„Bedenke, dass Du ein König bist!“

Über die traditionelle Variante: „Bedenke, dass Du ein Mensch bist!“ habe ich mich hier ja vor Kurzem schon augelassen…

Als ich vor 6 Jahren mit dem hauptberuflichen Coachen angefangen habe, habe ich mich nach einigem hin und her auf den Slogan „Coaching für Könige“ festgelegt.

Der Hintergrund damals war ein Zitat, das allem Anschein nach von Nelson Mandela stammt:

Unsere tiefste Angst ist es nicht,
dass wir der Sache nicht gewachsen sein könnten.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir unmenschlich mächtig sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns:
Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, hinreißend,
begnadet und phantastisch sein darf?
Aber wer bist Du denn, dass Du es nicht sein darfst?

Du bist ein Kind Gottes.
Wenn Du Dich klein machst, dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn Du Dich begrenzt,
damit andere um Dich herum sich nicht verunsichert fühlen.
Du wurdest geboren, um die Ehre Gottes zu verwirklichen, die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser Licht erstrahlen lassen,
geben wir unbewusst auch den anderen Menschen die Erlaubnis,
dasselbe zu tun.

Wenn wir uns von unserer Angst befreit haben,
wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.

(Hier zitiert nach dieser Quelle)

Das Bild von meinen Kunden, das sich für mich daraus ergab, war das „eines Königs unter Königen“.

Das sollte heißen: Wir haben oft die bewusste oder unbewusste Vorstellung, dass wir andere automatisch erniedrigen, wenn wir in unsere Kraft gehen, wenn wir uns erheben, wenn wir uns selbst mit der Menschenwürde behandeln, mit der wir auf die Welt gekommen sind und die wir eigentlich verdient haben, die wir aber nicht immer von anderen Menschen entgegen gebracht bekommen.

Wir fürchten, andere Menschen dann zu dominieren. Dass wir dadurch nicht zu „guten Königen“ werden, sondern zu Tyrannen, die früher oder später schmerzhaft gestürzt und erniedrigt werden – Und manchmal noch Schlimmeres.

Am meisten fürchen wir aber, dass wir „unser volles Potential entfalten“ und die dadurch frei werdenden Möglichkeiten „zum Bösen nutzen“.

Wir wollen diese Verantwortung nicht.

Wir haben Angst vor unseren Möglichkiten.

Wir haben Angst vor dem, was wir tun könnten und tun werden.

Dass wir uns oft über mangelnde Möglichkeiten in unserem Leben beklagen, ist kein Widerspruch dazu.

Wir vergessen einfach sehr effektiv in unserem Alltag, dass unsere allzu sehr begrenzten Möglichkeiten auf unsere eigene Entscheidung dafür zurück gehen, lieber begrenztere Möglichkeiten haben zu wollen.

Aus eben jener geschilderten Angst.

Und wenn wir dann all zu sehr an den all zu sehr durch uns selbst begrenzten Möglichkeiten leiden und anfangen, „unsere Komfortzone zu verlassen“…

…dann begegnen wir WIEDER (niemals: zum ersten Mal) dieser unserer ursprünglichen Angst.

Meines Erachtens handelt es sich tatsächlich um die tiefste Angst, die wir als Menschen empfinden könne.

Tiefer noch als die Angst vor Schmerzen, vor Demütigungen, vor Krankheit, vor Ohnmacht und vor dem Ende unserer eigenen Existenz.

Meine Hoffnung war, dass das Bild „Wandle wie ein König unter Königen“ diese Angst ein wenig auffangen und lindern könnte.

Das Bild sollte sagen: JEDER Mensch hat SEIN Königreich.

Sich selbst zu ermächtigen, heißt NICHT, andere Menschen aus IHRER Königswürde zu vertreiben.

Jeder Mensch, ob selbständig oder angestellt, ob groß oder klein, „regiert“ ein Reich. Er kann es besser oder schlechter verwalten, er kann sich liebevoll darum kümmern oder es verwahrlosen lassen.

Was oft vergessen wird, wenn über „Königtum“ gesprochen wird oder wenn es in Bildern dargestellt wird: Die Könige hatten Ihr Reich stets nur „von Gott gepachtet“, es „gehörte“ ihnen nicht. „König zu sein“ hieß nicht in erster Linie, „von anderen Menschen bedient und gewürdigt zu werden“. Es hieß vor allem: Ein guter Sachwalter des Reiches zu sein, das einem für einen begrenzten Zeitraum (der Zeitraum des eigenen Lebens) überantwortet war.

Was uns auch heute noch oft fehlt – vor allem auch in Filmen und Geschichten! – sind „Bilder guten Königtums“: Viel, viel häufiger drehen sich Geschichten um Noch-nicht-Könige („Prinzen“) und „Nicht-mehr-Könige“ (Alte, schwache Könige; „Könige ohne Schwert“).

Dafür gibt es nach meiner Auffassung „dramaturgische Gründe“: Beide Figuren: Der Prinz und der altersschwache Regent lassen viel mehr Raum für DRAMA. – Und deshalb lassen sich über schlechte Könige viel besser Geschichten erzählen. Interessantere, spannendere Geschichten.

Märchen enden deshalb in der Regel mit der „Inthronisierung des Prinzen“. D.h. da wo es für uns im Alltag spannend würde, wenn wir sehen wollten, „wie der König das eigentlich im Alltag macht und schafft, ein guter König zu sein“ – genau da ENDEN unsere Geschichten, die wir uns erzählen.

Auch unsere modernen Märchen: „Der Herr der Ringe“ endet beispielsweise genau an der Stelle, an der „der gute König“ Aragorn König von Gondor wird. – Und alle „schlechten Könige“ der Geschichte auf mehr oder weniger dramatische Art verstorben sind.

Daher fehlen uns Bilder und Vorstellungen „guten Königtums“. – An Bildern davon, wie man erfolgreich Drama anzettelt, herrscht dagegen kein Mangel…

Für unseren Alltag mag Folgendes vielleicht bedeutsam sein:

Jeder kann sich nur selbst „dieses seines Amtes entheben“, wirklich er selbst zu sein. – Das kann einem kein anderer Mensch nicht nehmen (- zumindest nicht unter den alltäglichen Bedinungen unseres modernen Lebens, unter echten Extrembedinungen ist das durchaus möglich).

Aber das heißt auch: Unsere Sehnsucht danach, VON ANDEREN in unsere Königswürde gebracht zu werden, also von außen „inthronisiert“ zu werden, ist ebenso daneben.

Wir können uns NUR selbst ermächtigen.

Was das für meine heutige Arbeit als Coach heißt, können Sie sich vielleicht vorstellen. Vielleicht wären Sie aber auch überrascht… 😉

Groß zu sein und andere groß sein zu lassen. – Die Großartigkeit des Lebens, der Welt und seiner selbst und aller anderer Menschen zu sehen (oder sie nicht dauerhaft aus den Augen zu verlieren)…

…das hat für mich eine starke Verknüpfung zu dem, was ich „Unternehmertum“ nenne.

Allerdings ist dieser Begriff für mich eine „existentielle Kategorie“, kein Rechtsbegriff.

In diesem meinen Denken, das sagt: „Ein Unternehmer ist ein König – Ein König ist ein Unternehmer“ ist JEDER Mensch ein Unternehmer, ob er will oder nicht.

Also auch, wenn er eine Zeit lang gebückt geht, wenn er sich in Lumpen hüllt, wenn er sich ohnmächtig fühlt und anderen Menschen ausgeliefert…

Doch zu dieser existentiellen Dimension des unternehmerischen Seins und Handelns, zu dieser philosophischen Auffassung von „Unternehmertum“ ein andermal mehr…

Für heute hat der liebe Märchenonkel eine seiner Geschichten zu Ende erzählt…

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