Falsch verkabelt

Was in vielen Unternehmen nicht ganz so gut läuft, wurde mir dieses Wochenende noch mal auf neue und sehr unmittelbare Art klar…

Ich habe mir mal wieder die Teilnahme an einem GfK/NVC-Seminar gegönnt. Bei der fantastischen Marion Kaiser, die das für mich sehr gut, sehr ruhig und sehr ermutigend rüber bringt. Ihre Seminare zeichnen sich dadurch aus, dass auch unter den Teilnehmern eine sehr gute Verbindung ensteht und man plötzlich sehr viel miteinander anfangen kann.

„Die Erkenntnis des Tages“ hatte ich aber bei einer sehr persönlichen Sequenz. Zu Übungszwecken hatte ich mir eine der unangenehmsten Situationen im ausklingenden Jahr ausgesucht, ein Gespräch mit der Leiterin unseres Kindergartens, das aber mal sowas von in die Hose ging und zur Folge hatte, dass ich unseren Sohnemann danach 3 Monate jeden Tag mit schlechtem Gefühl hinbrachte, in Sorge, der Leiterin über den Weg zu laufen. Ich übte also nochmal die Sequenz mithilfe meiner Mit-Trainierenden.

Und was mich wirklich „vor den Kopf stieß“ war: WIE VIEL langsamer ich machen musst, um in der Situation mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. – Und dann DIE Wirkung auf meine Gesprächspartnerin zu haben, die ich eigentlich haben wollte.

Was mich dabei ebenfalls vor den Kopf stieß war: WIE VIEL ich weniger sagen musste, um nach diesem mühevoll hergestellten inneren Kontakt eben jene Wirkung zu erzielen und dann genau das zu bekommen, was ich von meiner Gesprächspartnerin in der Situation bekommen wollte.

Ich bin ein Mensch, der solche Situationen neben dem Unangenehmen, das sie wohl für so ziemlich alle Menschen haben, zusätzlich auch noch als demütigend empfindet.

Warum?

Ich habe viele Jahre viel Energie, Zeit und auch einige schmerzvolle Erfahrungen darein investiert, die Gedankenbahnen in meinem Kopf „zuzurichten“. Habe bestimmte Gedankenbahnen umgelenkt. Andere mühevoll aufgebaut. Wieder andere saniert. Immer wieder auch völlig neue Areale erschlossen. Oder ganze Bereiche neu mit ganz anderen, weit entfernt liegen Bereichen meines Denkens vernetzt. Man könnte sagen: Mein Kopf ist intern recht ansprechend verkabelt.

Schlecht verkabelt ist dagegen: Dieser sehr gut verdrahtete Kopf mit „dem Rest“: Meinem Körper, inklusive den Gefühlen und Bedürfnissen, die ich habe und die sich unterhalb der Kinnlinie aufbauen und äußern.

Für jemanden, der so einen guten Zugang zu Worten hat wie ich, und dem es sonst so leicht fällt, neue Verknüpfungen auch spontan herzustellen, fiel es mir in der sehr konkreten Gesprächssituation bemerkenswert schwer, überhaupt Worte für das zu finden, was mich bewegte.

Und der Effekt dieser sehr guten „Internen-Kopf-Verkabelung“ und „fehlenden-Kopf-Körper-Verkabelung“ auf meine Gesprächspartnerin war eben: Sie konnte mit meinem Gerede nichts anfangen. Sie wusste gar nicht was ich wollte. Sie hatte das Gefühl, ich stehle ihr gerade die Zeit. Das war dann doch einigermaßen harter Tobak für mich. Aber es „erklärte“ auch ganz gut, warum das Gespräch in der Realität so dermaßen in die Hose gegangen war…

Überträgt man dieses „Problem“ ohne Rücksicht auf Verluste auf das, was in vielen Unternehmen los ist, entspräche das einem „Unternehmenswasserkopf“, einer „Zentrale“, die dazu neigt, sich immer weiter auszubauen und intern mit sich selbst möglichst gut zu vernetzen „um die Realität im Unternehmen und auf dem Markt“ besser abbilden oder besser auf sie reagieren zu können.

Sicher kennen sie solche Unternehmen. Im Grunde haben sogar beinahe alle Unternehmen diese „Neigung“. Es ist ja auch so verführerisch: Einfach mehr in Planung investieren. Einfach noch mehr über den Markt wissen. Einfach noch mehr in „gute Steuerung“ investieren – und schon läuft’s! – komplett daneben…

Aber was soll denn die Alternative sein? – Wir können doch nicht einfach alles völlig loslassen? – Unsere Mitarbeiter wären davon komplett überfordert!

Alles irgendwie richtig. Und es scheint ja auch nicht von ungefähr zu kommen, dass es überhaupt einen „Kopf“ und ein derart aufgemotztes „Gehirn“ gibt. – Allein zu seinem „sachgemäßen Gebrauch“ gäbe es durchaus einiges zu sagen. Denn hier gibt es durchaus Alternativen…

Im persönlichen Bereich kann das z.B. so aussehen.

In Unternehmen z.B. so oder so.

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Ein Gedanke zu “Falsch verkabelt

  1. Hallo Ardalan,
    ich habe im Profil von Marion Kaiser entdeckt, daß sie auch eine Focusingausbildung gemacht hat.
    Ich praktiziere Focusing seit ein paar Jahren und es passt bei mir gut zu GfK, insbesondere um meine “fehlende-Kopf-Körper-Verkabelung” zu entwickeln und ganz besonders um langsamer zu werden.

    Viele Grüsse
    Dirk

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