Die Fehlererwartung als Zielvorgabe an jeden Mitarbeiter

Folgender Artikel ist die unüberarbeitet übernommene Version eines Beitrags, der erstmals am 18.09.2012 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen ist:

Meine Erwartung als Vorgesetzter an jeden einzelnen meiner Mitarbeiter:
1x JEDEN Monat mindestens einen Riesenbockmist bauen.

Die Garantie dafür, dass neue Dinge ausprobiert werden, denn „nur wer nichts tut bzw. nur wer nichts Neues ausprobiert, macht keine Fehler“.

Natürlich garantiert das nicht, dass ich – vor den konkreten Folgen einer konkreten Fehlentscheidung / eines Fehlverhaltens stehend – nicht geneigt bin, „den Mitarbeiter zur Sau zu machen“. Schließlich sind wir alle nur Menschen und die Zusatzbelastungen an Arbeit, die aus „Fehlern“ in der Regel entstehen, will man im ersten Moment einfach nur verfluchen.
– Was aber alle meine Mitarbeiter bekommen, schriftlich, wenn Sie das Gefühl haben, das schriftlich zu brauchen: Meine Fehlererwartung an sie und die Garantie, dass ich mich gegenüber allen anderen außerhalb des Teams vor Sie stellen werde und die volle Verwantwortung für den passierten Fehler übernehme, egal, was mich das kostet. Diese meine Aufforderung dürfen und sollen meine Mitarbeiter mir unter die Nase halten in den Momenten, in denen ich dann geneigt bin, „mich zu vergessen“. Und damit hat sich die Sache.

Wer Innovationskultur und mündige Mitarbeiter will, die unternehmerisch denken, muss sie auch unternehmerisch handeln lassen. Ob das Ernst gemeint ist oder ob das nur in der Unternehmensbroschüre steht, zeigt sich und entscheidet sich eben dann auch „im Ernstfall“: Wenn Fehler passieren.

Unternehmerisches Denken heißt: Trial & error, heißt: Hinterher ist man schlauer, heißt: der Return on invest einer Fehlentscheidung und ihrer Folgekosten sind die gesparten Kosten, die man gehabt hätte, hätte es „den Fehler“ und die Erkenntnisse aus ihm nicht gegeben.

Vor allem aber: Mitarbeiter machen ja nicht nur ständig „Fehler“. Und Mitarbeiter, die auf diese Weise „Anschiss(oder Schlimmeres)-Risikobefreit“ werden, werden Dinge tun und wagen, von denen andere Chefs nur träumen können. Das ist der wahre Return on invest einer konkreten Fehlentscheidung und seiner Kosten: Die vielen Dinge, die erst dadurch entstehen und nur dadurch möglich werden.

Und dabei kann man den Spruch (in seiner bayrischen Variante): „Net gschimpft is globt gnua“ gleich mal mit in die Tonne treten. Mitarbeiter sollen ihre Erfolge erleben, feiern und unternehmensöffentlich machen dürfen, v.a. wenn sie es gewagt haben, neue Wege zu gehen. Denn ein Restrisiko bleibt auch für sie immer: „Wird mein Chef auch bei diesem (möglichen) Fehler, der mir passieren könnte, wenn ich hier jetzt was anders mache, Wort halten?“

Mitarbeiter sind Mit-Unternehmer. Immer und überall. Manche Vorgesetzte machen ihre Mitarbeiter das nur leider vergessen. Weil sie keine Fehlererwartung als monatliche Zielvorgabe aussprechen… 😉

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