Spezifisch „männliche“ Selbstbestätigungsnot – Und ihre ertragreichen Folgen für Unternehmen

„Sei ein Mann“ oder „Sei ein richtiger Mann“ – Das sind Sätze, die jedem phänotypisch männlichen Menschen im Nacken sitzen.

„Spezifisch männlich“ möchte ich hier so verstanden wissen, dass die Not, um die es im Folgenden gehen soll, bei Menschen, die vom Erscheinungsbild her als Männer auftreten, in bestimmter Form vorhanden ist und dass es hier in diesem Artikel eben gerade um die genauere Bestimmung dieser spezifischen Not und ihrer Konsequenzen für Unternehmen geht.

Nicht verstanden wissen möchte ich diesen Artikel als die Meinung, „Frauen“ hätten keine Selbstbestätigungsnöte, keinen Ehrgeiz oder schlimmer noch: Frauen hätten in Unternehmen nichts verloren. – Das Gegenteil ist aus meiner Sicht der Fall. – Die spezifische Selbstbestätigungsnot von uns Männern hat aber spezifische Konsequenzen: Für die Betroffenen selbst, für die, die mit ihnen interagieren (egal ob Männer oder Frauen) und für die Unternehmen, denen die Betroffenen ihre Kräfte und Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Diese Konsequenzen unterscheiden sich teilweise von den Konsequenzen der spezifischen Selbstbestätigungsnöte, die Mitunternehmerinnen haben.

Folgt man Björn Süfkes wirklich aufklärerischen Buch „Männerseelen“ (für mich DAS allgemeinverständliche Standardwerk zur männlichen Entwicklungspsychologie), haben viele von uns Männern eine starke Präferenz für Außenorientierung und Ergebnisorientierung („Externalisierungstendenzen“). Diese Beobachtung wird gestützt und geteilt von vielen anderen Autoren zum „Männerthema“.

Nun kann man uns Männer aufgrund dieser Neigungen pathologisieren und uns eine kollektive männliche Neurose attestieren, – oder: Man kann einmal gezielt den Nutzen dieser spezifisch männlichen Neigungen betrachten.

Flapsig dahingeschrieben sind die meisten von uns Männern „Selbstbestätigungssüchtig“. Wir brauchen das Feedback, dass wir „ein Mann“ sind und versuchen uns dieses durch Leistung zu verdienen. Dafür suchen wir uns gezielt Felder oder Spielwiesen, von denen wir annehmen, dass wir in ihnen „gut sind“, wobei viele von uns davon träumen, dort eben nicht nur „gut“, sondern auf „meinem Gebiet der Beste“ zu sein. Als ultimative Bestätigung der eigenen Männlichkeit. – Und als permanente Stressquelle, die uns halb willkommen ist (Ansporn, Aufgabe) und die uns halb ins Grab bringt (Herzinfarkt, Schlaganfall, männliche Depression, Gewalt, Unfälle, sowie alle weiteren denkbaren Formen „männlicher Unvernunft“).

Wie es Vera F. Birkenbihl so schön pointiert zum Ausdruck gebracht hat: „Zeig dass Du ein Mann bist, so lautet die permanente Herausforderung, mit der ein männliches Wesen konfrontiert wird. Die Beweisführung muss mittels Leistung erfolgen.“ – Und weiter zitiert sie Bourdieu, der sagt: „Um einen Mann auszuzeichnen, genügt es zu sagen, ‚Er ist ein Mann.'“ Birkenbihl versäumt nicht, dass die entsprechende Äußerung „Sie ist eine Frau“ eines vergleichbaren Witz‘ entbehrt. (Ca. ab Minute 31:00 in diesem Vortrag)

Wenn wir nun dieses gesellschaftliche Konstrukt mit individualpsychologischen Folgen für einen Moment einmal nicht kritisch in Frage stellen (wofür mir ad hoc unzählige sehr gute Gründe einfallen würden…), dann landen wir vielleicht bei der Position: Wir Männer sind genau richtig, so bekloppt wie wir sind.

Ich selber vertrete gelegentlich die nicht sonderlich neue oder originelle These, dass wir Männer als „Überschuss“ beschrieben werden können und daher auf sehr spezifische Weise darauf angewiesen sind, uns in „sinnvolle Projekte“ einbringen zu können. – So ist beispielsweise der subjektiv empfundene Sinnverlust bei arbeitslosen Männern in meiner Wahrnehmung im Schnitt deutlich höher als bei arbeitslosen Frauen, die auch außerhalb „der Arbeit“ in der Lage sind sinnvolle Beschäftigungen für sich zu finden – und das durchaus nicht NUR innerhalb der Familie!

Diese vermeintliche „Wahrnehmung“ von mir deckt sich mit einer Aussage, die ebenfalls im verlinkten Vortrag von Birkenbihl zitiert wird: „Frauen benötigen zur Orientierung nichts weiter als sich selbst.“

Sollte da wirklich etwas dran sein, dann sind wir Männer in noch höherem Ausmaß oder zumindest aus anderen Gründen als unsere Mitunternehmerinnen darauf angewiesen, dass wir SINNVOLLE UNTERNEHMEN ins Leben bringen und am Leben erhalten.

Diese Annahme wird wiederum durch die erstaunliche Beobachtung gestützt, dass derzeit reihenweise Unternehmen entstehen, die sich  nach eindeutig „weiblichen Prinzipien“ organisieren und die herkömmliche hierarchische Pyramide nicht mehr aufbauen, sowie sich von formalen, nicht bedürfnis-geerdeten Regeln emanzipieren, und stattdessen auf neuen, anderen Wegen interne Orientierung ermöglichen. – Und nahezu ALLE diese Innovationen werden bisher VON MÄNNERN vorangetrieben! – Beinahe möchte ich schreiben: „…gegen ihre eigene Natur…“. Auch wenn man hier deutlich abspeckt, kann man noch sagen: Das ist wenigstens ein bemerkenswerter Vorgang, der (nimmt man bestimmte Theorien zur Grundlage), SO nicht zu erwarten gewesen wäre….

Aus all dem nährt sich bei mir derzeit eine weitere Annahme: Wir Männer entscheiden auf eine sehr spezifische Weise über das Wohl und Wehe der Business- und Unternehmens-Welt, – auf eine Weise, die sich vom Einfluss der heute zu Recht sehr erfolgreichen Frauen auf Unternehmen unterscheidet:

Wir können deutlich kritischer werden, WELCHEN Unternehmen wir unseren spezifischen „Überschuss“ überhaupt zur Verfügung stellen wollen!

Aus meiner Sicht sind gerade wir Männer aus innerer Orientierungslosigkeit und alten Reflexen heraus in diesem Punkt heute noch deutlich zu unkritisch, viel zu wenig anspruchsvoll. – Nach meinem Dafürhalten, geht es gerade für uns Männer darum, diese innere Orientierung immer wieder neu zurückzugewinnen und uns immer wieder neu, uns von unseren alten Reflexen freizumachen, uns jedem dahergelaufenen „Projekt“ zur Verfügung zu stellen, das uns eine Spielwiese für unseren unvermeidlichen  Selbstbestätigungswahnsinn anbietet!

Wir sollten uns unserer Verantwortung als Männer bewusst sein. Und unserer Neigungen. und eben darum sollten wir uns zu schade dafür sein, unsere fantastischen Fähigkeiten Unternehmen in den Rachen zu werfen, die unsere Beteiligung bei näherer Hinsicht nicht verdient haben. – Wir haben eine Verantwortung dafür, was durch unser Zutun an Unternehmerischem ins Leben kommt. Und ob das, was da ins Leben kommt, wirklich lebensfördernd ist oder ob es sich um weitgehend parasitäre Projekte handelt, die da durch unser Zutun entstehen: Um „Unternehmen“, die Leben und Lebensqualität zerstören anstatt menschliches Leben zu erhalten und menschliche Lebensqualität zu steigern.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Spezifisch „männliche“ Selbstbestätigungsnot – Und ihre ertragreichen Folgen für Unternehmen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s