Lob des alltäglichen, souveränen Policy-Verstoßes

Meine Frau war heute einkaufen. Bei einem Hit-Markt in München.

An der Kasse bekam ein Mann vor ihr ein Überraschungs-Packerl mit Walt-Disney-Stickern. Daraufhin fragte sie den jungen Kassierer: „Ich hab auch so nen kleinen Wutz zu Hause. Der ist da ganz scharf drauf. Was muss man denn für einen Mindest-Einkaufs-Wert haben, um so ein Packerl zu bekommen?“

„Ab 15 Euro.“

„…Argh! Da hab ich diesmal wohl etwas zu wenig eingekauft…“

– Daraufhin zwinkerte der Kassierer meiner Frau zu und schob ihr verschwörerisch ein Packerl über die Ladentheke rüber…

Wir sind uns wohl einig, dass der gute Mann da ein Stück guter Arbeit in Sachen Kundenbindung geleistet hat.

Wenn es nun nicht grade Vorgabe ist, die Sticker auch Kunden auszuhändigen, die danach fragen, obwohl ihr Einkauf unter dem dafür benötigten Mindesteinkaufswert liegt, hat der Mitarbeiter damit nur leider zugleich gegen eine Richtlinie verstoßen. (BTW: Das erinnert mich an eine schöne Sequenz aus dem alten Ballerspiel DOOM3: „…you’ve just violated a direct order…“ bekommt man da vom Bösewicht „Sarge“ über Funk mitgeteilt, nachdem man sich dafür entschieden hat, das von der Spiellogik her Richtige zu tun. Ganz wie im richtigen Arbeitsleben wird man dafür angeschnauzt, dass man mitgedacht hat…).

However: Ich bin überzeugt, dass da draußen Millionen von Mitunternehmern herumwerkeln, die ihren Unternehmen täglich den Arsch retten, indem sie auf eigene Gefahr (des Anschisses, der Abmahnung, der Kündigung) das Richtige tun und gegen Policies und Richtlinien verstoßen.

Und genauso sicher ist, dass da draußen gleichzeitig Millionen von Mitarbeitern herumdümpeln, die ihr Unternehmen zu klassischen Pantoffelhelden zurechtgestutzt hat, indem es ihnen hinreichend viel Angst eingebleut hat, auf dass sie fortan brav und kadavergehorsamstreu alle Richtlinien und Policies aber auch sowas von 1:1 umsetzen. – Egal wie sehr sie dem Unternehmen damit schaden und Kunden auf Nimmerwiedersehen frustrieren.

Der Ruhm und die glücklichen Kunden gebühren den Mitunternehmern.

Die Schande und der schleichende Niedergang gebührt in meinen Augen dagegen jenen Geldvermehrungsmaschinen, die sich rein irrtümlich „Unternehmen“ nennen.

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