Die Bitte an alle Mitarbeiter aller Ebenen, sich offen, unverfälscht & ausführlich auf kununu.com über ihr Unternehmen zu äußern

Folgender Artikel ist die unüberarbeitet übernommene Version eines Beitrags, der erstmals am 20.10.2012 im Rahmen der „Initiative qualitative Marktwirtschaft“ auf Xing erschienen ist:

Diese Bitte werden viele Unternehmen scheuen wie der Teufel das Weihwasser – dabei überwiegen bei näherer Hinsicht bei ihren Konsequenzen die Vorteile ihre Nachteile bei Weitem:

* Das Unternehmen bekommt einen unverfälschten Blick darauf, wo es wirklich steht und kann anfangen, auf die wahre Sachlage einzugehen und in entsprechende Dialoge einzutreten. Alle wissen dann wie alle „ihr Unternehmen“ wirklich sehen. Darauf kann man aufbauen.

* Durch die offenene und kaum vorgesteuerten Möglichkeiten auf Kununu.com werden die Antworten deutlich gehaltvoller als bei internen Unternehmensbefragungen (wie bei offenen vs. geschlossenen Fragen). Diese werden zudem v.a. von Führungskräften, Abteilungsleitern und zugehörigen HR Business Partnern häufig manipuliert. Und zwar gerade von denen, die Ergebnisse der Befragung erwarten, die dringenden Veränderungs- und Handlungsbedarf anzeigen. Diese Verfälschung kann man bei entsprechender Bitte, sich via kununu zu äußern, vermeiden.

* Durch die öffentliche, auch außerhalb des Unternehmens sichtbare Befragung, trifft Transparenz das Unternehmen wie ein Blitzschlag. Das kann – in manchen Fällen, je nachdem was bis dato gelaufen ist im Unternehmen – wirklich weh tun. Aber es ist heilsam. Denn der unschätzbare Gegenwert, der dabei ensteht, ist: Vertrauen. – Und zwar inneres Vertrauen (der Mitarbeiter) genauso wie äußeres (möglicher Bewerber und auch von Kunden und Investoren). Das Signal ist: Hier wird nichts verfälscht, wir stehen dazu, was bei uns Sache ist. – Auf jeden Fall entsteht deutlich mehr Vertrauen als bei den für alle durchschaubaren Versuchen von Personal-Managern, die ihren Prakti auf kununu.com ansetzen und dort reihenweise Fake-Bewertungen abgeben lassen. Auch das gibt’s. Und natürlich gibt es kaum eine größere Dummheit, die man beim Employer Branding machen kann als sich zu solchen Fake-Geschichten hinreissen zu lassen. Es signalisiert v.a. zweierlei: Wille zur hemmungslosen Manipulation und Verzweiflung in der HR-Abteilung.

Und nun zum entscheidenen Problem: In vielen Unternehmen werden Mitarbeiter auf die freundliche Bitte, sich doch auf kununu.com frank und frei zum eigenen Unternehmen zu äußern, mit Verweigerung und Unverständnis reagieren. Es werden Interpretationen durch den Flurfunk wabern von folgender Sorte:
– Die kriegen bestimmt raus, wer was geschrieben hat – Und wer ehrlich seine Meinung sagt, der kriegt massive Probleme und wird gekündigt.
– Die wollen doch nur manipulieren.
– Häh – was soll das denn jetzt schon wieder?

Damit so eine Aktion funktioniert, die Mitarbeiter sich darauf überhaupt bereit sind einzulassen und sich damit überhaupt die beabsichtigten Mehrwerte einstellen, die ich oben umrissen habe, braucht es v.a. eins:
Minimales Restvertrauen der Belegschaft in die Führung. Ist nicht einmal mehr das vorhanden, dann – und nur dann – sollte man von dieser Aktion absehen.

Ich empfehle übrigens, nach dieser Aktion (wenn viele Mitarbeiter ihre Kommentare auf kununu.com eingestellt haben), das als Aufhänger für echte Dialoge auf Augenhöhe mit allen Teilen der Mitarbeiter zu nutzen. – Und die Mitarbeiter dann nach einer Weile zu bitten, ihre Bewertungen auf kununu.com zu verändern, aber eben nur dann, wenn sich für sie wirklich etwas geändert hat. Rein technisch lässt kununu.com als Tool solche Veränderungen jederzeit zu.

Für mich als HRler heißt das: Ich kriege ein zusätzliches, offenes, ungehemmtes Liquid-Feedback, was sich aus Mitarbeiter-Sicht im Unternehmen tut – oder eben nicht tut. Aus meiner Sicht ist das allein schon ein unschätzbarer Mehrwert…

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