Das Unternehmen gewinnt und verliert als Ganzes

In lebenserhaltenden Systemen geht es nicht mehr um Höchstleistungen Einzelner sondern um die Kooperationsfähigkeit Vieler.

Steht als Motto auf einer Seite der Autorin Vivian Dittmar.

Dennoch gibt es auch heute noch Berater, die davon leben, dass sie Unternehmen die Typologisierung von Bewerbern und Mitarbeitern in „A-, B- und C-Mitarbeiter“ verkaufen. Nun ja. Man bekommt als Unternehmen eben immer auch die Berater, die man verdient hat.

Schade nur um die Menschen in diesen Unternehmen. Aber vielleicht ist auch hier Mitleid mittlerweile fehl am Platz, auch diese Mitarbeiter treffen ja ihre Entscheidung, auch wenn eine Trennung nach mehr als 10 Jahren Betriebszugehörigkeit nicht nur gefühlt hohe Kosten verursacht, und auch wenn nicht jeder den Luxus hat wie ich, zufällig in einer Region zu leben, in der die Wirtschaft brummt und summt, dass es einem manchmal fast schwindelig und zuviel werden könnte.

Wirklich schade ist es aber um die Essenz jener Unternehmen, um das, was diese Unternehmen sein könnten. Denn mit dem allzunaheliegenden Fokus auf die Leistungen des Einzelnen, davon kann man sicher ausgehen, ist ein Unternehmen systematisch unfähig, „voll zu sich zu kommen“, zu dem, worum es in diesem Unternehmen eigentlich geht, aus welchen Gründen heraus es besteht und woraus es seine Daseinsberechtigung täglich neu bezieht. – Ich habe darüber in anderen Artikeln schon viel geschrieben, darum spare ich mir das für hier, und lasse stattdessen nur geheimnisvoll, geheimnisvoll fallen, dass es um Bedürfnisse geht, Kundenbedürfnisse, Mitarbeiterbedürfnisse, Unternehmensbedürfnisse, Investorenbedürfnisse, Lieferantenbedürfnisse, also eine Innovation, die… – …lassen Sie mich kurz nachdenken… – …mindestens das Label und Prädikat „5.0“ verdient hat. Wow!

Jetzt grade beschäftigt mich die Sache mit unserer übertriebenen Aufmerksamkeit für die Leistungen und Leistungsfähigkeiten einzelner Mitarbeiter mehr. – Zwar gibt es heute gar nicht mehr so wenige klassisch-hierarchisch organisierte Unternehmen, die auf „Teamziele“ setzen. Aber ob das reicht, um hinreichend zu würdigen, dass im unternehmerischen Handeln keine einzige Leistung vorstellbar ist, die nur durch das Tun und Handeln eines Einzelnen zustande kommt? – Ich habe meine Zweifel.

Zweifel habe ich, weil selbst im Fußball, „dem Mannschaftssport in Deutschland schlechthin“, in dem seit vielen Jahrzehnten Sprüche kursieren wie: „Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen“ die Leistung einzelner „Spitzenspieler“ das höchste Interesse von uns Fußballfans genießt. Wir schimpfen über sie, wir himmeln sie an und wir fachsimpeln über kommende oder jüngste Transfers, als würde Gedeih und Verderb unseres Vereins davon abhängen.

Es gibt also wenigstens Neigungen, vielleicht auch Gründe, warum wir gern über Einzelleistungen sprechen.

Der für mich naheliegendste: Über Personen und ihr Handeln kann man leichter sprechen. Unsere Sprache ist dafür besser geeignet. Die Leistung „des Ganzen“ liegt irgendwie „mehr dazwischen“, ist subtiler, flüchtiger, schlechter greifbar.

Lustigerweise verweisen grade Fußballprofis und andere Protagonisten des Fußballgeschäfts öfter mal auf dieses „Dazwischen“. Z.B. wenn ein Torwart vermeintlich patzt („also den hätte er echt haben können“) und sie dann Dinge sagen wie: „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Viel wichtiger sind mir aber die zwei, drei Fehler, die vorher passiert sind, da hätten wir enger stehen müssen.“ (ö.ä.). – Oder es wird auf einen Stürmer geschimpft, der „schon seit 7821 Minuten nicht mehr getroffen hat“ und dann sagt irgendjemand: „Ja schon, aber lassen Sie uns mal über unser Umschaltspiel reden.“

Wie auch immer aber in „normalen Unternehmen“ die Sache mit der Neigung, über Einzelleistungen zu reden, bestellt sein mag, es bleibt doch Fakt: Das Unternehmen gewinnt und verliert als Ganzes.

Für mich ist eher die Frage, wie wir lernen können, darüber auf griffige Weise zu reden, über diese „Leistung des Ganzen“ über dieses „Wir“. Auf eine Weise, die unsere Aufmerksamkeit vom Handeln des Einzelnen immer wieder mal auch ganz natürlich, ganz von allein abziehen kann, weil diese Weise zu reden „aus sich selbst heraus“ spannend oder interessant für uns ist. – Eher eine Aufgabe für Sprachschöpfer als für Controller, finde ich.

Und auch über das, was „Gewinn und Verlust“ im Unternehmen heißt, auch darüber sollte man in diesem Zusammenhang reden und vielleicht neu reden lernen.

Für mich heißt es derzeit: Wir bleiben dran an unseren ureigensten und sehr spezifischen Möglichkeiten, genau den Kundenbedürfnissen immer neu und immer besser zu dienen, denen wir als Unternehmen dienen wollen.

Ein „Gewinn“ wäre in diesem Verständnis: „Ein glücklicher Kunde, den wir auch wirklich als Kunden haben wollen.“

„Ein Verlust“ wäre in diesem Verständnis: „Ein unzufriedener Kunde, den wir eigentlich hätten glücklich machen wollen und können.“

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