Re-connect!

Ein zentrales Problem unserer heutigen Zeit ist unsere Unverbundenheit. Unsere „Disconnection“. – Der olle Karl Marx hat das gleiche Phänomen mal „Entfremdung“ genannt. – Und manchmal nennt man es auch „die Entzaubertheit der Welt“ oder „metaphysische Heimatlosigkeit“.

Diesen halbreligiösen, halbspirituellen Kram muss man nicht unbedingt kaufen oder mitgehen können, um wahrzunehmen, dass unsere Beziehungen und unsere Verbindungen untereinander gewisse Schräglagen haben, bis dahin, dass man von „kranken Beziehungen“ oder „krankmachenden Beziehungen“ sprechen muss.

Nichtsdestoweniger wissen wir: „Kontakt“ ist notwendig. Wir wollen ja „Business machen“, wir wollen uns spüren, wir wollen uns verbunden fühlen und wir wollen – obwohl das selbst eine kranke Motivation ist – „nicht einsam sein“.

Aber diese unsere Bemühungen um „Kontakt“ sind selbst merkwürdig schräg:

Wir wollen den Kontakt und wollen ihn nicht. Wir wollen baden, aber wir wollen nicht nass werden. Wir wollen Berührung, aber ohne Verletzlichkeit. Wir wollen, dass es etwas mit uns macht, aber bitte ohne dass es etwas mit uns macht, was wir nicht wollen.

Daher kommen wir nicht in Kontakt, daher fühlt sich alles so distanziert und leer uns hohl und sinnlos für uns an.

Wir gehen in Kontakt. Aber: „Gut gerüstet“. Wir gleichen Menschen, die sich zum Sex in einer Ritterrüstung packen, damit „nichts schiefgeht“.

Aber so fühlt sich das Ganze dann halt eben auch nicht ganz so toll an für uns…

Der Witz ist: Wir wollen in Kontakt mit anderen, aber ohne dabei mit Kontakt mit uns selbst zu kommen. – Und: Wir wollen den Kontakt zu anderen Menschen, UM mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Und an diesem Denken ist auch gar nicht unbedingt etwas Falsches: Denn es funktioniert ja!

„Kontakt“ bringt uns in Kontakt.

Im Grunde gibt es hier keine Wirkung und keine Ursache. Eher so etwas wie eine wechselseitige Verknüpfung, einen „systemischen Zusammenhang“.

Das ist im Grunde eine „frohe Botschaft“. – Denn sie bedeutet zwar, dass uns „Techniken“ hier nicht weiterhelfen (sie gehören zur Sphäre des Linearen, der eindeutigen Ursache und der eindeutigen Wirkung). Aber es bedeutet eben auch, dass wir ÜBERALL ANSETZEN KÖNNEN. Dass es völlig gleichgültigt ist, wo wir ansetzen:

Wir können einen besseren Kontakt mit uns selbst pflegen (meditieren, auf gute Art Sport machen, uns bewegen, tanzen, uns liebevoll nähren und versorgen, liebevolle Gedanken pflegen, und selbst nach unseren Bedürfnissen fragen, uns Zeit geben und uns Zeit nehmen, uns Ruhe und Stille gönnen, Singen, Spielen… and so on…). – UND DANN UND SO in Kontakt mit anderen Menschen gehen.

Wir können aber genauso gut all das sein lassen und – mit uns selbst unverbunden – in Kontakt mit anderen gehen. UND DADURCH mit uns selbst verbunden werden, angeregt werden, auf uns selbst verwiesen werden, usw. usf.

Der letztere „Weg“: Kontakt mit anderen zu suchen, ohne in Kontakt mit uns selbst zu sein, ist eine Art „instant feedback“ für uns, wo wir gerade stehen, wie es uns gerade geht, und wer wir eigentlich gerade sind.

Dieser Weg ist manchmal schmerzhaft und unangenehm. Aber das ist dann gut so.

Und dieser Weg ist nur dann ein „Problem“ und führt zu noch weiterem Kontaktverlust, zu noch mehr „Aufrüstung“, wenn wir das, was wir an „schlechtem Kontakt mit anderen erleben“, folgendermaßen zuordnen:

Die anderen sind doof. Die anderen sind das Problem.

Wenn wir stattdessen sagen: „Danke für dieses Feedback. Es tut weh. Ich lass das jetzt mal sacken. — Und ziehe dann, wenn ich soweit bin, meine Schlüsse für mich daraus…“

…dann gibt es da eigentlich kein Problem. Alles ist in bester Ordnung. Mit dem Unangenehmen, mit den Schmerzen, mit den Ängsten. – Es ist gut, dass es sie gibt. Es sind Signale, es sind liebevolle Hinweise an uns, dass wir uns weiterentwickeln wollen und jetzt sofort auch weiterentwickeln können.

Schmerz, Angst, Unangenehmes: All das ist Information über unsere Unverbundenheit mit uns selbst.

Und auch daher bringen uns Kontakte mit anderen Menschen immer wieder in Kontakt mit uns selbst.

Und wenn wir das eben gerade einfach nicht verstehen wollen: Dann VERTIEFEN sich eben unsere Probleme. Dann vertieft sich unsere Unverbundenheit.

Und auch das führt wieder zu Informationen. Auch das führt wieder zu liebevollen Hinweisen, wo wir nun stehen, durch unser Verhalten, durch unsere Schlüsse, durch unseren Umgang mit uns selbst.

We can’t blame nobody.

But we can re-connect.

Anytime.

Anyway.

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