„Das hat nichts mit mir zu tun“

In private Partnerschaften nehmen wir gewöhnlich die Verletzungen aus unseren vergangenen Beziehungen mit. – Das heißt: Früher oder später treten Situationen auf, in denen wir unserer neuen Partnerin und/oder unsere neue Partnerin uns Verhaltensweisen überstülpt und unterstellt, die wir gar nicht an den Tag legen.

Die natürlichste Reaktion der Welt auf solche Vorgänge sind Sätze wie „Das hat jetzt aber nichts mit mir zu tun“. – Verbunden mit Nachfragen, worum es dem anderen eigentlich gerade geht / worum es einem selber gerade überhaupt geht…

Spannend finde ich, dass wir in Unternehmens-Beziehungen uns nicht gleichermaßen bewusst zu sein scheinen, dass wir auch dort Verletzungen aus vergangenen Beziehungen mitnehmen und ähnliche „Überstülp-Spielchen“ betreiben.

Das gilt für BEIDE Seiten.

Sowohl Unternehmen erleben mit ihren Mitunternehmern schmerzhafte Dinge. Und – mehr bewusst -: Selbstverständlich haben viele Menschen mit ihren „verflossenen“ Unternehmen Schmerzhaftes erlebt, das sie noch mit sich rumtragen und neben den ganzen „Erfahrungen, Qualifikationen, Talenten und Engagement“ eben AUCH in die neue Beziehung „miteinbringen“…

Spannend ist auch, wie nun BEIDE Seiten mit diesem Umstand umzugehen pflegen:

Dem 56-jährigen Entwicklungsingenieur kann es locker passieren, dass ihm Demotiviertheit und Ausgebranntheit übergestülpt wird, weil das Unternehmen in jüngster oder auch schon fernerer Vergangenheit einen vielleicht sogar deutlich jüngeren Nicht-mehr-Kollegen erlebt hat, auf den genau das zutraf. – Wenn sich unser aktueller Freund aber keineswegs so fühlt, läge Nahe, dass er das erkennt, was da läuft und dem offen und entschieden entgegentritt: „Ich weiß nicht genau, was da grade bei Euch läuft. Aber eins ist sicher für mich: Es hat nichts mit mir zu tun…“

Gleiches gilt für vermeintlich unsichere, naive oder allzu wechselwillige Berufsanfänger, für unglaublich Ausfall-gefährdete Frauen zwischen 25 und 45, für selbstverständlich höchste unqualifizierte, weil Zeugnis- und/oder Abschlusslose Vollpraktiker, für Menschen, die unzuverlässig und wenig vertrauenswürdig sein müssen, weil sie allzu oft den Job gewechselt haben, sowie für Menschen, die unflexibel, träge und unmotiviert sein müssen, weil sie allzu lange nicht den Job gewechselt haben… etc.

Am allerspannendsten finde ich aber die Reaktion auf Unternehmen, wenn sie selbst „Opfer“ solcher „Übertragungen aus der Vergangenheit“ werden…

…denn dann kann man erleben, dass Unternehmen, die sich ansonsten hartnäckig wenig bis gar nicht um die Bedürfnisse ihrer Mitunternehmer scheren („das ist ja wohl Ihr Problem, lösen Sie das“) plötzlich aufwendigste Eiertänze veranstalten, um „angemessen darauf zu reagieren“, was ihnen einfach aufgrund vergangener Verletzungen eines Mitunternehmers aus „alten Arbeitsbeziehungen“ entgegenweht…

…auch hier gibt es zahllose Varianten: Von pauschalem Ungerechtigkeitsempfinden, dauerhaften Zurückhaltungen und Verantwortungsverschiebungen, aus Angst wieder verletzt zu werden, Nicht-Bereitschaft Probleme anzusprechen, über die nicht eingeforderte Gehaltserhöhung, weil man die ja eh nicht bekommt bis hin zu allen Varianten „gefühlten Mobbings“.

Ich persönlich durfte Unternehmen erleben, die all das SEHR Ernst nahmen, während sie sich im Alltagsgeschehen um sehr präsente und drängende Bedürfnisse aller Mitunternehmer einen feuchten Kehrricht scherten…

„Das hat nichts mit mir zu tun“ kam im Fall von DRAMA so gut wie nicht vor. Drama wurde so gut wie immer Ernst genommen und hier wurde ein Riesenaufwand betrieben – offiziell: um das Drama wieder einzufangen. In Wirklichkeit aber: Das Drama auf Hochtouren weiter laufen zu lassen…

Wann immer solche Konstellationen in Unternehmen eintreten, können wir sicher gehen:

Wir sind hier in einem Unternehmen, in dem KEIN erwachsener Umgang herrscht, in dem KEINE Augenhöhe üblich ist.

Sondern hier tarnen sich die aus der Transaktionsanalyse altbekannten Positionen des „Kritischen Eltern-Ich“ und „Fürsorglichen Eltern-Ich“ als „Professionalität“ oder eben als erwachsener Umgang.

Anders wäre nämlich kaum erklärbar, wie es sein kann, dass in einigen Unternehmen aus anderen Beziehungen gespeiste Unterstellungen und Überstülpungen NICHT mit einem sachlichen „Das hier gerade hat nichts mit mir zu tun“ begegnet wird, während gegenwärtige Bedürfnisse gewohnheitsmäßig ignoriert und bagatellisiert werden…

Kurz gesagt: Nicht alles, was in Unternehmen „erwachsen wirkt“, ist es auch. Einiges davon ist hochgradig „kindisch“, tarnt sich aber als „Professionalität“, weil man „dagegen ja wohl kaum etwas sagen kann“…

Der Unterschied ist um so leichter erkennbar, um so mehr man bei sich selbst Erwachsenen-Ich und natürliches Kind und ihre innere Partnerschaft pflegt.

Vernachlässigt man das allerdings bei sich selbst, findet man sich leicht in „Transaktionen“ wieder, in denen man eigentlich auch irgendwann den erwachsenen Schluss für sich ziehen müsste: „Das hier gerade hat nichts mit mir zu tun“.


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