Eine Welt ohne Drama

Manchmal wünschen wir uns sie, manchmal scheint sie uns unerreichbar wegen äußerer und innerer Gegebenheiten und immer tragen wir selbst zu ihr bei.

„Drama“ im technischen Sinn ist etwas ganz Bestimmtes.

Man könnte aber auch fragen: „Ist eine Welt ohne Drama überhaupt erstrebenswert?“ – Immerhin scheinen wir „biologisch“ überhaupt nicht darauf ausgelegt zu sein?

Und was ist mit der Wut? – Setzt sie nicht auch Kräfte frei? – Ist „Wutkraft“ nicht auch etwas durch und durch Positives, das uns gerade hilft mit uns in Kontakt zu kommen, Position zu beziehen, für andere erkennbar und berechenbar zu sein, und was uns dadurch hilft, eben gerade nicht in versteckte Dramen hineinzuschlittern und Konflikte hintenrum auszutragen?

Drama scheint auch produktiv sein zu können. – Aber eben das ist mit „Drama im technischen Sinn“ (der Transaktionsanalyse) NICHT gemeint. Hier sind Dramen IMMER unproduktiv: Sie kosten uns viel Kraft und sie kosten uns die Beziehungen, die wir uns eigentlich wünschen, ohne uns irgendetwas zu bringen.

Eine Welt ohne Dramen ist daher in jedem Fall erstrebenswert.

Und „Welt“, so ist ja der relative Konsens heutzutage, wird von uns jeweils selbst konstruiert.

Jeder von uns lebt also in seiner ganz eigenen, von ihm höchstpersönlichen Welt.

Warum sollte also irgendwer von uns überhaupt Dramen konstruieren?

Als versierter Dramen-Inszenierer würde ich sagen: A) Aus Gewohnheit. Und B): Dramen sind spannend, sie bringen durchaus eine gewisse Befriedigung. Das ganze System fährt hoch, man fühlt sich lebendig, man scheint „im Kontakt“ zu sein. Mit sich. Mit dem Konfliktpartner.

Aber das ist alles nur der erste Anschein. Über kurz oder lang (eher über kurz) zahlen wir für diese unsere Inszenierungen einen hohen Preis. – Wir sind „im Drama“ nur in Kontakt mit unseren Gedanken und unseren Konstruktionen. Nicht mit unseren Bedürfnissen, nicht „mit dem Leben“, nicht mir dem anderen, den wir für unsere Inszenierung benutzen und mit dem wir die für unser Drama benötigte Täter/Opfer/Retter-Positionen besetzen.

Man kann auch sagen: Eine Welt ohne Drama ist für jeden von uns SOFORT möglich. Nicht: Eine Welt ohne Schmerz, ohne Verluste, ohne Störungen, ohne Irritationen. – Aber all dies ist in sich selbst eben KEIN Drama. Es ist was es ist.

Ein Drama wird aus all dem nur durch unser Zutun, durch unsere Denkgewohnheiten. – Und DIE lassen sich durchaus von uns beeinflussen und verändern.

Wenn wir also das nächste Mal Täter-Opfer-Retter sind und spielen, können wir uns fragen, ob wir das Spiel wirklich so lustvoll finden. – Oder ob es nicht andere Spiele gibt, die wir weitaus lustvoller finden würden, die aber niemals stattfinden, weil wir uns auf das immer gleiche Spiel festgelegt haben.

Das scheint auch die Meinung von Petra Bock mit Ihrer faszinierenden Aufwertung des „Erwachsenen-Verhaltens“ zu sein. Denn im Erwachsenen-Ich gibt es ebenfalls keine Dramen. Dafür gibt es in diesem Ich-Zustand, der jedem von uns zugänglich ist, viele interessante Erfahrungen, die ebenfalls Kräfte freisetzen. Das sind dann aber eben keine altbekannt-faden dramatischen Erfahrungen, sondern Erfahrungen ganz anderer Art: Kernigere, würzigere, erdigere, leichtere, spannendere, ambivalentere, schattierungsreichere, farbigere, vollmundigere…

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