Desorganisierte Räuberbanden

Machen wir uns nichts vor: Vieles, was als „Unternehmen“ daher kommt, ist auch heute noch eher so etwas wie eine desorganisierte Räuberbande.

Eine „Räuberbande“, weil es entgegen dem Anschein, den man zu erwecken sucht, darum geht:

  • Kunden darüber zu täuschen, dass es anderswo für sie ein Produkt oder eine Dienstleistung oder auch ganz kostenlose Möglichkeiten gibt, sich ihr jeweiliges Bedürfnis besser zu erfüllen.
  • Investoren darüber zu täuschen, dass sie ihr Geld besser wo anders reinstecken können.
  • Mitunternehmer darüber zu täuschen, dass ihre wertvolle Lebenszeit besser in echten Unternehmen aufgehoben wäre.

„Desorganisiert“, weil so etwas wie „Organisation“ gar nicht möglich ist, wenn es kein „WIR“ gibt, das diese Bezeichnung auch verdient hat. Stattdessen haben wir ein wirres Set von ziemlich schrägen Eigeninteressen, die sich nach innen wie außen hinter einer nur auf dem Papier exisitierenden Corporate Identity mit schönen Worten verbirgt. Gelebt wird etwas ganz anderes, weswegen Zynismus heute noch eine der häufigsten Haltungen ist, die man bei Menschen antrifft, die ihr Herz über ihre Zugehörigkeit zu einer solchen desorganisierte Räuberbande verloren haben.

Ein Bekannter von mir, der sich professionell als Investor betätigt, erzählte mir vor ein paar Tagen, für seinen Geschmack seien da draußen „viel zu viele nächste Googles und nächste Facebooks“. – Er könne nicht nach vollziehen, wie eines der beiden Unternehmen mehr Wert sein könne als Siemens (kleine Anmerkung: ich selber kann das durchaus nachvollziehen). Bei seinen eigenen Investmensts achte er darauf, dass das Unternehmen so etwas hervorbringe wie „tangible assets„. Außerdem seien ihm viel zu viele Gründer da draußen, die bereits beim Gründen „ihren Exit im Sinn“ hätten. Die also einfach die große Kohle machen wollten, nach der Devise: Irgendein Dummer (siehe oben) der das Unternehmen kauft, findet sich immer.

In meinen Worten: Wenn dieser dumme Räuber begreift, dass er mal besser die Finger von jenem Untenrehmen gelassen hätte, ist er darauf angewiesen, einen noch dümmeren Räuber zu finden, und so weiter…

Eine Dummheitsspirale beginnt, die uns dann am Ende allen den Kopf verdreht.

Mein investierender Bekannter sagt von sich, dass er als Profi mittlerweile sehr genau hinschaut, ob die Gründer sich wirklich an ihr eigenes Unternehmen gebunden fühlen, oder ob sie einfach nur im Sinn haben, da etwas so schnell wie möglich hoch zu ziehen, was gut aussieht und was sie dann gewinnbringend an den nächstbesten Dummen verkaufen können.

Unternehmen, denen ihre Investoren, denen ihre Kunden und ihre Mitunternehmer wirklich verbunden sind, solche Unterehmen im Vollsinne des Wortes, also Gemeinschaften, die wirklich Nützliches nicht deswegen schaffen, weil es sich leider nicht vermeiden lässt, weil der Markt leider all zu transparent ist, weil es all zu schwer ist, eine desorganisierte Räuberbande zu sein, sondern in denen die beteiligten Menschen von dem pragmatisch gelebten und miteinander offen geteilten Wunsch beseelt sind, gemeinsam ganz bestimmte Mehrwerte hervorzubringen…

…Solche Unternehmen, die nicht nur vordergründig und von ihrer formalen Rechtsform her Unternehmen sind…

…solche Unternehmen sind nach wie vor selten.

Und wir, wir selbst sind es, die deren „Konkurrenz“: die die desorganisierten Räuberbanden dieser Welt Tag für Tag, Stunde für Stunde am Leben halten. Die diese Räuberbanden als Parasiten unseres Lebens dulden durch die Entscheidungen, die wir minütlich, die wir sekündlich, die wir jetzt gerade treffen. In diesem Moment. – Denn ohne unser zutun kann sich keine dieser desorganisierten Räuberbanden halten. Sie leben von unserer Untätigkeit und Bequemlichkeit. Sie leben von unserem Nicht-Nachdenken, Nicht-Nachfühlen, Nicht-Entscheiden. Sie leben von unserem Leben. Eben parasitär, als Läuse in unserem Pelz.

Jederzeit können wir:

  • Anderes kaufen oder mit anderem unsere „freie Zeit“ verbringen, in der wir unseren eigenen Bedürfnissen dienen oder den Bedürfnissen unserer Liebsten. Denn Freizeit ist die Zeit, in der wir NICHT den Bedürfnissen anderer, fremder Menschen, den Bedürfnissen von Kunden dienen.
  • Unser Geld aus unseren bisherigen Investments abziehen und es in Unternehmen stecken, mit denen wir wirklich verbunden sein wollen, weil sie etwas hervorbringen, das uns wirklich etwas bedeutet. Jederzeit können wir „Impact Investing“ machen. – Oder uns für den Zeitpunkt, da unser Geld „frei wird“ schon jetzt nach solchen Möglichkeiten umschauen. – Oder uns überhaupt mal fragen, was wir eigentlich in der Welt wachsen sehen wollen und wo unser eigenes Geld eigentlich hinfließen sollte?
  • Unsere wertvolle Lebenszeit einem Unternehmen widmen, dass wirklich Sinn macht. – Das muss kein „Social Enterprise“ sein, das muss kein umweltbewegtes irgendwas sein. Um „Sinn zu machen“, reicht es völlig aus, dass das Unternehmen wirklich menschlichen Bedürfnissen dient. Nicht zufällig, sondern weil das die erklärte und täglich gelebte Absicht derer ist, die gemeinsam dieses Unternehmen betreiben.

Zu schön um wahr zu sein? Dann macht es vielleicht Sinn für Sie, hier weiter zu lesen…

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