Unternehmen mit Beziehungsfokus – Einladung zu einer reichlich existentiellen Sichtweise…

Unsere Erfahrungen mit guten und schlechten Beziehungen sind das Einzige, was unsere Welt je verändert hat, was sie gerade eben jetzt verändert und was sie je verändern wird.

Viele religiöse Traditionen neigen dazu, „unsere Erfahrungen auf dieser Erde“ als Lernprozesse aufzufassen, zu verstehen und zu interpretieren. Das hat zugleich zwei schöne Vorteile:

1.) Es integriert hochgradig unangenehme und hochgradig angenehme Erfahrungen in einen gemeinsamen Kontext. So dass die Welt nicht „manichäisch in gut und böse zerfällt„.

2.) Es verbindet diese Integration sehr unterschiedlicher Erfahrungen mit einer Perspektive, „die uns viel Verantwortung überträgt / zurückgibt / schenkt“. – Es „erdet“ diese kosmologische Sicht und koppelt sie rück an etwas, das für uns als Menschen unmittelbar und unweigerlich bedeutsam ist: an Beziehungen eben.

Damit agiert diese Weltsicht unter der Hand mit dem „homo mensura-Satz„: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. – Damit können die meisten etwas anfangen. Dinge, die keine Beziehungsdimension haben, interessieren die meisten von uns nämlich nicht die Bohne

Ich möchte gestehen, dass jene „religiösen Perspektiven“ aufgrund ihrer genannten unbestreitbaren Vorteile 😉 einiges an Sympathie für mich haben…

…man mag es selber „mit der Religion“ halten wie man will. – In jedem Fall hat ein Beziehungsfokus das Potential, jegliche Schwierigkeiten als „wertvolle Lernerfahrung“ aufzufassen und dabei zugleich positive Ziele und Erfahrungen nicht aus den Augen zu verlieren:

Wir wachsen in guten wie schlechten Beziehungen. Wir reiben uns unsere eigenen Kanten an ihnen ab. Wir werden in ihnen auf blinde Flecken ebenso hingewiesen wie auf wunderbare Fähigkeiten, die wir haben und die wir ohne „Beziehungsrückmeldungen“ niemals wirklich mitkriegen würden…

Grob unterteilt können wir unsere Beziehungen zwei Kategorien zuordnen: private und berufliche.

Als akademisch völlig verbildeter Mensch neige ich dazu, diesen beiden Kategorien ein sehr altertümliches Label dranzuklatschen: Den Unterschied von Praxis und Poiesis.

– Poietische Handlungen sind die „um des Werks/Ergebnis/Effektes willen“: Ich handele, weil ich etwas erreichen will, „was außerhalb der Handlung selbst steht.“ Zweckhandeln also.

– Praktische Handlungen sind die „um ihrer selbst Willen“, die mich schon befriedigen während des Tuns selbst, die keines Zwecks außerhalb ihrer selbst bedürfen, damit ich sie tun möchte. Also kurz gesagt: Alles was in sich selbst als lustvoll und/oder sinnvoll von uns erlebt wird.

Analog könnte man von „praktischen Beziehungen“ und „poietischen Beziehungen“ sprechen.

„Praktisch“ (im altgriechisch-philosophischen Sinn) sind unsere privaten Beziehung, weil wir sie um ihrer selbst Willen eingehen. Nichts soll „durch diese Beziehungen geschaffen werden“. Wir wollen einfach „in Beziehung sein“. Das gilt für familiäre Bindungen genauso wie für Freundschaften und Stammtisch-Besuche… 😉

„Poietisch“ (im gleichen aristotelischen Duktus) sind unsere beruflichen Beziehungen. Ganz einfach, weil wir uns im Grunde DESHALB mit anderen zu „Unternehmen“ zusammen tun, weil wir „in dieser Beziehung“ etwas schaffen können, was ein „Werk“ ist: Es entsteht ein Drittes durch diese Beziehung, eine Produkt, eine Dienstleistung, die wiederum Vierten (den Kunden) dient.

Bei dieser Unterscheidung von praktischen und poietischen Beziehungen lasse ich für den Moment einmal das ganze Kinder-Thema raus… 😉

In beiden Beziehungsformen „bilden wir uns“. D.h. wir machen für uns wichtige Erfahrungen, die es uns ermöglichen, „über uns heraus zu wachsen“.

Kurz gesagt: Wir erfüllen unseren Daseinszweck, indem wir etwas unternehmen (gleichermaßen im Business- und im allgemeinsprachlichen Sinn) und dabei GANZ UNVERMEIDLICH „in Beziehungen gehen“.

Dieser vermeintliche „kategorische Imperativ des Unternehmertums“: Unternimmt was! kann nur dann als ein moralisches SOLLEN missverstanden werden, wenn man – anders als ich  – glaubt, man könne es als Mensch vermeiden, etwas zu unternehmen.

Ich gehe davon aus, dass JEDER Mensch faktisch ein Unternehmer ist. D.h. er ist es ganz unvermeidlich und völlig unabhängig davon, ob er ich selber dessen bewusst ist, oder nicht. Jeder von uns ist ein Unternehmer auch völlig unabhängig davon, ob er „formalrechtlich“ selbständig ist, oder „gerade in Ausbildung, festangestellt, arbeitslos, krankgeschrieben, im Urlaub oder in Rente….“ (nur „tot“ möchte ich hier ausschließen…)

…in ALLEN diesen „Situationen“ hat es ganz offensichtlichgewisse Vorteile, wenn man „seine Investitionen“ sehenden Auges tätigt und Verantwortung für sein Leben, für seine Investitionsentscheidungen und für seine Handlungsweisen übernimmt….

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