Wer das Wort „Markt“ benutzt, will Cash machen. – Aber sich ganz sicher nicht auf eine Beziehung einlassen

Was mich schon länger beschäftigt, kam mir heute beim heimischen Schauen von „Augenhöhe“ noch mal klarer zu Bewusstsein. – Konkret bei einigen Szenen, die das Unternehmen „Premium Cola“ zeigen:

Das ganze Gequake von „Markt“ ist ein reiner bullshit-dummy. – „Markt“ ist ein Konstrukt von Menschen, die Business machen wollen, ohne sich dabei auf Beziehungen zu den anderen Menschen einzulassen, MIT DENEN sie Business machen.

Okay, okay… „Markt“ ist AUCH ein sinnvolles Konstrukt, wenn man sich auf dem Gebiet der wissenschaftlichen VWL tummelt. – Aber who the fuck interessiert eigentlich VWL, wenn er etwas unternimmt? – Nach meinem Eindruck: NIEMANDEN.

„Premium Cola“ lässt sich auf Beziehungen ein: Untereinander, mit den Lieferanten, mit den Händlern, mit den Kunden. – Nicht verwunderlich bei DER Vorgeschichte, die Premium Cola im Rücken hat!

Aber für mich zeigt das im Kontrast auch noch einmal überdeutlich, was andere Unternehmen anders machen: Sie sehen all ihre Kooperationspartner als „Mittel zum Zweck für den revenue“. – An allererster Stelle ihre Kunden.

Dass das anders geht, dass das vermutlich ÜBERALL anders gehen würde, wo etwas „unternommen“ wird, steht mir nach diesen Bildern überdeutlich vor Augen.

Und auch, dass es dann keinen mehr Sinn macht, von „Märkten“ zu reden: Man IST ja IN BEZIEHUNG! – Das Gerede „vom Markt“ wird als das sichtbar, was es immer schon war: Ein Beziehungs-Vermeidungs-Tool. Eine Vermeidung, die eigenen Kunden in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzunehmen, sich auf sie wirklich einzulassen und MIT IHNEN zu reden anstatt über sie und pauschal über sie hinweg…

Das Thema berührt – unter anderem auch – „die Arbeitsmärkte“, mit denen ich beruflich viel zu tun habe. Ich habe den Zusammenhang zwar anderswo schon mal gestreift, kann das aber nun hier noch mal anders fassen:

Gegenüber den „Anpassungen an den im Kopf konstruierten Markt“, der bei „Bewerbern“ den Impuls auslöst, so etwas wie „gute Anmachsprüche“ zu erfinden und sich zurecht zu legen, um „ein Unternehmen rum zu kriegen“, favorisiere ich schon seit längerem zwei andere Formen der Anbahnung von Zusammenarbeit:

Entweder man macht sich klar, was man selbst will und posaunt das überdeutlich klar auf allen Kanälen in die Welt hinaus (das heißt bei mir „Pusteblumen-Bewerbung“). – Es hat den Charakter einer Liebeserklärung an sich selbst, an das was man braucht (die eigene Menschlichkeit) und an das, was man liebend gerne geben will (das eigene Unternehmertum). – Es hat auch den Charakter eines Stellengesuchs und mehr noch den Charakter einer gut gemachten Partnerschaftsannonce. Auch wenn die Pusteblume oft auf den ersten Blick wie ein Ego-Tripp daherkommt, ist sie am Ende einfach eins: Eine Erleichterung sowohl für Arbeitgeber wie Bewerber. Beide können ihren Zeitaufwand für gutes Kennenlernen, bzw. für den ersten Schritt beim Kennenlernen dadurch extrem reduzieren. Alles wird entspannter und weniger aufgeladen. Oder anders: Klarheit hilft. In Beziehungen. Und eben auch schon bei der Anbahnung von Beziehungen.

Oder man geht das Risiko ein, sich einfach mal in ein Unternehmen zu verlieben – Mit allem Verletzungsrisiko, das Liebe immer unweigerlich auf sich nimmt (das heißt bei mir „Silbertablett-Bewerbung“). Hier entscheide ich mich, dass bei DIESEM Unternehmen mehr drin ist, dass ich mich vielleicht in es verlieben könnte, dass ich es unbedingt näher kennen lernen will – und darum recherchiere ich erst mal, VOR allem Auf-das-Unternehmen-zugehen auf allen mir zur Verfügung stehenden Kanälen, um MEHR über das Untenrehmen meiner Wahl herauszufinden. Nicht in kritischer Absicht, sondern in empathischer Absicht: Ich will wissen, wo meine Angebetete herkommt, was sie bewegt, wo sie hinwill, wie es ihr grade geht und was ich ihr Gutes tun könnte – so wie ICH bin. – Also keine selbstverleugnerische Liebe, sondern das sehr achtsame und bewusste „Vorsteuern“ einer möglicherweise gelingenden Partnerschaft von meiner Seite…

Beides: Pusteblume und Silbertablett kommen als Formen des Startens von Kennenlernprozessen ohne den Gedanken an einen „Markt“ (hier: Arbeitsmarkt) aus.

Denn in einem Fall (Pusteblume) oute ich mich einfach mit meinen Bedürfnissen und unternehmerischen Absichten, nach der Devise: „Jeder Topf findet seinen Deckel“. Und gehe selbstbewusst ins Vertrauen, dass es da draußen IRGENDEIN Unternehmen gibt, dass sich über genau das Angebot, das ich wirklich machen will, ehrlich freut… …und ich gebe alle Kraft in dieses Selbst-Outing, auf allen Kanälen, die mir zur Verfügung stehen… …aber „der Markt“ ist mir dabei sowas von wurschtegal, dass gleich mal alles zu spät ist. (…eine Erfolgsstrategie übrigens, nicht nur auf dem Gebiet der Botanik, wie wir jedes Frühjahr auf’s Neue bewundern dürfen… 😉 )

Und im anderen Fall (Silbertablett) bin ich so individuell bei „meinen Kunden“, dass jedes Gerede von „Markt“ einen Verlust darstellen würde: Ich würde mich an den Unternehmen meiner Wahl systematisch vorbei „bewerben“, würde ich sie als „Zielgruppe“ nach einem „Beuteschema“ erfassen und pauschal die Bedürfnisse genau dieser Zielgruppe zu erfassen und beantworten zu versuchen… – All das Besondere, dass in einer individuellen Beziehung möglich ist, ginge in einem solchen Sich-Einstellen-auf-den-Markt verloren.

Ich glaube daher, „dass Märkte“ keine Zukunft haben. – Nicht weil ich „Kapitalismus doof finde“ (ich bin auf der VWL-Ebene ein echter Fan von Wettbewerb…). – Sondern weil mich operatives Fokussieren von „Märkten“, wenn ich ein Unternehmen betreibe – und sei es auch nur das Unternehmen, meine Arbeitskraft ans richtige Unternehmen zu bringen – mich systematisch unter meinen unternehmerischen Möglichkeiten bleiben lässt.

An „Märkte“ zu denken, blockiert Unternehmertum. – Beziehungen bewusst zu gestalten, öffnet ganz neue unternehmerische Möglichkeiten.

Daher wage ich zu sagen: Ja, „Märkte“ lassen sich sinnvoll konstruieren. – Doch DIESE Konstruktionen sind nicht hilfreich dafür, unternehmerisch erfolgreich zu sein.

Erfolg wird in Zukunft – wie unter der Hand schon immer – über Beziehungen gemacht. Und ihre Wettbewerbe „gewinnen“ werden die „beziehungsfähigeren“ unter den Unternehmen. Jene, denen es gar nicht ums „Gewinnen“ geht, sondern um gute Beziehungsgestaltung zu all ihren Stakeholdern, inklusive ihren Kunden…

Wir haben heute neue und andere Möglichkeiten, unternehmerische Beziehungen einzugehen. – Wir sind überwiegend materiell versorgt, v.a. wenn wir es schaffen all den überflüssigen Scheiß wegzulassen, den wir nicht wirklich brauchen. – Wir haben ein Interesse daran, Beziehungen einzugehen und aufrecht zu erhalten, die uns wirklich etwas bedeuten und die uns erfüllen. – Im Business und außerhalb des Business.

Und genau hier lernen wir und stehen eher noch ganz am Anfang…

…denn das Meiste, „was bisher im Business geschah“ hat sicher alle mögliche Anerkennungen verdient. Aber sicher nicht die Label „Beziehung“ oder „Bewusste Beziehungsgestaltung“…

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Ein Gedanke zu “Wer das Wort „Markt“ benutzt, will Cash machen. – Aber sich ganz sicher nicht auf eine Beziehung einlassen

  1. Als ich das gerade gelesen habe, kam mir ein Ausspruch eines ehemaligen Arbeitskollegen in den Sinn, der im Vertrieb gearbeitet hat. Er sagte nach meiner Hochzeit: „Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist Du runter vom Markt.“
    Also selbst im Rahmen von Liebesbeziehungen lässt sich sowas wie ein Markt konstruieren. Ich will mich aber nicht anstecken lassen, von dem Gedanken und vermeide ihn. Für mich ist das eine Metapher dafür, dass Märkte tatsächlich rein konstruiert sind und man über sie nicht nachdenken muss, wenn man einen Treffer landen will oder gelandet hat. 😉

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