Das Beziehungsparadigma in und mit Unternehmen

Die Metapher der „Beziehung“ die ich systematisch auf die Beziehungen (haha!) in und mit Unternehmen anwende, sagt unter anderem Folgendes:

  • „Sinn“ finden wir als Menschen nur in Beziehungen
  • Unternehmen lassen sich metaphorisch wie Menschen sehen und Behandeln – Gewissermaßen brauchen WIR (als Menschen) das auch, wenn wir in gesunden Beziehungen zu unseren Unternehmen stehen wollen
  • Menschen entwickeln sich gut in guten Beziehungen und schlecht in schlechten Beziehungen. Schlechte Beziehungen können zwar gute Lernerfahrungen bieten („kenne die Unterschiede“), sind sie aber von Dauer, führen sie zum Verfall von Fähigkeiten, Haltungen und Gesundheit der Beteiligten Menschen.
  • Sehen wir unser gesamtes Wirtschaften „beziehungsorientiert“, wird klar: Es kann nur darum gehen, dass wir auf die Bedürfnisse jeweils aller Beteiligter schauen, dass wir ihnen Raum geben, sich zu melden (sowohl bei Erfülltheit als auch bei Unerfülltheit –> Gefühle zulassen und äußern!!!) und dass wir vermeintliche „Bedürfniskonflikte“ (die es in Wirklichkeit nicht gibt) individuell ansehen und dann auf sie eingehen, wenn sie auftreten („auf Sicht“).
  • Was im bisherigen Wirtschaften leidet, sind wir selbst, weil wir unpassende Beziehungen in die Welt bringen und stabilisieren. Das betrifft nicht nur Kundenbeziehungen und Beziehungen der Mitunternehmer untereinander und zum Unternehmen als Gesamtem. Es betrifft auch die Beziehungen zwischen Geldgebern/Besitzern und Unternehmen. Und es betrifft auch die Beziehung zu Lieferanten, Dienstleistern und der weiteren Umwelt des Unternehmens.
  • Beziehungen kann man nur in kleinen Schritten verändern, durch kontinuierliches Engagement. Von großen Würfen, wie sie die Gemeinwohlökonomie (mangels Beziehungsparadigma) forciert, ist abzuraten: Dadurch kommen WEITERE ungesunde, gewalthafte Beziehungen in die Welt. Anstatt wie beabsichtigt die vorhandenen Beziehungen zu transformieren, werden auf ungute Beziehungen neue ungute Beziehungen drauf gesetzt. – Leider wird das von vielen Menschen mit durchaus besten Absichten derzeit noch nicht gesehen, so dass sie hier noch ihre Erfahrungsrunden drehen. – Aber wer diesen Zusammenhang bereits heute wahrnehmen kann, sollte Alternativen zur Verfügung haben. Das Beziehungsparadigma ist eine solche Alternative.
  • Es gibt nur einen Weg, Beziehungen zu gestalten: Selbst Teil von Ihnen zu werden. Veränderung, ohne sich selbst dabei zu verändern, ist unmöglich. – Es gibt NIRGENDWO eine „Gott-Position“ in der Wirtschaft oder im Unternehmertum. – Dieses statement ist weit weniger trivial als man meinen könnte: Denn jede Form von „Management“, alle mir bekannten „Sozialtechnologien“, viele Unternehmensberater da draußen und eben leider auch meine Freunde von der Gemeinwohlökonomie versuchen genau so eine Gott-Position einzunehmen. Diese Position zeichnet sich dadurch aus, dass man „drüber steht“, anstatt in Beziehung zu gehen. Die Haltung dahinter ist kurz gesagt: „Du sollst Dich verändern, ich will mich nicht verändern.“ – Oder klassisch transaktionsanalytisch: „Ich bin okay, Du bist nicht okay“. – Gerade die Gemeinwohlökonomie leidet in ihrem Kern an einem (sehr traditionellen) negativen Bild von „der Wirtschaft“ und Unternehmen, die sie daher zähmen und in dem Gemeinwohl dienende Bahnen leiten will. Glücklicherweise lässt sich das Leben in dieser Form nicht zähmen. Aber es lässt sich noch böser und noch zynischer machen, wenn man es versucht, es so zu „begradigen“. Wie bei Kindern, die man „zu erziehen“ versucht. – Der in meinen Augen bessere Weg ist, in Beziehung zu gehen, sich einzulassen, mit den Bedürfnisse hinter dem gezeigten Verhalten in Kontakt zu gehen und für diese Bedürfnisse neue Lösungen zu finden. – Ich gehe davon aus, dass sich schon in kurzer Zeit viele Menschen genervt von den Vorschlägen und Gängelungen der Gemeinwohlökonomie abwenden werden. – Meine Sorge ist, dass sie dann einfach in Depression und Zynismus verfallen, weil sie dann dem Gedanken folgen: „Das war ein Griff ins Klo, also kann man GAR NICHTS machen“. – Hier möchte ich einfach nur sagen: Alle Absichten hinter der Gemeinwohlökonomie sind einfach nur gut und nachvollziehbar. – Aber es gibt andere, funktionierende Wege, das zu erreichen, was die Gemeinwohlökonomie eigentlich will: Bessere Beziehungen in und mit Unternehmen.
  • Ich selbst neige ebenfalls zum Versuch, „die Gottposition in Gedanken einzunehmen“; das heißt: auch für mich ist es eine tägliche, stündliche, minütliche, sekündliche „Arbeit“, diese Position zu verlassen und statt dessen meine Empathie für mich selbst und andere zu pflegen. – Die Haltung „ich habe das Richtige erkannt und nun verändert Euch doch alle mal“ kenne ich nur all zu gut von mir selbst, in vielen verschiedenen Formen und Verkleidungen. Ich hoffe sehr, dass dieser Artikel keine weitere solche Verkleidung ist. Ich fasse ihn als Angebot auf: Lasst uns in Unternehmen vor allem unsere Beziehungen, Gefühle und Bedürfnisse fokussieren. Wenn es auch nur einem von uns in unserer Beziehung nicht gut geht, haben wir alle ein Interesse, uns in Ruhe die benötigte Zeit zu nehmen und uns dem Sachverhalt aufmerksam zuzuwenden. Wenn wir dabei merken, dass hier eine ungute Beziehungsdynamik vorliegt, in der es einem von uns dauerhaft schlecht gehen muss, kommen wir von ganz allein zur Bereitschaft, etwas zu verändern. Etwas zu verändern, ohne dass dabei etwas anderes Wichtiges verloren geht oder übersehen wird. Und wir erheben für uns selbst den gleichen Anspruch: Zu zeigen, wenn etwas nicht gut läuft nach unserem Empfinden und bei diesem offenen Aufzeigen „die Beziehung zu riskieren“. Diese Form von Selbstempathie ist die ungleich schwerere. Schwerer noch als Fremdempathie in einem Zustand, in dem man selbst gestresst und emotional unterversorgt ist.
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