Unser natürlicher Einfluss in unseren Unternehmen

Wenn wir derart viel Einfluss auf unsere Mitmenschen haben, wie in den letzten Artikeln auf ilwyc angenommen – ermutigt durch das in therapeutischen Situationen Erlebbare -, was heißt DAS nun für uns als MITUNTERNEHMER unserer aktuellen Unternehmen?

Ich war und bin glücklicherweise von Menschen umgeben, die es mir persönlich vormachen, was das heißen kann: Menschen, die sich IN ihren Unternehmen immer wieder rausziehen. Und von dort aus einen eigenen Standpunkt, eine eigene Haltung gewinnen, von denen aus sie einen eigenen Einfluss haben…

Hört sich trivial an? – Ist es aber nicht!

Der Normalfall ist, dass das Unternehmen wie seine Mitunternehmer im Fluss der Aktivitäten untergehen, vor allem im Versuch, Erwartungen zu erfüllen.

Das Unternehmen wie seine Mitunternehmer sind gewissermaßen „würdelos“ unterwegs: Ohne eigenes Gewicht, verschwundene Wassertröpchen im „Strom der täglichen Ereignisse“.

Das genannte „Innehalten“, Sich-zurückgewinnen und von DORT aus handeln ist also ein ganz ENTSCHEIDENDER Unterschied zwischen Unternehmen und Mitunternehmern, die sich ihre Substanz wahren und aus ihr heraus handeln, und solchen Unternehmen, die keine Substanz zu haben scheinen und in denen die Mitarbeiter „von ihrer Substanz leben“, das Unternehmen ausbeuten und sich vom Unternehmen ausbeuten lassen.

Ein Blogartikel, auf den ich gestern gestoßen bin, verdeutlicht das sehr schön:

Vor allem der Satz: „Die tragende Idee ist wichtiger als die Produkte“ gefällt mir dabei besonders gut, weil er deutlich macht, dass die Substanz sich nicht in den aktuellen Aktivitäten des Unternehmens erschöpft.

Ich selber muss dabei natürlich zugleich auch an das von mir bevorzugte Konzept von Marie Miyashiro denken, das den gleichen Sachverhalt in die beiden Unternehmensbedürfnisse „Identität“ und „Lebensbejahender Zweck“ fasst.

Und auch der bei Miyashiro formulierte Weg, eine organisches Kontinuum zwischen Unternehmens-Zweck und operativen Aktivitäten zu schaffen, wird in dem Blogartikel in eine schöne Formel gefasst:

Die Konsistenz des Warum (die tragende Idee), das Wie (Prozesse) und das Was (die Produkte) müssen konsistent miteinander sein. Widersprüche werden von Kunden und Mitarbeitern sofort wahrgenommen und führen zur Entfremdung und zum Verlust der Loyalität.

Bei Miyashiro ist das bereits etwas „operativer“ ausgedrückt, indem konkrete Bedürfnisse in eine Reihenfolge gefasst sind, in denen man sich ihnen zuwenden könnte, falls das in der jeweils momentanen Situation „auch von innen heraus“ stimmig erscheint.

Das Konzept der „Unternehmensbedürfnisse“ ist auf den Punkt gebracht, ein Angebot, wie ein Unternehmen es schaffen kann, seine Würde zu erhalten oder wieder zu erlangen. Eine Würde die vom Alltagsgeschehen im Business permanent „bedroht“ ist, wenn sie keine regelmäßige Aufmerksamkeit im Unternehmen bekommt und wenn sie für die Mitunternehmer keine emotionale Bedeutung hat.

„Emotionale Bedeutung“ bedeutet hier zweierlei:

a) Eine für jeden einzelnen Mitunternehmer subjektiv-nachvollziebare Bedeutung – Was für uns Bedeutung hat, entscheidet sich nicht „im Unternehmen“, es entscheidet sich in uns, in jedem Einzelnen von uns. Wir geben Bedetung oder eben nicht. Das ist eine freie, souveräne Entscheidung jedes Einzelnen.

b) Eine Bedeutung, die eine natürliche Auswirkung auf sein Handeln hat, ohne zusätzliche Zwänge, Ängste, Belohnungen, Bedrohungen.

Wenn die Würde des Unternehmens für den einzelnen Mitunternehmer „emotionale Bedeutung“ hat, dann heißt das auch, dass er das Gefühl hat: „das ist AUCH mein Unternehmen“ und „ich möchte dazu beitragen, dass es dem Unternehmen gut geht“. – Selbst ohne individuelle Anreize (Belohnungen) oder individuelle Ängste (Bedrohungen durch Ressourcenentzug).

Mindestens genauso wichtig wie dass das Unternehmen als Ganzes sich nicht verliert, ist aber auch: Dass sich jeder einzelne Mitunternehmer nicht „im Unternehmen verliert“, ganz unabhängig davon, ob das Unternehmen vorwiegend zahlenorientiert (selbstverloren) oder bedürfnisorientiert (selbstbestätigend) unterwegs ist.

Alle „souveränen“ Mitarbeiter und Mitunternehmer, die ich bisher erleben durfte, pflegen Praktiken, die ihnen helfen, „sich nicht im Unternehmen zu verlieren“.

Denn auch in einem bedürfnisorientierten Unternehmen ist die „Substanz des Unternehmens“ NICHT mit der „Substanz des Mitunternehmers“ identisch!

Einer der größten und für mich gewichtigsten Unterschiede zwischen Bedürfnisorientierten und Zahlenorientierten Unternehmen besteht gerade darin, dass Bedürfnisorientierte Unternehmen ihre Mitunternehmer darin systematisch unterstützen, sich immer wieder ihrer Substanz versichern zu können. Zahlenorientierte Unternehmen tun das nicht, wenn sie es tun, tun sie es nicht systematisch, sondern eher zufällig; in den meisten Fällen jedoch machen es zahlenorientierte Unternehmen ihren Mitarbeitern schwer, „ihre Substanz nicht zu verlieren“ bzw. versuchen sie sogar offensiv auszubeuten.

Die Folge ist, dass „Burn out“ in vielen zahlenorientierten Unternehmen keine Frage des „Ob“ oder „Wer“ ist, sondern nur eine Frage des „Früher oder Später“.

Geht man nun mal von der „Verantwortung der Unternehmen“ weg (die sowieso nur in einem Zustand der Entfremdung NICHT unsere Verantwortung ist – Im natürlichen Verhältnis sind WIR unsere Unternehmen, folglich ist die „Verantwortung der Unternehmen“ identisch mit unserer Verantwortung), und lässt uns zurück an unser „Lebenssteuerrad“, dann wird die ganze Geschichte deutlich konkreter und trivialer, aber gerade nicht „einfacher“ für uns:

Wir machen in unseren Unternehmen gewaltige Unterschiede. Aber eben nur, „wenn wir bei uns sind“. Wir selbst tragen dafür sorge, „ob wir immer wieder bei uns sind“ – Oder eben nicht. Den größten Einfluss in ihren Unternehmen haben Menschen, die sich immer wieder ihrer Substanz vergewissern. – Und zwar auf „ganz natürlichem Wege“: Über den „hardwired“ Anteil der zwischenmenschlichen Interaktionen. – Solche Menschen befinden sich „in ihrer eigenen Würde“. – Das wird von ALLEN anderen Menschen ganz unweigerlich wahrgenommen (genauso wie ihr Fehlen übrigens).

Bisher verweigern wir die meiste Zeit unseren Mitunternehmern und unseren Unternehmen die Ehre, in den Genuß von uns selbst in unserer Würde zu kommen.

Die Frage ist für mich: Gibt es einen Grund für mich, so etwas Sinnloses weiter fortsetzen?

 

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3 Gedanken zu “Unser natürlicher Einfluss in unseren Unternehmen

  1. Ok, vorneweg die These: Unsere Kunden sind Mit-Unternehmer!

    Was folgt daraus (eingeschränkt auf meine Leisten: einzeln angebotene Seminare)?
    – Unsere Kunden bezahlen nicht, sondern haben Teil am Unternehmensgewinn
    – Wir als SeminaranbieterInnen werden nicht bezahlt, sondern haben ebenfalls Teil am Unternehmensgewinn

    Die Frage ist: Wo kommen die notwendigen Ressourcen (einschließlich das Geld) her?

    Antwort: Das Ad-hoc-Unternehmen (das Folgende ist idealtypisch und muss operationalisiert werden!):

    0.) Die Ideengeber-/SeminaranbieterInnen
    – verbreiten die bedürfnisbezogene Idee für das Ad-hoc-Unternehmen, einschließlich dieser Liste hier (z.B. einen entsprechenden Flyer),
    – sorgen für das gegenseitige Sich-Kennenlernen ALLER, die Mit-UnternehmerInnen werden wollen, und
    – dienen als Clearingstelle.

    1.) ALLE (immer einschließlich der IdeengeberInnen) zahlen ein: was, wieviel, wie und wann wird nach dem Sich-Kennenlernen individuell per systemischem Konsensieren vereinbart (spätestens in der Eingangs-Runde).

    2.) ALLE bekommen was raus: was, wieviel, wie und wann wird nach dem Sich-Kennenlernen individuell per systemischem Konsensieren vereinbart (spätestens in der Schluss-Runde).

    3.) ALLE feiern zusammen den Abschluss der Unternehmung!

    Das muss erstmal reichen.

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  2. Spannend! – Danke für diesen Beitrag! – Erinnert mich an das, was Premium Cola macht. Und auch an die Diskussionen, die wir bei Intrinsify!me rund um die Bezahlung von Mark Poppenborg haben, der dafür sorgt, dass das ganze Ding am Leben bleibt.

    Ich denke: Wenn wir ein organisches Unternehmen haben, das bedürfnisorientiert operiert, dann haben ALLE ein Interesse daran, dass „es das Ding gibt“. WENN dafür eine zentrale Voraussetzung ist, dass jemand eine bestimmte oder verschiedene Summen Geld von den anderen Beteiligten erhält, dann wird das auch passieren.

    Z.B. ist bei Intrinsify!me die Summe völlig frei, die man zahlt, wenn man einem von den dortigen „Wevents“ teilnimmt. Jeder entscheidet das frei für sich selbst AM ENDE der gemeinsamen Veranstaltung. Konsentiert wird nicht. – Allerdings werden die Kosten für alle wahrnehmbar/sichtbar gemacht, die bei den Wevents entstehen. Und dabei sind Marks Lebenskosten eben auch ein Punkt. Das setzt voraus, dass alle akzeptieren, dass das Ding niemals so zustande kommen könnte, wie es faktisch derzeit zustande kommt, wenn Mark noch einen anderen Job machen müsste, um davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Wir hatten bei Intrinsify schon intensive Debatten darüber, was „wir“ als „Wevent-Teilnehmer“ nun „eigentlich“ sind: Kunden? Mitunternehmer? Dienstleister? Investoren? – Ich finde, wenn man Deine, die dortigen und meine Gedanken weiter treibt, KANN man AUCH dahin gelangen, dass sich diese Unterschiede teilweise verwischen, bzw.: dass sie NICHT MEHR die ZENTRALEN Unterschiede sind.

    Wichtiger werden Unterschiede auf der Ebene: Werden DEINE, werden MEINE Bedürfnisse durch das, was wir hier gemeinsam machen, eigentlich ERFÜLLT oder eher nicht NICHT-ERFÜLLT? – Was kannst DU, was kann ICH dafür tun, dass wir BEIDE hier glücklich raus gehen und auch Lust haben, uns weiter in der Form miteinander zu engagieren?

    Der Fokus auf BEIDSEITIG BEFRIEDIGENDEN KONTAKT verwischt anscheinend tatsächlich die Unterschiede zwischen Kunden, Mitunternehmern, Dienstleistern und Investoren, die ich sonst bisher noch oft mache (d.h. in vielen Artikeln hier auf ilwyc, in meinen Coachings und auch in meinen mündlichen Mitteilungen und Auftritten).

    Werde das weiter im Auge behalten!

    Vielen Dank nochmal für diesen für mich wertvollen Impuls und die möglicherweise größere Klarheit, zu der er mich führt! 🙂

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