Gute Theorien – Schlechte Theorien

Es gibt im Grunde nur einen Weg herauszufinden, ob eine bestimmte Theorie in einer bestimmten Situation für mich in einem bestimmten Zustand „eine gute Theorie“ ist: Sie auszuprobieren – und dann wahrzunehmen, wie sich das anfühlt, was DANN folgt.

Schlechte Gefühle sprechen dabei nicht unbedingt gegen die Theorie, das heißt: Unangenehme Gefühle sprechen NICHT UNBEDINGT gegen eine zweite oder weitere Anwendungen der Theorie in ähnlichen oder anderen Situationen…

…Aber über eine bessere „Beurteilungs-Instanz“ als die Beurteilung durch die Gefühle, die sich „nach Anwendung einer Theorie einstellen, verfügen wir dennoch nicht…

Für die Theoretiker unter uns gibt es allerdings noch eine zweite Möglichkeit, wie sich „Theorien systematisch testen“ lassen:

Eine schlechte Theorie kollabiert, wenn man sie auf sich selbst anwendet. – Das heißt in manchen Fällen auch: Wenn man sie auf die menschlichen Vertreter der Theorie anwendet.

Eine gute Theorie wird noch besser, reichhaltiger, wenn man sie auf sich selbst anwendet. – Sie findet GENAU DARIN: IN DER ANWENDUNG AUF SICH SELBST ihre Grenzen, ihr „sinnvolles Anwendungsgebiet“. – Bezogen auf die menschlichen Vertreter der Theorie heißt das: Man versteht ihre Situation besser. Man versteht dann die sehr konkreten, sehr spezifischen Probleme, auf die sie „mit dieser Theorie antworten“ und die sie mit genau dieser Theorie einer Lösung zuführen zu suchen.

Das hat man mir zumindest in der Philosophie beigebracht. – Und bisher bin ich auf kein Gegenbeispiel einer guten oder schlechten Theorie gestoßen, das dieses Prinzip falsifiziert hätte…

Dennoch bevorzuge ich das Testen durch gelegentliche „Selbstversuche in verschiedenen Situationen“. – Ich nenne das „Theorien-Pragmatismus„.

D.h. dann auch: Es gibt keine Theorie die „an sich“ gut oder schlecht ist, unabhängig vom Anwender und unabhängig von seiner Situation.

Es hilft mir, „Theorien zu reiten, anstatt von ihnen geritten zu werden“. – Es hilft mir, keiner Ideologie zu verfallen. Zumindest nicht auf Dauer.

Nur gegentlich nutze ich eben doch den „theoretischen Theorien-Test“ (Kongruenz der Theorie auch bei der Anwendung auf sie selbst bzw. auf ihre Anwender). Und zwar genau dann, wenn ich – akut konfrontiert mit einer für mich neuen Theorie – ein ungutes Gefühl habe, das ich aber gerade irgendwie nicht zu ordnen kann.

In der Regel führt die Frage: „Und was sehe ich jetzt, wenn ich die Theorie/den Theoretiker durch die Brille der von ihm vertretenen Theorie betrachte…?“ bei mir recht unmittelbar zu Klarheit darüber, ob ich wirklich Lust habe, die Theorie auch mal anzuwenden…

Meistens führt diese Frage bei mir zu einem sehr klaren „Nein“. – Ich kann nun zu ordnen, worauf genauer sich mein ungutes Gefühl bezieht.

Im Grunde könnte mir aber auch mein ungutes Gefühl reichen. Aber so weit bin ich anscheinend noch nicht… 😉

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