Wozu gibt es eigentlich Unternehmen?

Nun, die Antwort auf DIESE Frage ist wirklich einfach…

Unternehmen sind dazu da, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. – Deswegen gründen wir sie, deswegen betreiben wir sie, deswegen schließen wir uns ihnen an und deswegen machen wir sie auch manchmal dicht oder setzen sie in den Sand.

Nun sind es aber Bedürfnisse von Menschen, die etwas verschieden an einem Unternehmen beteiligt sind. Die wohl drei wichtigsten Formen (neben anderen, die es auch noch gibt), an einem Unternehmen beteiligt zu sein und durch seine Beteiligung bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen, sind:

1.) Als Kunde, durch den Kauf von Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens, die ganz unmittelbar bestimmte meiner Bedürfnisse befriedigen sollen.

2.) Als Mitunternehmer, der Lebenszeit investiert und dadurch hofft, bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. U.a. Geld, das wiederum verwendet werden kann, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Aber auch anderes, wie Sinn, wie Austausch, wie Anregungen, Abwechslung, „aus dem Haus kommen“, Geborgenheit, Kommunikation, Erleben von Selbstwirksamkeit, etc.

3.) Als Investor, der Geld investiert und dafür in Zukunft mehr Geld zurückerhalten möchte, das er wiederum für anderes verwenden kann. – Auch hier können unterschiedlichste Bedürfnisse eine Rolle spielen. Auch das Bedürfnis nach Sinn (= „Impact Investing“). Aber auch andere: Bestätigung eigenen Wissens (wenn man „richtig investiert hat“), „Altersvorsorge“, ein gewisser Spiel- und Zocker-Trieb, Anerkennung, etc.

Nun kann man die Frage stellen, welche Form von Bedürfnis-Gruppe den anderen übergeordnete ist, welche Bedürfnisse die wichtigsten sind und „zuerst bedient werden sollten“.

Aus meiner Sicht: Keine.

Wir können dreist einfach annehmen, das alle Bedürfnisse gleich wichtig sind.

Auf diesem Weg gelangen wir zu einem Schluss, der Unternehmen um einiges weiter bringt als es das Herumschlagen mit Rechtsfragen und Anspruchsfragen je bringen könnte…

…wir kommen dann nämlich zu dem Schluss, dass es für den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens (Erfolg im Sinne von: Es befriedigt die Bedürfnisse, die es befriedigen soll – Es erfüllt die Zwecke, zu denen es „von Menschen gemacht wird“) entscheidend ist, dass alle Bedürfnisgruppen / Beteiligungsgruppen in regem und ständigem Austausch miteinander bleiben. Und zwar in Austausch über die eigenen Bedürfnisse.

Wenn ich IRGENDETWAS kritisieren dürfte an den heute verbreiteten Formen von Unternehmertum, dann wäre es: Dass dieser ganz natürliche Austausch in vielen unserer heutigen Unternehmen künstlich blockiert wird.

D.h. wir haben heute viele Unternehmen, in denen sich die unterschiedlichen Beteiligungsgruppen

1.) nicht

2.) nicht effektiv

3.) nicht häufig genug

4.) nicht aufrichtig genug

etc.

miteinander über ihre Bedürfnisse verständigen.

Wir haben damit nicht nur systematische „Kommunikationsblockaden“ in unseren Unternehmen, sondern wir haben viel tiefergehend und aus meiner Sicht viel schlimmer: „Klarheitsblockaden“ in unseren Unternehmen. Und zwar Klarheitsblockaden nicht indivdueller, sondern systemischer Art, die weitgehend „einzel-personen-unabhängig“ vorhanden sind, auch wenn sie nur von uns selbst, also „von Personen“ behoben werden können.

Die unterschiedlichen Beteiligungsgruppen wissen oft nicht, welche Bedürfnisse bei den jeweils anderen Beteiligungsgruppen gerade im Spiel sind. Ja, sie interessieren sich gar nicht dafür.

Durch diese „unvollständige Kooperation“ scheitern die meisten Unternehmen und verfehlen ihren Daseins-Zweck: Sie befriedigen weniger menschliche Bedürfnisse als sie könnten und sie befriedigen die Bedürfnisse, die sie befriedigen, in geringerem Ausmaß als sie könnten.

Und Menschen neigen dazu, „Unternehmen“, die ihre Bedürfnisse nicht hinreichend befriedigen, diejenigen Ressourcen zu entziehen, die sie bisher in sie reingesteckt haben – um fortan schlichtweg „andernorts zu investieren“…

D.h. im Klartext:

1.) Kunden kaufen woanders.

2.) Mitunternehmer investieren ihre Zeit, Aufmerksamkeit, Kräfte, Ideen und Liebe woanders. – Offen oder unter der Hand.

3.) Investoren ziehen ihr Geld ab und investieren lieber woanders.

Das heißt: Der „philosophische“ Zugang, mal den tieferen Zweck von Unternehmen in den Blick zu nehmen und zu fragen, wozu ein Unternehmen eigentlich da ist, seine Selbstverständlichkeit in Frage zu stellen, zeigt deutlich:

Die Wurzel der Probleme, die Unternehmen haben. Und: Was wir in Unternehmen tun können, wenn wir diese Probleme angehen wollen.

Die Rückbindung von „etwas unternehmen“ an ihre Quelle: unsere Bedürfnisse und die unserer Mitmenschen, und die Sichtweise: „Jeder Mensch ist ein Investor – Ob er das wahr haben will oder nicht“, führen alle auf den gleichen Zielpunkt:

Klarheit und Austausch über Bedürfnisse in Unternehmen.

Nicht-Dulden des Nicht-Austausches.

Aufbruch von Schonhaltungen. Ignorieren von Ängsten. Wegräumen von rechtlichem und moralisierendem Schutt. In-Kauf-Nehmen von Verletzlichkeit und zwischenmenschlichen Risiken.

Und: Viel mehr Kontakt.

Das heißt nicht zwingend, dass wir nun NOCH MEHR ineffiziente und ineffektive Meetings in Unternehmen brauchen. DIE gibt es bereits im Überfluss.

Sondern dass wir, wenn wir in Unternehmen miteinander sprechen, über WESENTLICHES sprechen: Über unsere Bedürfnisse und die unserer Mitunternehmer, unserer Kunden und unserer Investoren.

Und den ganzen überflüssigen Firlefanz weglassen, der dem einzigen Zweck dient: DER VERMEIDUNG, dass über Bedürfnisse gesprochen wird. AUS ANGST davor, was DANN passieren wird…

Was wir also brauchen, sind:

1.) Mutige Kunden

2.) Mutige Unternehmer

3.) Mutige Investoren

„Mutig“ im Sinne von: Bereit und entschlossen, sich den eigenen Ängste davor zu stellen, die ganz unweigerlich aufkommen, wenn man sich vornimmt, sich mit den anderen Beteiligten darüber auszutauschen, was ihnen und den anderen am Unternehmen wirklich wichtig ist, welche Bedürfnisse sie über ihre Beteiligung an DIESEM Unternehmen eigentlich befriedigen wollen.

Das läuft über eigene Klarheit und eigene Klärung. – Das ist nicht unbedingt etwas, das „im stillen Kämmerlein“ oder „in einer ruhigen Minute im Einzelbüro“ passiert. – Oft gewinnen wir diese Klarheit gerade in der Interaktion, im Konflikt, im Gespräch, indem wir uns „aneinander reiben“, indem es „gerade nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben“…

All das liefert Klarheit über eigene Bedürfnisse.

Ich glaube, dass wir viel fieser werden müssen im Business: Fieser zu uns und fieser zu den anderen.

Dass wir uns und die anderen WENIGER in Ruhe lassen, wenn wir oder sie „unwesentlichen Schwachsinn“ von sich geben oder auf der Basis von völliger Unklarheit über eigene Bedürfnisse Unternehmensrelevante Entscheidungen treffen.

Das geht los „bei der Einstellung“ neuer Mitunternehmer. Bei der Aufnahme eines Kredits. Bei der Entscheidung, sich DIESEM Unternehmen anzuschließen und dort die eigene und schmerzhaft begrenzte Lebenszeit zu investieren. Bei der Entscheidung, mit meinem Geld zum Wachstum oder auch nur zur Aufrechterhaltung DIESES Betriebs beizutragen und nicht von jenem Betrieb. Bei der Entscheidung, DAS DORT zu kaufen und DAS HIER nicht zu kaufen.

Mir persönlich sind die größten Teile des heutigen Business, die ich vorfinde, viel zu soft. Viel zu windelweich in ihrer Unklarheit, in ihren Wischi-Waschi-Entscheidungen. – Das wird zwar sauber kaschiert von irgendwelchen „knallharten“ Zahlenspielereien. Aber wie bei jedem Zaubertrick versuchen wir uns mit jenem „Over-Controlling“ nur von etwas anderem abzulenken. Etwas wichtigerem, was dort zugleich passiert…

…nach meinem Dafürhalten versuchen wir uns durch „die harte BWL“ davon abzulenken, dass wir keine Ahnung haben, warum wir HIER arbeiten, warum wir HIER investieren, warum wir HIER kaufen.

Wir haben keine Ahnung, was wir wirklich wollen.

Und das ist die Grundlage der meisten Geschäfte, die derzeit abgeschlossen werden.

Natürlich kann ich jeden Deal, jede Entscheidung ex-post rationalisieren. Natürlich kann ich mich auf Zahlen herausreden.

Aber das kann eben nicht kaschieren, dass es sich um völligen Mindfuck handelt. Um Dinge, die für uns in Wahrheit überhaupt keine Bedeutung haben, die leere Betriebsamkeit und „lindernden Konsum“ generieren. – Eine hohle Maschine auf Hochbetrieb, zu deren Bestandteilen, zu deren Rädchen wir uns machen. Ohne Erfüllung, ohne Sinn, ohne Zweck, ohne echte Befriedigung.

„Nihilismus in Aktion“ sozusagen…

Wir können das machen. Wir können das weiter machen. Die Welt wird davon nicht untergehen. Ist sie bis jetzt nicht – und wird sie auch in Zukunft nicht. – Ich bin da deutlich „optimistischer“, in Wahrheit: „pessimistischer“ als viele heutige Zeitgenossen, die glauben, dass sie durch irgendeinen mystischen „Zusammenbruch des Systems“ irgendwann von außen erlöst werden…

Aber unsere wertvolle Lebenszeit verrinnt. Sie verrinnt sinnlos.

„Die Welt“, „das Business“, „die Wirtschaft“ kümmert das nicht.  – Sie nehmen weiter ihren Lauf.

Aber uns, uns könnte das vielleicht stören.

Oder eben auch nicht…

…das muss wohl jeder „für sich selbst entscheiden“…

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