Mal wieder: Die Rede von „Werten“

Ganz ohne aktuellen Anlass stieg heute mal wieder in mir hoch, für wie unheilbar diffus und unproduktiv ich die Rede von „Werten“ in den allermeisten mir bekannten Kontexten halte. Besonders aber in Zusammenhang mit Unternehmen, in denen zudem noch oft von „Werten“ in ganz anderer Hinsicht (ROI) die Rede ist, was die Verwirrung dort noch mehr vergrößert.

Mir scheint es so, als ob sich, wann immer man von „Werten“ redet, diese Rede in Bedürfnisorientierung übersetzen ließe, und als ob sie dadurch enorm an Klarheit gewinnen würde.

Denn entweder ist mit dem Satz: „Diese Person/dieses Unternehmen hat die und die Werte“ gemeint: Diese Person/dieses Unternehmen hat die und die Bedürfnisse, nach deren Befriedigung sie strebt. –  Dann ist die Ethik und das Moralisieren raus und es wird klar, dass es einfach um Strategien geht, die möglichst viele dieser Bedürfnisse möglichst umfassend erfüllen, am besten gleichzeitig.

Oder mit dem Satz ist gemeint: „Diese Person/dieses Unternehmen strebt kontinuierlich oder regelmäßig danach, bestimmte Bedürfnisse ANDERER zu erfüllen.“ – Dann ist klar, was ich ganz einfach von jener Person oder jenem Unternehmen erwarten kann. Und diese Erwartung wird vor allem Hinsichtlich ihrer Erfüllung überprüfbar. Auch für jene Person oder jenes Unternehmen selbst.

Warum irgendwer heute noch den Wunsch hat, unbedingt von „Werten“ zu sprechen und damit schwer einzuordnende Nebelkerzen zu zünden, ist mir daher anhaltend wenn nicht sogar zunehmend rätselhaft.

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