Der große Erfolg menschlicher Unternehmen

Der große Vorteil des Konzepts, dass Unternehmen in jeglicher Hinsicht eine zutiefst menschliche Angelegenheit sind (von Menschen, aus Menschen, für Menschen), besteht darin, dass Unternehmen durch diese Selbstsicht beginnen können, die menschlichen Möglichkeiten viel direkter zu nutzen.

Bei technizistisch gedachten und organisierten Unternehmen ist dies nämlich kaum der Fall. – Dort sind die menschlichen Möglichkeiten mehr oder weniger „Betriebsunfälle“ oder undramatischer ausgedrückt: Störungen des Betriebsablaufs.

Nun ist es freilich so, dass Menschen in allen möglichen Zuständen in Unternehmen eintreten. Und auch, dass sie über das unternehmerische Handeln selbst in alle möglichen Zustände kommen.

Beides kann das beste „Recruiting“ und die beste „Personalentwicklung“ nicht verhindern. – Weswegen ich auch von beidem völlig abrate, wenn ich danach gefragt werde (für die Unternehmensbedürfnisse hinter diesen beiden Strategien stehen heute deutlich bessere Alternativen zur Verfügung, mit größerer Erfüllung der jeweiligen Bedürfnisse und geringeren Negativ-Effekten).

Da wir als Mitunternehmer also häufig nicht gerade „in Bestform“ unterwegs sind, ist es jederzeit verlockend, in eine technizistische Sichtweise unseres jeweiligen Unternehmens zu verfallen. In dieser Sichtweise kommt nämlich das „Menscheln“ nicht vor, ja, man kann diese Sichtweise geradezu als Immunisierung gegenüber den Störfaktoren interpretieren, die – leider, leider – von der menschlichen Substanz ausgehen. Im Sinne von: „Was auch immer mit den Mitarbeitern sein mag, der Betrieb wird ungestört weiterlaufen.“ Es geht also um die Sicherstellung eines bestimmten Leistungsniveaus, um Standardisierung und um die Einhaltung eines einmal definierten Standards. Kurz: Um Absicherung.

Diese risikovermeidende, sicherheitsbejahende Haltung kann aber niemals das Potential sicher abrufen, das wir Menschen, so wie wir nunmal einfach sind, in unsere Unternehmen einbringen.

Technizistisch organisierte Unternehmen bleiben aufgrund ihrer hohen Sicherheitsorientierung systematisch unter ihren Möglichkeiten. – Und beginnen ihre Mitunternehmer zunehmend bei der Ausübung ihrer Arbeit zu stören. Eben durch lästige Standards, ein für alle mal definierte Prozesse, kurz: Durch Unflexibilität und Abtötung jeglicher Eigeninitiative und Beiträge jenseits der Standards.

Dieses Problem haben natürlich alle technizistisch organisierten Unternehmen längst erkannt. Aber sie reagieren – naturgemäß – technizistisch auch darauf. Ihre Lösung ist immer: Mehr vom Selben. Es gibt dann Prozesse für Innovation, Anreize zur Einbringung eigener Ideen oder anderer Leistungen über das „Normal-Normierte“ hinaus. Und am Ende gibt es immer Frustration und Klage über die Ach-so-Dienst-nach-Vorschriftigen Mitarbeiter, die so gar nicht unternehmerisch mitdenken wollen…

Ebenso tragikomisch wie vorhersehbar.

Der Hang zum Technizismus hat auch viel mit den Menschen selbst zu tun, die sich technizistisch zu Unternehmen organisieren. Diese trauen sich im Grunde selbst nicht so ganz über den Weg. Unternehmerische Zusammenarbeit erzeugt große, tägliche Nähe. Und Technizismus erzeugt Distanz, die den Anderen, den Mitunternehmer für einen erträglicher macht, wenn man grade selbst nicht so ganz in Form, in seiner Mitte, in gutem Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen ist. – Wenn man’s mit dem freundlichen Sich-Abgrenzen nicht so hat. Wenn man dazu neigt, entweder ständig andere in den eigenen Vorgarten latschen zu lassen; oder dazu, sich viel zu häufig rein Durchsetzungsorientiert zu gebärden, um zu bekommen, was man braucht; oder beides abwechselnd (die häufigste Variante).

Die Form, in der die meisten unserer heutigen Unternehmen immer noch organisiert sind, ist auch ein Spiegelbild und eine Antwort auf unsere schlecht ausgebildete Fähigkeit, mit uns selbst gut zurecht zu kommen: Eigen Bedürfnisse gut wahrzunehmen und uns diese auf sozial verträgliche Art zu erfüllen. Und in der Folge, die Bedürfnisse unserer Mitunternehmer und unserer Kunden gut wahrnehmen und gut auf sie reagieren zu können.

Aber so bleiben wir ständig unter unseren gemeinsamen unternehmerischen Möglichkeiten, die in einer Verbindung über gemeinsames Wichtig-Nehmen bestimmter Bedürfnisse bestünden. Und die über die systematische Nutzung der ganz natürlichen zwischenmenschlichen Möglichkeiten laufen könnte, die uns allen ganz kostenlos zur Verfügung stehen (Spiegelneuronen, natürliche Fähigkeit, Stimmungen und Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen, natürliches Interesse an Kooperation sofern keine akute eigene Not oder Bedrohung besteht, Bedürfnis nach sinnvollem Handeln, etc.).

Die Sicherheitsreservate und die künstlichen Schonhaltungen, in denen wir heute überwiegend „Business machen“, sind deutlich weniger „hart“ und „tough“ als sie vordergründig daher kommen. – Sie sind eher menschlich entkernt und stark ritualisiert und damit eben auch: normiert.

Die vermeintlich „weichen Methoden“ der Kommunikation im Business, eben jene, die echte Bedürfnisorientierung fokussieren, sind für die meisten von uns (mich selbst eingeschlossen) deutlich „härter“ und fordernder als sie vielleicht auf den ersten Blick aussehen mögen.

Sie führen aber mitten hinein in eine volle Nutzung unseres gemeinsamen unternehmerischen Potentials. Aber dazu müssen wir einander auch mit unseren Bedürfnissen (Individualbedürfnissen wie Unternehmensbedürfnissen) konfrontieren können, ohne das gleich „der ganze Laden auseinanderfliegt“.

Hier kann man viel Hilflosigkeit und „nicht-Wissen-wie-denn?“ wahrnehmen.

Das haben die meisten von uns nur in zarten Ansätzen gelernt. Die Toughsten von uns oft am wenigsten, die daher auch erst einmal häufig die Ängstlichsten beim Beschreiten solcher Wege sind.

Das Schöne, wenn man dann aber einmal über diesen Berg ist, besteht darin, dass derart viel von allen Beteiligten abfällt. Dass sich derart viel als Überflüssig oder Nicht-Notwendig entpuppt, was wir vorher dachten in unseren Unternehmen ganz unbedingt zu brauchen, damit der Laden läuft.

Wir brauchen diese Re-Humanisierung unserer Unternehmen. – Denn triviale Technik wird der Komplexität des fundamentalsten Grundbaustoffs unserer Unternehmen niemals gerecht: Der menschlichen Substanz, aus dem JEDES Unternehmen im Grunde besteht und aus dem es sich aufbaut und am Laufen hält.

Ich persönlich wünsche mir Unternehmen, die nicht mehr unter ihren Möglichkeiten bleiben.

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