Alles eine Frage der Technik

Ergebnisorientierung oder Prozessorientierung?

Wirklich eine schwierige Frage. Scheint irgendwie beides wichtig zu sein. Gute Ergebnisse sind auf Dauer unverzichtbar, klar. Aber irgendwie ist ja auch das ganze Ding mit der Prozessorientierung immer mehr im Kommen. Kann man also eigentlich so nicht stellen, diese Frage…

Vielleicht schafft ja ein Blick „in ein ganz anderes Feld des Lebens“ etwas Klarheit:

Woran denken Sie beim Sex? – Geht es für Sie nur darum, ihrem Partner/ihrer Partnerin möglichst viele, möglichst intensive Orgasmen zu bescheren, oder geht es doch vielleicht um etwas ganz anderes…?

Woran denken Sie beim Anbandeln? – Geht es für Sie nur um den „richtigen Spruch zur richtigen Zeit“, um den richtigen Auftritt, die richtige Klamotte, um die richtige Flirttechnik, oder geht es doch vielleicht um etwas ganz anderes…?

Ergebnisorientierung ist ein Fluch. Ein Fluch, dem vor allem wir Männer nur all zu gern erliegen. Denn „wir lieben Technik“. Technik gibt uns das Gefühl, dass die widerständige, chaotische Welt vielleicht doch für uns beherrschbar ist und sie dient uns als Verlängerung unseres allzeit angekratzten Egos.

Die Unternehmenswelt ist männlich geprägt. Machen wir uns nichts vor. Trotz aller Emanzipation und zahlreicher fantastischer und überaus erfolgreicher Business-Frauen sind „die Gesetze, die das Spiel bestimmen“ immer noch die Gesetze, an denen wir Männer uns gerne orientieren und die uns zu liegen scheinen.

Technik ist natürlich kein Problem in sich selber. Technik ist großartig. Im Idealfall macht sie unser Leben wirklich besser und gibt uns zahlreiche neue, ungeahnte Möglichkeiten, uns zu betätigen und „unser Potential zu leben“.

Und auch ein Bekenntnis sollte an dieser Stelle nicht fehlen: Ich selbst liebe Technik auf beide Arten: Die kranke und die wohltuende.

Stoßen wir auf „ein Problem“ im Unternehmenskontext, dann ist unser erster Impuls, es lösen zu wollen (wenn wir nicht schon total drüber, demoralisiert und am innerlich zerbröseln sind…).

Und „bessere Technik“ ist da ein allzeit naheliegende Denkrichtung. Zumal es vielen von uns Freude macht, bessere Techniken zu finden, auszuprobieren oder sogar selbst zu entwickeln.

Das Problem mit der Technik ist nur: Sie macht uns uns selbst vergessen. Konkreter: Sie macht uns unseren inneren Zustände, Haltungen, Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse vergessen.

Liegen leichte und naheliegende Lösungen in Reichweite DIESER Richtung, im Innehalten und mal mitkriegen, was da innerlich so läuft, abgeht und dran ist, DANN ist unsere „gewohnheitsmäßige Flucht in die Technik“ oft verbunden mit einer Verschlimmerung des Problems: Wir entfernen uns noch weiter von unserem Innenleben, werden noch unklarer, was wir eigentlich wollen, fühlen gar nichts mehr, nehmen unsere Bedürfnisse noch weniger wahr…

…und rödeln auf dieser Basis um so effektiver weiter. Kraftvoll, aber völlig orientierungslos geht es dann voran, weiter, immer weiter. Bis wir erschlaffen. Bis wir „es“ geschafft haben und völlig geschafft sind.

Das ist in Unternehmen nicht sehr viel anders als beim Sex.

Wir sollten die Technik beherrschen, aber nicht die Technik uns.

Um „Technik beherrschen“ zu können, ist es keine SO schlechte Idee, einen leidlich ausgeprägten Umgang mit seinem eigenen Innenleben zu pflegen.

Recht untechnisch.

Völlig unqualifiziert.

Weitgehend hilf- und ahnungslos.

Neugierig auf Überraschungen.

Angstvoll angespannt.

Leichthin.

Ergebnisoffen.

Mal schauen, was kommt.

Mal schauen, wer kommt. 😉

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