Mit sich selbst befreundet sein

Viele Menschen wissen nicht, dass und wann sie Empathie benötigen. Ich selbst gehöre zu diesen Menschen.

Viele Menschen wissen nicht, dass man sich Empathie auch selbst geben kann und nicht nur von anderen Menschen geschenkt bekommt. – Das ist etwas, das ich weiß. Aber es gehört zu den vielen wertvollen Dingen, die ich leicht und immer wieder aus den Augen verliere.

Spannend ist, was passiert, wenn man sich selbst länger keine Empathie gibt.

Spannend ist aber auch, wie man das überhaupt machen kann und was die Folgen davon sind, wenn man „sich Empathie gibt“.

Ich weiß es nicht, wie es bei anderen ist, aber wenn ich meine eigene Empathie-Zufuhr vernachlässige, dann werde ich sauer. In der Regel auf andere. – Unbewusst und auf Umwegen versuche ich mir dann „Empathie von anderen zu holen“. Bestätigung, Verständnis, Anerkennung, Aufmerksamkeit und so on.

Das ist um so wirksamer und hartnäckiger, um so unbewusster es abläuft. Ich merke mitunter also währenddessen gar nicht, sondern erst hinterher, was ich da mache.

Und natürlich ist es so, dass ich dann mit anderen anfange so zu verfahren, wie ich gerade mit mir selbst verfahre: Ich verhalte mich dann über kurz oder lang auch anderen gegenüber deutlich weniger empathisch. – Belehre, bin ungeduldig, unwillig, glaube zu schnell, dass ich verstanden habe, worum es geht, beurteile, verurteile, diagnostiziere, analysiere, gebe ungefragt Ratschläge, halte Vorträge, bin distanziert, ziehe mich zurück, werde laut, rede und handle zu schnell, usw. usf.

Der Witz ist, dass ich, wenn ich mich gut mit Selbst-Empathie versorgt habe, gar nicht das Verlangen habe, all das zu tun. – All meine schlechten Angewohnheiten im Umgang mit anderen Menschen fallen dann ab von mir als hätte es sie niemals gegeben.

Wie also kann ich mir überhaupt „Selbst-Empathie geben“?

Vier Formen kommen mir in den Sinn:

– Sich abgrenzen. Freundlich nein-sagen ist sicher eine der wichtigsten und unmittelbar wohltuendsten Formen von Selbst-Empathie. Leider fällt mir das genauso wie vielen Menschen, die ich bei meiner Arbeit kennen lernen darf, mit am schwersten. – Aber genau deswegen ist es auch ein sehr gutes und allzeit verfügbares Übungsfeld für uns alle.

– Bewährte Tools aus der GfK benutzen. – Dort kann man lernen, dass man beinahe JEDES Bedürfnis auch selbst stillen kann. Auch solche, von denen man glaubt, dazu zwingend andere Menschen zu brauchen. – Natürlich tut Zuwendung, Aufmerksamkeit und Anerkennung von anderen unendlich gut. – Aber es macht uns süchtig bis abhängig, wenn wir sie NUR von anderen Menschen bekommen, aber niemals von uns selbst. – Ich muss z.B. an die Geschichte denken, die mir eine sehr gute GfK-Trainerin erzählte: Von einer Kundin, die sich immer bewusst nackt in die warme Morgensonne legte, wenn ihr danach war, sich angenommen und geborgen zu fühlen. – Wie viele Menschen werfen sich in die Arme anderer Menschen, mit dem einzigen Ziel, das gleiche Bedürfnis zu stillen? – Und dagegen ist ja auch rein gar nichts zu sagen. – Aber Menschen, die sich eben selbst viel geben können, sind deutlich weniger abhängig von anderen und EBENDARUM auch deutlich beziehungsfähiger als solche, die andere Menschen ganz dringend gebrauchen müssen…

– Sich Zeit nehmen. Innehalten. – Das muss keine Meditation sein. – Das kann auch das Einmal-mehr-als-sonst-sich-während-der-Arbeit-einen-Tee-machen sein. – Oder die bewusst erbetene Verhandlungspause/Gesprächspause, wenn mal ein Business-Termin schwieriger wird als erwartet. – Oder die verlängerte Mittagspause – Oder die überhaupt eingehaltene Mittagspause – Oder dass man mal bewusst raus und spazieren geht. Ohne Agenda. Und und und. – Auch das ist schwer. Aber die Effekte sind eindeutig. Und ebenfalls unmittelbar wohltuend. – Man kommt auf andere Gedanken. Man hat andere Gefühle. Man kommt wieder in besseren Kontakt mit sich selbst.

– Um Hilfe/Unterstützung bitten – Anderen Menschen die eigene Befindlichkeit offenlegen, in der man grade steckt. – Natürlich nicht jedem dahergelaufenen gegenüber, sondern Menschen, die unser Vertrauen verdienen oder bei denen es einen Versuch wert ist, „das mal anzutesten“. – Bei richtig guten, bewährten Beziehungen auch mal die offene Bitte um „Empathie“, also: „Kannst Du mir bitte einfach mal zuhören. – Ich brauch keinen Ratschlag und kein Mitleid, nur jemanden der mir mal ein Ohr leiht und wirklich zuhört und mich nicht bewertet für das, wie es mir grade geht und was für Gedanken ich grade habe.“ Oder die Kurzform: „Kann ich mich mal eben bei Dir auskotzen? Du musst nichts machen. Bloß zuhören.“ – Auch das hat unmittelbare, großartige Effekte. – Und neben dem, dass man danach besser mit sich selbst befreundet ist, ist man danach manchmal auch besser mit einem anderen Menschen befreundet… 😉

Wer NOCH mehr zu diesem Thema lesen möchte, wird möglicherweise hier fündig.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s