Gründe für offene, verdeckte und strukturelle Gewalt in Unternehmen

Unter dem Eindruck eines aktuellen, vor Kurzem abgeschlossenen Coaching-Prozesses kommt bei mir folgender Gedanke auf:

Der Grund, warum wir immer wieder bei verzweifelten, gewalthaften Handlungsweisen im Business landen (gefühlt: „aus der Not heraus“, wobei es gefühlte Nöte unzähligen Varianten gibt…), ist:

Das Nicht-Nutzen durchaus vorhandener Optionen.

Das heißt: Eine künstliche, nicht-notwendige Ressourcenverknappung, die wir selber aktiv leisten, führt uns dahin, dass wir uns am Ende dabei ertappen, wie wir andere unter Druck setzen, selber völlig unfrei agieren und glauben, dass wir vom Kollegen, Chef, Lieferanten, Kunden, Investor oder Behörde XYZ genau das, aber wirklich auch nur genau DAS bräuchten. Und dass die Welt untergeht, wenn wir DAS nicht von dort geliefert bekommen.

Wir stricken uns also das Business – eigentlich eine „Welt der Alternativen“, was SONST sind „Märkte“…? – als eine existentielle, alternativlose Welt, in der unser Wohl und Wehe oder das Wohl und Wehe unserer Firma von der Kooperation oder Nicht-Kooperation EINES ganz bestimmten Kooperationspartners abhängt.

Und in der Folge bauen wir immensen Druck auf. – Druck, der nicht aktiv, der nicht produktiv ist, sondern unsouverän, ohnmächtig, eben „aus der gefühlten Not heraus“.

Der andere, der, „der gefälligst kooperieren soll“ erlebt unser unfreies Verhalten, mit dem wir auch ihn „unfrei zu machen versuchen“ als Gewalt.

Innerlich Alternativen haben, ist etwas, das uns frei macht und was auch den anderen mit uns kooperieren lässt.

Er hat dann das Gefühl einer Wahl. Er hat das Gefühl, dass es keine drastischen negativen Folgen für ihn hat, wenn er zu DIESEM Angebot von uns „nein“ sagt.

Der Abbruch der Kooperation für alle Zeit steht nicht im Raum. Wohl aber die Frage, ob DIESE Kooperation, DIESE Transaktion wirklich für uns beide im Moment Sinn macht.

Die ganz normale, übliche Frage im Business eben… – Die Grundform des Business: Ein „Tauschhandel“ kommt genau dann zustande, wenn beide frei sind und auf der Grundlage dieser Freiheit den Eindruck haben, dass „zu tauschen“ für einen mehr Sinn macht als „nicht zu tauschen“.

Wie auf dem Spielplatz damals, als ich meiner Schaufel überdrüssig war und mein Spielkamerad seines Sandkasten-LKWs: Wir beide wollten haben, was der andere hatte, und waren gerne bereit, dafür loszulassen, was wir jeweils hatten.

Nicht IMMER mag das heute im Business so eindeutig sein wie „damals auf dem Spielplatz“.

Aber das ändert nichts daran, dass die Grundform des Business die freie Entscheidung unter Alternativen ist. Und nicht die Entscheidung unter Druck, nicht die Gewalt.

Um ein philosoziologisches Wort zu wagen:“Gewalt“ und der einhegende Umgang mit ihr  gehören in den Bereich der klassischen Politik („der Staat und sein Gewaltmonopol“). Sie gehören NICHT in den Bereich des Unternehmertums.

Seit 1651 sollte DAS eigentlich klar sein…

…ich frage mich, wie wir es dennoch immer wieder schaffen, das erfolgreich zu vergessen?

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