Beziehungen als Fokus, als Medium, als „Theorie“, als Praxis des Unternehmens

Wenn wir „mit der Beziehungsbrille“ auf Unternehmen schauen, sehen wir so einiges, was wir sonst nicht sehen.

Und so einiges nicht, was wir mit anderen Brillen sehen können.

Was wir sehen können, wenn wir uns „im Beziehungsparadigma des Unternehmertums“ bewegen, ist u.a.:

Unternehmen überleben nur so lange sie „ein Beziehungsgefüge stiften“ – Ein für die an ihnen beteiligten Menschen funktionales Beziehungsgefüge.

Diese Sichtweise deckt sich mit einem durch und durch unternehmerischen, ressourcenorientierten Ansatz: Alle beteiligten Menschen zahlen ein. Alle beteiligten Menschen zahlen höchst unterschiedliches in ein Unternehmen ein. Und alle zahlen deswegen ein, weil sie hoffen, „mehr herauszubekommen“.

Was dieses „Mehr“ ist und wann „mehr für jemanden wirklich mehr“ ist, unterliegt VOLLKOMMEN dem Urteil jener „Investoren“. Investoren, die wir alle unweigerlich sind…

D.h. im Klartext: Jeder Mensch entscheidet für sich, wo und wann und wie lange er seine unzähligen Ressourcen investiert. Und er tut das in höchst unterschiedlichen Rollen: Als Investor, als Mitunternehmer und als Kunde zahlreicher Unternehmen. Wir alle sind an unzähligen Unternehmen „beteiligt“ – häufig ohne uns unserer Beteiligung bewusst zu sein und häufig auch, ohne an einem Bewusstsein über unsere Beteiligung interessiert zu sein…

…für uns stehen dann ganz einfach unsere Bedürfnisse im Vordergrung, mit Blick auf die wir handeln, wie wir eben handeln. – Und als NEBENEFFEKT dieses unseren bedürfnis-strategischen Handelns sind wir „Mitunternehmer“ ungezählter Unternehmen…

Unternehmen befriedigen menschliche Bedürfnisse. – Oder täuschen erfolgreich vor, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.

Doch es wäre allzu zu einfach, „Unternehmen solcher Täuschungen zu beschuldigen“. – Zweckmäßiger ist es zu sagen: Wir täuschen uns immer wieder selbst darüber, dass unsere Beteiligung an bestimmten Unternehmen (als Investoren, Mitunternehmern, Kunden) bestimmte unserer Bedürfnisse befriedigt.

Da aber alles menschliche Handeln sinnvoll ist oder versucht sinnvoll zu sein – und wir diesen „Sinn“ im Voraussetzen eines Bedürfnisbezugs unseres Handelns sehen können – ist folgende Formulierung naheliegender:

Unternehmen werden gegründet und bestehen solange, wie kein anderes Unternehmen auf den Plan tritt, dass die gleichen Bedürfnisse der an ihm beteiligten Menschen aus Sicht dieser Menschen deutlich besser befriedigt.

Und das heißt noch einmal: „Unternehmen“ sind bedürfnisabhängige Entitäten. Abstrakte, gedachte „Etwasse“, die vollkommen von menschlichen Bedürfnissen abhängen, die also vollkommen von uns abhängen…

Unternehmen stehen niemals „über uns“. Sondern sie bestehen „in uns“.

Unsere „alltägliche Redeweise im Business“ und „unser daily talk in unseren Unternehmen“ verdeckt dieses Verhältnis oft…

…dort sprechen wir nämlich oft so, als ob Unternehmen „Wesen“ seien, die auch vollkommen unabhängig von uns bestehen würden…

Nun kann man sich natürlich hinter dem derzeit geltenden Recht verstecken, um dem zu widersprechen.

Oder man kann zum gleichen Zweck „den theoretischen Kampf dagegen aufnehmen“ und sehr bewusst auf Emergenz-Phänomene abstellen, wenn man über Unternehmen spricht. Also darauf, dass „das Ganze etwas deutlich anderes sein kann als die Summe der Teile“, so dass man Unternehmen eben NICHT auf menschliches Handeln zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse zurückführen kann oder sollte…

…das hat aus meiner Sicht aber deutlich mehr Nachteile als Vorteile.

Und ich gebe den Nachteilen einen hübschen Namen, den IHR, Freunde der Nacht und der Theorie, vermutlich verstehen werdet: „Fehlende Anschlussfähigkeit„.

Ein Reden über’s Unternehmen ohne von Bedürfnissen und Beziehungen zu reden, macht Unterschiede, die keine Unterschiede für denjenigen machen, der sich selbst im Unterschiedenen wiederfinden können soll. – Es fehlt der „re-entry“, der dem ganzen schönen Spiel der Theoretiker überhaupt erst Sinn verleiht.

Denn wir KÖNNTEN aus den bisherigen Erfahrungen „von Theorien und ihren Wirkungen in der Welt“ gelernt haben, „dass Theorien keine Daseinsberechtigung haben, die für das Handeln derjenigen Menschen keinen Unterschied machen, deren Handlungen mithilfe jener Theorien beobachtet werden…“ (Menschliche, allzumenschliche Selbstreferentialität als unabweisbarer Nagelprobe der Güte einer Theorie, die zu wissen beansprucht, was eine Theorie ist…)

(…hier gibt es eine lustige kleine Parallele zwischen „Theorien“ und „Unternehmen“: Dass sich schlechte Theorien, ebensowenig  wie schlechte Unternehmen dauerhaft halten können, da sie keinerlei menschlichen Bedürfnisse auch nur halbwegs befriedigend befriedigen… 😉 )

…wie ich als Hardcore-Theoretiker leider feststellen muss, haben aber bis auf den heutigen Tag nur wenige Theoretiker diese pragmatistische Lektion gelernt oder für die Grundbegriffe und den Aufbau ihrer Theorien theorie-praktische Konsequenzen aus dieser Lektion gezogen…

…was einen auf die Frage bringen könnte, welchen ihrer Bedürfnisse sie mit ihren Theorien eigentlich zu dienen versuchen…

…aber lassen wir das. Denn dieses „Problem“ erledigt sich glücklicherweise auf „natürlichem Weg“.

Denn viel interessanter als die marginalen Bedürfnisse einer ganz besonderen und seltenen Spezies Mensch, die man „Theoretiker“ nennen kann, scheinen mir…

1.) …die Sichtweise, dass die Bedürfnisse aller an unseren Unternehmen beteiligten Menschen gleichwertig und gleichrangig gesehen werden können.

2.) …die Sichtweise, dass Unternehmen im Kern aus Menschen bestehen und dass sich diese Sichtweise theoretisch widerspruchsfrei und praktisch unternehmens-havarie-frei, d.h. betriebswirtschaftlich durchhalten lässt.

3.) …die Tatsache, dass es Unternehmen gibt, die diese Sichtweise bereits selbst „praktisch pflegen“ und sich damit bereits erstaunlich viele Jahre auf ihren Märkten halten können.  Besonders beeindruckt mich hier „Premium Cola“ mit der Aussage, dass jeder Mensch ein Teil des eigenen Unternehmens sei, der auch nur irgendwie entfernt mit ihm zu hat. – Und dass der Anspruch besteht, ALL diese Menschen auch so zu begegnen, dass sie ein sehr weitgehendes Mitsprache-Recht an der Gestaltung dieses Unternehmens haben…

Hier scheint mir die Bedürfnisorientierung und der Beziehungsfokus dahin gelangt zu sein, wo sie aus meiner Sicht hingehören: Ins Herz des Unternehmertums, ins Herz des Unternehmens, und allem voran: in die Herzen der Unternehmer…

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