Wie man erfolgreich einen marktführenden, weltweiten Konzern ruiniert – Eine Anleitung in 7 Schritten am Beispiel…

…der katholischen Kirche:

1.) Legen Sie auf alle Zeiten unveränderlich fest, dass Ihre feste Belegschaft aus entwurzelten, familienlosen Männern zu bestehen hat. – Ob Sie dieses Ziel dadurch erreichen, dass Sie es konstitutiv festschreiben oder dadurch, dass Sie ihre Mitarbeiter 50-80 Std./Wochen schieben lassen, bleibt Ihnen überlassen. Das Ergebnis wird in jedem Fall das Gewünschte sein: Sie bekommen leicht hysterische, gestresste Mitarbeiter, die aufgrund ihrer inneren Bindungslosigkeit von Außen als unsympathisch und weltfremd wahrgenommen werden.

2.) Lassen Sie den CEO Ihres Unternehmens stets in einem öffentlichkeitswirksamen, aber prinzipiell intransparenten Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestimmen. Stimmberechtigt bei der Wahl sind allein besonders alte, männliche Mitglieder Ihrer Organisation.

3.) Marginalisieren Sie produktive Reform-Kräfte in Ihrem Unternehmen gezielt und werfen Sie sie schließlich konsequenterweise aus Ihrem Unternehmen, weil Sie gegen irgendeine zentrale „Policy“ Ihres Unternehmens verstoßen haben. Dass diese dabei nur das Beste für Ihre Organisation wollten, tatsächlich viel Positives bewirkt haben und dass sie jahrelange Loyalität demonstriert haben, ignorieren Sie bei diesem Rauswurf selbstverständlich souverän. – Zum Vorbild nehmen Sie sich hier z.B. die aktuelle Exkommunikation der Österreichischen „Wir sind Kirche“-Frontfrau Matha Heizer anlässlich der Feier von Eucharistien ohne die Anwesenheit von geweihten Priestern.

4.) Ignorieren Sie jahrzehntelang die schweren Vergehen Ihrer Mitarbeiter gegen einen großen Teil Ihrer Kundschaft, obwohl er Ihnen genau bekannt ist. – Nach der familiären Entwurzelung, die Sie ihren Mitarbeitern auferlegt haben (siehe Schritt 1), haben Sie selbstverständlich vollstes Verständnis für solches Verhalten und können es nicht verantworten, dagegen vorzugehen. Das wäre ja zutiefst illoyal und verstieße gegen das von Ihnen intensiv gepflegte solidarische Gemeinschaftsgefühl innerhalb Ihres Konzerns.

5.) Sollten die Vergehen Ihrer Mitarbeiter irgendwann doch öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bagatellisieren Sie sie gekonnt. – Nutzen Sie dazu PR-Profis, das ist schließlich deren Job. Auch Wissenschaftler verdienen sich auf diesem Weg gern ein Zubrot und arbeiten gern für einen renommierten Konzern wie den Ihren. Auch deren Dienste sollten Sie daher nutzen, v.a. um Ihren Aufklärungsbemühungen den nötigen Flair der Objektivität und Ernsthaftigkeit zu verschaffen.

6.) Tummeln Sie sich auf Geschäftsfeldern, die gegen Ihre eigenen Compliance-Regeln verstoßen. Die Vatikan-Bank kann nur eine Bad-Bank sein! [Ich danke Stefan Schmeing für die Ergänzung dieses Punkts!]

7.) Verwehren Sie sich entschieden gegen Anregungen Ihrer derzeitigen oder potentiellen Kunden und weisen Sie Hinweise auf virulente Kundenbedürfnisse mit der Begründung ab, dass diese den Betrieb stören und Ihr Unternehmen in seinem Bestand gefährden.

…am Vorbild der katholischen Kirche können Sie natürlich noch viel anderes Nützliches lernen, wenn Sie Ihr Unternehmen möglichst effektiv ruinieren wollen, so z.B.:

  •  Das konsequent unzeitgemäße Festhalten an formalen Hierarchien inkl. Jobtitel und einseitiger Weisungsbefugnis (Laie – Priester – Bischof – Kardinal – Papst – Gott).
  • Die konsequente Abschottung gegenüber Impulsen von Außen, um die eigene Unternehmens-Identität zu bewahren. (Bemühen Sie dazu Argumente wie: „Was uns vor 2000 Jahren groß gemacht hat, kann heute doch nicht falsch sein, oder?“)
  • Die allmähliche Rücknahme von großen Reformschritten, die von Ihrer Organisation in der Vergangenheit unter großen Kraftanstrengungen und nach langer Diskussion erfolgreich durchgeführt wurden. Orientieren Sie sich hier am Umgang der katholischen Kirche mit den Errungenschaften des 2.vatikanischen Konzils. Begründen Sie die schrittweisen Rücknahmen der Reform damit, dass Ihr jetziger CEO und seine aktuelle Clique das nun halt anders haben will.
  • …etc. etc. … – Bei eigenem Nachdenken über das Vorbild der kath. Kirche fällt Ihnen selbst sicher noch mehr und noch Besseres ein, das Ihnen für Ihr Ziel, Ihr Unternehmen in Grund und Boden zu wirtschaften, nützlich sein kann…
Um nicht von Ihrem ruinösen Weg abzukommen und sich weiter fest am Vorbild der kath. Kirche zu orientieren, können Sie sich immer das Mantra vor Augen halten:
WER ÜBER JAHRZEHNTE ERFOLGREICH UND KONTINUIERLICH MARKTANTEILE VERLOREN HAT*, DER KANN IN SEINEN KONKRETEN MASSNAHMEN NICHT FALSCH LIEGEN!

Ihre Ziele müssen sein: I.) Verärgerte Kunden, die Ihrem Unternehmen für alle Zeiten den Rücken kehren, und II.) Innerlich gekündigte Mitarbeiter, die nur aus subjektiv empfundener Alternativlosigkeit in Ihrem Unternehmen verbleiben! – Verlieren Sie diese beiden Ziele bei Ihren Bemühungen niemals aus den Augen!

(*Als – natürlich völlig neutrale, unabhängige und zutiefst glaubwürdige – Quellen für die Verluste an weltweiten bzw. deutschen Marktanteilen fiel nach kurzer google-Recherche die Wahl auf folgende Links:
http://www.bibelundermutigung.de/religionen_welt.htm
http://www.kirchenaustritt.de/statistik)

P.S. Just for you to know: Der Verfasser dieses Artikels ist seit mehr als 7 Jahren liiert mit einer katholischen Diplom-Theologin, im katholischen Bayern geboren und aufgewachsen. Er hat eine evangelische Mutter, einen säkularisierten sunnitischen Moslem als Vater, eine christlich-orthodoxe Halbschwester und eine Großmutter, die der buddhistisch inspirierten Theosophie anhing. Er hat zu Schulzeiten 7 Jahre evangelischen Religionsunterricht, 5 Jahre „Ethik“ und zum Abschluss 1 Jahr katholischen Religionsunterricht genossen (Letzteres, weil der betreffende Lehrer den Ruf hatte, „der coolste Lehrer der Schule“ zu sein). Er hat zudem ein paar Semester Religionswissenschaft studiert und darin einen Abschluss gemacht. – Aufgrund seiner religiösen Überdeterminierung war er nie sonderlich geneigt, sich irgendeiner bestimmten Religionsgemeinschaft anzuschließen. Heute hält er sich für einen ehemaligen Hardcore-Skeptiker, der sich auf seine älter werdenden Tage zunehmend spirituell öffnet, weil er das schön und gut für sich findet. Religionsgemeinschaften im Allgemeinen findet er aber nach wie vor ziemlich unattraktiv für sich.

Es ist also nicht so, als ob hier ein notorischer Apple-Anhänger über Microsoft schreiben würde. Eher so, als ob ein notorisch IT-Averser Zeitgenosse, der niemals Kunde irgendeines IT-Unternehmens war, noch werden wird, interessiert und neugierig den ihm fremden Markt beobachten und aus dieser Position heraus die internen Vorgänge in einem der dominierenden IT-Unternehmen unserer Zeit kommentieren würde. Staunend, mit weit aufgerissenem Maul steht er vor dem Phänomen, dass sich dieses Unternehmen entschlossen zu ruinieren wollen scheint, indem es sein Kerngeschäft vernachlässigt und eben all die Dinge tut und lässt, die es so tut und lässt.

[Dieser Artikel erschien erstmals am 23.05.2014 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing und wurde noch am gleichen Tag von Stefan Schmeing um Punkt Nummer 6.) ergänzt. – Aufgrund seiner zeitlosen Bedeutung 😉 wird er nun hier nochmal neu aufgelegt…]
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