Das Herz eines Unternehmens

„Ein Herz“ im Sinne einer von allen Mitarbeitern geteilten Mission. Das Bild dazu ist ein Kreis von Menschen, in deren Mitte ein Gegenstand steht/liegt, zu dem jeder einzelne in Beziehung steht und der ein sichtbares „Wir“ ermöglicht.

Laut Gregg Kendrick ermöglicht dies, dass nicht mehr „der Chef“ / „der GF“ in der Mitte steht (stehen muss), und das Unternehmen im Modus von „command & control“ abläuft.
Wer mehr zum Background dieses Ansatzes sehen will, kann das hier tun:
http://www.youtube.com/watch?v=m2Qb8VPOWLs (Wenn man grad etwas weniger Zeit hat, aber trotzdem einen Blick drauf werfen will, empfehle ich den Einstieg bei Minute 50:00 in dieses Video).

Die geteilte Mission wird im Konsent gefunden: Das heißt es gibt echten Raum für JEDEN, Bedenken und Unwohlseinsgefühle oder fehlenden eigenen Bezug zu bestimmten Formulierungen der gemeinsamen Mission zu äußern. Solange es auch nur einen einzigen Mitarbeiter gibt, der hier nicht vom eigenen Herzen her voll mit dabei ist oder der sich mit der Mission nicht gut aufgehoben fühlt, wird es extrinsische statt intrinsischer Motivation in der Organisation geben. Mit den bekannten Folgen: Die Mitarbeiter der Organisation müssen dann mit Anreizen und Androhungen dazu gebracht werden, dass sie tun „was sie tun sollen“.

Es gibt viele verwandte Ansätze, die davon ausgehen, dass eine lebendige und sichtbare Vision die uns bekannten und verbreiteten hierarchischen Strukturen in Unternehmen komplett ersetzen können. Dies ist aber der überzeugendste, den ich bisher finden konnte.

Gregg Kendrick spricht beim Finden der Unternehmens-Mission (des Daseins-Sinns der Organisation), das ein echtes „Wir“ überhaupt erst ermöglicht auch von „Herz-Implantation“, also davon, dass ein Herz überhaupt erst eingesetzt wird.

Bei bestehenden Organisationen ist mir persönlich lieber, davon zu sprechen, dass das gemeinsame Herz gemeinsam „entdeckt“ oder „wiederentdeckt“ wird.

Die Leitfrage ist dabei auf jeden Fall im Grunde völlig banal: „Warum sind wir alle eigentlich gemeinsam hier?“

Was hier gemeint ist, muss streng von dem Visions-Bla-Bla unterschieden werden, dass zustande kommt, wenn bloß das Management-Board zusammen kommt, dazu einen Trainer/Moderator engagiert und das, was dann dort erarbeitet wurde, „von oben in die Organisation reinkippt“. Sowas wird aus guten Gründen von nahezu keinem Mitarbeiter ernst genommen. Ähnlich schlimm sind Leitbild-Findungs-Prozesse, bei denen Mitarbeiter eben gerade nicht den Raum bekommen, sich mit all ihren Wünschen, Bedürfnissen und Bedenken einzubringen, bis es wirklich für alle passt und alle wissen, worum es in ihrem (!) Unternehmen eigentlich geht.

„Im Zentrum“ eines jeden Unternehmens steht also ein bestimmtes Kundenbedürfnis.

Genauer: Ein gemeinsamer Wille der Mitunternehmer, sich auf ein bestimmtes Kundenbedürfnis zu konzentrieren und gemeinsam immer wieder neue Wege zu finden, optimal auf DIESES Bedürfnis einzugehen.

Ein Unternehmen, das etwas anderes in seinem Zentrum hat, hat die Bezeichnung „Unternehmen“ nicht verdient, ganz unabhängig davon, was das formale Recht sagt.

Denn was dann ensteht, sind inhaltsleere Rechtsformen, die innen hohl sind und gerade darum außenrum ganz viel Tam-Tam veranstalten müssen, um das Gesamtgebilde durch lauter Flickschusterein irgendwie notdürftig zusammen zu halten.

Es ist kein schönes Gefühl, Teil so einer Sache zu sein, der das Herz fehlt und das daher darauf angewiesen ist, die Sinne aller Beteiligten zu verwirren, um sich am Leben zu erhalten.

Leblose Unternehmen ohne Herz geben der Welt nicht wirklich etwas zurück: Sie versuchen nur, alles Lebendige auszuzehren. Sie brauchen das Prinzip „einseitige Ausbeutung“, sonst gehen bei ihnen die Lichter aus.

Bei echten Unternehmen ist das anders: Sie beleben alle Beteiligten. Es sind partizipative Gebilde auf der Basis freiwilliger und angstfreier Bidnungen, in denen sich das Herzblut der Vielen zu einem neuen Ganzen zusammenfließt.

Die Sinn-Dimension von Unternehmen, die darin liegt, dass man sich gemeinsam auf Dritte: die Kunden konzentriert, macht den entscheidenden Unterschied zwischen Unternehmen und inhaltsleeren und sinnlosen Gelderzeugungsmaschinerien.

 

[Dieser Artikel ist die Zusammenfassung zweier Beiträge die erstmals zwischen dem 17.09.2012 und dem 16.02.2013 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen sind.]

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