Das Gute ist der Freund des Besseren

Der Standardspruch sagt ja bekanntlich das Gegenteil aus.

In der Selbstgestaltung von Unternehmen macht aber der obige Titel deutlich mehr Sinn. – Schon in den klassischen Formen der Lösungsorientierten Arbeit nach Steve de Shazer und Co. wird ja in diese Richtung gearbeitet:

„Identifiziere die guten vorhandenen Muster, dasjenige Verhalten, das die gewünschten Effekte hat und das brauchbare Lösungen bringt und verstärke dieses Verhalten dann gezielt durch gemeinsame Aufmerksamkeit. Suche nach funktionierenden Ausnahmen, die in der Realität des Systems schon mal das gebracht haben, was eigentlich gewünscht wird. Erlebe noch einmal, wie gut Du selbst schon einmal warst, und leg die vorhandenen Ressourcen frei, die das damals ermöglicht haben.“

Und: „Arbeite Dich nicht überflüssigerweise an Widerständen ab, die den Mustern, die Du eigentlich in der Vergangenheit ruhen lassen willst, noch mehr Aufmerksamkeit und damit: noch mehr Kraft verleihen.“

„Erkenne Dich selbst“ heißt dann in diesem Moment weniger: „Erkenne Deine Grenzen“. Sondern eher: „Erkenne Dein eigenes Potential und nutze es gezielt für die vorliegende Situation und für die Überwindung Deiner Probleme mit ihr.“

Auch in der Unternehmensbegleitung ist das Prinzip „Das Gute ist der Freund des Besseren“ noch kaum systematisch angekommen. – Dieses Prinzip scheint die Arbeit der Unternehmensbegleiter ja auch irgendwie ad absurdum zu führen: „Wenn schon so viel gut ist, warum sollte man sie überhaupt holen und teuer bezahlen?“

Daher finden Unternehmenberater auch rituell immer viel Schlechtes in Unternehmen. – Und wenn sie es nicht finden, müssen sie es zur Selbstlegitimation eben manchmal er-finden.

Und deswegen braucht auch kein Unternehmen, das sich wirklich in irgendeiner Hinsicht verändern will, „Unternehmensberatung“.

Wir kennen das ja, wenn wir ehrlich sind, auch von uns selbst: In welchem Zustand sind wir wirklich veränderungsbereiter?

Wirklich dann, wenn wir am Boden liegen, wenn an uns von Außen herumgekrittelt wird, wenn man uns das Gefühl gibt, viel falsch gemacht zu haben, und unsere bevorzugten Selbswertschutz-Reflexe greifen („also meine Schuld ist das ja im Grunde nicht“, „die Umstände sind ja auch wirklich zu widrig“, etc.)?

Oder wenn wir in unserer Kraft stehen, unsere vergangenen Erfolge und unsere Fähigkeiten deutlich vor Augen haben, wenn wir Anlass zur Hoffnung haben, unsere Ziele aus eigener Kraft erreichen zu können?

Übrigens kommen auch systematische Untersuchungen dieser beiden „Veränderungs-Pfade“ zu einem ziemlich eindeutigen Ergebnis, was die sicht- und zählbaren Erfolgsbilanzen beider Pfade angeht.

Ach ja: Vielleicht sollte dieser Artikel dann auch mal selbst damit den Anfang machen und lieber funktionierendes Vorhandenes verstärken, anstatt auf dysfunktional Unliebsamem zu herumzuhacken…

…na dann: here we go…!

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