Die Entstörung der individuellen Beziehung der Mitunternehmer zur Unternehmens-Mission

Vom antiken Philosophen Diogenes von Sinope wird berichtet, er hätte, als ihn Alexander der Große einmal besuchte und nach einem Wunsch fragte, nur einen einzigen geäußert:

Dass der große Alexander ihm bitteschön aus der Sonne gehen möge. (http://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_von_Sinope)

Analog könnten heutige Mitunternehmer gegenüber „der Führung“ auch genau einen einzigen Wunsch äußern:

Nicht zwischen sie und die Unternehmensmission zu treten. Den Weg frei zu machen für einen unmittelbaren, eigenen Zugang zur Unternehmensmission, der „Sonne“ oder dem „Herz“ des Unternehmens.

Denn das Bild, dass sich gewöhnlich in Unternehmen zeigt ist Folgendes:

…………\ /……………………………………..o………………………………o
………- O -…………………………………. /|\…………………………… /|\
…………/ \……………………………………. / \…………………………… / \
Unternehmensmission………….Führung……………….Mitarbeiter

In Worten: Die Führungskraft / die Geschäftsführung stellt sich ZWISCHEN die Mission und den Mitarbeiter und stört genau dadurch die unmittelbare Beziehung zwischen Mitarbeiter und Mission.

Dies geschieht in der Regel nicht in böser Absicht. Es ist vielmehr so, dass viele Führungskräfte es geradezu für Ihre Pflicht ansehen, diese Position einzunehmen und „die Mission dem Mitarbeiter zu vermitteln“.

Genau durch dieses Pflichtbewusstsein verhindern sie aber, dass Mitarbeiter einen eigenen Bezug zur Mission aufbauen können. Sie stören damit das Unternehmertum. Eine echte Beziehung zum Unternehmen als Ganzem kann SO nicht entstehen. Mitarbeiter erleben sich in der Folge als eben genau das: Als „Mitarbeiter“ (wenn nicht sogar als „Weisungsempfänger“), keinesfalls aber als Mitunternehmer, die sie eigentlich sind.

Ganz anders in diesem Bild, in dem man NUR Mitunternehmer sieht, keine „Mitarbeiter“ mehr:

………………………….o………………………………o
…………………………/|\…………………………… /|\
…………………………/ \……………………………. / \
.
…..o………………………………\ /…………………………………..o
…./|\…………………………. – O -………………………………. /|\
…./ \……………………………. / \…………………………………. / \
.
………………………….o……………………………….o
………………………../|\……………………………. /|\
………………………../ \…………………………….. / \

Wo ist hier, in DIESEM Bild aber die „Führungkraft“ oder die „Geschäftsführung“?

Vorab: Ich würde in so einer Konstellation gar nicht mehr von „Führung“ sprechen. Diese Redeweise erscheint mir nicht sachgemäß, unzutreffend, ein Relikt einer vergangenen Zeit, die erst allmählich zu begreifen beginnt, dass sie schon zu Ende ist.

Daher formuliere ich die Frage um:
Wo haben in diesem Bild diejenigen Menschen im Platz, die im Unternehmen keine Aufgaben haben, die ganz unmittelbaren Missionsbezug haben? (- und damit keinen unmittelbaren Kundenbezug, siehe meine Erläuterungen hier).

Wo passen Menschen ins Bild, die nicht der Mission dienen, sondern die den Menschen dienen, die unmittelbar der Unternehmensmission dienen?

Die Antwort ist offensichtlich, oder?

– Diese Menschen finden sich in einem WEITEREN Kreis um die Menschen HERUM, die in unmittelbarem Bezug zur Unternehmensmission stehen:

……………………..o…………………………………….o……………………(ZUSÄTZLICHER
……………………./|\…………………………………. /|\………………………..Kreis aus
……………………../ \…………………………………. / \ …………………..“Moderatoren“ …………………………………………………………………………..und internen Dienstleistern)

…………………………o……………………………….o
………………………../|\……………………………. /|\
………………………../ \…………………………….. / \
.
…..o………………………………\ /…………………………………..o
…./|\…………………………. – O -………………………………. /|\
…./ \……………………………. / \…………………………………. / \
…………………………………………………………………………………………(Mitunternehmer……………………………………………………………………………………………..rund um die Unternehmens-Mission)…………………..

………………………..o………………………………..o
………………………../|\……………………………. /|\
………………………../ \…………………………….. / \

Im Gegensatz zu bisherigen Modellen von „Führung“ und „Unternehmensleitung“ sind diese Menschen also weiter weg von der Mission als die anderen Mitunternehmer, nicht näher dran.

Das veränderte Bild erkennt an, dass es Mitunternehmer mit Missionsbezug UND ZUGLEICH mit Kollegenbezug gibt und ANDERE Mitunternehmer allein mit Kollegenbezug: Die sogenannten „Moderatoren“.

Eben wie oben beschrieben: Moderatoren sind Mitunternehmer, deren alleinige Aufgabe es ist, anderen Mitunternehmern zu dienen. Mitunternehmern, die der gemeinsamen Mission in einer unmittelbareren Weise dienen als die Moderatoren selber.

Die Mission ist dennoch die Verbindung aller, die Mitte, um die herum man sich zusammengefunden hat, um gemeinsam: ALS EIN UNTERNEHMEN bestimmten Kundenbedürfnissen zu dienen. Ohne gemeinsame Mission kein gemeinsames Unternehmen.

Der Fokus der Moderatoren sind Mitunternehmerbedürfnisse, nicht Kundenbedürfnisse. NUR DAS unterscheidet sie von anderen Mitunternehmern.

Interessanterweise ist das GENAU das Modell, auf das moderne Unternehmen kommen, die ihre Betriebsabläufe zeitgemäß verändern. Dazu gehört z.B. HHPBerlin.

Von HHP liegt mir eine Darstellung der dortigen Unternehmensstruktur vor, die ich öffentlich teilen darf und die ich jedem gerne zusende, der sich damit genauer beschäftigen möchte. – Wer diese Präsentation haben möchte, darf mich dazu also gerne einfach „an-xingen“, mailen oder anrufen! :-))

Was wir in Unternehmen heute brauchen, ist eine Entstörung der unmittelbaren Beziehungen zwischen den Menschen, die eine unmittelbare Beziehung haben sollten, damit Zusammenarbeit wirklich effizient ablaufen kann. Beziehungen sind „das Schmiermittel der Zusammenarbeit“. Dieses Schmiermittel haben bisherige Systeme „aus dem Betrieb genommen“, indem sie abgetrennte Abteilungen und Formalisierungen als Organisationsform gewählt haben. Und eben „Führungskräfte“, die allein „verantwortlich“ und „zuständig“ sind.

– Was passiert aber, wenn man das Schmiermittel aus einem hochdynamischen Geschehen nimmt? Es gibt viel zu viel Reibung und der ganze Laden überhitzt…

Was wir dabei aber ebenfalls und zusätlich brauchen ist die „Entstörung“ der Beziehung zu unserem Ureigensten: Der eigenen Mission.

Nur wenn wir eine authentische Beziehung zur Mission haben, die im Alltag auch von Bedeutung ist und uns selbst bei ganz kleinen, alltäglichen Entscheidungen Orientierung gibt, haben wir eine Chance, dass wir INNERLICH nicht überhitzen und „auf hohem Niveau durchdrehen“ ohne einen emotionalen Output, der für uns irgendeine Bedeutung hat.

Eben: Arbeit mit Sinn, in der wir uns wiederfinden VS. Arbeit ohne Sinn, die ganz natürlich in Burn-Out führen MUSS.

– Denn unsere bisherigen Unternehmen sind NICHT Missionsgetrieben. Sie sind emotional gesehen wie Autos ohne Motor: Man muss sie ständig von Außen anschieben. Was „Führungskräfte“ dann ja auch als Ihre Aufgabe ansehen und eifrig und pflichtbewusst tun – Auch wenn es auch für sie selber frustrierend ist und offensichtlich nicht funktioniert.

Auch deswegen fühlt sich Business oft so anstrengend an.

Der gleiche „Entstörungsbedarf“ liegt übrigens auch in der Beziehung zwischen Unternehmen und Investoren / Eignern / Geldgebern vor:

Indem zahlreiche „Institutionen“ ZWISCHEN Unternehmen und geld gebenden Menschen treten, WIRD SYSTEMATISCH VERHINDERT, DASS INVESTOREN SINNVOLL INVESTIEREN KÖNNEN.

Es wird uns als Investoren, die wir auch dann sind, wenn wir nur ein kleines Sparkonto bei einer Bank haben, so schwer wie nur möglich gemacht, einen unmittebaren Bezug zu den Unternehmen zu haben, bei denen unser Geld (idealerweise) am Ende landet.

Aus diesem Grund legt ein bedürfnisbewusstes Wirtschaften DIREKTINVESTITIONEN nahe. Genauer: Solche Investitionen, bei denen sich jemand dafür entscheidet, sein Geld direkt den Unternehmen zu geben, mit denen er in Verbindung stehen will, an denen er Anteil haben will, mit denen er eine Beziehung eingehen möchte.

D.h. Impact Investing oder sinnhaftes Investitionsverhalten: Ich finde dieses Unternehmen gut, ich lerne es vorab näher kennen. Und wenn mir gefällt, was ich dabei kennen lerne, DANN investiere ich dort.

Dieses Investitionswesen auf der Grundlage echter „Beziehungen“, die diesen Namen eben auch verdient haben, ist nur dann möglich, wenn man die ganzen Zwischeninstanzen (Banken, Fonds, Versicherungen, etc.) gezielt aus dem Prozess herausnimmt.

Das ist heute – dem Web und unserer kleiner gewordenen Welt sei dank – wesentlich leichter möglich als noch vor ein paar Jahren.

Unternehmen wie z.B. mashup finance machen vor, wie es gehen kann:
http://mashup-finance.de/

Hier ist sinnhaftes Investment möglich: Investment, bei dem ich über meine Geldgabe (anstatt über meine Präsenz und Arbeitskraft) Anteil an der Mission des Unternehmens nehme.

Weil ich DIESE Mission einfach so anziehend finde, dass ich davon ein Teil sein will.

Auch hier ist z.B. ist so ein „Impact Investing“ möglich.

Der Begriff „Impact Investing“ stammt m.W. von Mariana Bozesan. – Und wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, findet man schnell viele, viele Möglichkeiten, sein Geld sinnvoll zu investieren.

[Dieser Artikel ist eine leicht überarbeitet und gekürzte Fassung eines Beitrags, der erstmals am 10.02.2013 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen ist.]

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