Woraus besteht eigentlich ein Unternehmen?

Auf diese Frage kann man sehr viele, sehr unterschiedliche Antworten geben. – Und alle sind sie natürlich Sichtweisen. Noch dazu Sichtweisen auf etwas denkbar irreales, abstraktes. Zumindest wenn wir nicht ein „altes“ Eine-Fabrik-Unternehmen oder einen Handwerksbetrieb vor Augen haben, sondern Unternehmen, so wie wir sie heute in Deutschland in Massen vorfinden, oder zumindest, so wie öffentlich und politisch eben viel von „Unternehmen“ geredet wird.

Man könnte die Frage z.B. rein rechtlich versuchen zu beantworten und wäre dann – vielleicht, vielleicht auch nicht – relativ schnell fertig. Aber eigentlich ist es dann keine Antwort auf unsere „eigentlich-Frage“.

Man könnte auch sagen: Ein Unternehmen besteht aus Prozessen. Oder aus Ideen. Oder aus einer Serie von Produkten mit jeweils eigenen Produktlebenszyklen. Oder aus Kapital in unterschiedlichen Formen. Oder aus Zahlen. Oder, oder, oder…

Da der Gegenstand so abstrakt ist, sind hier dem Definieren keine Grenzen gesetzt. Er wird fast mehr zu einem Akt der puren, haltlosen Fantasie.

Ich würde ja sagen: Ein Unternehmen, das besteht aus Menschen. Bzw.: Aus Menschen, die sich auf unterschiedliche Weise darein geben, zusammentun, um etwas hervorzubringen, dass sie allein so nicht hervorbringen können. – Also das „Unternehmertum“ als eine zutiefst elternhafte Tätigkeit. Nur dass die Kinder keine Menschen sind, sondern etwas, das andere Menschen, die sogenannten „Kunden“, erfreuen soll (da hätten wir dann doch wieder die parallele zu den Kindern).

Zugegeben: Eine naive, eine naiv einfache Antwort.

Aber wohin führt sie uns eigentlich? – Im Zuge meiner langjährigen Beschäftigung mit „eigentlich-Fragen“ habe ich mir angewöhnt, an Fragen wie Antworten dieser Art folgende Frage zu stellen: „Wohin bringt mich das? Wohin führt uns das? Was für Erfahrungen machen wir dann, wenn wir SO denken? (Und nicht so …, und nicht so…)“. – In einer Welt der um unsere Gunst und Zuwendung konkurrierenden Konzepte macht diese Frage durchaus Sinn und hat den unwiderstehlichen Charme, dass wir uns mit ihr als „Kunden des Konzepts“ verstehen können. Wir verschränken also die Arme, lehnen uns skeptisch zurück und „lassen die Antwort mal machen“ – und schauen dabei zu, was da so bei rauskommt und da so für uns drin ist…

Wir können schon mal sagen: Es lässt sich dann alles abbilden, was sich in der klassischen Betriebswirtschaftslehre auch findet. Da fliegt schon mal nichts raus, da geht nichts verloren. – Zumindest nichts Substantielles.

Dann wird wahrscheinlich der Beziehungsbegriff ziemlich wichtig für unsere Unternehmen. Denn wenn Unternehmen „eigentlich“ aus Menschen bestehen, kommt die Frage nach den unterschiedlichen Formen von deren Beziehung auf. – Und die Gestaltbarkeit dieser Beziehungen. Und die Frage danach, welche Beziehungen denn „unternehmerisch wünschenswert“ sind. Und welche weniger.

Dann führt sie dazu, dass Problemlösungen in Unternehmen dann wahrscheinlich weitaus seltener in der Richtung Personalaustausch gesucht werden als bisher. Erst vor Kurzem bin ich auf ein sehr bewegendes Beispiel dafür gestoßen im heute real gelebten Unternehmertum.

Dann führt sie dazu, dass wir wahrscheinlich anfangen, ziemlich kritisch zu überprüfen, was wir für unser Unternehmen wirklich brauchen und was äußerst überflüssig dafür ist. – Denn wenn ein Unternehmen aus Menschen besteht, und diese also eher nicht „Mittel zum Zweck“ sind, wird alles andere Mittel zum Zweck und kann also leichter dahingehend überprüft werden, ob es auch derzeit geeignetes Mittel für diesen Zweck ist (Prozesse, Rechtsform, Kapitalspritzen, Fusionen, usw.). Man kann sich dann leichter von einigen derzeit fest etablierten Lösungsgewohnheiten in Unternehmen trennen und neue Wege gehen.

Und: Menschen haben im Gegensatz zu allem anderen auf der lieben weiten Welt einen großen Vorteil: Man kann sie fragen. Und sie antworten sogar! – Allerdings nur, wenn man sie richtig frägt.

Das heißt, bei jener „kritischen Überprüfung“ können wir unsere Unternehmen (die ja „aus Menschen bestehen“) ganz einfach fragen! Ist das nicht toll? – Ich finde: Das ist der Wahnsinn!

Was aber nun, wenn uns unsere Unternehmen bei ihrer Befragung höchst unterschiedliche, ja widersprüchliche Antworten geben, was gerade wichtig, zweckmäßig, weiterführend, besser für sie sei? – Unterschiedliche Menschen, die mit unterschiedlichem befasst sind, haben ja die höchst unangenehmen Eigenschaft, höchst unterschiedlicher Ansicht zu sein!

Ist es da nicht gefährlich bis hin zur Lebensbedrohlichkeit für ein Unternehmen, wenn man es in seiner ganzen inneren Zerrissenheit zu befragen beginnt und damit seinen ganzen zentrifugalen Kräften auch noch eine Spielwiese, erhöhte Aufmerksamkeit und Zuspruch schenkt und sie dadurch möglicherweise soweit verstärkt, dass es nichts mehr gibt, was das Unternehmen „in seinem Innersten zusammenhält“?

Die Antworten auf diese Frage überlasse ich gerne Ihrer Fantasie. Denn eigentlich finde ich, ich habe hier schon genug geschrieben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s