Liebe zum Unternehmen – Eine Klarstellung

Dieser Blog heißt nicht von ungefähr „in love with your company“. – Das heißt: Er ist kein schön klingender Titel oder eine Marketing-Idee. – Der Name ist mehr Ausdruck einer sagen wir mal „emotionalen Analyse“, wobei auch das wieder missverständlich ist: Keine „Analyse der Emotionen“, sondern eine eben gefühlvolle, gefühlte, nicht rein-verkopfte Analyse unserer Aktivitäten im Unternehmerischen Bereich, im Bereich des Zusammen-Etwas-Unternehmens.

„Das Problem“ dabei ist: Viele von uns haben im Moment nicht den geringsten Schimmer, was „Liebe im Business“ überhaupt heißen soll oder dort verloren hat.

Sie fühlen eher nichts, wenn sie sich beruflich betätigen. Und wenn sie etwas fühlen, dann fühlen sie sich nicht sonderlich wohl. Und versuchen dieses Unwohlsein möglichst schnell wieder zu verdrängen. „Mangels gefühlter Alternativen“. Es geht dann ums: Aushalten, Zähne-zusammen-Beißen, ums Eben-gerade-nichts-mehr-Fühlen.

Und wenn in unserer Unternehmenswelt doch einmal von positiven Gefühlen die Rede ist, ist meistens nicht von „Liebe“ die Rede. Man redet dann lieber von „Begeisterung für ein Produkt, für ein Ziel, etc.“ oder von „Engagement“ oder „Commitment“ oder vielem anderen mehr…

Der Kern des Problems bleibt aber nicht die Sprache und die Begriffe, sondern „der rein physiologische Prozess“ dahinter: Dass wir eben reihenweise Menschen haben, die etwas unternehmen, und dabei rein gar nichts mehr empfinden.

Und das aus gutem Grund: Weil sie sich aus Schmerz-Abwehr von allen ihren Gefühlen – angenehmen wie unangenehmen – abgeschottet haben, da sie sich sagen: „Aber ich muss trotz allem doch einfach funktionieren“.

Nun geht es hier um langfristige, echte Beziehungen im Business und im Unternehmertum. – Und jeder, der schon einmal privat in einer „echten Beziehung“ war, weiß: „Diese Liebe“ fühlt sich in unterschiedlichem Momenten höchst unterschiedlich an.

Sind die romantischen Aufgeregtheits-Zeiten erst einmal vorbei, hat man in solchen Beziehungen die ganze Bandbreite von Gefühlen, jede Menge Drama, versteckte, verkappte Gefühle, Gefühlsausbrüche, überraschende Gefühle, neue Gefühle, alte Gefühle, die wieder hochkommen, vermeintlich widersprüchliche Gefühle, „die man nicht gleichzeitig haben darf und die man daher besser ganz schnell aus dem Bewusstsein wegdrückt“, etc.

Und es gibt keinen Grund, warum das bei der „Liebe im Business“ oder der „Liebe zum eigenen Unternehmen“ irgendwie anders sein sollte.

Und das wiederum heißt: „Liebe zum Unternehmen“ meint gerade NICHT jenes rein vorgespielte, sehr amerikanische „We think it’s all so awesome!“

Sondern vielmehr, dass da eine echte, lebendige Beziehung am Werk ist, mit allen Auf- und Abs und eben auch allen Emotionen inklusive Angst, Wut, Ohnmacht, Scham, und ja, manchmal sogar Hass.

Wenn von „Liebe zu Untenrehmen“ die Rede ist, kann also kein dauerhaftes Hochgefühl das Thema sein, sondern eher eine relativ dauerhafte Bindung, in der eine große emotionale Bandbreite Raum hat. Und das heißt: In der sie auch gelebt und ausgedrückt werden kann, ohne dass das einem um die Ohren fliegt.

Daher bin ich auch ein so vehementer Gegner eines bestimmten, besonders fatalen Verständnisses von Professionalität, das in reine Zweck-Ehen, das heißt: lieblose Ehen münden muss.

Alles entscheidend ist aber ein ganz anderer Punkt: „Liebe zum Unternehmen“ ist die Liebe zu einem Abstraktum. Und Abstrakta können wir als Menschen nicht wirklich lieben (außer wir sind philosophisch verdorben, aber das ist ein anderes Thema… 😉 ). Um überhaupt lieben zu können, brauchen wir ein „liebenswertes“ menschliches Gegenüber.

Das heißt: Die Liebe zum Unternehmen läuft über die Liebe zu den Menschen, mit denen ich in meinem unternehmerischen Handeln zu tun habe: Zu meinen Mitunternehmern, zu meinen Kunden, zu meinen Dienstleistern, zu meinen Investoren, und wem ich an „Stakeholdern“ im Umfeld meines Unternehmens noch alles begegne.

In diesen Beziehungen brauchen meine Gefühle Raum, wenn ich „Liebe zum Unternehmen“ leben und erhalten will. Und wenn es diesen Raum in diesen Beziehungen scheinbar nicht gibt, muss ich nach Wegen suchen, mir diesen Raum zu schaffen, wenn ich „Liebe zu meinem Unternehmen“ will.

Und noch einmal: Das vermeintliche „Hochgefühl der Liebe“ kann hier nicht das Ziel sein. Es ist mehr ein „willkommener Nebeneffekt“, der sich hin und wieder in langjährigen Beziehungen einstellt, wenn wir ein Umfeld geschaffen haben, in dem wir Gefühle weitgehend gefahrlos (aber nicht risikolos) leben können.

Auf die Schaffung dieses Umfelds können wir uns Konzentrieren, wenn wir von „Liebe im Business“ reden. Nicht auf die Liebe selbst. Die kann man nicht anstreben, nicht verordnen, nicht einfordern. Denn das ist der Tod der Liebe.

Gefühle hat man, man kann sie nicht verschreiben. – Und weil man sie „einfach hat“, braucht man sie auch nicht zu verschreiben. – Was man verschreiben kann (und was ich hier auf ilwyc verschreibe an Tagen, an denen ich meine 7 Sinne beisammen habe), ist das Weglassen derjenigen Dinge, die uns dazu bringen, uns von unseren Gefühlen abzuspalten, sie nicht mehr wahrzunehmen und sie nicht mehr auszudrücken. Dinge wie „Recruiting“, „Karriere“, „Talentmanagement“, „Reporting Lines“ and so on…

Denn „Liebe“ ist der natürliche Zustand von uns allen. – Auch und gerade dann, wenn wir gerade etwas unternehmen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Liebe zum Unternehmen – Eine Klarstellung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s