Meine Unschuld, meine Naivität, mein Leben… – …und mein ganzes, heißgeliebtes Wissen

Ich hatte andernorts schon mal das „Osho-Zen-Tarot“ erwähnt und wozu man es u.a. auch nutzen kann.

Da es mir Freude macht, selbst neue Zugänge zu finden, habe ich mir um den Jahreswechsel herum ein eigenes „Format“ ausgedacht, um ein paar Karten zu legen, die mir helfen sollten, mich in diesem Jahr immer mal wieder zu besinnen und auf das für mich Wesentliche zu fokussieren:

1.) Eine Karte für das „Für mich in diesem Jahr Erreichbare“ (es kam: „Die Innere Stimme“)

2.) Eine Karte für „den Ausgangszustand / die Gegenwart“ (es kam: „Die Unschuld“)

3.) Eine Karte für „Was ich selbst dafür tun kann, um das prinzipiell in diesem Jahr für mich Mögliche auch wirklich zu erreichen“ (es kam: „Die Moralität“, die Königin der Wolken)

4.) Eine Karte für „Was mich dabei unterstützt“ (es kam: „Der Schöpfer“, der König des Feuers)

5.) Eine Karte für „Was mich dabei behindert“ (es kam: „Mit dem Strom Schwimmen“ – Das As des Wassers)

Mit diesen Karten konnte und kann ich sehr viel anfangen und ich nutze sie seitdem relativ regelmäßig für’s ruhige Nachdenken darüber, was mir gerade wirklich wichtig ist.

Für den Moment möchte ich hier ein paar Zeilen dazu schreiben, was die Karte „die Unschuld“ in diesem Kontext für mich bedeutet:

Die Karte differenziert zwischen einer ersten Unschuld als Kind und einer zweiten Unschuld, die man als Erwachsener erlangen kann. – Sie zeigt einen Greis, der eine Gottesanbeterin auf dem Handrücken hat und sie kindlich anlacht, ja anstrahlt.

Der zugehörige Text spricht davon, dass die Unschuld, wenn das Kind „größer wird und lernt, dass die Welt gefährlich und bedrohlich ist, von Misstrauen und Zweifeln verdrängt [wird]. Doch die Unschuld eines voll gelebten Lebens ist von Weisheit und Staunen erfüllt und nimmt das Wunder des Lebens an, das ewig im Wandel ist.“ – Und er spricht davon, sein „Wissen loszulassen“.

Das hat für mich persönlich, wie ich mich erlebe, eine große Bedeutung.

Ich erlebe es so: Vieles von dem, was ich „Wissen“ nenne, ist tatsächlich so etwas wie ein  oder ein „Nicht-naiv-sein-wollen“ oder ein „Mich-Schützen-vor-möglichen-Gefahren-und-Bedrohlichkeiten“. Mein Wissen nutze ich wie eine Burg, um mir das Leben vom Leib zu halten. Das ungeordnete, unvorhergesehe, ungeahnte Leben. Das „wahre Leben“ eben.

Ich erlebe das so, dass das auch nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen oft der Fall ist: „Wissen“ ist eine Abschottung vor dem Leben, vor dem, was man Erleben und was etwas mit einem machen könnte.

Insofern erlebe ich es auch als ziemlich problematisch, dass „Wissen“ in großen Teilen unseres Reden und Handelns hoch geschätzt wird.

Es kommt mir so vor, als ob der, der „weiß“, weniger „(er-)lebt“. – Und dass das genau der Zweck ist, aus dem heraus wir die Position „des Bescheid-Wissenden“ anstreben.

Also sozusagen das Wissen als Ende der Naivität, aber zugleich auch als das Ende der Offenheit und den Tod der Liebe.

Man könnte auch sagen: Im Wissen verteidigt sich das aufgebaute Ego gegen das gegen es anbrandende Leben, das immer dazu neigt, jegliches Ego zum Einsturz zu bringen. – Das, was man bereits weiß, setzt sich zusammen zu einem fixen „Etwas“ (ein „Ich“, eine „Identität“), das KEIN NEUES WISSEN, kein neues Erfahren mehr hineinlassen will. – Sozusagen „Fremdenfeindlichkeit unter Wissens-Partikeln“ ;): Die aus der zufälligen Vergangenheit vorhandenen Wissenspartikel tun sich zusammen und schreien dem Neuen entgegen, das vom Leben angespült wird:

„Wir waren zuerst da! Wir haben zusammen dieses Ego hier aufgebaut! – Verpisst Euch, neue Erfahrungen! Verpiss Dich, Leben!“

Für mich selbst heißt das, dass ich vor vielen Entscheidungen stehe, den alten klassischen Entscheidungen zwischen „Du kannst eine von zwei Dingen haben: Du kannst recht haben oder Du kannst glücklich sein“.  – Bisher habe ich mich in vielen Situationen für’s recht haben entschieden.

Ich bin derzeit dran an der Frage, ob mir das glücklich sein möglicherweise doch deutlich mehr wert ist.

Mit vollem Risiko des Verletzt-Werdens, des Verwirrt-Werdens, des Umgestellt-Werdens, des Nicht-Bescheid-Wissens, des Keine-Ahnung-Habens, Ahnungslos-Seins, Inkompetent-Scheinens…

Ich bin selbst gespannt, wie oft ich in diesem begonnenen Jahr die Lust und den Mut habe, meine über die Jahre mühselig aufgebauten Festungen des Wissens zu verlassen und dem Leben wieder nackt und ungeschützt zu begegnen…

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