Sex sells – Neues Altes von der Recruiting-Front

Dass das Anbandeln zwischen Mann und Frau einiges hergibt für ein Verständnis der Beziehung zwischen uns und unseren Unternehmen ist hier vielleicht spürbar geworden.

Auch dass diese Beziehung vielleicht generell von dieser Metapher her überdacht werden könnte, ist vielleicht für einige nachvollziehbar.

Gestern haben mir ein paar Blogartikel anderer Autoren nochmal neu zu denken gegeben. – Konkret handelt es sich um diese hier:

1.)

http://www.maennlichkeit-staerken.de/flirten/macho-werden

Überträgt man das hier Gesagte im Zuge der Gesamtmetapher auf die Beziehung zwischen Unternehmen und Menschen, so kann man sagen:

Es ist vielleicht die Frage, worum es geht: Einen „erfolgreichen“ One-night-stand, eine Affäre oder eine langfristige Beziehung?

Unternehmen sind sehr anfällig für „den starken Mann“. Sie lassen sich von ihm durchaus beeindrucken. – Aber nur wenige Menschen wagen „den starken Mann“ in ihrer Anbandlung mit Unternehmen zu markieren. Weil sie wissen, dass es um eine langfristigere Beziehung geht. Und sie das, was sie da vormachen, wieder einholen wird.

Mal abgesehen davon, muss man auch feststellen, dass die beiden Blog-Autoren noch recht Jung-Männerhaft daherkommen. Da es sich bei ihnen offensichtlich im Kern um „gute Jungs“ handelt, dürfte es sich von ganz allein ergeben, dass sie nach ein paar längeren Beziehungen inklusive „Zusammenziehen und gemeinsam Kinder großziehen“ einige Dinge anders sehen werden als sie das derzeit noch tun. – Sofern sie ihr Flirt-Tipp-Business nicht psychologisch festhält und ihnen ihre eigene Weiterentwicklung blockiert. Aber das ist dann ja glücklicherweise nicht unser Problem…

2.)

http://tryingtosettle.wordpress.com/2014/11/26/kurzfristige-zufriedenheit/

Sehr gut gefällt mir der Titel dieses Blogbeitrags. – Weniger sein Inhalt. Aber er zeigt sehr schön, wo die Problematik liegt. – Hat der Mitarbeiter „plötzlich“ Gefühle, so sind beziehungsunfähige Unternehmen enttäuscht und überfordert.

3.)

http://liebeleben.me/2014/11/20/zu-wenig-sex-der-entwicklungs-booster-fur-meine-ehe/

Hier haben wir offensichtlich eine gewachsene und weiter wachsende Beziehung vor uns. – Nur mal so als hoffnungsmachendes Gegenbild zum Bisherigen.

Welche Impulse kann man nun im Progamm unseres kleinen metaphorischen Experiments (Mann = MitunternehmerIn / Unternehmen = Frau) aus diesen Blog-Beiträgen ziehen?

Neben dem bereits Gesagten (Unternehmen müssen aufpassen, dass sie nicht ihrem Faible für zur Schau gestellte gefühlsbefreite Stärke bei Mitunternehmern erliegen), vielleicht Folgendes:

  • Reden über Gefühle und Bedürfnisse hilft in Unternehmen besonders dann, wenn’s Schmerzhaft wird und ans Eingemachte geht. – In der Regel entsteht auch erst dann eine Bereitschaft dazu. Und das auch nur dann, wenn keine der beiden Seiten die „Easy-exit-option“ wählt (die Kündigung). – Dieser Ausweg wird – entgegen den allgemeinen Eindruck – nach wie vor viel zu Früh gewählt. Sowohl von Unternehmen wie von Mitunternehmern. Es besteht schlichtweg vollkommene Ahnungslosigkeit Hilflosigkeit, wie man überhaupt mit echten Beziehungsproblemen in Unternehmen umgehen kann. Weder Mitunternehmer noch Unternehmen verfügen über ein brauchbares Repertoire an Handlungsmöglichkeiten, um mit solchen Situationen produktiv umgehen zu können.
  • Mitunternehmer brauchen in Langzeitbeziehungen sicher BEIDES: Die Fähigkeit, demonstrativ Stärke zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und mutig unabgesegnete Entscheidungen zu treffen und „einfach mal zu machen“. Aber genauso die Fähigkeit, im Unternehmenskontext weiterhin eigene Gefühle und Bedürfnisse überhaupt für sich selbst wahrzunehmen. Und ihre Gefühle und Bedürfnisse dann auch offen zu vertreten, zu kommunizieren und für sie einzustehen („ich brauche das“ / „es geht mir nicht gut mit… , weil…“). – Können Mitunternehmer das eine oder das andere oder gar beides nicht, handelt es sich gewissermaßen um „noch unreife Mitunternehmer“, mit denen Unternehmen im Grunde nichts anfangen können. Zumindest nicht in einer langfristigen Beziehung. – Hier ist aus meiner Sicht – wenn es par tout keine Weiterentwicklung gibt, irgendwann wirklich auch mal eine Trennung angebracht. Beiden: Unternehmen wie Mitunternehmern tut SO EINE Trennung durchaus besser als das „Notorisch-Zusammenbleiben“. – Nur ist das dann eine Trennung aus einem ganz anderen Grund als üblicherweise im Unternehmens-Kontext. – Dass es so etwas durchaus schon gibt in der Realität von Unternehmen, kann man hier und hier sehen.
  • Ja, und vielleicht muss man es abschließend vielleicht doch noch einmal ausdrücklich betonen: Das „Alpha-Mann“-Ding ist zwar geil, aber ein Auslaufmodell. Bei Mitunternehmern wie bei Unternehmen ist es derzeit zwar noch groß in Mode. Es erzeugt auf beiden Seiten aber derart viel Schwierigkeiten, dass man nüchtern feststellen kann: Worum immer es dabei gehen mag, es geht ganz sicher nicht um eine glückliche Langzeitbeziehung. – In Ländern, die die Beziehung von Mitunternehmern zu Unternehmen auf Dauerflirt gestellt haben, mag das irgendwie sinnvoll sein, sich in erstarrter Gefühlkälte und schmerzbefreiter Starrheit und unter Zuhilfenahme der Pharmakologie aufzuplustern. – Ich bezweifle aber, dass selbst Amis wirklich so leben wollen, wenn sie einmal die Alternative kennen gelernt haben. – Es ist auf Dauer einfach viel zu stressig, es geht zu viel Know-How verloren, es führt zu Stagnation anstatt zu Weiterentwicklung der Beziehung und der der Beziehungspartner. Und es führt auch zu jenen unbefriedigenden „Selbstbedienungsläden“, die ich andernorts schon ausführlich beschrieben habe.

P.S. Die Flirtmetapher wird von anderen Autoren sehr ausführlich und spannend auch auf die KUNDEN-Beziehung angewendet. – Auch hier geht es um „echte“, um ernsthafte Beziehungen. – Also nicht um den „quick win“, der nur zu einem mehr oder weniger befriedigenden Quickie führen kann, sondern um die Anbahnung dauerhafterer Kontakte und Bindungen.

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4 Gedanken zu “Sex sells – Neues Altes von der Recruiting-Front

  1. Sehr gern geschehen! 🙂 Und noch einmal: Respekt für den tollen Artikel und herzlichen Dank für den Mut, ihn zu verfassen und zu veröffentlichen. Ich empfinde Euer Beispiel als sehr hilfreich nicht nur für meine kleinen Metaphernspielereien hier, sondern auch für mein ganz reales Beziehungsleben! 🙂

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  2. Danke fürs Verlinken und für die Kritik. Ja, das war einer der Tage an denen die Amazone Überhand gewonnen hat. Mögen sie immer weniger werden, aber trotzdem nie ganz verschwinden. Denn: Grundsätzlich ist es richtig, dass man für langfristige „Kooperationen“ echte Gefühle, Mitgefühl und die Fähigkeit miteinander zu sprechen benötigt. Sonst passiert genau das, was so treffend mit „sich in erstarrter Gefühlkälte und schmerzbefreiter Starrheit und unter Zuhilfenahme der Pharmakologie auf(zu)plustern.“ beschrieben wird.
    Aber: Es muss ein gewisses Gleichgewicht herrschen. Eine Kooperation, in der immer nur die Sonne scheint, ist mE zum Scheitern verurteilt, da keine Notwendigkeit besteht sich weiterzuentwickeln. Der Mensch neigt leider zur Trägheit.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für diese in meinen Ohren überaus freundliche Aufnahme meines anmaßenden Urteils! 🙂

      Ich wünsche sowohl der Amazone wie auch allen anderen „Gestalten“, die in Dir lebendig sind, viel Freude am weiteren Miteinander!

      Weiterentwicklung geschieht nach den bisherigen Erfahrungen in meinem Leben von allein, relativ unvermeidlich. – Wir können uns nur aussuchen, wie sanft oder wie hart wir sie haben wollen oder brauchen.

      Herzlich,
      Ardalan

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