Die Feminisierung unserer Unternehmen und unserer Business-Welt

Ich danke Christa Mesnaric, die mich heute bei „meinem Thema“ mit diesem Thema ein großes Stück voran und zu deutlich mehr Klarheit gebracht hat! 🙂

Nein, es geht mir nicht „um die Quote“. Und: Nein, es geht mir auch nicht darum, dass „Frauen die besseren Menschen“ oder generell auf irgend eine mystische Weise per se besser wären.

Viel eher geht es mir darum, dass ein Spiel, in dem bisher alle eher verlieren, sich drehen lässt. Und dass es dadurch zu einem Spiel wird, in dem alle Beteiligten deutlich mehr gewinnen können.

Und darum, dass die Dinge dahin gelangen, wo sie „natürlicherweise“ hingehören und dass wir diesen Prozess nicht durch unser überengagiertes Denken blockieren (in solchen Blockaden bin ich selbst Spezialist…).

Und wer jetzt alarmiert ist: Nein, Frauen gehören für mich definitiv NICHT nur an den Herd oder in die Familie, sondern ganz im Gegenteil…

…um genau dieses ganz bestimmte Gegenteil geht es mir im Folgenden.

In diesem Artikel hier hatte ich schon einmal beschrieben, dass es zahlreiche Unternehmen in Deutschland gibt, die als Ganzes einen Turnaround geschafft haben und sich konsequent in Richtung „weibliche Werte“ bewegen.

Konkret geht es bei diesem „Turnaround“ z.B. um die Beseitigung hierarchischer Organisation, um eine Eindämmung der umständlichen Regelwerke, über die Unternehmen bisher das Handeln zu koordinieren versuchten, und den Abbau der interner Konkurrenz, wie sie bisher durch das Konzept der Karriere forciert wurde.

Zugleich werden all diese Veränderung – zumindest nach meinen bisherigen Beobachtungen – fast ausnahmslos von Männern vorangetrieben. In der Regel von den männlichen Geschäftsführern dieser Unternehmen. Für mich ist das durchaus erstaunlich. Denn warum sollte ich als Mann mich für die Realisierung „weiblicherer“ Organisation einsetzen? – Also z.B. für Netzwerke, empathischere Verbindung, Sinngetriebene Zusammenarbeit anstatt für das übliche Höher, Schneller, Weiter…?

Nun könnte man sagen: Naja, da bisher halt zu einem weit überdurchschnittlichen Anteil Männer GF und CEO-Positionen besetzen, wie könnte, wie sollte es da anders sein?

Mir kommt es allerdings so vor, als wäre bei diesen Vorgängen etwas anderes am Werk:

Ein Prinzip sinnvoller Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. – Eine Arbeitsteilung, die auch Konsequenzen haben müsste für das, wie es nun in solchen Unternehmen weiter geht, die angefangen haben, solche neuen internen Strukturen zu schaffen.

Ich sehe Männer als – qua Testosteron-Überschuss – durchaus produktiv-aggressives Moment in Unternehmen: Welterschließung, neue Wege gehen, die Meriten einheimsen für’s „Erster Sein“, eigene Fußspuren hinterlassen: Zu all dem werden wir von klein auf von allen möglichen Instanzen angehalten. – Und das liegt uns einfach auch. Es ist keine reine gesellschaftliche Programmierung, zumindest keine, die unserer biologischen Beschaffenheit vollkommen widerstreben würde…

Soweit, so weitgehend okay. Zumindest für mich.

Führen aber Männer nun neue Strukturen ein in Unternehmen, die eines deutlich empathischeren täglichen Miteinanders im Unternehmen bedürfen, um dauerhaft zu funktionieren – um betriebswirtschaftlich zu funktionieren! -, dann wäre es nur konsequent, wenn sie sich nach der Einführung des Neuen für sich selbst neue Aufgaben suchen würden. Anstatt sich auf dem erreichten einfach nur auszuruhen. Eine Zeit lang mag ein solches Ausruhen zwar ganz nett, auch verdient und in Ordnung sein. Aber auf Dauer, kann man sagen, ist das doch irgendwie…

…unmännlich.

Die „Macher-Männer“, die ich dort am Werk sehe, täten aus meiner Sicht auch ihren eigenen Projekten, also dem, was sie selbst geschaffen haben, einen Gefallen, wenn sie den Moment abpassen, ab dem sie ihr Projekt in Manager-Hände geben würden, die von Natur aus deutlich mehr Empathie mitbringen, als sie selber realisieren können. – Sie müssten sich teilweise selbst Gewalt antun, um die Manager zu sein, die ihr Unternehmen nun braucht.

Um das in ein Bild zu fassen: Diese „Macher-Männer“ haben mit der Machete in der Hand eine Schneise in den Dschungel gebahnt. Aber auf diesem nun angelegten Pfad sollten ihnen andere nachfolgen, die weniger zum Macheten-Schwingen neigen und auch überhaupt weniger zum notorischen Beschreiten neuer Wege…

Kurz gesagt: Ich würde gern mehr Frauen an der Spitze dieser Unternehmen sehen, nachdem diese „einmal auf links gekrempelt wurden“. – Ich habe den Eindruck, das funktioniert besser.

Nun werden sicherlich viele schreien: Gender! Geschlechterklischee! – Einige Männer werden sich falsch eingeordnet fühlen. Einige Frauen werden sich falsch eingeordnet fühlen.

Ich halte es aber für weitgehend unzweifelhaft, dass ein hoher Testosteron-Spiegel deutlich erkennbare Auswirkungen auf unsere Empathie-Fähigkeit hat. – Man denke nur an die „Altersmilde“ vieler Männer, wenn ab 40-50 allmählich der Testosteron-Spiegel nachlässt. Viele Männer, die ihre Vaterrolle eher als die eines verständnislose Tyrannen interpretiert haben, deren Aufgabe es ist, da draußen „Jagen zu gehen“ und die Kohle ran zu schaffen, sind im Umgang mit ihren Enkeln fantastische, liebevolle Opas. Von der Ausbildung von „weiblichen“ Brüsten mal ganz zu schweigen… 😉

Und ich halte es für unzweifelhaft, dass der Durchschnitt der Männer mehr Testosteron im Blut hat als der Durchschnitt der Frauen. – Und dass allein schon dieser, rein biologische (!) Unterschied EINIGES erklärt, was wir auf der Verhaltensebene bei vielen unserer Mitfrauen und Mitmänner täglich beobachten können.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für mich gehören mehr Frauen ins Topmanagement oder überhaupt in Führungsrollen. – Und für mich gehören deutlich mehr Männer „an die Front“, in die direkte Arbeit „am Produkt“ oder als „typisch männliche Versionen“ eines guten Vertrieblers oder Verkäufers (sehr erfolgreiche weibliche Versionen guten Vertriebs / Verkaufs gibt es selbstverständlich auch – vielen durfte ich persönlich begegnen).

Aber das verstärkt vor allem nachdem wir Männer „unseren Job gemacht haben“ und unsere Unternehmen derart umgekrempelt haben, wie es uns einfach in der Tendenz leichter fällt.

Das darf freilich nicht zu einem Alibi-Argument werden. – So nach der Devise: „Wir sind jetzt noch nicht so weit – daher jetzt eben bei uns noch nicht so viele Frauen in Management-Rollen“. – Also ein Aufschieben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Worum es geht, ist, dass wir JETZT anpacken, was ansteht. Und mit diesem „Wir“ meine ich ausdrücklich uns Männer. – Viele unserer Geschlechtsgenossen machen es uns bereits heute vor, was alles möglich ist. Wenn uns unser männlicher Mut nicht verlässt.

Aber dann sollten wir auf unsere „männliche Intuition“ hören und den Weg frei machen für diejenigen, die das Verwaltende, Ausgleichende, Gut Führende besser können als wir. Wir sollten den Weg frei machen für all die starken Frauen, die da draußen sind. Wir sollten Frauen den Weg bahnen, sehr bewusst.

Ich bin der Auffassung, dass wir damit ALLEN einen Gefallen tun:

Uns selbst.

Den Business-Frauen dieser Welt.

Und nicht zuletzt den Unternehmen, denen wir dienen und denen wir uns verpflichtet fühlen.

DAS ist unser Job. Nicht das, was wir uns heute oft ans Bein kleben und was uns tierisch auf die Nerven geht. Was uns ganz einfach deswegen tierisch auf die Nerven geht, weil es im Grunde einfach nicht „das Unsrige“ ist.

Wir sollten uns von Management- und Führungs-Aufgaben lösen, die uns keine Freude bereiten: Die uns entweder keine Freude mehr bereiten oder uns vielleicht sogar nie Freude bereitet haben, wenn wir ehrlich zu uns selber sind.

Wir haben besseres zu tun. Wir können besseres leisten.

Ganz einfach mit dem, was wir ganz natürlich mitbringen.

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