Yin und Yang – Die Sache mit den Punkten…

Aus aktuellem Anlass: Mal wieder einen Kunden gehabt, der in die Kategorie „jobbedingt Familien-abwesende Väter“ gehört…

Bei Frank Farelly findet sich auf S. 208 eine von LeMasters kopierte Liste mit „Mythen über Eltern und Kinder, die als Handlungsvorgaben in unserer Kultur gegeben sind“:

  1. Kinder aufziehen macht Spaß.
  2. Kinder werden sich gut entwickeln, wenn sie „gute Eltern“ haben.
  3. Kinder nehmen wirklich all die Vorteile wahr, die ihre Eltern ihnen geben können.
  4. Es gibt keine schlechten Kinder – nur schlechte Eltern.
  5. Die moderne Verhaltenswissenschaft ist für Eltern hilfreich.
  6. Liebe ist genug, um gute Elternschaft aufrecht zu erhalten.
  7. Amerikanische Eltern können analysiert werden, ohne Väter zu interviewen.

Unter all diesen schönen Punkten hat es mir grade Punkt 7 besonders angetan…

Zwar hat sich seit den späten 60er Jahren wirklich einiges getan. Aber „die Menschen unserer Gesellschaft“ wachsen nach wie vor in zwei getrennten Sphären auf, in denen völlig gegensätzliche und widersprüchliche Prinzipien zu herrschen scheinen:

In einer „mütterlichen“ Familienwelt, in der sich alles um Fürsorge, Förderung und Verbindung zu drehen scheint.

Und in einer „männlichen“ Arbeitswelt, in der sich alles um Leistung, Ergebnisse und Konkurrenz zu drehen scheint.

Wem das zu zugespitzt ist, kann – wenn er mag – noch einmal hier rein schauen und überprüfen, ob er seinen Widerspruch danach wirklich noch aufrecht erhalten möchte…

Gut, die meisten von uns kommen mit diesem „Wechseln zwischen den Welten“ allem Anschein nach recht gut klar…

Zwei Mythen in diesem Zusammenhang kann aber klar eine Abfuhr erteilen:

Dass unsere Arbeitswelt in ihren Strukturen und Entscheidungsweisen allein schon dadurch „weiblicher“ würde, nur weil mittlerweile mehr Frauen erwerbstätig oder in Führungspositionen sind als „früher“.

Und:

Dass unsere Familienwelt in ihren Strukturen und Entscheidungsweisen allein schon dadurch „männlicher“ würde, nur weil mittlerweile ein paar mehr Väter wickeln, ihre Kinder vom Kindergarten abholen und im Beruf bewusst kürzer treten, um mehr für ihre Familien da zu sein.

„Das Männliche“ ist nach wie vor ein Fremdkörper in vielen Familien. – Vor allem, da wir Männer uns in der Regel mittlerweile oft selbst völlig unklar darüber sind, was wir denn nun eigentlich für eine „gute Form von Männlichkeit“ halten. Und Orientierungslose können da halt schlecht Orientierung stiften…

„Das Weibliche“ ist nach wie vor ein Fremdkörper in nahezu allen Firmen. – Aus verschiedensten Grünen. Vielen scheint es sogar so, „als würde es dort einfach nicht hingehören“. – Nochmal: Nicht „Frauen“ sind hier gemeint, sondern typisch weibliche Formen der Kooperation, der Kontaktaufnahme, des Entscheidens, der Präferenzsetzung, egal ob von Männern oder Frauen gelebt.

Man muss nur mal mit der Dichotomie „Prozessorientierung“ vs. „Ergebnisorientierung“ arbeiten, um zu sehen, wie wenig Prozessorientierung wirklichen Raum in Unternehmen bekommt, „die ja liefern müssen“. – Und das in der Regel noch dazu in ZWEI Richtungen: Den Kunden des Unternehmens die Produkte und den Investoren des Unternehmens den Return on invest.

Das alles löst sich wie gesagt NICHT allein dadurch schon in Wohlgefallen auf, nur weil mehr Frauen Geschäftsführer werden, oder nur weil mehr Männer sich entscheiden, „operative Familienmänner“ zu sein.

Aber es hilft.

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