Was „menschlichere“ Unternehmen wirklich bedeuten und brauchen

Die meisten unserer heutigen Unternehmen gleichen Betriebssystemen, auf die man eine nicht kompatible Software installiert hat.

Das „Betriebssystem“, von dem ich hier spreche sind die realen Menschen, die das Unternehmen betreiben, und zwar Menschen in ihrer realen biologischen und entwicklungspsychologischen Verfassung.

Dieses Betriebssystem bietet spezifische Möglichkeiten für zahlreiche Arten verschiedener „Software“, die man auf dieser Grundlage installieren kann. Und zwar ohne, dass es zu überflüssigen Problemen, Fehlermeldungen, Verzögerungen und Systemabstürzen kommt.

Die „Software“, von der ich hier spreche, sind die spezifischen Prozesse, Entscheidungsverfahren und Kommunikationsformen, mit deren hilfe wir uns zu Unternehmen zusammenschließen und im daily business organisieren.

Derzeit ist es in vielen Unternehmen so, dass diese Software einfach installiert wird, weil ähnliche Software auch in anderen Unternehmen installiert ist – Obwohl sie dort auch schon zu den gleichen Problemen führt.

Man hält diese Probleme für „notwendig, unvermeidlich, gegeben, natürlicherweise zur Businesswelt zugehörig“ anstatt sie als das zu sehen, was sie sind: Dummheiten.

Daher sucht man nicht nach Lösungen: Nach besserer „Software“.

Und damit kommen wir zu einem Punkt, in dem das Bild, das ich hier benutze, unstimmig und irreführend wird:

Denn würde es sich wirklich um ein IT-System handeln, an dessen Software wir uns all zu sehr gewöhnt haben und die mit dem gegebenen Betriebssystem inkompatibel ist, würden wir durchaus daran denken, vielleicht mal das Betriebssystem zu wechseln, anstatt neue Software zu entwickeln oder einzukaufen.

DIESE Option haben wir in unseren Unternehmen aber nicht.

Das Betriebssystem: Menschen in ihrer biologischen und entwicklungspsychologischen Verfasstheit sind gegeben. Sie sind wie sie sind. Sie bieten spezifische Möglichkeiten („Software, die gut läuft auf diesem System“) und bestimmte Begrenzungen („Software, die nicht gut läuft auf diesem System“). – Das Betriebssystem ist aber nicht austauschbar.

Wir versuchen uns das manchmal zu verschleiern, in dem wir Mitarbeiter in „TypA/B/C-Mitarbeiter“ unterteilen. Und dann versuchen „C“ loszuwerden und „A“ zu „rekrutieren“.

Das ist aber eine völlige Verkennung der Lage und ihrer Möglichkeiten.

Wir als Menschen sind hinreichend ähnlich, um allgemeine Ableitungen zuzulassen, wie wir unsere Organisationsformen AN UNS anpassen müssen, damit wir in Unternehmen gut zusammen arbeiten können.

Die Unterscheidung in „gute Mitarbeiter / schlechte Mitarbeiter“ ist daher eine der hinderlichsten Konstrukte bei der Entwicklung effizienter und menschenangemessener Organisationen. – Würde es nach mir gehen, würde ich alle Berater, die das verkaufen, in die Wüste schicken. Sie verdienen viel Geld damit, in unseren Unternehmen Reibung aufzubauen und uns das Leben und Zusammenarbeiten zur Hölle zu machen. Im Grunde handelt es sich bei diesen Beratern aber einfach um arme Schweine, um dumme Menschen, die durch ihre eigenen Konzepte schon selbst die Hölle auf Erden erleiden. Sie leben nämlich selbst in permanenter Angst, doch vielleicht zu „Typ C“ zu gehören. – Es ist nämlich unmöglich, ein Konzept zu verkaufen und zu vertreten, das man nicht wenigstens unbewusst auch auf sich selbst anwendet. – Solche Berater zahlen also bereits den Preis für ihre Dummheit und es ist unnötig, sie in die Wüste zu schicken. Dort leben sie nämlich schon jetzt: In einer emotionalen Wüste.

Das heißt aber nicht, dass wir uns selbst dazu verurteilen müssen, in unseren Unternehmen in emotionalen Wüsten zu leben, aus unseren Unternehmen emotionale Wüsten zu machen, oder dass wir es dulden müssen, wenn unser aktuelles Unternehmen einer emotionalen Wüste gleicht.

Was wir tun können, ist zu realisieren:

Mit unserer eigenen Unterscheidung „schlechte / gute Mitarbeiter“ blockieren wir uns selbst in unserer Lösungsfindung: In der Suche nach passender „Software“ für das gegebene „Betriebssystem“.

Das gegebene Betriebssystem bietet nämlich zahlreiche verschiedene Lösungen an, die alle auf diesem Betriebssystem gut laufen.

Im Grunde haben wir die Wahl. Wir können uns die Software aussuchen, die zu unserem Unternehmen am besten passt. Wir können auch experimentieren und ausprobieren. Alle guten Unternehmen, die ich bisher kennen lernen durfte, tun genau das: Sie gehen in den Test-Modus hinsichtlich der „Software“. Aber sie stellen niemals das „Betriebssystem“ in Frage. Denn das Betriebssystem ist eben nicht veränderbar.

Nur „Komponenten“ dieses Betriebssystems sind austauschbar: Sie werden ersetzt durch andere „Komponenten“, die nahezu identische Begrenzungen und Möglichkeiten bieten wie die, die wir eben ausgetauscht haben. Personalaustausch ist daher nahezu niemals die Richtung, in der man Lösungen suchen sollte, wenn es in der Organisation (der Software) hakt. Und doch wird bisher genau DAS regelmäßig getan, weil es auf der Grundlage der fatalen Unterscheidung „gute / schlechte Mitarbeiter“ so naheliegend scheint, hier das Problem und hier die Lösung zu suchen.

Es ist einfach so verführerisch einfach. Doch leider führt es zu nichts. In der Regel läuft es hinterher noch schlechter als vorher.

Einzige Ausnahme:

Menschen, die sich nicht von ihrem liebgewonnenen Bild „schlechter / guter Mitarbeiter“ trennen wollen oder können: DAS sind Komponenten, die wirklich aus dem Betriebssystem entfernt gehören. Sie blockieren die eigentliche Lösung: Die Entwicklung passender Software, neuer, menschengerechtere Organisationsformen.

Diese Komponenten werden nach meiner Auffassung allerdings von KEINEM Unternehmen gebraucht. – Allerhöchstens von Unternehmen, die noch einmal „eine Ehrenrunde drehen wollen“, um für sich noch einmal gründlich herauszufinden, wie es nicht geht.

Alles was wir tun müssen, um auch in unserem Unternehmen zu brauchbarer Software (Organisationsformen) zu kommen ist zu realisieren, dass Unternehmen im Kern aus Menschen bestehen, und dass „Menschen“ bestimmte Möglichkeiten anbieten und bestimmte Möglichkeiten verbieten, wenn auf Dauer gut und mit Synergie zusammengearbeitet werden soll.

Sind „wir“ zufällig Menschen, die „an der Spitze der Organisation stehen“ oder die einfach in unseren Unternehmen relativ viel Einfluss auf die Zusammenarbeit und Organisationsformen (= Wahl der Software) haben, dann hilft es zusätzlich, uns klar zu machen, dass wir Teil des Problems und Teil der Lösung sind. Es liegt an uns.

Und uns klarzumachen, dass wir nahezu exakt das gleiche Betriebssystem mitbringen, das auch alle unsere Mitunternehmer in unser gemeinsames Unternehmen mitbringen.

Es genügt also ein Blick in unsere persönlichen Strukturen, um daraus Kriterien zu gewinnen, was gute und was schlechte Software für unser gegebenes Betriebssystem ist.

Allerdings sollte es schon ein „tiefer Blick“ sein: Einer der die Ebene der oberflächlichen Unterschiede und Gewohnheiten durchstößt und bis auf die Gründe unserer Verhaltensweisen durchdringt:

Dort sind die Gemeinsamkeiten zwischen uns, dort ist das „Betriebssystem“ unseres Unternehmens zu finden: Auf der Ebene unserer Bedürfnisse. Hier sollten wir ansetzen, hier können wir uns verbinden, auf dieser Grundlage können wir dauerhaft gut zusammenarbeiten. Zu unserem Wohl, zum Wohl unseres Unternehmens, zum Wohl unserer Kunden, zum Wohl unserer Investoren und Dienstleister.

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