Unmittelbare Akzeptanz, wenn jemand eine bestimmte Aufgabe im Unternehmen ablehnt

Mit-Unternehmer sollten Aufgaben ohne Weiteres ablehnen können.

Das betrifft sowohl Aufgaben, die ihnen neu angeboten werden. Als auch Aufgaben, die sie bereits angenommen haben und nun aus besserer Kenntnis wieder abgeben wollen.
– Aufgaben-Annehmer sollten Aufgaben jederzeit ohne Weiteres ablehnen können und solche „Neins“ sollten vom Aufgaben-Anbieter unmittelbar akzeptiert werden. BEIDES unter der kategorischen Annahme, dass sich für JEDE Aufgabe jemand finden wird oder finden lässt, der sie GERNE annimmt und für sich KEINEN Grund für ein begründetes Nein sieht. Das schließt eine zuversichtliche Haltung auf beiden Seiten ein und eine ängstliche Haltung aus. D.h. Zuversicht sowohl beim ablehnenden Aufgaben-Annehmer, als auch Zuversicht beim anbietenden (und „brüskieren“) Aufgaben-Anbieter.

In einer Unternehmens-Kultur, in der ein begründetes „Nein“ für den Einzelnen keine umfassenden negativen Folgen hat, kann ein Problem systematisch ausgehebelt werden, unter dem heute viele Unternehmen leiden:

Die systematische Fehl-Allokation personeller Ressourcen.

Denn was passiert typischerweise in Unternehmenskulturen, in denen ein „Nein“ unüblich ist?

Aufgaben, die dringend erledigt werden müssen, nehmen in solchen Kulturen den Aggregatszustand „heißer Bälle“ an. Sie werden schnell weiter gepasst, sie bleiben in der Mitte des Raumes liegen, ohne dass sie jemand nimmt. – Bis – und erst hier entsteht das systematische Problem – sich ein Mit-Unternehmer dazu hinreissen lässt, diesen „Ball“ an sich zu nehmen.

Das Problem dabei: Die Gründe, aus denen heraus er diesen Ball annimmt. – Denn diese Gründe haben dann in der Regel nichts damit zu tun, dass er die jeweilige Aufgabe gerne annehmen will, sondern mit:
– Falschem Ehrgeiz bis hin zur Profilierungssucht
– Karrierewünschen – also individuellen Fernzielen, die mit dem Wohl des Unternehmens nichts zu tun haben
– Fehlendem Wahrnehmen oder Annehmen eigener Grenzen
– GENERELL: Schlechte Selbstsorge eines Erwachsenen Menschen, die durch externe Anreize angetriggert wird, also schlechte Anreize, mit denen das Unternehmen „seine Menschen“ versorgt.

Für das Unternehmen heißt das: Seine Mit-Unternehmer werden ihre vorhandenen Ressourcen systematisch dort im Unternehmen investieren, wo sie vergleichsweise schlecht aufgehoben sind. Es gäbe für jeden Einzelnen BESSERE Investitionsformen, die dem Unternehmen MEHR nutzen würden. – Doch dazu kommt es nicht, weil die Ressourcen der Mit-Unternehmer durch fehlende „Neins“ an der falschen Stelle gebunden werden.

So kommt es zu einer systematischen Fehl-Allokation von Ressourcen im Unternehmen. Zum Schaden aller: Aufgaben werden schlechter erledigt als das mit GLEICHEM Personal, aber besserer Aufgabenverteilung möglich wäre. Mit-Untnehmer sind frustrierter, weniger inspiriert und weniger motiviert als sie im GLEICHEN Unternehmen mit den in der Summe GLEICHEN anfallenden Aufgaben sein könnten – Wenn die Aufgaben unter ihnen nur passender verteilt wären.

Was braucht ein Unternehmen, das hier anders vorgehen will? Was brauchen die Mit-Unternehmer, die operativ „die Bälle spielen“?

An der Oberfläche: Geduld und gute Nerven. Denn es ist nicht leicht auszuhalten, wenn ein Ball liegen bleibt. Dann kommen Ängste hoch, die Einzelne dazu bringen können, „sich der Aufgabe zu erbarmen“ – obwohl sie das besser lassen sollten!

Damit nun Einzelne nicht Aufgaben annehmen, die sie besser nicht annehmen sollten, braucht es daher noch etwas anderes:

– Die Abschaffung von Karrierepfaden
– Offene Kommunikation über individuelle Bedürfnisse
– Zeit & Raum zum unverfänglichen Austausch über Bedürfnisse (ohne Not, in enstpannter Atmosphäre)
– Wertschätzung bei gleichzeitiger Wertungsfreiheit gegenüber individuellen Bedürfnissen. D.h. die Sichtweise: „Bedürfnisse sind Fakten“ = Unverfügbare Rahmenbedingungen, an denen NICHT „rumgedoktort“ wird. Zur Diskussion stehen nie Bedürfnisse, sondern immer nur bestimmte Bedürfnis-Erfüllungs-Strategien.
– Wechselseitige Kenntnis der Mit-Unternehmer, was für die Mit-Unternehmer gerade persönlich wichtig ist
– Identifikation von persönlichen, individuellen Bedürfnissen mit Unternehmensbedürfnissen. = Die Sichtweise: Die einzelnen Mit-Unternehmer sind „aus sich selbst heraus“ Speaker von Unternehmensbedürfnissen; alles, was für sie Relevanz hat, ist auch unternehmerisch relevant.

Unter diesen Bedingungen hat ein Unternehmen gute Chancen, die systematischen Ressourcen-Fehlallokationen auszuhebeln, unter denen heute so viele Unternehmen leiden.

[Dieser Artikel ist eine leicht bearbeitete Fassung eines Beitrags, der erstmals am 19.12.2012 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen ist.]

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