“ (die alten, herkömmlichen Unternehmen mit ihren Anreizen, Policies, Druck, Drohungen und Karriereversprechen werden dort entsprechend „Extrinsifier“ genannt – „stick and carrot“ eben, oder zu Deutsch: „Zuckerbrot und Peitsche“ sollen in diesen Unternehmen „Motivation“ herstellen können, so die Vorstellung, die sich dort trotz minütlicher Falsifikation durch den Arbeitsalltag hartnäckig hält).

Es ist wirklich ein tolles Netzwerk mit wunderbaren Menschen, die ich dort kennen lernen durfte und immer wieder neu kennen lernen darf. Und ich bin wirklich stolz, dass ich ein Teil davon sein darf.

Was mir aber dort manchmal auffällt, ist: Auch wir denken und tun dort viel, aber „fühlen“? – Irgendwie habe ich den Eindruck, dass wir auch dort noch nicht so weit sind, dass wir auch dort noch den Glaubenssätzen der „falschen Professionalität“ aufsitzen. Dass wir uns zu wenig Zeit nehmen, zu viel und vor allem zu schnell sprechen und überhaupt dem „Denken“ eine viel zu große Wirkung und Rolle zusprechen, vor allem dem „richtigen Denken“.

Ich bin – das muss ich vielleicht sagen, um nicht vorsätzlich Missverständnisse zu erzeugen – dem Denken nicht unbedingt abgeneigt, ich muss vielleicht sogar sagen, dass ich gerade „darin ausgebildet wurde“ (ich habe mit viel Freude und Erfolg ein Philosophie-Studium absolviert), und habe in meiner Ausbildung lernen dürfen, dass „Denken eine eigene Tätigkeit eigener Art ist, die man völlig vom Handeln entkoppeln kann und manchmal vielleicht auch sollte“ ( = „Theorie“).

Aber nicht eben erst seit gestern, sondern vielleicht schon seit 10 Jahren ist meine eigene, am eigenen Leib und Leben gemachte Erfahrung: Eine „Wirksamkeit von Denken/Theorie“ kann ich nicht beobachten. Mein Eindruck ist: Denken ändert wenig bis nichts. Zumindest uninformiertes Denken, Denken ohne Gefühle, Denken ohne Bedürfnisanbindung, Denken, das nicht sagt, woher es kommt, wodurch es genau motiviert ist, durch welche konkrete Situationen. Und das auch nicht sagen kann, worauf es genau hinausläuft, was es eigentlich will, das uns alle orientierungslos lässt, wenn es für uns darum geht, Entscheidungen zu treffen und wenn wir handeln wollen.

Also genau jenes Denken, was gerade „die Wissenschaft“ verlangt: Entkoppelt von dem der denkt, „reines Denken“ eben, interesselos und „objektiv“. – Nunja. Vielleicht ist auch das eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…

P.S. Wer eine hartgesottene Wissenschaftlerin hören will, die sich auf ihre Art von genau dieser Selbst-Abtrennung von eigenen Wünschen und Gefühlen gelöst hat, der mag vielleicht einmal hier herein hören (alle 3 youtube-Teile zusammen dauern knapp über 20 Minuten).