Schwäche und Bedürftigkeit in Unternehmen – Ihr Verschweigen und Ihre Äußerung

Warum wir um ein gewisses Grad an Selbst-Psychologisierung nicht herumkommen, wenn wir in Unternehmen produktiver zusammen arbeiten wollen

Schwäche und Bedürftigkeit, oder freundlicher ausgedrückt: „menschliche Grenzen“ kommen in Unternehmen eigentlich nicht vor. – Das kann man als gegeben hinnehmen. „Es geht eben um Leistung“ und daher kann ja wohl kaum offen über Schwächen die Rede sein. Das wäre so, als würde man die Spielregeln in Unternehmen nicht kennen oder trotz besserer Kenntnis ignorieren.

Man kann aber auch die Ebene wechseln und fragen: Warum ist das eigentlich so? – Allein die Frage nimmt dem Gegebenen zumindest schon einmal seine Selbstverständlichkeit und gibt Alternativen Raum.

Eine mögliche Deutung (nur eine von vielen!) ist z.B. die Folgende: Wir befinden uns nach wie vor in einer Welt, in der „Wirtschaft“ durch und durch männlich geprägt ist. Daran ändert sich auch nicht per se etwas dadurch, dass wir mittlerweile einen viel höheren Anteil von Frauen in der Arbeitswelt vorfinden oder in Führungspositionen. – Die Gesetzmäßigkeiten, „nach denen das Spiel gespielt wird“, finden wir 1:1 so auch in Büchern wieder, die sich mit einer ganz anderen Thematik beschäftigen: Der spezifisch männlichen Entwicklungspsychologie, etwa bei Björn Süfke oder Steve Biddulph.

Um nur ein paar von zahllosen Beispielen zu geben:

  • Die Neigung, in Gruppen feste Hierarchien zu bilden, die für alle eindeutig sichtbar sind, werden empirisch unter Gruppen von Jungen stabil beobachtet, während Gruppen von Mädchen sich nicht in solchen festen Hierarchien organisieren (Biddulph)
  • Konkurrenzorientierung und Sich-Messen ist ein wichtiger Faktor bei der Selbstfindung von Jungen und bleibt auch für die meisten von uns Männern ein leben lang bedeutsam.
  • Die Präferenz von Ergebnisorientierung gegenüber Prozessorientierung („wichtig ist allein, was hinten rauskommt“) ist eine eindeutig männliche Prägung nach dem derzeitigen Stand der empirischen Forschung (Süfke).
  • Die Orientierung an Regeln und Objektivationen (Zahlen, Tabellen, bis hin zu von uns Männern so heißgeliebten Bundesligatabelle) ist eindeutig eine männliche Präferenz. (Süfke).
  • Der Drang zur Expansion und Exploration, der Drang „Grenzen zu überschreiten“, herauszufinden „was geht“, ist eindeutig ein produktiv-problematischer „Nebeneffekt“ von Testosteron. – Spritzt man dem rangniedrigsten Affenmännchen in einer Horde eine hinreichende Dosis Testosteron, „nimmt es den Kampf auf“ und arbeitet sich Männchen für Männchen die Hierarchieebenen nach oben, bis es ganz oben angekommen und „der Herr der Horde“ ist. – Genauso zuverlässig purzelt es das Hierarchietreppchen wieder nach unten, wenn die Wirkung nachlässt. – DAS sind übrigens Tierversuche, die wirklich weh tun. Denn der seelische Stress bei diesem Geschehen nicht nur für „das Versuchsobjekt“, sondern für die ganze Gruppe dürfte erheblich und deutlich schmerzhafter sein als so manch anderer grausame Tierversuch.
  • Die Abwertung von Gefühlen und Bedürfnissen im Business, ja überhaupt eines inneren Dialogs mit all seinen Ambivalenzen entspricht eindeutig dem verschütteten Zugang zum eigenen emotionalen Innenleben, der typisch, um nicht zu sagen konstitutiv für den spezifisch männlichen Entwicklungsprozess ist. Jungen können in unserer Gesellschaft gar keine Männer werden, wenn sie diesen Weg nicht zumindest zum Teil gehen (Süfke).
  • Und und und – Lesen Sie einfach mal in beide verlinkten Bücher rein. Ihnen werden zahlreiche weitere Parallelen zwischen „typisch männlichen Gewohnheiten“ und „Üblichkeiten im Business“ auffallen…

Warum ticken wir Männer aber überhaupt so?

Die Gründe und Einflussfaktoren sind zahlreich. Auf einen bestimmten, für uns Männer durchaus „peinlichen“ Faktor möchte ich hier aber besonders hinweisen, da er aus meiner Sicht einer der wirkmächtigsten Faktoren ist bei dem, „was uns Männer treibt“. Und um so wirkmächtiger als er eben peinlich ist, d.h. vielen für sich selbst gar nicht bewusst und wenn halbwegs bewusst, dann kaum offen thematisierbar.

Mal von der ganzen Thematik „Abwesenheit der Väter und damit der positiven Vorbilder für Jungen im Industriezeitalter“ abgesehen gibt es einen weiteren starken Faktor, der „uns Männer prägt“ und in zahlreichen Aspekten unser Verhalten mitbestimmt: Die Mutter des Jungen, der heute als Mann durch die Gegend läuft und auch „Im Unternehmen seinen Mann steht“.

Es ist nachweisbar, dass sich die Mütter in unserer Gesellschaft ihren Söhnen gegenüber in mehreren Aspekten signifikant anders Verhalten als gegenüber ihren Töchtern. Da ein Großteil der „Begleitungsaufgabe“ nach wie vor von Frauen verrichtet wird, ist das Verhalten der Mütter von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Prägung von Männern und Frauen.

Unter anderem ist die Fürsorge von Müttern Jungen gegenüber deutlich größer (auch weil diese die  mütterliche Fürsorge durch ihren höheren Testosteron-Spiegel lautstärker einfordern) und das Drängen auf Selbstständigkeit deutlich geringer als in ihren Verhaltensmustern gegenüber gleichaltriger Töchtern.

Kurz und trivial: Im relativen Vergleich zu Mädchen werden wir Männer als Jungen von unseren Müttern „verwöhnt“. – Wohlgemerkt: Es handelt sich hier um keine subjektive Einschätzung meinerseits, sondern um ein Faktum, dass durch empirische Forschung als weitestgehend belegt gelten kann.

Was Mütter zu seiner solchen Ungleichbehandlung treibt, ist wiederum selbst relativ komplex, ein Faktor liegt aber sicher in der spezifischen Entwicklungspsychologie des Frau-Werdens. Also indem, was spezifisch Mädchen bei „ihrem Weg zum Frau-Werden“ widerfährt. Das soll hier nicht näher beleuchtet werden. Ich bin auch generell ein Fan davon, dass Männer ihren Mist aufräumen und Frauen ihren Mist. Sprich: Ich würde dieses Thema gern von Frauen verhandelt sehen.

Das Faktum des Verwöhnt-worden-seins als Jungen lässt uns als Männer in einem wirklich brutalen Dilemma zurück:

Dem Imperativ „sei ein Mann“ folgend, reissen wir uns intuitiv von dieser Verwöhntheit los und es kommen zu dem, was man in der Psychologie manchmal „Abspaltung“ nennt. – Wir schaffen den Schritt zum Mann nur, indem wir uns von allem, was wir für uns als Kindlich-Unmännlich definieren, gewaltsam losreissen. Dazu gehört alles aus dem Bereich Schwäche und Bedürftigkeit. – Wir verstellen uns systematisch den Zugang zu allem, was in diese Richtung geht. – Hier geht es um keine graduelle Reduzierung. „Abspaltung“ bedeutet, dass wir diese Anteile als nicht mehr „zu uns gehörig“ wahrnehmen. Das heißt: Schwäche und Bedürftigkeit werden nicht reguliert, sondern gar nicht mehr von uns wahrgenommen. Obwohl sie weiter vorhanden sind.

Dieser Hintergrund erläutert viele beobachtbare Effekte:

Das unter Männern verbreitete „Schaffen bis der Arzt kommt“. – Oder eben das beliebte gar nicht erst zum Arzt gehen. „Geht doch noch“.

Dass Männer, wenn sie dieses Selbstbild nicht aufrecht erhalten können, wirklich zusammenbrechen. – Die damit verbundene weitaus höhere Selbstmordrate unter Männern.

Auch das was an uns Männern nervt, dass wir uns derart produzieren und darstellen können, überdeckt eine dahinter liegende Bedürftigkeit und Unsicherheit: Dass wir uns derart produzieren MÜSSEN, um sich möglichst weit von jenem Jungen zu entfernen. Die ganze Pracht und Großartigkeit von Männern sieht recht erbärmlich aus, wenn man das Zwanghafte und Angstvolle im Auge hat, das Männer zu dieser zur Schau gestellten Pracht und Großartigkeit treibt. All die tollen Projekte und Unternehmen, all die herausragenden Leitungen und die Championship „auf meinem Gebiet“: All das schrumpft zusammen zu Abfallprodukten einer der Flucht vor dem Teil, der abgespalten werden musste, damit Mann in den Spiegel schauen kann.

„Mann sein ist harte Arbeit und Du kannst Dir nie sicher sein, dass Du angekommen bist. Du kannst es Dir und anderen höchstens vorspielen, dass Du angekommen bist.“

Auch das, was Vera F. Birkenbihl über das Verhalten von Männern beim Untergang der Titanic berichtet, passt sehr gut in dieses Bild: Absolute Ruhe und selbstverständliche Opferbereitschaft. Ein „ich und meine Bedürfnisse nicht so wichtig.“

Auch unsere Vorliebe für Wettbewerbe, für Zahlen und Tabellen hat hier einen ihrer Gründe: Wenn man Leistung „objektiv messen“ kann, dann ist man auf der sicheren Seite oder weiß zumindest, was man dafür tun kann, um auf die sichere Seite zu kommen. – „Mann sein“ muss man sich verdienen.

Das sprichwörtliche „Kind im Manne“ existiert aber im Schatten dieser Selbstdarstellung und permanenten Zwang zur Selbstbestätigung der eigenen männlichen Identität weiter.

Wird ein Mann seiner Schwächen und Bedürftigkeiten aber zwischendurch einmal gewahr, hat er große Probleme, sie anzunehmen (außer er macht einen Wettbewerb in demonstrativer Gelassenheit daraus) und sie in Worte zu fassen. Das betrifft nicht nur die Kommunikation nach außen, auch die Fähigkeit, sich selbst klar zu machen, was da gerade mit einem los ist, ist bereits eingeschränkt. – Daher die Gewaltausbrüche aus innerer Hilflosigkeit, die so männertypisch sind.

Auch Hilfe anzunehmen ist für uns in der Regel mehr als ein Problem: Es ist eine Bedrohung dessen, was man sich hart erarbeitet hat: Die größtmögliche Distanz zum „Muttersöhnchen“, das die meisten von uns völlig unverschuldet einmal waren.

Nicht von ungefähr sind die Teilnehmer von „Persönlichkeitsentwicklungs“-Angeboten stabil zu gefühlten 80% Frauen. Das Gleiche gilt für die Käufer von Lebensratgebern und für freiwillige Inanspruchnahme von Coachings und Therapien. – Auch DASS es überhaupt so etwas wie ein von Therapie abgesetztes Format wie „Coaching“ gibt, liegt zumindest zu einem gewissen Teil am männlichen Bedürfnis, „keinen Therapiebedarf zu haben“ (= mit mir stimmt ja wohl alles!). „Coaching“: Das klingt eben nach Sport, nach einem Trainer, den man sich nimmt, um die eigene Leistung zu steigern und noch das letzte Quäntchen an eigenem Potential aus einem herauszukitzeln. – DAMIT können wir gut. Aber „Therapie“…? – Das ist per se ein Messer in die Wunde des immer blutenden männlichen Ego.

Der fehlende Zugang zu eigenen Grenzen, zur eigenen schwachen Seite, zur eigenen Bedürftigkeit macht aus uns Männern „das wahrhaft schwache Geschlecht“. – Unsere Unterlegenheit in verbalen Konflikten mit unseren Frauen hat hier ihre Wurzel. Männer, die sich in ihrer privaten Beziehung auf eine angemessene Weise durchsetzen können, gibt es durchaus. Aber sie sind rar. Und es sind immer Männer, die sich einen vergleichweise guten Innenzugang bewahrt oder wieder neu erarbeitet haben.

Dass wir so sind, wie wir eben sind, ist aus meiner Sicht eine „naturgewollte Notwendigkeit“. Wir sind also nicht „falsch“ so wie wir sind, selbst wenn meine obigen Beschreibungen das vielleicht nahe zu legen scheinen. – Es hat ganz klar Vorteile „für die Gattung Mensch“, dass die Hälfte ihrer Individuen so ticken, wie wir eben ticken. – Der ganze zivilisatorische Prozess, den wir hinter uns haben, ist aus meiner Sicht undenkbar, bestünde die Menschheit „nur aus Frauen“ oder „nur aus Männern“. (Man sollte ja nicht vergessen, dass es bei anderen Arten durchaus Formen der asexuellen Reproduktion gibt, zur reinen Arterhaltung ist die Aufteilung in zwei Geschlechter also nicht zwingend notwendig).

Es ist aber durchaus die Frage, „was wir mit den Unterschieden anfangen“, die wir da ins Nest gelegt bekommen.

Es gibt dabei auch eine sehr persönliche Erfahrung, die mich misstrauisch gegen naheliegende und einseitige Lösungen macht: Ich selbst bin zufällig ein Mann, der sich von Kindesbeinen an gegen das Mann-Sein und Mann-Werden gewehrt hat. – Und zwar ein wenig über das Normalmaß des Ödipalen („ich bin der bessere Mann“) und der Umwegidentifikation („ein Mann, das ist eine Nicht-Frau“) hinaus.

Aus verschiedenen Gründen erschien mir die Perspektive: „Werden wie mein Vater“ schon als sehr kleines Kind extrem unattraktiv. – Wie man sich vielleicht vorstellen kann, führt so eine Haltung in verschiedene unschöne oder zumindest unbequeme Situationen und vor allem in eine anhaltende Unsicherheit und Verwirrung.

Der Mehrwert für das Thema hier ist aber: Ich konnte mir einen recht guten Zugang zu meinen Schwächen und Bedürftigkeiten erhalten. – Und: Ich habe erfahren, wie es einem Mann in unserer Gesellschaft ergeht, wenn er sich diesen Zugang erhält.

Von diesen Erfahrungen ausgehend kann ich sagen: Ich kann es recht gut verstehen, wenn man als Mann darauf verzichtet, einen guten Innenzugang zu pflegen. Denn das ist nicht unbedingt ein Spaß, einen Zugang zu den Ambivalenzen des Gefühlslebens zu haben, und damit auch zu dem Hin- und Hergerissensein zwischen männlichem Leistungs- und Geltungsanspruch einerseits und Schwäche- und Bedürftigkeitsgefühlen andererseits. – Vor allem, da wenige positive und anerkannte Beispiele „männlicher Schwäche“ greifbar sind, an denen man sich als heranwachsender Junge und junger Mann orientieren kann.

Insofern scheint mir mein eigener Mann-Werdegang nicht gerade empfehlens- oder nachahmenswert. – Ich wünsche beispielsweise meinem eigenen Sohn, dass er für sich einen etwas anderen Weg finden kann, dem ich ihm selbst nur in Teilen positiv vorleben kann. – Auch das schmerzt.

Nun geben aber genau die Normalneurotiker, die die meisten von uns sind, unseren Unternehmen ihren auch heute noch völlig einseitigen Ton an:

Unternehmen leiden wie oben beschrieben an recht ähnlichen Tabus, Strategien und Abspaltungen, wie sie für die männliche Identitätsaufrechterhaltung von zentraler Bedeutung ist. – Große Teile unserer verbreiteten Auffassung von „Professionalität“ sind in meinen Augen krankhaft männlich. – Oder um es freundlicher zu sagen: Unternehmen in ihrer bisherigen Form sind gute Orte zur Aufrechterhaltung klassischer männlicher Identität. – Aber auch gute Orte für tiefe männliche Identitätsverletzungen (z.B. bei Kündigungen nach langer Betriebszugehörigkeit oder bei Degradierung oder wenn „Leistungen nicht gesehen werden“).

Die Unternehmenswelt beginnt sich jedoch gerade zu wandeln. – An die Stelle der klassischen Pyramide, die gerade uns Männern sagt, wo unser Platz im Rudel ist, treten immer öfter Netzwerke mit wechselnden oder situativen Hierarchien.

An die Stelle fester Zugehörigkeiten treten Arbeitsbiografien voller Brüche, Sidesteps, Downshifts und Sprünge.

Ein lebendiges Bewusstsein für Beziehungen und Bedürfnisse wird wichtiger, um dauerhaft Erfolg zu haben. – Ein Minenfeld der Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten. Nichts, das man maximieren könnte, nirgends.

Auf all das sind wir Männer sehr schlecht vorbereitet. – Sowohl von unserer biologischen Ausstattung her als auch von unserem entwicklungspsychologischen Werdegang zum Mann. – Aber nur Letzteres können wir beeinflussen.

Ich bin der Auffassung, dass Beides: Wir Männer und unsere Unternehmen nicht um eine handfeste Form von „Psychologisierung“ herumkommen werden.

Ich glaube auch, dass das weh tun und ziemlich unangenehm für alle wird.

Da wir aber eine Horde von freilaufenden Normalneurotikern sind, werden wir auch das überleben: Dass wir uns den spezifisch männlichen Formen von Verrücktheit stellen. Nicht mit dem Ziel, sie abzuschaffen, sondern ihnen einfach nur ins Auge zu schauen und vielleicht auch einfach über sie zu lachen…

Wir werden in Zukunft mehr von dem tun, was uns WIRKLICH schwer fällt. Deutlich schwerer als „täglich Höchstleistungen zu bringen“ (die ja „nur“ unsere männliche Identität bestätigt).

Wir werden unsere Schwäche häufiger wahrnehmen und häufiger annehmen. Und wir werden uns häufiger helfen lassen und auch aktiv um Unterstützung bitten.

Und wir werden genau dabei „echte Männer“ sein.

Denn es ist ja so: Ist die männliche Identität nicht wirklich bedroht, ist sie wirklich sicher, ist es sehr viel leichter, um Hilfe zu bitten. Denn genau DANN bedroht das Fühlen der eigenen Bedürftigkeit und Schwäche, ihre offene Äußerung und die Bitte um Unterstützung, das „Ich bin KEIN Supermann“, das „Ich habe Grenzen“ eben nicht gleich die ganze Identität als Mann.

Die „harten Männer“ aus Hollywood, von den erbarmungslosen John Wayne, Charles Bronson und Steve McQueen über die gewalttätigen Arnie, Sylvester und Clint bis hin zu den coolen  Clooney und Pitt: Sie alle sind ja keine Männer, die sich ihres Mann-Seins sicher sein können.

Erst nach der Verletzlichkeit und der Sicherheit, mit ihr in Kontakt zu stehen, ist ein vergleichsweise entspanntes Mann-Sein möglich.

Und auch erst dann werden sich unsere Unternehmen nach und nach beruhigen, und neben dem Yang, das dort allzeit hohe Wellen schlägt, etwas Yin in ihre Prozesse integrieren können.

Dass es uns möglich ist, „neuartige Unternehmen“ zu schaffen, während wir Männer so klammheimlich tief verunsichert bleiben, wie wir es eben mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln der hyperaktiven Verdrängung sind, halte ich für recht naiv. – Daher werden wir über „rein technische Lösungen“ (die wir Männer lieben und bevorzugen) sicher nicht zu bedürfnisorientierten, gesunden Unternehmen kommen.

Es geht nicht nur um coole Tools, neue Organisationsformen und einen anderen Führungsstil. – All das wird uns den schalen, alten Wein in neuen Schläuchen bringen.

Ich glaube, dass es Zeit wird, dass die echte, die harte Psychologie in unsere Unternehmen Einzug hält. – Nicht der windelweiche Abklatsch, den wir heute dort in Form von leicht bekömmlichen Management-Seminaren vorgekaut bekommen.

Es muss weh tun, Freunde! – Nicht dort, wo es uns leicht fällt, den Schmerz auszuhalten, nicht dort, wo wir immer schon „Helden des Schmerzes“ waren. Nicht dort wo unsere übliche Opferbereitschaft unseren Ruhm nur noch mehrt und unser männliches Ego zärtlich streichelt.

Sondern dort, wo wir wirklich heftiges Zähneklappern bekommen, wo uns das Herz in die Hose rutscht, wo wir anhaltend erbleichen und wo uns unsere mühevoll zusammengeschusterte und aufrechterhaltene Welt so gründlich zersplittert, so dass wir aus den Scherben nicht mehr klug werden, wir lautlos heulend im Nichts stehen und nicht mehr ein noch aus wissen…

In aller Deutlichkeit: Es geht beim neuen Unternehmertum NICHT um „Leistungssteigerung“. Es geht um die Anerkennung der Grenzen unserer Leistungsfähigkeit. Und diese Grenzen nicht nur „denkend zu verstehen“, sondern sich auf sie einzulassen, sie an sich heranzulassen, sie zu fühlen, sie etwas mit einem machen zu lassen. Vollständig die Kontrolle zu verlieren. DAS ist der Bringer.

Neu ist das nicht. Aber ich wollte es auch hier noch einmal gesagt haben.

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4 Gedanken zu “Schwäche und Bedürftigkeit in Unternehmen – Ihr Verschweigen und Ihre Äußerung

  1. Vor wenigen Tagen hat sich bei mir (übrigens in München) mein nächstes Thema für eine eigene Aufstellung (ich leite ja nicht nur, sondern verwende diese Methode genauso zu meiner eigenen Entwicklung) herauskristallisiert: „Ich will in gutem Kontakt sein mit meiner Angst vor dem Leben.“
    Dein Artikel berührt mein Herz.
    LG Ewald

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    • Danke Dir Ewald für Deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber, dass Du Wege für Dich gefunden hast, gut mit Dir in Kontakt zu sein!

      Ich denke, das braucht jeder von uns und vielleicht hilft da jedem etwas anderes. Ich glaube auch, dass das eine lebenslange „Aufgabe“ bleibt, so einen Kontakt immer wieder mal aktiv aufzunehmen und aufzufrischen, eine Aufgabe, die wenn’s gut läuft, vielleicht zu einer guten, liebgewonnenen Gewohnheit werden kann und sich dann vielleicht gar nicht mehr wie eine Aufgabe anfühlt.

      Ich bin ehrlich gesagt auch überrascht, dass so ein komplexer und leicht verkopfter Artikel von mir überhaupt Herzen berühren kann. Aber natürlich freue ich mich trotz meiner ersten Überraschung sehr darüber, dass das möglich ist und Du das auch hier mitgeteilt hast! 🙂

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